EDENBRIDGE
Das perfekte Album gibt es nicht


Endlich wieder da: Edenbridge!

Für ihr Debüt und den Nachfolger haben Edenbridge durchweg positive Kritiken eingeheimst, in "Aphelion" haben die Österreicher nun ihr drittes Album vorgelegt und das gleiche Lob erfahren. Sängerin Sabine Edelsbacher und Gitarrist Lanvall geben im schönen Linz Auskunft über die Produktion, deren Entstehung ich bereits im Studio lauschen durfte.

Für die Gruppe muß es wohl fantastisch sein, mit dem dritten Album jetzt international einen solch großen Erfolg verbuchen zu können.

"Grundsätzlich kann man mit so etwas nie rechnen, man kann es nur hoffen, und es war seit unserem Debüt das Bestreben, Gas zu geben. Und Massacre Records haben dahingehend alles getan, daß wir jetzt da stehen, wo wir sind", erzählt Lanvall. "Wir wollen unsere Ziele Schritt für Schritt erreichen und haben in relativ kurzer Zeit drei Alben aufgenommen, die unseren Standard festigen."

Während unseres letzten Interviews hast du bereits von einigen Ideen für das jetzige Album erzählt; was hast du bis zur Umsetzung von "Aphelion" noch als letzten Schliff gebraucht?

"Das ist immer schwer zu sagen; wenn ich aber das neue Album nehme: Da sind die Ideen teilweise sofort da gewesen, aber gerade bei dem Song 'Red Ball In Blue Sky', wo wir das Duett mit DC Cooper haben, bin ich irgendwann nach dem Chorus mal hängengeblieben und habe das Stück zur Seite gelegt. Nach circa zwei Monaten ist es dann aber wieder ins Gespräch gekommen - und es war wie ein Fluß, und der Song wurde bis zum Ende fertiggestellt. Für das neue Album habe ich nach den Aufnahmen zu 'Arcana' begonnen, und alles ist innerhalb eines Jahres komplett entstanden."

Wie kam es aber zum Kontakt mit DC Cooper?

"Sabine und ich sind damals ins House of Audio-Studio gefahren, wo sie ihre Parts für Missa Mercuria eingesungen hat. Zur der Zeit war DC auch gerade im Studio. Er ist auch einer unserer Lieblingssänger, wir kamen uns näher, haben uns gut unterhalten und sind danach auch weiter in Kontakt geblieben. Das Schöne war dann, daß wir in Bottom Row mehr oder minder das gleiche Management haben. Ich habe dann einfach bei Kosta [Zafiriou, Pink Cream 69-Drummer] von Bottom Row angerufen, ihm von meiner Idee für den Longtrack erzählt und gefragt, ob wir DC einbinden wollen. Er war von der Idee auch sehr angetan, hat es an ihn weitergeleitet, und so ist eines zum anderen gekommen. DC war ebenfalls begeistert, und da er gerade mit Silent Force in Deutschland war, kam er für zwei Tage zu uns ins Studio und hat den Track mit eingesungen, der letztlich ein super Song geworden ist."

Im Studio meinte Sabine Edelsbacher, sie sei "besser geworden", und tatsächlich klingt ihre Stimme ausgereifter denn je.

"Ich war mir bis zu der Produktion eigentlich nicht bewußt, daß ich mich so verbessert hätte, so daß man da einen Unterschied hört. Es war ja nur ein Jahr dazwischen, und ich war selbst positiv überrascht. Ich mache sehr viele Atem- und Körperübungen, weniger jedoch Gesangsübungen. Mit dem, was ich gerne mache, bringe ich Spaß und positive Energie hinein; ich muß mich nicht zwingen, etwas zu machen."

Und du hast so überzeugt, daß du auch schon bei zwei Projekten mit deiner Stimme beteiligt warst.

"Ich habe bis jetzt nur positive Resonanzen bekommen und war nach unserem Debüt doch sehr überrascht, daß ich gleich für Infinity eingeladen wurde. Mittlerweile sind die Projekte aber Vergangenheit, und ich habe mich für 'Aphelion' voll ins Zeug legen können."

