![]() JADED HEART auf "TRUST"-Tour 2004 - der Tourtroß ![]() Axel "Mr. Foley" Kruse (oben), Barish Kepic (unten) ![]() |
10 Jahre und ganze sechs Studioplatten hat es gedauert, bis Jaded Heart ihre erste Headliner-Tour durch Deutschland absolvieren konnten. Mit vielen Vorschußlorbeeren, allein schon durch die im Frühjahr veröffentlichte CD "Trust", geht es in der Nacht zum 5. Mai vor dem Proberaum der Band in Duisburg los.
Flensburg, Roxy Das Roxy liegt im Industriegebiet von Flensburg - genau gegenüber von Beate Uhses Sexartikel-Bunker: Für die Mucker natürlich ein gefundenes Fressen, gleich einmal das Vordach des Hauses zu erklimmen, um vorm Uhse-Logo einige Erinnerungs-Fotos zu machen. Im Venue selbst geht der Aufbau der Backline voran, und FOH-Mann Michael bereitet sich für den Soundcheck vor. Ein großes Manko stellen allerdings die sanitären Anlagen des Clubs dar: Das Duschzimmer ist voll mit Vogelscheiße, und der Heißwasser-Boiler fehlt auch. Nach längeren Diskussionen mit dem Veranstalter wird das aber geklärt, und die Band kann duschen gehen. Am Abend dann eine leichte Ernüchterung: In dem üppigen Club sind nicht sehr viele Gäste anwesend, dennoch spielen sowohl der Support Blackburn aus der Schweiz wie auch Jaded Heart ein gutes Konzert, und alles freut sich tierisch, daß das spärliche Publikum eine solch starke Resonanz gibt. Alles ist gut, und wir verbringen noch die Nacht vor dem Roxy, bevor wir am nächsten Tag ins 150 Kilometer entfernte Lübeck starten. |
|
Lübeck, Rider's Cafe
Geiler Laden, dieses Rider's Cafe, und auch Veranstalter Kai-Uwe ist ein netter Kerl, der momentan zwar etwas illusionslos ist, da sein Laden nicht so stark frequentiert wird. Dennoch macht er alles, damit die Jaded Heart-Produktion bestens versorgt ist. Unsere Merch-Thai-Maus Wasana kocht noch ein gutes Tom Ka Gai-Süppchen, und alle sind happy. Geile PA und geiler Monitorsound garantieren dann am Abend für eine super Performance beider Combos, Jaded Heart nehmen mehr und mehr Fahrt auf, die das anwesende Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Ein geglückter zweiter Einstieg in die Tour, und alle fiebern der Show am nächsten Tag in Hamburg entgegen. |
![]() Devotionalien (oben), relaxen in der Sonne (unten) ![]() ![]() Spaßvögel! |
![]() Ohne Worte (oben), Schweizer-Humor-Gitarrist Andy (unten) ![]() ![]() Riesen-Currywurst in Rosenheim (Day Off) |
Hamburg, Headbanger's Ballroom
Am Morgen in Hamburg angekommen und auch einen guten Parkplatz für beide Nightliner gefunden, beginnen die Aufbauarbeiten im Ballroom. Ein guter Vorverkauf und ein extrem netter Oliver Otto (Veranstalter und Inhaber des Ladens) machen alles, damit sich die Produktion wohlfühlt - und der Hamburger Hafengeburtstag tut das restliche. Am Nachmittag schauen wir uns noch die genialen Eat The Gun auf einer der Open-Air-Bühnen vor dem Headbanger's Ballroom an, bis die Gruppen sich dann am Abend auf die Bühne begeben, um das völlig überfüllte Headbanger's zu rocken. Fantastische Stimmung aus dem Publikum läßt die schlechte PA und Monitoranlage schnell vergessen, und Jaded Heart werden begeistert von Song zu Song lautstark begleitet - definitiv das erste Highlight auf der Tour. Alle freuen sich über diesen grandiosen Erfolg und entern zur späten Stunde den Nightliner, mit dem uns unsere Busfahrerin Irmela overnight nach Bochum cruist. |
|
Bochum, Matrix
