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Auch wenn "Legacy Of Kings" und "Renegade" beileibe keine schlechten Alben waren, so konnten sie doch niemals an das Niveau und die Atmosphäre des Debüts "Glory To The Brave" anknüpfen. Nun liegt nach zweijähriger Pause endlich neues Ohrenfutter der schwedischen Power Metal-Institution Hammerfall vor: "Crimson Thunder" nennt sich das Baby, welches unter Geburtshelfer Charlie Bauerfeind das Licht der Welt erblickte und dem es tatsächlich gelingt, den Spirit des Erstlingswerkes wieder einzufangen. Es ist lange her, daß Hammerfall derart dynamisch und energisch geklungen haben.
Ich muß zugeben, daß ich eine solche Leistungssteigerung von der Gruppe nicht unbedingt erwartet hätte. "Stimmt, wir haben selber gemerkt, daß wir die Zügel wieder etwas anziehen müssen, auch wenn 'Renegade' wirklich megaerfolgreich gewesen ist", bekennt Gitarrist und Hauptsongwriter Oscar Dronjak bei einer gepflegten Plauderei. "Deshalb auch der Wechsel des Produzenten." Genau darauf wollte ich hinaus: Es ist wirklich witzig, daß ihr jetzt, wo ihr nicht mehr mit dem einstigen Accept-Produzenten Michael Wagener zusammenarbeitet, auf eurem Album exakt den typischen Accept-Gitarrensound habt. Wie kommt's? |
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"Du bist nicht der erste, der das sagt, aber ich fasse es als Kompliment auf. Es stimmt tatsächlich, daß vieles auf 'Crimson Thunder' sehr an Accept erinnert, aber damit habe ich auch gar kein Problem, denn Accept zählten schon immer zu unseren größten Einflüssen. Darum haben wir bei 'Renegade' ja auch versucht, mit Michael Wagener in den USA zu arbeiten, was aber eben nicht hundertprozentig funktioniert hat, weil die Platte nicht wirklich heavy geklungen hat, sondern eher merkwürdig poliert. Genau deshalb haben wir diesmal mit Charlie Bauerfeind gearbeitet, weil er in letzter Zeit die wohl besten Produktionen auf dem Metalsektor abgeliefert hat. Ich denke, daß man dies 'Crimson Thunder' auch anmerkt, weil das Album einfach ungeheuer heavy und frisch klingt. Wir hatten exakt diesen Sound vor Augen und sind unheimlich froh, daß er letztlich auch so ausgefallen ist. Neben den Gitarren sind wir besonders glücklich mit den Backing-Vocals, die wirklich großartig klingen, schön voluminös. Genauso sollten unsere Chöre immer klingen, und endlich ist es uns gelungen, diesen typischen 'German Sound' einzufangen."
Du hast Charlie Bauerfeind eben bereits völlig zu Recht gelobt. Wessen Idee war es denn, ausgerechnet ihn auszuwählen? "Wie wir auf die Idee genau gekommen sind, erinnere ich mich jetzt gar nicht, aber wir haben uns mal zusammengesetzt und überlegt, welcher Produzent wohl am besten zu Hammerfall passen würde. Dabei fiel auch der Name Charlie Bauerfeind, und wir haben probiert, ob es machbar wäre. Glücklicherweise hat es geklappt. Was an seinen Produktionen so eindrucksvoll ist: Sie klingen immer absolut zeitgemäß, ohne dabei jedoch modern zu sein, wobei ich unter 'modern' jetzt Nu Metal und ähnliches verstehe. Es ist faszinierend: Egal was Charlie auch anpackt, es klingt ganz einfach gut." Es gab in der Vergangenheit immer wieder Stimmen, die euren Gitarrensound als nicht heavy genug bezeichnet haben und euch vorgeworfen haben, nicht wirklich "Metal" zu sein. Treffen einen solche Vorwürfe? "Sie beschäftigen einen schon etwas, auch wenn sie völliger Blödsinn sind. Wir waren immer mit ganzem Herzen Metal und stehen auch dazu. Dennoch haben wir uns diesmal extra bemüht, einen heftigen und kraftvollen Gitarrensound zu bekommen, was uns sicher gelungen ist." |
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Es scheint etwas so, als hättet ihr Hammerfall ein wenig neu erfunden: frischere, dynamischere Songs, ein neuer Produzent, ein neuer Covergestalter.
"Stimmt vielleicht ein bißchen, aber es war uns bei Hammerfall schon immer wichtig, daß wir uns stets weiterentwickeln und immer etwas Neues probieren. Diesmal ist das jedoch scheinbar etwas offensichtlicher, aber es ist bestimmt auch durchaus notwendig gewesen. Wir haben jedoch kein Interesse daran, berechenbar zu sein, sondern wollen die Fans auch nach wie vor überraschen können." Das Cover von "Crimson Thunder" wird wie gewohnt wieder von eurem Maskottchen Hector geziert, der aber diesmal sehr viel comicartiger erscheint. Warum der Wechsel von Stil und Zeichner? "Ich war früher ein großer Comicfan, was sich aber in den letzten Jahren sehr gelegt hat. Dennoch mag ich diesen Stil sehr, was sich auch in unserem Cover zeigt. Zum selber Lesen der neuen Comics habe ich allerdings weder Zeit noch Lust, weil mich diese endlosen Sprechblasen und riesigen Bilder, wie sie heute in Mode sind, einfach nur noch nerven, dafür bin ich zu ungeduldig. Mich verwirrt die neuartige Art, wie Comics heutzutage gezeichnet und aufgebaut sind. Der Zeichner, der unser neues Cover gemalt hat, arbeitet für Blizzard Entertainment, die Firma, die Computerspiele wie 'Warcraft III' erarbeitet hat. Ich traf ihn mal, und er erzählte mir, daß sie in ihrem Büro bei der Arbeit oft Hammerfall hören, was mich natürlich gefreut hat, zumal er sagte, daß ihn unsere Musik enorm inspiriert. Da lag es nahe, ihn einfach mal zu fragen, ob er nicht Interesse hätte, das Artwork für unser neues Album zu gestalten. Er sagte zum Glück sofort zu, was mich wiederum sehr glücklich machte, weil es unser Design etwas auffrischt. Andreas Marschall hat für uns großartige Covers gemalt, aber es war eben an der Zeit, mal etwas Neues auszuprobieren. Da war es natürlich perfekt, gleich mit einem derart begabten Künstler zusammenarbeiten zu können. Wir machten ihm einige Vorschläge, wie das Cover in etwa aussehen soll, und er hat es dann umgesetzt. Ich denke, das Resultat spricht für sich." |
Text: Martin Kosbab-Zillmann
Internet-Text: Sven Lohnert

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