DER TRIP IN DEN FLEISCHWAHN
PINK CREAM 69 & DC COOPER & PRIMAL FEAR
Auf den Spuren von Indiana Jones
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Pink Cream 69 im Studio und kurz vor der Vollendung ihres neuen Longplayers Sonic Dynamite DC Cooper schon seit Wochen in Deutschland und mit Alex Beyrodt (Tom Naumann-Ersatz bei Primal Fear und Sinner-Klampfer) an einem Projekt arbeitend Primal Fear gerade zurück nach erfolgreicher Deutschlandtour: Dieses Dreier-Package macht sich auf nach Brasilien, um in Sao Paulo zusammen mit einigen einheimischen Bands das Festival End Of The Century zu spielen. Am Vorabend sollen Primal Fear noch in Rio auftreten und die Pinkies zusammen mit DC Cooper in Catanduva ein Gastspiel geben. Da hier in Deutschland gerade Schnee liegt und es ungemütlich kalt ist, denke ich mir so: Brasilien = Wärme also ab mit in den Flieger! |
An einem kalten und häßlichen Donnerstagmorgen treffen wir uns alle am Frankfurter Rhein-Main-Airport, um über Paris nach Sao Paulo zu fliegen. Zehn Stunden Flug sind angesagt, und wir machen es uns richtig gemütlich in den Sesseln. In Sao Paulo angekommen, ist nur die Immigration zu überwinden, um in der Ankunftshalle auf unsere brasilianischen Promoter zu treffen. Unter ihnen ist auch Mr. Südamerika, Eric De Haas, der sich gleich die Primal Fear-Musiker greift, sie in einen Bus verfrachtet und mit ihnen ins 600 Kilometer entfernte Rio de Janeiro fährt, wo sie am nächsten Abend ihre Solo-Show haben werden. Die Cooper/PC69-Crew fährt mit komplettem Anhang ins Hotel nach Sao Paulo. Dort angekommen, bringen wir die Eincheck-Modalitäten hinter uns und wechseln erst einmal unsere Klamotten. Hier in Brasilien ist schließlich Sommer und im Vergleich zu Deutschland ein Temperaturunterschied von 30 Grad!
| Danach führt man uns zum klassischen brasilianischen Essen aus: ins Montana-Grill, einer Art Großrestaurant mit einem riesigen Büffet (Salate, Soßen, alle Arten von Beilagen und sogar Sushi) und Kellnern in Anzug und Krawatte, die alle zwei Minuten neben deinem Tisch stehen und alle Sorten und Variationen von gebratenem Fleisch (Rind, Schwein, Huhn) auf deinen Teller schaufeln. Ein richtiges Schlaraffenland für Nichtvegetarier, denn das Fleisch hier schmeckt nicht nur gut, sondern ist irgendwie anders als das, was es im fernen Deutschland gibt. Da leider Tastendrücker Günter Werno wegen anderweitiger Verpflichtungen zu Hause bleiben muß, ist der Superior-Keyboarder Jan Marco Becker mit von der Partie. Der Jungmusiker staunt nicht schlecht angesichts dessen, was sich da weit weg von seiner saarländischen Heimat vor seinen Augen so essenstechnisch abspielt. Und er haut weg, was er auf seine Gabel bekommt. Aber auch die anderen lassen sich nicht lange bitten und essen, was der Teller hergibt. |
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Dennis Ward und David Readman von den Pinkies sind schon ein wenig gefrustet, denn auf die beiden Vegetarier nimmt natürlich so gut wie keiner Rücksicht, und die zwei vergnügen sich bei in Dressing getränktem Salat, während alle anderen dem Fleischwahn verfallen. Nach gut zwei Stunden Abfressen teilt uns Promoter Flavio mit, daß es am nächsten Tag um neun Uhr morgens losgeht und wir eine sechs- bis siebenstündige Busfahrt vor uns haben nach Catanduva, dem Auftrittsort. Also werden im Montana-Grill noch einige (viele) Caipirinha in die Schädel geschüttet, um dann auch bald den Weg ins Hotel anzutreten.
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Auf in den Dschungel!
Irgendwie sind wir alle sehr gespannt: Sechs Stunden mit dem Bus ins Landesinnere da gibt es bestimmt viel Dschungel zu sehen. Doch schon als wir Sao Paulo verlassen, macht sich große Enttäuschung breit: Bis auf einige Palmen erinnert die Landschaft rechts und links der Autobahn derer, die du auch siehst, wenn du in Deutschland auf einer Autobahn fährst. Das soll sich bis zu unserem Zielort auch nicht ändern. Die Promoter lachen nur und meinen, daß der Dschungel und das Amazonasgebiet gut und gern zweitausend Kilometer entfernt im Norden von Brasilien anfangen. Pech gehabt! Nun, das soll nicht die einzige Enttäuschung an diesem Tag für uns sein. Nach gut sieben Stunden Busfahrt kommen wir endlich in Catanduva an, und jeder ist auf den Club gespannt, wo am Abend das Konzert stattfinden soll. Der Club Nantes an sich ist recht nett eingerichtet, hat eine tolle Tanzfläche, und es gibt kaltes Bier leider aber keine PA, kein Licht, keinen Starkstromanschluß und keine Bühne! |
Lange Gesichter in der ganzen Runde, und DC ist den Tränen nahe. Für die Bands ist klar: So können wir nicht spielen nicht einmal ein Akustik-Set würde möglich sein, weil weder Mikrophone noch eine intakte Hausbeschallungsanlage vorhanden sind! Ernst Seider, Soundmann und Spaßvogel vom Dienst, rauft sich die Haare und ist von den Verkabelungen der vorhandenen Stromversorgung derart schockiert und fasziniert zugleich, daß alles auf Foto festgehalten wird. Nun meldet sich auch der Veranstalter und Inhaber des Clubs (von uns Mister Bandito getauft!) und meint, daß die Bands doch wieder nach Hause fahren sollten, wenn sie hier nicht spielen könnten. Frech! Das Beste kommt aber noch: Nicht nur, daß die Getränke nicht frei sind, auch das Catering fehlt komplett, und der Unmut aller Beteiligten steigt ins Unermeßliche. Weil hier nichts mehr auszurichten ist, wird beschlossen, wieder zurück nach Sao Paulo zu fahren. Leider entpuppt sich diese Entscheidung als unausführbar, da plötzlich der Busfahrer, der von dem Clubbesitzer nicht bezahlt wird, uns nicht mehr zurückfahren und erst seine Knete sehen will.
| Wie alle Beteiligten aus diesem Schlamassel wieder rauskommen, steht im neuen Break Out 2/2000 ein absolut abenteuerlustiges Heft: Mike Jungle Warrior Möller deckt die Wahrheit auf über brasilianische Techniker und kämpft sich mit Hilfe eines gesegneten Appetits und unerreichter Trinkfestigkeit durch Grillhütten und rauschende Backstage-Feste. |
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Text Story: Mike Möller
Pics: Mike Möller, Ernst Seider, Maikel Pander
Internet-Text: Mike Seifert

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©breakout 9/2000