![]() HIM sind wieder da! |
Um fünf Uhr morgens aufstehen, einer unchristlichen Uhrzeit, nur um pünktlich um elf Uhr in Köln für einen Interviewtermin zu sein - da muß in der Tat etwas ganz Besonderes vorliegen, damit ich solche Strapazen auf mich nehme! Aber wenn meine Lieblingspromoterin Silke Yli-Sirniö das Ganze einfädelt, kann man erstens sowieso nicht nein sagen, und zweitens geht es ja um einen alten Kumpel, der auf den Namen Ville Valo hört.
Im Hilton angelangt, bekommt man schon bei der Getränkekarte einen Schock: ein Willi kostet da gleich mal 18 Euro! Bei dem Preis muß der Schnaps wohl noch aus Adams 2005 Jahre altem Vorrat stammen, mit dem er sich berauschte, wenn Eva ihre Tage hatte. Hätten Silke und ich die "kleine Orgie" im Mannheimer Uni Club nach dem LAB-Interview, wo der Willi in Strömen floß, in diesem Nobelbunker vollzogen, wäre ich für Drakkars Labelboß Kopec auf seinem Weg zum Insolvenzverwalter sicherlich Staatsfeind Nummer eins. |
|
Mittlerweile befinden wir uns in Villes Zimmer, und nach der herzlichen Begrüßung bekommt Silke gleich die nächste Hiobsbotschaft. Ein Journalist muß das Date in Köln absagen, weil der Bahnhof von Recklinghausen wegen einer Bombendrohung gesperrt ist. Das erinnert einen sofort an die Attentate von London, Madrid und natürlich New York.
"Es ist erschreckend", zeigt sich Ville sichtlich berührt, "und macht einem Angst. Burton war beispielsweise während der zweiten Bombenattacke in London, wo zum Glück nichts passiert ist. Außerdem leben dort auch einige von unseren Freunden, die sich wirklich fürchten, ihr Haus zu verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Und das ist richtig arg! Speziell in London muß fast jeder für seinen Job die U-Bahn benutzen. Insofern ist das schon unheimlich. Niemand sollte in Angst leben. Vielleicht sollten sie wirklich die Truppen aus dem Nahen Osten abziehen. Das könnte helfen. Die Amis haben den ersten Fehler gemacht. Amerika hatte das Mitleid der ganzen Welt auf seiner Seite, da braucht man nicht in ein Land einzumarschieren. Ich bin absolut gegen Krieg, und ich glaube auch nicht, daß er etwas bringt. Natürlich verstehe ich, daß die Amerikaner richtig angepißt sind, aber das Kuriose ist, daß ich mich mit sehr vielen Menschen in New York über diese Thematik unterhalten habe, und die waren alle gegen den Einmarsch in den Irak. Aber gerade der Süden, der von dem Attentat überhaupt nicht betroffen war, hat sich ganz klar für den Krieg ausgesprochen. Insofern ist das eine sonderbare Situation. New York ist eine Art Schmelztiegel, in dem Menschen aus allen möglichen Regionen und Ländern leben, und die haben eine total andere Meinung als die Rednecks. Aber wie du ja weißt, ich bin kein Politiker!" |
![]() Die Band der Stunde ![]() Promoterin Silke, Chris und Ville! |
![]() Der perfekte Frontmann - Ville ![]() |
Wenden wir uns mal wieder den normalen Dingen zu: Es ist schon ein Weilchen her, seit wir uns in Offenbach im Rahmen der "Love Metal"-Tour getroffen haben und bis fünf Uhr morgens an der Hotelbar Schach spielten. Mittlerweile ist ja so einiges passiert: Ihr habt einen neuen Deal mit Warner, eine exzellente Doppel-DVD wurde veröffentlicht, eine Tour in den Staaten wurde absolviert, auf Festivals wart ihr aktiv, und jetzt habt ihr mit "Dark Light" ein absolut brillantes Album am Start. Tja, das ist die Kurzversion. Gib mir einfach die lange Version, was nach Offenbach im HIM-Lager so passiert ist.
"Uff", aber das war nur mal so ein kleiner Verschnaufer von Ville. "Ich kann mich bestimmt nicht mehr an alles erinnern. Wir tourten vor ungefähr einem Jahr zum ersten Mal in Amerika, und das war genau zu dem Zeitpunkt, als unser Deal mit BMG auslief. Dort waren wir dann auf der Suche nach einem geeigneten Partner, und diverse Plattenfirmen signalisierten starkes Interesse an uns, was uns natürlich sehr gefreut hat. Da, wie du ja weißt, die wichtigsten Entscheidungen im Musikbiz meist in Amerika getroffen werden, dachten wir uns, es wäre gut, eine Stufe auf der Leiter hochzuklettern und mal was anderes auszuprobieren, anstatt erneut bei einem kleinen europäischen Label einen Vertrag abzuschließen. Und so haben wir uns für Sire entschieden, die mit Warner Music zusammenarbeiten. Sire ist das Label, das beispielsweise die Ramones, Talking Heads, Depeche Mode und so coole Bands wie Dinosaur Jr. für Amerika unter Vertrag genommen hat. Dann waren wir wieder auf Tour, haben angefangen am Album zu arbeiten und uns für Tim Palmer als Produzent entschieden, der bereits 'Love Metal' abgemischt hat. Gleichzeitig haben wir noch an der DVD gearbeitet, weil unsere alte Plattenfirma SonyBMG da noch die Rechte hatte. |
|
In der Tat. In der Regel ist es eigentlich so - zumindest gilt das für viele Interviews, die ich geführt habe - daß ich gerade mal zwei, drei Fragen zum Album stelle und mich dann lieber den richtig interessanten Dingen widme. Aber "Dark Light" ist solch ein Hammer, daß wir uns in dieser Ausgabe nur auf dieses Album konzentrieren werden. "Dark Light" ist bei weitem nicht so heavy und düster ausgefallen wie "Love Metal", vielmehr erinnert es einen spontan an "Razorblade Romance" aufgrund der packenden Melodien und der mitreißenden Refrains, quasi ein Album, das nur aus Hits besteht.
"Während der Aufnahmen waren wir richtig relaxt. Die Songs waren gut vorbereitet, und wir hatten die Idee, ein Rockalbum ohne allzu viele Balladen aufzunehmen. In der Regel haben wir immer sehr viele langsame Lieder. Okay, 'Dark Light' ist etwas gediegener gehalten, gleiches gilt auch für 'Play Dead', die aber auch so ein Sabbath-Feeling haben. Auf jeden Fall sollte es ein straightes Rockalbum werden, mit fetten Refrains und so. Deswegen kann ich den Vergleich mit 'Razorblade Romance' auch gut nachvollziehen oder wenn die Rede von einem 80er Album ist. Und da wir dies seit Jahren nicht mehr getan haben, war es einfach mal wieder an der Zeit. Außerdem hat uns das Ganze tierisch Spaß gemacht. Diesmal spielen auch die Keyboards eine wichtige Rolle, so richtig episch, fast schon wie bei einem Soundtrack." ...Fortsetzung im neuen BREAK OUT 7/2005 - ab sofort druckfrisch am Kiosk!!! |
![]() Kettenraucher unter sich: Ville und Chris! |
Text Interview: Chris Glaub
Internet-Text: Sven Lohnert

Mehr darüber gibt´s im Heft 7/05 nachzulesen!
Falls Ihr dieses Heft bestellen möchtet - einfach anklicken!