HIM
Titten, Turniere und Tote auf dem Spielbrett


Ville und Silke in Aktion...

Burton erfüllt seine Pflicht...

Ville, Burton, Chris und Migé (v.l.n.r.)
Die beiden Schachverrückten Migé Amour und Burton von unseren finnischen Freunden HIM haben mir an ihrem Day-off in Mannheim den Fehdehandschuh vor die Füße geschmettert und für die Dauer des Wettbewerbs mal kurz die Freundschaft gekündigt, denn beim königlichen Spiel gibt es kein Pardon.

Und weil das ein besonderes Event war, hatte ich mir ein spezielles Programm ausgedacht: Nicht ich spiele gegen die beiden, nein, das hatten wir ja schon in Hamburg; sondern die Frauenmannschaft von Chaos Mannheim, die gerade in die erste Bundesliga aufgestiegen ist, sollte die Finnen das Fürchten lehren! Im Endeffekt war es jedoch umgekehrt, aber dazu später mehr. Eines hat leider nicht geklappt: Unsere elfjährige Lara, selbst HIM-Fan, sollte Migé und Burton gewaltig am Brett vermöbeln - sie ist in ihrer Altersgruppe halt nur die Weltmeisterin! Das hat leider zeitlich bei ihr nicht hingehauen, aber auch so war es ein Riesenspektakel.

Als ich mit Migè und Burton um 13 Uhr im Mannheimer Uni Club eintreffe, ist unser Vereinslokal für eine Top-Secret-Veranstaltung schon richtig gut gefüllt, so viele Mädels habe ich vorher in dem Laden noch nie gesehen. Und los geht?s mit den Paarungen Migé Amour/Simone Chung und Burton/Steffi Heinrich, wobei die Bedenkzeit für die Herren dreißig Minuten und für die Frauen nur fünfzehn ist. Und unsere Freunde, die am Vortag noch fleißig in der Hotellobby übten, sind absolut konzentriert, verbissen und steigern sich in das Spiel hinein, das über lange Zeit ausgeglichen ist.

"Die sind ja gut", piensen die Frauen im Hintergrund. "Du hast doch gesagt, das sind nur Hobbyspieler?" Oh, Mann! Unseren Bundesligaspielerinnen geht der Arsch auf Grundeis. Ein absoluter Skandal, denn Migé und Burton haben noch nie (!) eine Partie unter Turnierbedingungen gespielt und sammeln ihre Erfahrung nur durchs Spielen im Internet. Burton muß sich nach langem Kampf geschlagen geben, und Migé vergurkt sogar noch eine klare Gewinnstellung. Die Jungs haben sich tapfer geschlagen; sämtliche Frauen sind schockiert, denn sie haben die Kerle wohl im Vorfeld als Kanonenfutter betrachtet.

Runde zwei: Migé Amour/Claudia Müller, Burton/Ursula Wasnetzky. Man glaubt's nicht: Migé hat eine gesunde Mehrfigur, steht somit klar auf Gewinn - und geht wieder baden! Unfaßbar, wie sich unsere Frauen blamieren. Anscheinend spielen bei den Frauen die Hormone verrückt, während sie Migé anschmachten. Und er selbst? Tja, nach Glaub?scher Analyse muß er megadevot sein, wenn er sich in einer dominanten Position noch abschlachten läßt.

Kommen wir auf Burton zu sprechen: Dem haben wir in Ursula Wasnetzky eine ehemalige und mehrmalige Deutsche Meisterin vorgesetzt, die sogar für Deutschland bei der Olympiade und mit Robert Hübner, dem bekanntesten deutschen Schachspieler, im Team spielte. Da hättet ihr Burton mal sehen sollen: Gentleman pur. Ein braves Küßchen für unsere große Dame auf die Hand - und jeder Zug wird mit zittrigen Fingern ausgeführt. Da hat er mächtig Respekt! Und er spielt die Partie seines Lebens. Er opfert eine Figur, kämpft, rackert und hat die Möglichkeit für ein Dauerschach, was ein Remis bedeutet. Allerdings macht er genau in der Stellung den Verlustzug - aber unsere Ursel bietet ihm höflich das Remis an.

Jetzt ist Sabine Klein, die Mannschaftsführerin des Frauen-Clans gefordert. Kann sie Migés Charme standhalten? Zeigt Migé mal ausnahmsweise seine dominante Seite? Nein! Wie immer das gleiche Spiel: Migé steht auf Gewinn und vergeigt's total.

Mittlerweile ist auch Ville Valo mitsamt Partylöwin und Betreuerin Silke Yli-Sirniö im Uni Club eingetrudelt, und die Atmosphäre ist richtig geil. Und glaubt mir eins, ich habe Ville wirklich x-mal getroffen, bei Interviews, auf der Tour, bei den Autogrammstunden im Media Markt Heidelberg, zudem war ich als Tourbegleitung schon mit ihm unterwegs, aber so locker und gut drauf wie an dem Tag habe ich ihn noch nie erlebt.

Burton zeigt sich währenddessen im 5-Minuten-Blitzschach erstaunlich stark. Ein 1:1 gegen Annette Busch, was für ein Schlawiner. Bei mir behauptete er noch, er könne mit der Schachuhr kein Blitzschach spielen, weil er ja viel zu langsam sei; jetzt gewinnt er auf Zeit, weil er - wie man sieht - sauschnell ist. "Als Ville sich neben mich setzte", erzählt mir später Annette, "bin ich halt nervös geworden und konnte mich nicht mehr konzentrieren." Weiber. Aber ich habe sogar Verständnis für die Situation. Wirklich. Bei so geballter Manpower wird das zarte Geschlecht schon mal nervös, neigt zu Fehlern und will sich einfach unterordnen, um mal richtig Frau sein zu dürfen. - Hmmm, jetzt weiß ich auch, warum ich noch nie ein Turnier gegen eine Frau verloren habe.

