DEMONS & WIZARDS
Es liegt ein Zauber In der Luft


Nein, es war rein gar niemand gespannt, was mit dem gemeinsamen Projekt von Blind Guardian-Barde und -Bassist Hansi Kürsch und Iced Earth-Mastermind Jon Schaffer auf uns zukommen würde. Es standen bei der Meldung, die beiden würden gemeinsam etwas auf die Beine stellen, wahrscheinlich sämtliche Fans beider Bands und noch ein paar Metalheads mehr quer in der Tür. Mittlerweile sind wir alle um einiges gescheiter (wenn auch nicht wirklich, aber das hab ich jetzt nicht gesagt) und können uns gegenseitig die Vorzüge dieser Scheibe aufzählen. Da wären zum Beispiel die geniale und eigentlich simple Verknüpfung der Iced Earth- und Blind Guardian-Trademarks, die rauhe Kraft, die dieser Output ausstrahlt, und natürlich auch die gute Botschaft, daß uns‘ Hansi wieder unter den Normalhörenden weilt und sich anscheinend ganz gut von seinem Gehörsturz erholt hat. Na, so tief kann‘s dann ja nicht gewesen sein.

»Och, das mit dem Gehörsturz hat sich wieder ganz gut eingekriegt. Die meisten wissen nicht, daß man einfach bereits bei den ersten Anzeichen von Tinnitus reagieren muß, denn sonst kann es zu ernsthaften und bleibenden Schäden kommen. Es hilft gar nichts, wenn man meint, es würde wieder von alleine vergehen, wenn man dieses Ohrengesurre nur lange genug ignoriert. Das Dumme an der Sache ist dann nur, daß es heißt, man sollte sich schonen. Viele Leute verstehen darunter, sich von Musik, jeglichem Akustik-Klimbim und so weiter fernzuhalten. Wenn man nun aber jeglicher Geräuschkulisse aus dem Weg geht und einen auf still und leise macht, hat man die ganze Zeit diesen ekelhaften Ton im Ohr, und das ist erst recht keine Schonung. Sondern einfach ätzend. Also sollte man schon Musik oder so hören, aber in einer entsprechenden Lautstärke. Bei mir lief das Ganze noch mal glimpflich ab, und diese Probleme sind gegessen.«

Mahlzeit. Wenn auch wenn Blind Guardian selbst die vergangenen Monate nicht damit beschäftigt waren, eine megabombastisch produzierte Platte unters Volk zu schmeißen, waren die beiden Hauptakteure dennoch ganz gut arbeitstechnisch verräumt. Und angesichts Hansis Ohren-Aua ist es umso erstaunlicher, daß es doch recht flott mit der Veröffentlichung von “Demons & Wizards” über die Bühne ging. Der relativ schnelle Release verwundert ein wenig.

»Jon und ich hatten diesen Zeitpunkt für die Veröffentlichung eigentlich schon angepeilt, weil wir dachten, wir hätten im Laufe des vergangenen Jahres die Zeit, um an den Songs für dieses Projekt zu arbeiten. Allerdings hat sich der Zeitplan doch als straffer und der Terminkalender als voller entpuppt, als wir beide gedacht haben, und so wurde es doch ein wenig eng, und es ist schon ein bißchen verwunderlich, daß es letztlich doch so früh geklappt hat. Aber hinterher ist man immer schlauer. Immerhin hat Jon im letzten Jahr auch mit Iced Earth die Live-Platte ‘Alive In Athens‘ aufgenommen, und einige Konzerte und dergleichen kamen auch bei Blind Guardian hinzu. Sachen wie die Singerei bei Grave Digger nicht zu vergessen. Von dem Grave Digger-Job hab ich aber den Gehörsturz nicht her!« witzelt Hansi. »Ich kann versichern, daß da null Zusammenhänge bestehen, ehrlich

Die Vocal-Parts, die Hansi bei der neuen Grave Digger-Scheibe “Excalibur” übernommen hat, sind hier nur ein Punkt. Hansi ist eh dafür bekannt, anderen Bands gerne mit ein paar Background-Quietschies auszuhelfen. Man erinnere sich nur an Edguys “Vain Glory Opera”, wo er bei “Out Of Control” zu hören ist.

»Ich habe damals die erste Platte von Edguy gehört, und die hat mich echt begeistert. Auch wenn die Produktion nicht die beste war und auch die Band noch am Anfang stand. Ich habe einfach Verbindung zu den Jungs über ihr Label aufgenommen, und so hat sich dann auch meine Mitwirkung an diesem Song ergeben. Tobias Sammet ist der beste Kiske-Klon, ohne wirklich einer zu sein.«

Was uns Hansi, der Wellensittich, noch alles offenbart und was nicht, steht im neuen Break Out 3/2000. Ein echt magisches Heft ­ wenn ihr beim Lesen blinzelt à la Jeannie, zieht’s euch sogleich in die Seiten hinein.

Text Interview: Eva-Maria Übelhack
Internet-Text: Mike Seifert


 



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