Heimspiel für Jaded Heart. Super Vorverkauf, und auch die Matrix ist ein perfekt organisierter Club. Obwohl alles paßt, ist so eine gewisse Unruhe in Bormann & Co. zu bemerken. Nachmittags wird erst noch die vorzeitige Meisterschaft von Bremen gefeiert, und jeder ist froh, daß es die Bayern nicht mehr geschafft haben. Nach dem Dinner wird sich dann konzentriert, und nachdem Blackburn die Tube der Matrix gerockt haben, entern Michael Bormann, Axel Kruse, Henning Wanner, Michael Müller und Barish Kepic die Bühne und legen sich vor über 300 Leuten so richtig ins Zeug. Der Erfolg an diesem Abend wird noch verstärkt durch eine perfekte Lightshow sowie einen erstklassigen Sound (wie er in der Matrix möglich ist!), und die Ruhrpott-Fans wollen ihre Melodic-Götter gar nicht mehr von der Bühne lassen. Bis spät in die Nacht wird noch in den Nightlinern gefeiert und so manche Flasche Jack Daniels vernichtet. Die zerknautschten Kartoffelgesichter am nächsten Morgen sind bezeichnend. |
![]() Bus-Kosmetik (oben), Technik-Foley (unten) ![]() ![]() König-Wanna |
![]() Soundmann Michael macht Pause (oben), Double-Axe-Machine (unten) ![]() ![]() Wanna mit vollem Einsatz (oben), Grinsemann Bormann (unten) ![]() |
Ludwigsburg, Rockfabrik
Nachdem am Morgen ein Halt bei Axels Bruder und dessen Hochzeitsgesellschaft im idyllischen Schriesheim gemacht worden ist, geht es am frühen Vormittag zunächst noch in die Heidelberger Augenklinik, wo Müllis Pupille behandelt wird, da er sich eine Bindehautentzündung zugezogen hat. Am frühen Nachmittag steht dann in der Rockfabrik alles völlig fassungslos vor einer PA mit Monitorsystem, welche noch nicht mal Schülerband-Niveau hat - der Frust ist groß, gerade nach den beiden guten Shows zuvor. Auch das Catering ist unterirdisch, und die obligatorischen und unter allen Musikern gefürchteten Rofa-Pizzas zum Dinner reißen da nichts raus. Okay, trotz dieser widrigen Umstände wird der gutgefüllte "kleine Saal" der Rockfabrik gerockt, und alles ist froh, dies halbwegs gut überstanden zu haben. Für den schlechten Sound können die Bands nix, die Hausanlage der Rofa gibt in diesem Club 2 einfach nicht mehr her. München, Garage Nach einem Off-Day ist München an der Reihe. Und die Garage ist berüchtigt für ihren schlechten Sound und das unkooperative Verhalten der Veranstalter. Klasse! Nach vielen und langen Diskussionen mit Club-Inhaber Romy geht dann doch noch alles gut. Die über 200 anwesenden Fans sind völlig aus dem Häuschen und hotten bei Blackburn und Jaded Heart richtig ab - und sogar Clubchef Romy attestiert Combo und Crew Professionalität und erfreut sich der Massen, die im kleinen Club waren. Danach geht alles leichter und besser, und sogar das Clubpersonal hat plötzlich Spaß. Die Nacht lassen Jaded Heart dann in der benachbarten Nachtschicht ausklingen, wo es noch Burger und Pastagerichte gibt. |
|
Frankfurt, Nachtleben
Schwieriges Pflaster, dieses Frankfurt. Dennoch ein guter Vorverkauf, und die Anlage im Nachtleben ist perfekt, wie auch die sehr professionelle Organisation und Durchführung der Veranstalter. Pünktlich legen Blackburn los und bereiten die fast volle Hütte stimmungstechnisch perfekt auf Jaded Heart vor. An diesem Abend stimmt alles auf den Punkt: Die Band - extrem gut drauf; der Sound - geil; die Fans - euphorisch wie noch bei keiner Show zuvor. Für mich die beste Jaded Heart-Show der ganzen Tour. Hildesheim, Vier Linden Super Venue, super Lightshow, super PA und ein toller Veranstalter. Leider aber ist wohl Hildesheim kein gutes Pflaster für Jaded Heart - nur mäßige Zuschauerzahlen, dafür eine geile Show, die das Publikum aufputscht und auf jeden Fall völlig befriedigt nach Hause gehen läßt. Die Band zwar etwas gefrustet, dennoch macht sich alles frisch und munter auf den Weg nach Villingen. |
![]() Bormann in seinem Element ![]() Sound-Wiz Michael Spieß ![]() Vehicula Curiosa |
![]() Michi und Mülli (oben), Axel schreibt Autogrammkarten (unten) ![]() ![]() Mike bewacht die Bordverpflegung |
Villingen, Rockhaus Amber