Nachdem unsere Damen eine absolut indiskutable Vorstellung geboten haben, müssen halt wir Männer ran. Und da schicken wir doch gleich unseren Großmeister Sapar ins Rennen, der sich zum Blindschach gegen den flotten Dreier Migé/Burton/Ville bereiterklärt. Blindschach bedeutet einen richtig geistigen Kraftakt, denn unser Mann muß den kompletten Spielverlauf im Kopf haben, da er kein Brett vor sich hat, während unsere Finnen sich nach Herzenslust beim Spiel beraten können. Ich selbst habe es noch nie ausprobiert, und zehn, fünfzehn Züge würde ich mir noch zutrauen, aber eine komplette Partie dauert im Schnitt 40 bis 60 Züge. Und endlich ist es soweit: Migés Charme, Burtons Spielstärke und Ville als Verstärkung müssen sang- und klanglos passen, denn sie werden regelrecht eingedost. Tja, wenn Männer spielen!

Burton hat verloren


Ville kämpft...

Silke greift zu unfairen Mitteln...


...auch Migé (oben) gibt alles!


Aber das war noch lange nicht alles. Der wahre Höhepunkt des Abends ist das Jägermeister-Match, auf das sich unser Tunichtgut Andreas Bäuschlein, mit Sicherheit einer der stärksten Spieler im Bezirk, eingelassen hat. Die Regel: Pro geschlagene Figur muß er einen Jägermeister vertilgen; bei den HIMsters lassen wir Gnade walten, weil sie am nächsten Tag bei VIVA noch Interviews geben sollen. Dennoch: Burton besteht darauf, mitzutrinken - was er später bestimmt zutiefst bereut hat -, und die Stimmung steigt zum Siedepunkt.

Burtons Gesichtsausdruck ist ein Bild für Götter. Als er bereits sechs Jägermeister intus hat, steht ihm das blanke Entsetzen im Gesicht, weil er plötzlich feststellt, daß seine geplante Kombination nicht aufgeht und er daraufhin den siebten Kräuterlikör kippen muß. Die Hände hat er sich vors Gesicht geschlagen, und danach hat er richtig gebettelt, daß er mattgesetzt wird, denn Andy hatte eigentlich die Möglichkeit, ihm die Leberwerte richtig zu versauen. Danach stürmt Burton mal kurz aufs Klo - und wird danach etwas erleichtert wieder in unsere Runde aufgenommen.

Migé ist etwas klüger, läßt sich auf das Trinken von Jägermeister nicht ein und wird abgemetzelt. Den Spielstand verrate ich nicht, aber: Don't try this at home! Ach ja, während der ganzen Zeit versuchte die liebe Silke, unser Andylein zu becircen, um ihn abzulenken, damit ihre Buben eine Chance haben. Tja, das lief dann auf ein Grande Finale zu, denn unser Andy ist beileibe kein Kind von Traurigkeit und kein Kostverächter, und wenn frauliche Reize hinzukommen, dann hat er seine Hormone (leider) nicht unter Kontrolle. Und so kommt es zur finalen Schlacht und zum apokalyptischen Spektakel Andy Bäuschlein/Silke Yli-Sirniö (plus Ville Valo), denn unser Mann hat folgendes gefordert: Er trinkt von jetzt an doppelte Jägermeister, aber bei einem Sieg will er Titten sehen. That's Rock'n'Roll! Und Silke, eine Frau, mit der man Pferde stehlen kann, willigt sofort ein.

Was für ein Spiel! Was für eine Dramatik! Andy will sie auf Biegen und Brechen mattsetzen (man denke an die Belohnung), und Silke will ihn einfach nur unter dem Tisch sehen und schlägt jede mögliche Figur raus. In einem regelrechten Massaker, bei dem Andy total überlegen dasteht, greift sie zu ihrer letzten Waffe, um als moralischer Sieger hervorzugehen: Sie zieht völlig überraschend ihr Oberteil runter, Andy sieht's - und ihn brettert es gnadenlos vom Stuhl. Somit sind theoretisch alle beide Gewinner, und die Jury wertet die Partie als Remis.

Unsere drei Lieblingsfinnen sind, wie es sich gehört, als aktive Spieler bei Chaos Mannheim gemeldet, haben bereits mächtig PR für uns bei VIVA gemacht und freuen sich wirklich jetzt schon auf das nächste Spektakel im Uni Club. Da fällt mir fürs Programm doch glatt eine neue Disziplin ein: Stripschach! Wenn Silke "vom besten Promotiontag ihres Lebens" spricht und Ville verschmitzt meint: "Chaos Mannheim ist der beste Schachclub Deutschlands! Sollte es wirklich einen besseren geben, dann will ich ihn erst gar nicht kennenlernen? - tja, dann könnt ihr euch ja vorstellen, was wir so abgezogen haben.

Und was unseren "Helden" Andy Bäuschlein betrifft: Den mußten wir aus der Kneipe raustragen, aber das einzige, was ihn heute noch aufregt, ist, daß er sich nicht mehr an seine "Belohnung" erinnern kann.

Da hat unser guter Chris Glaub erneut echte Ausdauer bewiesen. Wie sagte schon Heinz Ehrhard "ich habe schon lange nicht mehr geschacht." Auch die Jungs von HIM ließen sich auf das Spiel der Meister ein und lernten einiges dazu: Jägermeister-Schach, Blind-Schach, Strip-Schach...es war alles dabei!...Mehr könnt im neuen Break Out 7/2003 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel nachlesen.

Text-Interview: Chris Glaub
Pics: Martina Daunke
Text Internet: Sven Lohnert



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