HAMMERFALL
Zwischen Hammer und Amboß


Mit ihrem Debüt gelang den Schweden ein nicht für möglich gehaltener Überraschungserfolg. Guter, alter Speed Metal deutscher Prägung wurde auf ihrem "Glory To The Brave"-Album zelebriert. Wie aus dem Nichts tauchten fünf junge Schweden auf und brachten frischen Wind in eine Szene, die sich so ausgiebig bei anderen Musikrichtungen bedient und so den Blick für eigene Stärken längst verloren hatte. Als alle Welt, einschließlich der ach so klugen Fachpresse, den Tod des Heavy Metals heraufbeschworen hatte, stürmte das Quintett die Charts um die Ungläubigen eines besseren zu belehren. Seit dieser Zeit erlebt der Heavy Metal seinen zweiten Frühling, der hoffentlich noch sehr lange anhalten wird.

Der Grundstein ist gelegt und in wenigen Tagen steht Hammerfalls zweiter Streich "Legacy Of Kings" in den Läden. Diese Scheibe beweist, daß "Glory To The Brave" keine Eintagsfliege war, vielmehr haben es die Mannen um Oktavenkünstler Joacim Cans geschafft noch eine Schippe draufzulegen. Diese Meinung vertritt auch ein gutaufgelegter Mainman Oscar Dronjak.
»Scheiße, ist das heiß«, ächzt der Gitarrist, der genauso wie ich massiv unter der momentanen Hitzewelle leidet. »Die Hauptunterschiede zu 'Glory To The Brave' sehe ich in der Produktion. Wir konnten diesmal vielmehr Zeit und Geld investieren und waren Tag und Nacht im Studio, damit wir mit 'Legacy Of Kings' dem Optimalzustand so nah wie möglich kommen konnten. Dieser Umstand wurde dadurch unterstützt, daß wir als Band und Songwriter gereift sind - alles ist inzwischen besser aufeinander angestimmt.
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Ich muß gestehen, daß ich "Legacy Of Kings" gegenüber dem Debüt in allen Belangen den Vorzug gebe. Meiner Meinung nach, war er Erstling eine klassische Speed Metal-Scheibe, deren Arrangements nicht mehr zu überraschen wußten. Alles war eben vorhersehbar. Das Zweitwerk hingegen besitzt Ecken, Kanten und vor allem spontane Breaks, die man an diesen Stellen nicht unbedingt erwartet hätte.
»Freut mich zu hören«, lacht Oscar. »Natürlich findet ein Musiker auch meist mehr Gefallen am aktuellen Werk - so geht es mir mit 'Legacy Of Kings'. Es ist einfach das kompetentere Album. Das soll allerdings nicht heißen, daß ich mit dem Debüt nicht mehr zufrieden bin.«

Was ich besonders witzig fand, war die Tatsache, wie damals um "Glory To The Brave" ein Geheimnis gemacht wurde. Niemand sollte wissen, daß das Label von Hammerfall, welches eigentlich für Death- und Black Metal stand, einen echten Heavy-Act unter Vertrag genommen hatte.
»Ich wußte gar nicht, daß Nuclear Blast so ein Geheimnis daraus gemacht haben«, kichert Oscar. Mir auch unverständlich, denn mittlerweile hat die Company gerade auf diesem Sektor expandiert - was ihr hervorragend zu Gesicht steht. »Das ist richtig«, pflichtet Mr. Dronjak bei. »Gerade Pegazus, Primal Fear und Sinner sind absolute Highlights und zeigen, daß das Label auf dem richtigen Weg ist.«

Habt ihr euch eigentlich irgendwelche Hoffnungen auf Erfolg gemacht, als das Debüt in die Plattenläden gestellt wurde? »Niemals, wie hätten wir das auch wagen können? Wir hatten zuerst bei einem holländischen Label mit winzigem Vertrieb unterschrieben und wollten 'Glory To The Brave' eigentlich nur als Visitenkarte für größere Labels verwenden. Über Verkäufe haben wir uns da noch großartig keine Gedanken gemacht. Naja, plötzlich lizenzierten Nuclear Blast die Scheibe und nahmen sie kurz darauf in ihr Normalprogramm auf. Das war das Beste, was uns passieren konnte.«

In der Tat müssen Hammerfall dankbar sein. Aber das ist noch lange nicht alle, was Oscar zu berichten hat - lest selbst!!!


Text Interview: Sven Lohnert
Text Internet: Sven Lohnert


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©breakout 9/2000