![]() JOHN LAWTON gnadenlos live... ![]() |
John Lawton gehört ohne jeden Zweifel zu den großen Rockröhren. Der ehemalige Sänger von Lucifer's Friend und Uriah Heep erfreute uns gerade mit einem melodischen Hardrock-Album der Extraklasse. "Sting In The Tale" klingt so, wie viele es sich seit Jahren von ihm gewünscht haben.
"Sting In The Tale" ist ein klassisch-britisches Hardrock-Werk; war es als solches von Anfang an geplant? "Nein. Wir spielten in dieser Besetzung mit Steve Dunning am Baß, Erol Sora an der Gitarre, Leon Lawson an den Keyboards und Drummer Benjy Reid einige Gigs in Deutschland, und immer wenn wir neue Songideen hatten, kam es halt so aus uns heraus. Also, damit war die Richtung klar." Wie ist der derzeitige Status der John Lawton Band? Ein Nebenjob? "Mit solch guten Musikern um mich herum ist es natürlich meine Hauptbeschäftigung. Ich hoffe, wir können in Zukunft möglichst viele Leute von der Güte dieser Band überzeugen." Was tun die anderen außerhalb der Gruppe? "Steve ist als Tontechniker tätig, Erol arbeitet für eine Computerfirma, Benjy trommelt in einigen Wochenend-Combos, und Leon macht Studiosessions." Ist die JLB eine Band im klassischen Sinn oder eher ein Projekt? "Wir treffen uns sowohl privat wie auch im Proberaum. Bevor wir 'Sting In The Tale' aufnahmen, haben wir einige Tage zusammen an den Songs, Arrangements et cetera zusammen gearbeitet. Jeder gab seinen Input, deshalb lief es auch so gut." |
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War die Hensley Lawton Band eigentlich wirklich nur als kurzfristiges Projekt geplant, oder seid ihr inzwischen nur reif und diplomatisch genug, das als offizielle Begründung für das Ende dieser Truppe anzugeben?
"Musikalisch haben wir hervorragend zusammengearbeitet, auch auf der Bühne lief es so, wie es sollte, doch leider war es jenseits der Bühne anders. Im Gegensatz zu mir hatte Ken etliche Jahre keine Tourneen mehr gemacht, und mir kam es so vor, als trauere er noch der Zeit der großen Arenen und Limos hinterher. Wir sind aber weiterhin befreundet, doch ich glaube, er muß der Boss seiner eigenen Band sein. Dennoch ist es schade, daß es nicht länger geklappt hat." Angesichts deines Gastauftritts bei Uriah Heeps "Magician's Birthday Party" - reizt es dich nicht, mal wieder in ein größer angelegtes Projekt einzusteigen? "Nein, nicht wirklich. Es hat Spaß gemacht dabeizusein, aber es macht mir noch mehr Spaß, in Clubs wirklich mit einem Publikum zu kommunizieren." Gab es denn außer der berühmten Offerte, mit Ritchie Blackmore und Deep Purple zu arbeiten, andere namhafte Gruppen, die bei dir anfragten? "Ja, die gab es, aber ich wollte lieber die Füße am Boden lassen. Wenn du dich mal darauf eingelassen hast, dann bist du danach immer der Ex-Sänger von X. So wie ich heute immer noch als der Ex-Sänger von Uriah Heep gehandelt werde." Was war die beste Entscheidung für deine Musiker-Karriere? "Definitiv, daß ich nach Hamburg gegangen bin. Dort habe ich nicht nur meine Frau kennengelernt, dort haben sich für mich auch musikalisch Türen geöffnet. Zwar wurden die Les Humphries Singers und Lucifer's Friend nicht unbedingt international bekannt, andererseits erfuhren doch die richtigen Leute von mir." Gibt es ein musikalisches Ziel oder Projekt, welches du in Zukunft gerne realisieren würdest? "Ich wollte immer das Lucifer's Friend-Album 'Banquet' komplett live auf die Bühne bringen, mit Bläsern und Streichern. Es war immer mein persönliches Lieblingsalbum, und es wäre eine Freude, das zu realisieren." In England ist "Sting In The Tale" schon einige Zeit veröffentlicht, was steht in der nahen Zukunft für die John Lawton Band an? "Ich würde gerne ein weiteres Album mit diesen Jungs aufnehmen, weil ich denke, daß wir noch viel mehr zu bieten haben. Leider wird diese Art von Musik, wie wir sie spielen, selten im Radio gebracht, und damit ist es sehr schwierig, das entsprechende Publikum zu erreichen; aber vielleicht ändert sich das noch mal." |
JOHN LAWTON |
![]() MICK BOX |
Und nun zu Uriah Heep...