Lanvall hat für Edebridge ein Projekt in den Hintergrund gestellt, obwohl er doch im Grunde durch Sabines Arbeit für Infinity und Missa Mercuria einiges an Zeit gehabt hätte, sein eigenes Projekt wiederaufleben zu lassen.

"Das habe ich jetzt auch wieder vor, ich will mein Soloprojekt wieder reaktivieren, es war ja nie ganz abgeschlossen. Vor vier Jahren während der Entstehung von 'Sunrise In Eden' habe ich auch noch ein paar Stücke für mein Projekt geschrieben und ich bin gerade dabei, das jetzt alles zu überarbeiten. Ich denke mal, daß es bis zur nächsten Edenbridge-Platte etwas länger dauern wird und ich konkreter an meinem Projekt arbeiten und die ganzen Optionen überdenken werde, um auch frischen Schwung in alles hineinzubringen."

Was hat es den mit dem Titel "Aphelion", zu deutsch Aphel oder Aphelium auf sich?

"'Aphelion' bezeichnet ja den sonnenentferntesten Punkt eines Planeten, und dieser Punkt zieht sich eigentlich wie ein roter Faden durch die Texte des neuen Albums, ohne daß es aber ein Konzeptalbum wäre. Ich hatte vier bis sechs Songs inklusive Texten fertig, und so kam mir die Idee mit dem Titel, der auch voll und ganz zu den bereits fertigen Stücken paßte. Ich wollte auch weiterhin nur ein Wort im Titel haben, weil es auch besser im Gedächtnis hängenbleibt. Als ich den Titel fürs Album hatte, habe ich mir nochmal konkret die Texte durchgelesen und bin dann auf dieser Linie geblieben. Dieser entfernteste Punkt ist auf dem Album ganz unterschiedlich vertreten: mal im räumlichen Sinn, mal im zeitlichen, im universellen und letztlich auch im menschlichen Sinn."

Als ich euch im Studio besuchte, war die Scheibe noch nicht ganz fertig; einige Stücke, gerade die Balladen, haben noch gefehlt. Da fiel mir schon auf, daß "Aphelion" etwas flotter ist als "Arcana", und gerade "Farpoint Anywhere" ist so schnell, daß man Anleihen bei Stratovarius hören kann.

"Der erinnert mehr an Sonata Arctica, aber Sonata Arctica klingen ja wie Stratovarius. Ja, ich wollte mal einen schnellen Song machen, und das ist auch der schnellste, den wir je aufgenommen haben. In diesem Geschwindigkeitsbereich und mit den Einflüssen, mit denen wir arbeiten, kann es leicht mal passieren, daß es wie Stratovarius klingt, aber das ist nur ein Song auf der ganzen Platte. Andere Bands nehmen Scheiben auf, wo man nur meint, sie wollen ihre Vorbilder kopieren."

In "The Undiscoverd Land" sind auch orientalische Klänge zu hören.

"Das Orientalische war schon immer ein Bestandteil meines Musikspektrums. Ich bin ein großer Fan gutgemachter New-Age-Musik wie von Gandalff oder Vangelis; ich stehe auch unheimlich auf fernöstliche Saiteninstrumente."

Ihr seid als Bombast-Band bekannt, auf den Vorgängern waren auch viele klassische Elemente von dir zu hören. Bei "Aphelion" kommt ihr aber mit weniger Klassik aus.

"Teils, teils. Der Bombastfaktor war bei uns schon immer sehr hoch und kommt jetzt durch die bisher beste Produktion noch mehr zum Tragen. Ich habe vermehrt mit Harmoniewechseln und klassischen Arrangements gearbeitet. Alles in allem ist es bombastischer und symphonischer geworden, wobei der rote Faden nie verlorengeht und das Hauptaugenmerk auf Sabines Gesang liegt."

Sexy Frontfrau Sabine Edelsbacher


Im Studio fiel mir deine absolute Konzentration beim Hören der Songs auf. Ist das der Lanvall, der das Album perfekt im Kasten haben will?

"Es gibt kein perfektes Album. Wenn du eigene Alben beurteilst, kann und darf es kein perfektes Album geben, weil du dir sonst jede Steigerungsmöglichkeit für die Zukunft verschließt – und es gibt immer irgendwo noch eine Steigerungsmöglichkeit. Aber es ist eine innere Last, immer besser zu werden, und ich denke, daß es bei uns von Album zu Album gelungen ist, und wenn wir im Sommer 2004 wieder ins Studio gehen, werde ich auch alles tun, um mich und Edenbridge nochmal zu steigern."

