ASIA
Wo die Uhren anders schlagen

Fünf lange Jahre sind seit dem letzten Streich "Arena" ins Land gegangen, bis man von der Combo Asia um Tastenmann Geoff Downes sowie Sänger und Bassist John Payne endlich wieder einen neuen Studiostreich serviert bekam. Das Teil in der wertigen Aufmachung trägt den stolzen Titel "Aura", und das wunderbare, von Roger Dean gestaltete Cover-Artwork ist der Blickfang für ein wahrhaft gigantisches Album.

Wie gut, daß zeitgleich zur Veröffentlichung dieser Scheibe auch eine Tournee mit der US-Formation Kansas stattfindet, so daß einem schnellstmöglichen persönlichen Treffen nichts im Wege steht.

"Die Pause hängt damit zusammen, daß wir nicht das Material hatten, mit dem wir zu hundert Prozent einverstanden waren", beginnt Downes die Unterhaltung nach dem Gig im Asia-Umkleideraum. Der Keyboarder muß alleine als Interviewpartner herhalten, da sich Vokalist Payne etwas erkältet hat und seine Stimme schonen muß. "Es hat eine gewisse Zeit in Anspruch genommen, bis wir die Ideen im Songwriting so umgesetzt hatten, daß wir wirklich zufrieden waren. Auch die Suche nach einer geeigneten Plattenfirma mit der nötigen Geduld und Ausdauer gestaltete sich schwierig, denn es ist heutzutage nicht unbedingt leicht, eine Company zu finden, die voll hinter der Band steht, über die nötigen finanziellen Mittel verfügt und dir künstlerischen Freiraum läßt, um deine Einfälle adäquat umsetzen zu können. Ich weiß, daß die Zeitspanne zwischen 'Arena' und 'Aura' schon ungewöhnlich ist, aber im Bereich der symphonischen Rockmusik, wie wir sie spielen, schlagen die Uhren glücklicherweise doch ein wenig langsamer. Weil die Musik für sich gesehen zeitlos ist, unterliegt man da nicht so dem Gesetz, in regelmäßigen Abständen einen Longplayer rausbringen zu müssen. Klar ist natürlich, daß dies natürlich in Stilarten nicht funktioniert, die sich viel mehr am Trend orientieren; da bist du nämlich ohne aktuelle Platte ganz schnell wieder weg vom Fenster, und es interessiert sich kein Schwein mehr für dich. Wir aber wollten ohne die richtigen Rahmenbedingungen nicht an ein neues Album herangehen."

Seit Jahren ist das Duo Downes/Payne der Garant für den Fortbestand von Asia. Nur sind die Herren in all der Zeit mit wechselnden Line-ups live unterwegs gewesen, und auch bei den Studioaufnahmen gaben sich zumeist mehrere Leute als Gastmusiker die Klinke in die Hand.

"Ich sehe dennoch Asia als Gruppe und nicht als Projekt", betont Geoff. "Ein Wunsch von mir ist, daß die Besetzung jetzt auf Tour mit Guthrie Govan und Chris Slade auch zukünftig Bestand hat. Diese Einheit soll ein Symbol für die weitere Aktivität von Asia live wie auch auf Platte sein."

Wie ich es mitbekommen habe, sind die Publikums-Reaktionen auf die Rückkehr der Truppe durchweg positiv.

"Nach so einer langen Pause ist es meiner Meinung nach immer gut, im Vorprogramm einer bekannten und erfolgreichen Formation aufzutreten, wie sie Kansas zweifelsohne sind, weil das den Erwartungsdruck doch gewaltig mindert. Und ich bin bis jetzt sehr angetan von der Tour, denn die Leute reagieren auf unsere Leistungen auf der Bühne mit Zustimmung. Wir bringen mit diesen Gigs Asia bei den Rock-Liebhabern wieder stärker ins Gedächtnis und wollen - so sind zumindest die augenblicklichen Planungen - im Herbst mit unserer eigenen Tour hier wieder unterwegs sein. Das Verständnis untereinander, wie wir miteinander umgehen - das macht mich für die Zukunft doch hoffnungsvoll. Wir verstehen uns untereinander blendend, es herrscht die richtige Stimmung und ein Band-Gedanke - genau die passende Atmosphäre, um mit diesem Team und Asia weitere Dinge in Angriff zu nehmen und deutlich zu zeigen, daß wir weiterhin sehr aktiv sein wollen. Es gibt keine Egoismen, alle können sich auf der Bühne einbringen und sind voll eingebunden. Das ist auch der Grund, warum ich optimistisch bin, mit Chris und Guthrie die nächste Asia-Scheibe in Angriff nehmen zu können. Bestimmt würde das dann auch dazu beitragen, daß man Asia als Gruppe betrachtet und nicht als reines Projekt von John und mir. Von daher kommt die Tour gerade recht und ist perfekt, um uns auf gemeinsame Studioaufenthalte einzustimmen."

"Es ist halt nicht leicht, mit ihm zu arbeiten", wirft Spaßvogel Slade ein, der gemeinsam mit Guthrie den Backstage-Bereich betritt, um sich nach der Show ein wohlverdientes Glas Wein einzuschenken. "Du mußt wissen, daß sich Geoff gegenüber Musikerkollegen grundsätzlich unfair verhält. Da ist's klar, daß es keiner lange mit ihm aushält - außer John, aber das kann keiner verstehen."

"Es fällt mir schwer zu erklären, warum wir so viele Besetzungswechsel hatten", meint "Bösewicht" Downes nach seiner Enttarnung. "Ich weiß, daß das irgendwie blöd klingt, aber es passierte einfach immer wieder, wobei einige Gründe nachvollziehbar waren, andere dagegen nicht. So drehte sich das Musiker-Karussell fleißig, wobei ich das jedoch nicht unbedingt negativ sehe. Bedingt durch diese Umstände ergaben sich für John und mich auch viele Möglichkeiten, mit etlichen talentierten Musikern in Kontakt zu kommen; ein Beispiel dafür ist Guthrie. Ich bin der Meinung, durch die Beteiligung unterschiedlicher Musiker beugst du auch der Stagnation vor, kannst dich leichter nach vorne entwickeln. Der Grundgedanke seinerzeit mit Asia war ja, einen Haufen bekannter Musiker zu nehmen und populäre Mucke zu machen. Damals war's vielleicht AOR, im Laufe der Zeit hat diese Bezeichnung ja leider einen ziemlich faden Beigeschmack bekommen und steht für seicht, massenkompatibel in negativer Hinsicht und was weiß ich noch. Aber mir ist?s relativ egal, ob es nun Pop, progressiv oder sonstwas ist. Dieses Schubladendenken war noch nie mein Ding, da für mich nur wichtig ist, was am Ende dabei rauskommt. Und ich kann nur betonen, daß wir uns alle bei Asia mächtig anstrengen, so kreativ wie möglich zu sein."

Als sei das noch nicht genug - hat Kollege Magin richtig einen hingeledert und über Nacht mit den "Asiaten" ein Schnell-Interview hingezaubert. Deshalb gibt es mehr darüber nachzulesen im neuen Break Out 4/2001 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel.

Text Interview: Marco Magin
Text Internet: Sven Lohnert



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©breakout 04/2001