CD-REISSUES
WIEDERVERÖFFENTLICHUNGS-SPECIAL


Trotz der Unmenge an CD-Releases jeden Monat, hat jeder von uns noch einige Lücken in seiner Sammlung, da es eben noch nicht alles als Silberling gibt. Etliche LP-Perlen warten darauf, endlich als CD wiederveröffentlicht zu werden oder wurden es mal in Japan oder den Staaten und sind natürlich nun schon lange vergriffen. In der letzten Zeit hat sich da ein Markt aufgetan, den wir in einem Special ein wenig näher beleuchten wollen, um Euch einige ausgesuchte Alben näherzubringen - und die Qualität dieser zu beleuchten, denn nicht alles ist da Gold, was "silbern" glänzt. Dazu kommt noch passenderweise ein Interview mit Armored Saint, deren erste drei Platten in diesem Artikel auch Erwähnung finden.

Eine der besten Adressen in punkto CD-Reissues ist wohl das kleine aber feine High Vaultage-Label aus dem Großraum Frankfurt, dessen Releases wir schon mehrmals würdigten. Die soundmäßige Bearbeitung des vorliegenden Materials ist vom Feinsten; es wird die höchstmögliche Qualität aus den häufig in den Archiven "angestaubten" Bändern herausgeholt. Dazu kommen Bonus-Tracks, ein vorbildliches Booklet mit Texten, zumeist von den Musikern selbst verfaßte Liner-Notes, Fotos, usw.. Sollte Euer Plattenhändler die Dinger nicht führen, ruft ganz einfach in der Redaktion an.

Für AOR-Fans interessant sind sicherlich Steeplechase, bei denen mal ein gewisser Joe Lamente sang, der dann später unter Joe Lamont 1985 seinen Solostreich "Secrets You Keep" einsang. Und es ist gut so, daß Steeplechase vom Schicksal des Vergessens befreit wurden, denn trotz einer gewissen Patina - immerhin hat das Material schon ein paar Jährchen auf dem Buckel - dürfen sich alle Mainstreamer ob dieser CD mit Bonusmaterial die Hände reiben.

Andere musikalische Richtung, jedoch nicht minder interessant: Die Rede ist von Tokyo Blade. So um 1983 war die NWOBHM-Welle schon in der Abwärtsbewegung, da kam eine neue Garde junger und hungriger Acts, die dem Ganzen zumindest kurzfristig wieder frisches Leben einhauchten. Zu jenen Combos gehörten auch Tokyo Blade, die von High Vaultage gleich dreifach gewürdigt werden. Zum einen in dem selbstbetitelten Debüt mit überzeugenden Songs, zwei Lead-Gitarren und Killer-Vocals. Als Schmankerl wurde die "Midnight-Rendevous"-EP mit fünf Tracks als Bonus dazugepackt.

Album Nummero Zwo "Night Of The Blade" hatte in Vic Wright zwar einen neuen Sänger, aber stilmäßig wurde konsequent der Stil vom Erstling weitergeführt. Und auch auf diesem Silberling gibts eine fette Zugabe in Form von vier zusätzlichen, nicht auf der LP enthaltenen Stücke plus der Vier-Track-EP "The Cave Sessions - The Offical Bootleg-EP".
Der Hammer ist der dritte Streich, denn - Überraschung! - "Night Of The Blade" wurde auch vom Original-Shouter Alan Marsh eingesungen. Dieses Werk bekommt der geneigte Fan nun als CD unter "Night Of ... - The Night Before" geboten. Insgesamt sechs Bonus-Songs, die seinerzeit nur als Promo unter "Have An Ice Day" des Blade-Sprößlings Mr. Ice erschienen, erfreuen als Zusatz den Käufer.

Als Konsequenz dieser vorbildlichen Arbeit haben wir mit High Vaultage die Break Out- Milestones ins Leben gerufen, Wiederveröffentlichungen aller Stilrichtungen, die eben das ganz Spezielle haben:
Der erste Streich in dieser Richtung ist "Lightning To The Nations" von der NWOBHM-Legende Diamond Head. Ganz wichtig: Auf dieser CD sind nur die Original-Versionen von Leckerbissen wie "Sucking My Love" oder "Am I Evil" und keine verhunzten drittklassigen Remixe! Und als Sahnestück gibt´s noch acht (!) Bonusstücke, inklusive etlicher Raritäten wie der "Diamond Lights"-EP. Kann man mehr verlangen?

