ARABIA
Sesam öffne dich!

Long Island, New York: Nicht das schlechteste Pflaster für ansprechende Rock-Klänge. Aktuelles Beispiel dafür ist das Quartett Arabia, das sich aus Musikern zusammensetzt, die schon einige Erfahrung im Business hatten, wenngleich der große Durchbruch sich trotz vieler Anläufe noch nicht einstellen wollte. Nachdem vor einigen Jahren drei Viertel des Arabia-Quartetts unter dem Namen Scarecrow mit zwei Releases schon mal einen Versuch zu einem bessern Bekanntheitsgrad unternommen haben, soll es jetzt mit "1001 Nights" endlich klappen.

Und bei der Qualität des Silberlings dürfen wir durchaus hoffen, daß sich die Pforten der Anerkennung für die Herren endlich weit öffnen.

"In meiner bisherigen Laufbahn hatte ich mit einer großen Anzahl unterschiedlichster Leute zu tun", blickt Frontmann John Blaze in unserem längeren Plausch zurück, "wobei unser Basser Dennis St. James mit seiner Aktivität wohl die größte Reputation haben dürfte. Wir sind schon seit fünfzehn, zwanzig Jahren miteinander befreundet und spielten, als ich sechzehn Lenze alt war, zusammen in New York in einer Cover-Band und brachten Sachen von Twisted Sister oder Alice Cooper zum Beispiel. Wir konnten mit unserer Musik zwar keinen Deal bekommen, aber ich zog dieses Tingeln durch die Clubs dennoch für etliche Jahre durch. Man muß ganz einfach sehen, daß es einen Haufen guter Musiker gibt, aber nur wenige den Weg nach oben packen. Ich persönlich sehe mich auch nicht als reinen Sänger, sondern mehr in der Tradition eines Typen wie David Lee Roth, der auf der Bühne einiges losmacht. Zu der Zeit, als ich meine Tätigkeit dann richtig professionell angehen wollte, waren allerdings andere Charaktere gefragt, die über ein Stimmvolumen von mehreren Oktaven verfügen. Und auch wenn ich diesen Gesang mag, so muß ich doch ehrlich zugeben, daß ich das nicht kann, ich singe auf einer anderen Ebene", erklärt Blaze.

"Dennis hatte unsere Cover-Band damals übrigens schon nach zwei Wochen wieder verlassen und landete im Laufe der Zeit bei Balance, Heaven und Paul Stanley", fährt er fort. "Unser damaliger Gitarrist hatte irgendwann auch das große Los gezogen: Es fing mit Joan Jett an, später kamen noch Engagements bei Billy Squier und Michael Bolton dazu. Nach den Cover-Geschichten hatte ich ein Projekt mit dem Twisted Sister-Klampfer, das aber nie übers Anfangsstadium herauskam. Daneben spielte ich beispielsweise noch mit Tony MacAlpine eine Platte ein, die jedoch nie veröffentlicht wurde. Neben etlichen anderen Sachen war da noch die Arbeit mit Bobby Rondinelli [unter anderem Ex-Rainbow, Blue Öyster Cult]. Als Ray Gillen dann zu Badlands wechselte, war ich bei Rondinelli der Nachfolger, wenngleich wir nie irgendwelche Shows spielten. Es war halt auch unheimlich schwer für mich, denn Ray war so fantastisch, daß ich nie in seine Fußstapfen treten konnte. Du siehst, und das war nur ein Teil meiner Laufbahn, daß gewiß genügend Möglichkeiten da waren, es aber aus diesen oder jenen Gründen nie klappen wollte. Dieses Schicksal teile ich jedoch auch mit anderen, so war unser Drummer Bobby Marks zwar bei Cinderella, jedoch reichte es nur zu Jam-Sessions, und er bekam nie die Chance, fest einzusteigen. Auch mit Tangier war er ?ne Weile zusammen und mit einer Formation namens December Child", erzählt der Sänger.

"Dann kam der große Einschnitt für viele Musiker, denn der Geschmack der Massen änderte sich hin zum Grunge. Nirvana und Konsorten waren in aller Munde, und niemand in den Staaten wollte einen Sound hören, der beispielsweise von Whitesnake beeinflußt ist. Zu der Zeit hatte ich auch was mit Al Pitrelli laufen, aber der bekam dann das Angebot, bei Megadeth einzusteigen. Dennoch verlor ich nicht den Mut, wenngleich die Zeiten schon sehr hart waren. Aber ich lebe für die Musik und probiere immer, das Beste zu geben. Ich fühle mich von Leuten wie David Coverdale, James Christian oder Graham Bonnet inspiriert, wenngleich ich mich natürlich nie mit deren Fähigkeiten messen kann", ist John Blaze ganz die Bescheidenheit in Person.

Es fällt auf, daß das Songmaterial sehr vielschichtig ist, so sind auch einige Sachen in geänderten Arrangements beim Arabia-Vorgänger Scarecrow zu finden.

"Die Stücke entstanden über einen längeren Zeitraum. Das erklärt - da auch verschiedene Personen involviert waren - die diversen Einflüsse auf der Scheibe. Für den Gruppennamen Arabia muß ich übrigens Mark [Alger] danken, dem Kopf von Z Records, denn es war sein Einfall. Der 21 Guns-Basser Leif Johansen, übrigens ein guter Kumpel von mir, hat den Kontakt zu ihm hergestellt. Die Geschichte mit Arabia kam dann vor ungefähr ein, eineinhalb Jahren in die Gänge. Ich mag total so theatralische Sachen, und da kam der Name Arabia für mich wie gerufen. Ich assoziiere damit Wüste, im Wind flatternde Haare, Karawanen. Ich hoffe, daß ich in "1001 Nights" ein wenig von meinen Vorstellungen habe rüberbringen können. Allerdings ist's auch so, daß wir von der Art Arrangements wie in diesem Track nicht so viel haben wollen, denn die musikalische Grundrichtung von Arabia ist doch mehr auf der Schiene Whitesnake/House Of Lords. Wäre alles wie der Titelsong, würden die Leute doch denken, daß die Sache zu konstruiert ist."

Das Meister Magin ein Märchenerzähler ist ist mir neu. Vielleicht hat ihn das harte Training mit seinem knapp 2-jährigen Sohn geprägt. Wer mehr über seine Künste mit Arabia erfahren will, kauft sich am besten das neue Break Out 4/2001 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel.

Text: Marco Magin
Internet-Text: Sven Lohnert



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©breakout 04/2001