![]() JEFF WATERS |
"Wenn ich stoned, betrunken und vollgedröhnt gewesen wäre, hätte ich mich daran erinnert", witzelt Jeff Waters laut prustend und entschuldigt sich damit charmant, daß er den am Abend zuvor angesetzten Interviewtermin verschwitzt hat. Der Ober-Annihilator ist bester Laune - und das ist nicht verwunderlich, denn Studioalbum Numero zehn mit dem Titel "All For You" ist im Kasten und offenbart erneut richtige Killerqualitäten.
Doch woher bekommt Waters den Energieschub, um seinen Songs das nötige Quentchen an Wut zu verpassen? "Es muß nicht Wut auf eine bestimmte Person sein, sondern kann auch eine Enttäuschung oder ganz einfach Aggression sein. Anstatt diesen Ärger mit Alkohol oder Drogen zu bekämpfen oder gar jemanden anzugreifen, habe ich das große Glück, die angestaute Wut durch das Schreiben von Songs abbauen zu können. Wenn ich ein Problem habe, versaue ich dadurch nicht meinem Sohn den Tag, sondern lächle ihn an und gehe dann ins Studio, schnappe mir meine Gitarre und spiele, so schnell ich kann. So baue ich die ganze Anspannung wieder ab." |
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Der Albumtitel "All For You" klingt danach, als würde Jeff seinen Fans mit den zehn neuen Nummern ein Geschenk machen wollen, doch weit gefehlt.
"Das klingt tatsächlich so, hat aber damit gar nichts zu tun. Auf die Idee sind wir gekommen, als wir die Songtitel durchgegangen sind und uns dachten, daß dieser einen perfekten Albumtitel abgeben würde; die Fans würden denken, daß Jeff Waters ein Album nur für sie gemacht hat. Aber das ist nicht so, der Titel sollte lauten 'All For You (Fuck You)'. Das ist ein persönlicher Song, der vermitteln soll, daß der ganze Ärger, der darin steckt, dir gewidmet ist." Den Begriff "Erfolg" definiert jeder Mensch für sich anders, er durchläuft ja im Laufe des Lebens ganz unterschiedliche Stadien. "In den Anfangstagen von Annihilator, als die ersten beiden Alben herauskamen, ging es darum, einen Vertrag zu bekommen, Frauen abzuschleppen, sich zu besaufen und möglichst viel zu rauchen. Blonde Frauen, Bier und Zigaretten, das haben wir mit Erfolg gleichgesetzt", erinnert sich Waters. "Als ich das alles hatte, wollte ich zwei neue Gitarren, dann ein Auto. Als ich dann etwas älter und weiser wurde, bestand Erfolg darin, Reisen zu unternehmen, eine Platte herauszubringen, die den Leuten dann auch noch gefiel, so daß sie die kauften und einen über das Album ausfragten. Darüber hinaus war es toll, Anfragen für Tourneen und Festivals zu bekommen und sein Flugticket auch noch bezahlt zu kriegen. Wenn man sich mal vor Augen hält, wie viele Heavy-Metal-Bands, die 1989 Erfolg hatten, über die 90er Jahre bis ins Jahr 2004 noch aktiv sind, so ist das vielleicht gerade mal ein Prozent. Ich bin mir also durchaus bewußt, daß ich das sehr genießen sollte, denn wie viele Leute haben schon die Gelegenheit, um die Welt zu touren?" |
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Text-Interview: Stephan Treu
Text Internet: Sven Lohnert

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