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Endlich scheinen bei Jaded Heart die Räder einmal rund zu laufen. Ich gönne es den Jungs von ganzem Herzen, war doch ihr bisheriger Weg von diversen Firmenpleiten gepflastert, welche die Duisburger um Frontmann Michael Bormann immer wieder zurückwarfen. Allen Unkenrufen zum Trotz kriegten Jaded Heart dennoch immer die Kurve, und siehe da, die Mühe scheint sich mittlerweile auszuzahlen.
Jedenfalls können sie inzwischen den mit viel Lob bedachten Longplayer "IV" auf der Habenseite verbuchen, an dessen Veröffentlichung sich endlich die langersehnte, zudem noch äußerst passende und - noch viel wichtiger - ausverkaufte Tour als Support von Gotthard anschloß. Als Tüpfelchen auf dem i veröffentlichte das Quintett das Best Of-Album "Diary 1990 - 2000", auf dem auch der offizielle Eishockey-WM-Track "Champion" zu finden ist, der werbewirksam die Berichterstattung auf Premiere World schmückte. Bormann zieht demzufolge ein recht positives Resümee der letzten Monate. |
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"Da steht natürlich die Tour mit Gotthard ganz oben auf der Liste", erzählt er am Abend vor seinem Abflug nach Norwegen. "Natürlich freuten wir uns riesig auf die Tour mit denen, und trotzdem sahen wir der Sache mit gemischten Gefühlen entgegen, da wir unter demselben Tourmanagement bereits eine Konzertreise mit Axxis absolviert hatten. Damals hatte man uns - aus welchen Gründen auch immer - auf gut deutsch gesagt ziemlich gefickt. Zudem flüsterte man uns, daß Gotthard ziemlich arrogant sein sollen. Unter diesen Vorzeichen stießen wir zur Tour, und ich kann nur sagen: Das krasse Gegenteil war der Fall. Es lief alles ziemlich familiär ab, und nach ein paar Tagen funktionierte alles super. Die Jungs waren uns von Anfang an sehr sympathisch und gaben eher noch Hilfestellung, als daß man uns einfach als blöde Vorband abgetan hätte. Wir bekamen guten Sound, wir mußten auch nicht vor Hallenöffnung anfangen oder sonstige Spielchen erdulden, kurz: Die Umstände waren samt und sonders ziemlich geil. Obwohl wir zunächst erst mal im Wohnmobil quer durch Europa kurvten, was in so ?ner Rappelkiste ziemlich stressig war. Doch spätestens mit dem Eintreffen eines richtigen Tourbusses konnten wir die Reise so richtig genießen."
Da sollte man meinen, daß solche Erlebnisse eine Gruppe richtig zusammenschweißen. "Leider nicht wirklich, denn kurz danach stieg unser Keyboarder aus. Es kristallisierte sich während der Tour heraus, daß es so wohl nicht mehr weitergehen konnte, eine Entwicklung, die vorher überhaupt nicht abzusehen war, weil der Mann schon seit sieben Jahren bei uns weilte. Für mich eine Tragödie! Auf der anderen Seite brachte der Support viel Spaß mit sich, und wir wurden auch mit jedem Tag spielerisch besser. Nach den sechs Wochen merkten wir, wie wir musikalisch wie auch von der ganzen Präsenz her an Routine gewannen. Zudem sahen uns viele Leute bei Gotthard, und ich glaube schon, daß wir da einige neue Fans rekrutierten, von denen sich viele nach dem Gig auch eine CD von uns gekauft haben. Und das trotz der horrenden Preise, die wir verlangen mußten, damit wir unsere Platten nicht billiger als die Gotthard-Scheiben anboten. Doch anscheinend konnten die Leute damit leben. Ob sich das im nachhinein noch positiv auf den Absatz in den Plattenläden auswirkt, weiß ich jetzt natürlich noch nicht." |
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Mit den Gedanken sind Jaded Heart sowieso schon beim nächsten Silberling.
"An unserem Stil wird sich nicht großartig etwas ändern. Die neuen Tracks fallen ziemlich rockig aus, behalten aber denselben Härtegrad und sind nach wie vor sehr kommerziell." Darüber dürfte sich vor allem Produzent und Axe-Mitglied Bobby Barth freuen, der schon "IV" unter seine Fittiche nahm und wohl auch beim neuen Opus an den Reglern dreht. "Es war eigentlich ursprünglich so geplant, aber weil wir während der Tour vom Wohnmobil auf den großen Bus umstiegen, was kräftig unser Budget belastete, liegt dieses Vorhaben erst mal auf Eis. In vier Wochen sollte ich die Demos fertig haben, die wir dann nach Japan schicken. Es hängt tatsächlich von einem Deal in Japan ab, ob wir die neue Scheibe selbst in Deutschland oder aber wieder bei Bobby in den Staaten aufnehmen. Mir persönlich wäre das am liebsten, weil ich dann genau weiß, wie das Resultat ausfällt." Stilistisch also nix Neues im Westen; moderne, vielleicht alternative Einflüsse gibt es nicht auf dem neuen Album? "Nö", meint Bormann schon fast trotzig, "wir sind unserer Mucke treu, und wenn gewisse Dinge wie zum Beispiel bei meiner Sologeschichte etwas anders daherkommen, dann nur deswegen, weil andere Leute daran beteiligt sind. Ansonsten bleibt zumindest bei Jaded Heart alles beim alten. In einem Song lassen wir zwar ein paar Rap-Elemente einfließen, doch damit hat es sich dann auch. Ich will das auch nicht einreißen lassen, daß man da zu sehr herumexperimentiert. Das funktioniert doch nie! Eine gewisse Linie muß schon beibehalten werden, weißte? Neue Elemente gut und schön, aber nachher paßt nix mehr zusammen und ist nicht mehr homogen." Außerdem kann sich Michael auch bei anderen Projekten austoben, etwa bei der letzten Platte von Guild Of Ages. "Da rief Bobby mal eben kurz durch und fragte mich, ob ich da nicht Bock drauf hätte? Da setzte ich mich halt hin und schrieb innerhalb von zwei Wochen fünfzehn Tracks, von denen elf genommen wurden." |
Text Interview: Petra Rottmann
Text Internet: Sven Lohnert

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