![]() ICED EARTH legen los |
Viel geschickter hätte man das nicht machen können. Matthew Barlow, langjähriger Frontmann von Iced Earth wollte/konnte/durfte nicht mehr, und sein Ersatz folgte auf dem Fuße. Der just arbeitslos gewordene Tim Owens, die letzten Jahre als Front-Ripper bei Judas Priest, hatte Lust und Zeit, für die Zukunft seine Kräfte mit Iced Earth zu verbinden. Viel mehr noch: Er sang bereits deren neues Album "The Glorious Burden" ein und wird sich demnächst auch auf den Bühnen dieser Welt zusammen mit seinem neuen "Arbeitsgeber" vorstellen.
Iced Earth-Gehirn Jon Schaffer und Tim Owens weilten vor einigen Wochen in München, um die Werbetrommel für ihr erstes gemeinsames Werk zu rühren. Und so wie die beiden zusammen herumalberten und so gut sie sich auch ergänzten, könnte man meinen, hier haben sich zwei gesucht und auch gefunden. Die Zukunft wird zeigen, ob es sich bei diesem Eindruck nur um ein Gefühl handelt oder ob die gemeinsame Zukunft von Iced Earth und Owens tatsächlich gesichert sind. |
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"Ich kann es niemandem verdenken, wenn er bei dieser Verbindung an Zufälle glaubt", meint Schaffer. "Aber auf irgendeine seltsame Art und Weise hat diese Verbindung tatsächlich geklappt. Ich wollte bereits seit längerer Zeit mit Tim zusammenarbeiten. Dann kamen die Probleme mit Matt, der einfach nicht mehr mit dem Herzen bei der Sache war. Bei einem so wichtigen Album wie 'The Glorious Burden' natürlich eine äußerst fatale Einstellung. Dann konnte ich Tim überzeugen, das Album einzusingen. Er tat es auf eine unglaublich beeindruckende Art und Weise in nur fünf Tagen, war allerdings zu dem Zeitpunkt nur Gast, denn er war ja immer noch Mitglied von Judas Priest. Und dann kam die Judas Priest-Reunion mit Halford. Und die Tür für Tim stand bei uns sperrenangelweit offen. Das Schicksal nahm seinen Lauf, kann ich nur sagen. Und das Album klingt einfach vorne und hinten nicht wie ein Schnellschuß oder wie das gemeinsame Album von Musikern, die künstlich zusammen ins Studio gesetzt worden sind."
Die Scheibe war zum größten Teil bereits fertig, als Owens ins Boot kam. Da bleibt natürlich nur die Spekulation, wie sie klingen würde, wäre er von Anfang an am kreativen Prozeß beteiligt gewesen. "Das sind in der Tat nur Spekulationen", wiegelt der Sänger ab. "Jon schreibt bekanntlich den Bärenanteil des Iced Earth-Materials. Und er macht seine Sache wirklich gut. Aber wir müssen einfach abwarten, um zu sehen, wie gut wir wirklich zusammenarbeiten können. Ein wenig durfte ich mich bereits bei diesem Album einbringen, und es gab keinerlei Probleme mit Egos oder Freiräumen. Auch wenn es wie ein Klischee klingt: Ich sehe der Zukunft äußerst gelassen entgegen." Tim Owens und seine Stimme. Es stellt sich die Frage, wo sie wirklich am natürlichsten klingt: Bei Judas Priest, Iced Earth oder gar seiner alten Band Winter's Bane? "Es ist eben die Mischung, die es ausmacht. Bei all diesen Bands konnte ich verschiedene Aspekte meine Stimme einbringen. Ich habe noch nie auf eine einzige Art und Weise gesungen. In meiner Stimme spiegelten sich schon immer verschiedene Schattierungen und Stimmungen wieder. Ich habe immer versucht, meine Stimme der jeweiligen Band und vor allem dem jeweiligen Song anzupassen und anzugleichen. Es war immer Tim Owens, aber eben auf die verschiedensten Arten und Weisen. Sogar bei Judas Priest habe ich versucht, meinen stimmlichen Input bei all den altbekannten Stücken einzubringen, welche die Band ausmachten." |
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Die Sache mit Iced Earth muß für ihn zeitlich genau passend gekommen sein. Er mußte sich nicht zu viele Gedanken über seinen Rauswurf bei Judas Priest machen, wenn er bereits die nächste Ausgabe vor Augen hatte.