Kultig wird´s mit den nächsten beiden Releases der deutschen Formation Bullet. Party-Metal im Stile von AC/DC-Accept, bieten die beiden CDs "Execution" sowie "No Mercy". Ihre Demos kamen seinerzeit Dieter Dierks zu Ohren, kein Wunder also, daß er die Formation gleich unter seine Fittiche nahm und die Scheiben produzierte, die logischerweise in den Dierks-Studios eingespielt wurden. Damals hatten Bullet übrigens einigen Erfolg, man tourte mit Saxon sowie Iron Maiden und eröffnete in Deutschland für Queen.

Zum vorläufigen Abschluß der Break Out - Milestones nochmal zwei Silberlinge, die wahre Klassiker im Heavy-Rock sind. Die Rede ist von The Rods und ihrem 81er Einstand, sowie dem 82er Nachfolger "Wild Dogs". Jeder Song ein Volltreffer, ballert das Trio eine Salve nach der anderen in unsere Gehörgänge: jetzt endlich auf CD nachvollziehbar. Da wackelt die Schädeldecke, droht bald zu bersten; vor allem bei dem feinen Bonusmaterial in Form von zwei Single-B-Seiten bzw. fünf unveröffentlichten Live-Aufnahmen kann man unmöglich ruhig bleiben.
Und weitere High Vaultage-Hämmer kündigen sich für die nahe Zukunft bei den Break Out- Milestones schon an: Riot mit der Kult-Scheibe schlechthin: "Fire Down Under" plus Bonussongs!!!

Auch Metal Blade haben in letzter Zeit einges an CD-Wiederveröffentlichungen unters Volk gestreut. Wi«dmen wir uns hier erstmal den superben Armored Saint, wobei die digitale "Restaurierung" der Killer-Alben "March Of The Saint", "Delirous Nomad" sowie "Raising Fear" durchaus Sinn macht, zumal die Dinger in Deutschland noch nie herausgebracht wurden und nur in den Staaten sowie Japan auf den Markt kamen.

Einen Silberling, obwohl stilmäßig schon Unterschiede da sind, besonders hervorzuheben, wäre nicht fair. Man braucht alle drei, basta! Schade allerdings und unverständlich, daß auf den Silberlingen kein Bonus-Material drauf ist. Immerhin existiert da die ultrarare Armored Saint- Debüt-EP, die damals auch bei Metal Blade veröffentlicht wurde. Da hätte man echt was für die Fans machen können.

Wechseln wir Label und Stilrichtung. Für Freunde des melodischen Hardrocks sind zwei Releases ganz wichtig. Zum einen dreht sichs um das gleichnamige Werk der US-Boys Aviator (Point Music), das seinerzeit sogar mal LP-Tip des Monats bei uns war. Die Scheibe gehört in jede Melodic-Sammlung und ist mit Texten sowie zwei Bonustracks vorbildlich aufgemacht. Nur starke Songs, tolle Melodien: Eindeutiger Pflichtkauf!

Zum Abschluß des ersten Teils noch eine Melodic-Scheibe, die ganz einfach Pflicht für jeden AOR-Haushalt ist: Van Zant und ihr Erstling (KCD) aus dem Jahre 1985. Das Ding war ganz sicher einer der am meisten gewünschten Titel auf CD - und nun ist es dank eines kleinen kanadischen Labels soweit. Leider hat man keine Bonustracks mit draufgepackt, und auch das Booklet geriet recht kümmerlich. Schade, denn eine bessere Verpackung hätte dieses Mainstream-Juwel auf jeden Fall verdient.

Im nächsten Teil geht´s dann weiter mit u.a. Tygers Of Pan Tang, Bernie Marsden, Helstar.

Text: Marco Magin



Im Heft 6/97gibt´s dazu noch das Armored Saint-Interview
zu lesen. Falls Ihr dieses Heft bestellen möchtet - einfach anklicken!


©breakout 9/2000