Was waren denn die Gründe für den Ausstieg eures Bassisten, und habt ihr schon Ersatz gefunden?

"Wir haben eigentlich noch keinen neuen Basser. Kurt [Bednarsky], unser Gründungsbassist, hat uns im Dezember 2001 schon mitgeteilt, daß er nach der Tour aussteigen wird, weil er einen sehr zeitaufwendigen Job hat. Die Europa- und Korea-Tour hat er noch gespielt, wir haben uns in der Zeit auch schon nach einem neuen Mann umgeschaut, aber den richtigen als permanentes Mitglied haben wir nicht gefunden. Für die Aufnahmen zu 'Aphelion' haben wir einen Studiomusiker eingestellt, allerdings ist er kein festes Mitglied."

Thema Tour: Eure Shows in Brasilien wurden gecancelt, sollen jedoch nachgeholt werden.

"Nach meinem jetzigen Stand soll das im April über die Bühne gehen. Es ist im Gespräch, daß es dort noch eine etwas ausgedehntere Sache geben soll, es soll auch Chile und Mexiko umfassen, und wir sollen mit Within Temptation spielen. Nähere Details kann ich aber noch nicht verraten, das ist alles noch in Planung."



Edenbridge sind nach nur drei Alben in aller Munde und kommen bei den Fans super an. Ihr spielt in Südamerika, in den USA, habt einen Vertrieb in Rußland und mittlerweile auch einen Partner in Australien. Da muß man sich als deutscher oder österreichischer Fan doch Sorgen machen, euch seltener auf der Bühne zu sehen, wenn ihr so lange im Ausland unterwegs seid.

"Haha, da würde ich mir keine Sorgen machen! Unser Ziel ist es, soviel wie möglich live zu spielen und eine vernünftige Europa-Tour auf die Beine zu stellen. Momentan sieht es aber noch schlecht aus, denn für eine Headliner-Tour sind wir noch nicht groß genug, also hoffen wir, eine gute Tour als Support zu bekommen. Es scheint aber so, als wären im März/April nur Hammerfall und Stratovarius und sonst niemand unterwegs, und ich hoffe, daß sich in der Beziehung noch einiges tut. Ansonsten denke ich daran, mit einer anderen Band unserer Größenordnung eine Double-Headliner-Tour zu spielen; da muß man aber noch abwarten. Was Australien betrifft, da war ich auch sehr erstaunt, daß es einen Vertrieb für unsere Alben gibt, zumal ich auch ein großer Fan dieses Landes bin und ich hoffe, auch dort mal spielen zu können. Ein Traum hat sich letztes Jahr mit den Shows in Korea schon erfüllt, und wenn es mit Brasilien und so weiter auch noch klappt, kann sich für die neue Scheibe fast eine Welttournee für uns ergeben. Aber unser Hauptaugenmerk sollte Europa, speziell Deutschland sein. Wir hatten auf der letzten Tour keine Show im süddeutschen Raum. Man kann auch beobachten, daß, je weiter man in den Norden kommt, der Melodic Metal rückläufig ist und es mehr härter gewünscht wird; jedoch je südlicher du kommst, desto mehr nimmt die Fan-Gemeinde zu. Ansonsten ist die Schweiz ein super Land für uns, und auch aus ganz Europa haben wir fast nur positive Resonanzen. Für uns muß es wichtig sein, noch flächendeckender zu touren."

Früher hätte unser lieber Jochen Strubel sicher "Engelsgleich" als Interviewtitel für ein Gespäch mit Edenbridge gewählt, doch seine Hormone haben sich über die Jahre wohl doch etwas beruhigt. "Aphelion", so der Titel der neuen LP, läßt allerdings hoffen, daß die Ösis, im Gegensatz zu Jochen, noch Feuer im Hintern haben - ist ja auch was Feines. Mehr darüber nachzulesen gibt es im neuen Break Out 2/2003 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel.

Text Interview: Jochen Strubel
Text Internet: Sven Lohnert



Mehr darüber gibt´s im Heft 2/03 nachzulesen!
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