Der Club so groß wie eine Jack Daniels-Flasche, der Veranstalter Steffen völlig demotiviert und seine Freundin mit den Nerven am Ende - so das Bild, das sich uns bietet, als wir dort ankommen. Nach langen Diskussionen und Aufbauarbeiten in dem Mini-Club ist es endlich soweit, und die beiden Bands absolvieren vor vollem Haus und bei Temperaturen wie in der Sauna ein gutes Konzert. Nur eine kaputte Monitoranlage macht den Musikern das Leben schwer und läßt auch nicht so richtig Freude und Motivation bei ihnen aufkommen. In der Nacht saufen sie sich mit den Fans der Frust von der Seele. |
|
Nabburg, Kitchen Club
Eine Killer-Discothek fast an der tschechischen Grenze. Alles im Stile der 60er gehalten, nettes Ambiente mit einem riesigen Konzertsaal. Auch hier, trotz über hundert Besuchern, eher eine Nummer zu groß für die Produktion. Wie in vielen anderen Clubs auch stöhnen die Macher über den Zuschauerschwund und das mangelnde Interesse an Live-Konzerten. Hier wird, wie überall, der leere Geldbeutel der Leute als Grund angeführt. Am Vorabend spielte hier die Kapelle Regenmann und hatte dabei NULL zahlende Gäste. Okay, Blackburn geben Gas und heizen wieder einmal der Fan-Gemeinde heftig ein, so daß es für Bormann & Co. ein leichtes ist, mit einem perfekten Sound und einer netten Lightshow die Anwesenden zum Kochen zu bringen. Wie jeden Abend geht es auch hier nicht ohne Zugabe von der Bühne. Mit extra angereisten Fans aus Holland und München wird dann die ganze Nacht durchgefeiert. Aalen, Rock It! Der Tourskandal schlechthin. Noch am Vortage wurde mit dem Macher dieser Kaschemme telefoniert, und der meinte, man sei willkommen, was sich dann am nächsten Tag als völliger Irrtum herausstellt. Der Kerl sagt kurzerhand die Show ab mit der Begründung, es sei heute schönes Wetter und er hätte keine Lust auf ein Konzert, er wolle viel lieber mit seiner Familie grillen gehen. Das ist für die Bands sowie für die bereits angereisten Fans auf dem Parkplatz des Clubs wie ein Schlag ins Gesicht. Unverrichteter Dinge macht sich die Gruppe auf den Weg nach Nürnberg, wo sie zwangsweise einen weiteren Off-Day einlegen muß. Hier sei an alle Fans und Bands die Warnung rausgegeben: Bevor ihr ins Aalener Rock It! geht, versichert euch, ob auch alles wirklich so ist, wie es vorher gesagt wurde. Der Club hat sowieso schon seinen Namen weg, und Bands wie Eat The Gun, Wicked Sensation oder Shylock können ebenfalls ein Klagelied davon singen. Am besten, man macht um diesen Laden und seinen Inhaber einfach einen großen Bogen. |
![]() Der Rauswurf in Aalen! ![]() Wer ist Gene Simmons? ![]() Wanna gibt den Kinderchor zu "Live And Let Die" ![]() Mike inhaliert |
![]() Abstecher auf's Zeppelinfeld ![]() Wasana kocht Tom Ka Gai ![]() Fraggle ist völlig saturiert |
Nürnberg, Hirsch
Zwei Tage Pause - für einige Spezialisten im Tourtroß etwas zu lange, denn man kommt so sehr schnell aus dem Rhythmus. In Nürnberg ist zunächst eine Autogrammstunde im Saturn angesagt, und anschließend sind alle schrecklich nervös, denn das Konzert wird für die im Herbst erscheinende DVD mitgeschnitten. Volle Konzentration ist also angesagt. Jaded Heart meistern auch diesen Gig mit Bravour. Ein feines Konzert, das die Duisburger da liefern und das auch die Gäste begeistert. Natürlich stellt sich auch hier jeder Musiker nach der Show den Fans, unzählige Autogramme werden geschrieben, um die Anhänger nicht zu enttäuschen. Ingolstadt, Ohrakel Riesenärger mit dem Inhaber des Autohofs in Hilpoltstein. Ein richtiger Penner, der wegen nichts sogar noch die Polizei ruft und einigen von uns Hausverbot erteilt. Auf der Tour hatten wir in vielen Autohöfen gehalten, um zu duschen oder um