![]() |
Audiatur et altera pars sagten schon die alten Römer (Anm.: Genauer: Seneca. Der Red.) und drückten mit dieser Weisheit die Notwendigkeit aus, auch der Gegenseite das Recht auf Darstellung der eigenen Sichtweise einzuräumen. Dieser Grundsatz kommt aber nicht immer zwangsläufig zum Tragen, denn wenn zum Beispiel ein Musiker eine Band verläßt, kursieren in der Öffentlichkeit meist nur die von den verbleibenden Bandmitgliedern verbreiteten offiziellen Gründe für die Trennung. Dem Unbeteiligten fehlt jeglicher Einblick in die Ereignisse hinter den Kulissen, dem Betroffenen leider oftmals die Gelegenheit, die Dinge ins rechte Licht zu rücken, und manche erhalten nie die Chance, die dahinterstehenden oft recht merkwürdigen gruppendynamischen Prozesse zu schildern. |
Fast wäre es Heir Apparent-Mastermind Terry Gorle ebenso ergangen, doch etliche Jahre nach seinem eher unfreiwilligen Ausscheiden kann er die damaligen bandinternen Vorgänge schonungslos enthüllen. Terry mußte am eigenen Leib schmerzlich erfahren, daß die eingeschworene Gemeinschaft der angeblichen vier Freunde in seiner Band nur bis zum Auftauchen gravierender Probleme im Nachgang der gnadenlos gefloppten Tour zum Debüt Graceful Inheritance im Sommer 1986 Bestand hatte.
»Das war während der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, und wir wurden einfach in einen Bus gesetzt und ohne einen Vertrag unterzeichnet zu haben, einfach auf Europa-Tour geschickt. Hinzu kamen noch der Nuklearunfall in Tschernobyl und politische Ereignisse, denn Reagan hatte damals gerade Libyen bombardiert, und jedem amerikanischen Staatsbürger war quasi eine Zielscheibe auf die Brust gemalt, weshalb wir vorgeben mußten, Kanadier zu sein. Für uns war es großartig, in Europa zu spielen, doch als wir zurückkamen, hatten wir keine Jobs mehr und waren mit der Miete zwei Monate im Rückstand. Wenn unsere Freundinnen uns nicht durchgefüttert hätten, wären wir wirklich absolut am Boden gewesen.«
Doch damit schien eine schwarze Serie erst ins Rollen gekommen zu sein, die sich als Teufelskreis entpuppen sollte.
»Als wir wieder in die USA zurückkehrten, fehlten die Dokumente über unsere Einreise nach Belgien, wobei der ganze Papierkram eigentlich der Job unseres Labels gewesen wäre, das sich einfach nicht darum gekümmert hat. Also hat der Zoll unser Equipment beschlagnahmt und mir eine Strafe von 5.000 Dollar aufgebrummt. Es hat mich sechs Wochen gekostet, die Strafe aufzubringen und unsere Sachen wiederzubekommen.« 
»Die Behörden hatten alles in einem großen Lagerhaus aufbewahrt, wo alles naß geworden und gerostet ist, auch waren alle Cases aufgebrochen, uns ist ein riesiger Schaden entstanden. Für die war ich nur ein langhaariger Penner, der froh sein konnte, seine Sachen überhaupt zurückzubekommen; man hat mir dann beim Rücktransport nicht einmal beim Einladen geholfen, das mußte ich mit meiner Frau alleine erledigen. Nachdem Bassist Derek Peace zu Savage Grace gewechselt war, planten wir mit der neuen Besetzung an Silvester einen Auftritt. In der Nacht zuvor wurden meine Gitarren und die Keyboards gestohlen, so daß wir die Show mit geliehenem Equipment spielen und uns dann nochmals Geld pumpen mußten, um neue Instrumente zu kaufen. Unser Label Black Dragon, das uns über Verkaufszahlen oder Verlagsgelder niemals die Wahrheit erzählt und uns auch die Mastertapes nicht zurückgegeben hat, informierte uns, daß wir noch kein Geld verdient hätten, sondern im Gegenteil mit 20.000 Dollar in der Kreide stünden, für die ich im Namen der Band verantwortlich war.«
Keine gute Ausgangsbasis. Wie die Sache weitergeht, offenbart das neue Break Out 2/2000 ein Heft, das Gold wert ist. Erbschleicher Stephan Treu mimt darin den vertrauenswerten Notar, der detailliert Soll und Haben von Heir Apparent festhält.
Text Interview: Stephan Treu
Text Internet: Mike Seifert

Mehr darüber gibt´s im Heft 2/00 nachzulesen!
Falls Ihr dieses Heft bestellen möchtet - einfach anklicken!