"Die Sache mit Iced Earth half natürlich. Das Angebot kam zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte in der Tat nicht allzu viel Zeit, mir zu viele Gedanken darüber zu machen, daß ich nicht mehr der Judas Priest-Sänger bin. Es gab noch die Optionen, eine eigene Sache aufzuziehen oder bei einer anderen bekannten Band einzusteigen. Aber die Entscheidung für Iced Earth scheint mir in allen Belangen richtig zu sein. Und um die Sache nicht falsch zu verstehen: Ich bin immer noch in Verbindung mit Judas Priest und mit dem Management der Band. Sie gaben mir gleich am nächsten Tag nach der Trennung einige interessante Tips, wohin und an wen ich mich bezüglich meiner Zukunft als Sänger wenden kann. Aber die Sache mit Iced Earth machte einfach am meisten Sinn. Außerdem hatten wir zu dem Zeitpunkt bereits zusammengearbeitet und wußten, daß wir miteinander können. Ich bat Jon um sechs Wochen Bedenkzeit und stieg schließlich ein. Für mein eigenes Ding oder für ein Nebenprojekt werde ich immer noch genug Zeit haben. Da geht es nur um eine Koordination von Terminen. Jon hat schließlich auch noch sein Projekt mit Hansi Kürsch laufen. Und es ist schon interessant: Die Band, in der ich jetzt singe, verkauft derzeit weltweit mehr Alben als die Band, für die ich zuletzt am Mikro stand. Und: Man kann von Jon sehr viel lernen. Es macht Spaß, mit ihm durch die Weltgeschichte zu reisen. Und es ist immer wieder interessant, von Jon die ganzen alten Geschichten zu hören. Am Anfang der Band war er nämlich wirklich vollkommen abgebrannt und lebte in einem Auto. Dafür hat er es echt weit gebracht." |
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"Dafür bin ich heute alt und habe graue Haare", grinst der Gitarrist. "Aber ich habe ein neues Auto und muß darin nicht mehr wohnen. Tatsache ist aber, daß die Band bis vor einigen Jahren ein Unternehmen war, in das ich investiere mußte, um es einigermaßen am Leben zu erhalten. Geld kommt erst seit einigen wenigen Jahren rein. Aber auch in der Zeit, in der ich nur sehr wenig zu beißen hatte, verschwendete ich keinen Gedanken daran, nicht die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich glaubte einfach an die Band und wußte schon immer, daß sich eines Tages zeigen wird, daß sich all diese Investitionen und Opfer auszahlen werden. Wenn ich aber ehrlich bin: Kurz vor der Veröffentlichung von 'Burnt Offerings' war ich soweit zu sagen, daß ich die Band aufgeben werde. Ich war frustriert und desillusioniert. Aber Aufgeben war keine Option. Ich habe einfach noch härter gearbeitet und habe im Endeffekt die Band auf den richtigen Weg gebracht."
Owens Weg zum Ruhm war ähnlich steinig wie der des Jon Schaffer. "Viele Leute meinten, ich wäre vom Himmel gefallen und wäre dann unmittelbar bei Judas Priest eingestiegen. Aber so war das einfach nicht. Ich habe lange genug bei verschiedenen Bands gesungen und hatte nebenbei einen Job, der mir einiges an Geld brachte, so daß ich überleben konnte." Zum ersten Treffen der heutigen Bandkollegen kam es 1998. Bezeichnenderweise bei einem Judas Priest-Konzert. "Ich kann mich erinnern, daß Priest damals zum Album 'Jugulator' tourten. Wir gingen mit Matt zum Konzert nach Indianapolis, weil wir uns davon überzeugen wollten, wie der neue Judas Priest-Sänger rüberkommt. Ich traf Tim vor dem Konzert am T-Shirt-Stand. Er hatte eine Baseballmütze auf, mit der ihn niemand erkannte. Ich aber schon, und wir unterhielten uns zuerst an Ort und Stelle und trafen uns nach dem Konzert noch backstage. Seitdem blieben wir in Verbindung. Unregelmäßig, aber immerhin." |
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Text-Interview: Nikolas Krofta
Text Internet: Sven Lohnert

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