BOB CATLEY
Ein Hobbit will Freibier

Gutaufgelegt wie immer ist der ehemalige und bald erneute Magnum-Sänger bei diesem Interview. Und eigentlich kann man es sich schon fast sparen, Fragen zu stellen, denn der Mann plappert eh immer drauflos und überholt sich dabei schon mal selbst.

Mit "Middle Earth", der dritten Solo-Scheibe Bob Catleys unter den songschreiberischen Fittichen von Ten-Kopf Gary Hughes, geht es nach dem bombastischen Zweitwerk wieder ein wenig verhaltener, hintergründiger zur Sache.

"Dieses Mal haben wir die Gitarren nicht so in den Vordergrund gestellt, das neue Album sollte ein wenig softer werden, vielschichtiger. 'Legends' war im Endeffekt eine Ten-Scheibe mit mir als Sänger. Man hört sicher nach wie vor sehr deutlich, wer hinter dieser Sache steckt, doch sollte nicht jedes Album gleich klingen. Zumal der Sound auch zu den Themen passen sollte", erzählt er leicht erkältet. Und er sieht nach wie vor nicht ein, selbst Hand an die Songs anzulegen. "Ich habe die fertigen Stücke erst gehört, als der Mix abgeschlossen war. Vorher hatte ich nur einen halben Eindruck, da ich mich lediglich mit meiner Singerei beschäftigt habe. Ich hatte von jeher großartige Songwriter an meiner Seite. Ob das nun Tony Clarkin [Magnum, Hard Rain] ist oder eben Gary. Gary schreibt mir einfach immer wieder Songs auf den Leib."

Thematisch dreht sich der neue Silberling um Tolkiens Meisterwerk "Der Herr der Ringe". Die Idee dazu entstand allerdings schon Jahre vorher, als Gary Hughes mit einem Song zu dieser Story anrückte. Und eigentlich war von ihm jener Track für Bobs Solo-Debüt "The Tower" geplant.

"'Fear Of The Dark' war damals eine Idee von Gary, doch ich dachte mir, wenn wir dieses Thema schon in Angriff nehmen, sollte man auch eine ganze Platte dazu machen. Als wir uns dann wegen meiner dritten Scheibe zusammensetzen, fragte mich Gary, ob ich diese Tolkien-Geschichte nun durchziehen wollte. Sicher kann man nicht die gesamten drei Bücher von 'Der Herr der Ringe' komplett auf eine CD bringen, daher haben wir nur Ausschnitte verwendet."

Blind Guardian haben sich in "Nightfall In Middle Earth" bereits einige Zeit vorher derselben Thematik gewidmet.

"Ich habe davon gehört, das Material selbst kenne ich nicht. Nur kann ich mir einfach nicht vorstellen, wirklich so viel zusammenhängend auf eine Platte zu bekommen. Die Geschichte ist zu vielschichtig."

Sicher, und den kompletten Wälzer haben sich die Melodic-Speedster damals auch nicht vorgenommen. Es ist nur sagenhaft, welche Faszination das Werk Tolkiens beständig auf die Menschen ausübt: Black-Metaller verwenden Namen aus seinen Büchern als Pseudonyme, andere nennen ihre Band nach irgendwelchen Gestalten, und auch songschreiberisch scheint "Der Herr der Ringe" seinen Reiz nie zu verlieren. Demnächst kommt auch der erste Teil einer Film-Trilogie in die Kinos.

"Mich hat sehr gefreut, daß wir von einem Tolkien-Fanclub eine Menge Komplimente für diese Platte erhalten haben. So etwas ehrt einen natürlich ungemein", lacht Bob. "Bei einem solchen Club kann man sich sicher sein, genügend Kritik um die Ohren gehauen zu bekommen, wenn man Mist baut. Es ist also wirklich eine sehr schöne Bestätigung, daß wir unsere Sache gut gemacht haben."

Ende des Jahres wird es doch wieder eine neue Magnum-Scheibe geben und vorher eine Tour.

"Ja, es wird endlich geschehen. Als wir die Band ad acta gelegt haben, war es das Beste, was wir zu dieser Zeit tun konnten. Magnum sind bereits im Studio, und wir werden den gleichen Sound machen, der die Gruppe all die Jahre ausgezeichnet hat. Es ist toll zu sehen, wie sich viele Fans über diese Reunion freuen. Das ist der Vorteil am Rock-Business: Die Fans verschwinden nicht, nur weil ein Künstler älter wird. Unser Ziel ist es, wie auch in meiner Solo-Karriere, einfach gute Musik abzuliefern. Ich bin unsagbar glücklich, nun beides machen zu können. Zudem kann ich ohne unsere Fans einfach nicht leben, durch sie habe ich die Möglichkeit erhalten, meine Träume zu verwirklichen und ein Leben zu führen, das mir ohne Wenn und Aber gefällt. God bless you all!"

So, sowas hört man als Fan doch gern, oder? Woran es allerdings liegt, daß manche Künstler oder Combos eine zweite Karriere starten können und auch Erfolg damit haben und andere wiederum nicht, kann sich auch Bob nicht erklären. Mucker wie Ozzy Osbourne, die mit einer Band riesige Erfolge feierten und danach auch solo noch was auf die Pfanne brachten, sind eher rar gesät.

Ob die gute Eva dem guten Bob noch mehr Wissenswertes aus der Nase zieht, erfahrt Ihr im neuen Break Out 4/2001 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel.

Text: Eva-Maria Übelhack
Internet-Text: Sven Lohnert



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