Wer ein Land kennt, in dem Mick Box und seine Band Uriah Heep noch nicht gespielt haben, dem darf ich die private Telefonnummer seines Londoner Hauses verraten, und der Ort landet garantiert auf dem Tourplan 2004/2005. |
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Gibt es ein Land, außer Deutschland natürlich, wo ihr besonders gerne spielt?
"Eine gemeine Frage: Normalerweise kann man darauf genau das Land nennen, aus dem der Interviewer stammt. Nein, mal ganz ehrlich, es macht immer Spaß, da zu spielen, wo einen die Leute sehen wollen, und wenn das schon seit Jahrzehnten so ist wie zum Beispiel in Deutschland, dann ist es dort meist auch sehr angenehm. Ansonsten mache ich da kaum Unterschiede. Egal ob Israel oder Südkorea, es kommt auf den Abend an. Was Spaß macht, ist aber, in Ländern zu spielen, wo wir entweder vorher noch nie waren oder wo eigentlich außer uns nie Rockbands spielen. Tausende von hüpfenden Turbanen irgendwo auf einer entlegenden Kuhwiese, wo man sich ständig fragt, wo haben sie den Strom herbekommen - das macht uns schon Freude." Was hat es mit den "Magician's Birthday Party"-Festivals auf sich? "Als wir vor drei Jahren damit begannen, hatten wir schon vor, daraus eine Tradition werden zu lassen: jedes Jahr im Spätherbst an zwei, drei Tagen in London Uriah Heep sowie all die verschiedenen Ableger von uns zusammenzufassen zu einem Heep-Fest. Dazu ein paar spezielle Gäste, und das Wochenende ist gerettet. Daß die Idee und das Event so gut angenommen wird, macht uns einfach stolz - nicht nur in Indien, sondern auch zu Hause gefeiert zu werden." Was heißt zu Hause - als ich dich vor einigen Jahren mal nach euren Wohnorten fragte, da sagtest du, die einzelnen Bandmitglieder residieren auf verschiedenen Kontinenten? "Schon lange nicht mehr. Wir sind im Prinzip wieder eine europäische Band." |
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![]() URIAH HEEP |
Lebst du nicht mehr in Australien?
"Nein, nach dem Krebstod meiner australischen Frau bin ich zurückgekehrt nach London, und die anderen wohnen auch dort. Selbst unser Kanadier Bernie [Shaw, Sänger] lebt nun hier. Trevor Bolder bekommt natürlich niemand aus Hull heraus. Lee [Kerslake, Schlagzeuger] ist inzwischen vom sonnigen Süden der USA nach Lanzerote gezogen." Zurück zum ersten "Magician's Birthday"-Event von vor zwei Jahren: Wie war es, wieder mal mit Ken Hensley auf einer Bühne zu stehen? "Erstaunlich angenehm. Die Konstellation Heep/Hensley ist nun wahrlich nicht friedlich zu Ende gegangen. Doch er ist eine ganz wichtige Person in der Uriah Heep-Geschichte. Das zu leugnen, wäre mehr als dumm. Inzwischen lebt er wieder hier, pendelt zwischen England und Spanien. Er hatte zwei Jahrzehnte in den USA gelebt, anfangs noch mitten im Musikgeschehen [Blackfoot], später eher im Hintergrund. Als er da nach all den Jahren mit uns ein paar Songs spielte, das hatte schon was. Ich schätze, weder wir noch er denken daran, auf permanenter Basis etwas zusammen zu machen, aber man muß sich auch nicht gerade aus dem Weg gehen. Ähnlich verhält es sich mit John Wetton und John Lawton." John Lawton ersetzte vor einigen Jahren sogar mal Bernie Shaw bei einigen Konzerten, als der krank war und ihr dennoch auftreten mußtet. "Richtig, John ist einfach ein total netter Kollege und selbstverständlich ein großartiger Sänger. Er und Bernie sind auch befreundet." Wo wir so viel über Heep auf Tour geredet haben: Steht denn mal wieder ein Studioalbum an? "Ich denke, dieses Jahr noch." |
Text-Interview: Michael Lorant
Text Internet: Sven Lohnert

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