etwas zu essen; in Hilpoltstein aber sind wir nicht willkommen, junge Menschen mit langen Haaren werden dort wie Aussatz behandelt und die Frauen aufgefordert, mit dem Personal zu duschen. Aber okay, was soll's. Hier ebenfalls die Warnung: Macht einen großen Bogen um diesen Autohof, denn 10 Kilometer weiter gibt es noch einen. Das Ohrakel ist ein netter Club, aber auch hier ist wieder das bekannte Problem: viel zu groß und eine schlechte PA. Dazu kommt noch, daß es an diesem Tag sehr heiß ist und die Leute wohl lieber im Biergarten sitzen wollen, als sich in eine alte stickige ehemalige Bananenlager-Halle zu begeben. Um die Gemüter aufzumuntern, gibt es von Mama Wasana mal wieder lecker Thai-Food in Form von Som Tam Thai und ihrer genialen Tom Ka Gai Suppe. Alle fangen nach dem Mahl zu grinsen an, und beide Bands können schließlich trotzdem vor einer reichlichen Schar von Fans ein angenehmes Konzert spielen. In der Nacht gibt es dann noch reichlich "Caipiranha" (in unglaublicher Stärke), so daß die Fahrt nach Fulda am nächsten Tag von fast jedem verpennt wird. |
|
Fulda, Kulturkeller
Keiner von uns wußte Fulda vorher so richtig einzuschätzen. Der Kulturkeller befindet sich in einem Museum mitten in der City Fuldas, welches vom örtlichen Kulturverein betrieben wird. Sehr elitäre Verhältnisse, freundliche Leute, ein sagenhaftes Catering, dafür ein kleines Venue mit mäßiger PA. Am Abend ist der Kulturkeller proppenvoll mit begeisterten Fans angefüllt. Gute Show der beiden Kapellen, und mit Volldampf geht es sehr früh am nächsten Morgen in die Meister-Stadt Bremen. Bremen, Tivoli Sehr schöner Club, das Tivoli, welches an das bekannte Aladin angrenzt. Jeder freut sich auf den Auftritt hier. Auch hier perfekte Verhältnisse: Super Bühne, Technik vom Feinsten und ein wiederum sensationelles Catering - eine wirklich tolle Arbeit des örtlichen Veranstalters. Bremen ist ja quasi ein Heimspiel für Jaded Heart-Schlagwerker Axel "Mr. Foley" Kruse, der es sich dann auch nicht nehmen läßt, den Bremer Fans und Werder zur Meisterschaft zu gratulieren. Spätestens ab da ist beim Konzert das Eis gebrochen, und Jaded Heart schaffen es wieder mal, ihren Triumphzug fortzusetzen. Mit den vielen "familiären" Besuchern und auch angereisten Fans aus den USA und Holland wird nach der Show wieder kräftig gefeiert, bis es um Punkt zwei Uhr nachts in das 900 Kilometer entfernte Uster bei Zürich geht. |
![]() Evil Mülli! ![]() Autogrammstunde im "Saturn" Nürnberg ![]() Bormann hält sich fit! |
![]() Camping oder was? ![]() Bonnie & Clyde |
Uster/Zürich, Rock City
Ein sehr kleiner Club mit einem Fassungsvermögen von 150 Leuten, einer viel zu kleinen PA für bombastische Musik wie die von Jaded Heart und einem Besitzer Christian, der seinen Laden als Hobby betreibt und viel Freude daran hat, in seinem Club solche Konzerte zu veranstalten. Schweinekalt ist es in Uster, und das Abschiednehmen von der Supportband Blackburn ist angesagt - viele Tränen fließen. Am Abend ist der kleine Club pickepackevoll, und beide Gruppen bieten trotz der limitierten Soundmöglichkeiten geniale Shows. Jaded Heart machen sich einen Spaß daraus, mit Fußball-Toren und in Trikots auf der Bühne herumzutollen, während bei ihrer Show die Blackburner auf die Bühne kommen, und den Jaded-Jungs Damenslips über die Köpfe ziehen. Die Schweizer Fans haben auch ihren Spaß, und wir alle bedanken uns beim Besitzer Christian für den netten Abend. Verviers, The Spirit Of 66 Kaum auf der Autobahn in Zürich, platzen bei unserem Bus-Anhänger zwei Reifen. Wir werden dadurch dreieinhalb Stunden aufgehalten, so daß wir erst gegen 16 Uhr in unserem letzten Auftrittsort im belgischen Verviers ankommen. Der liebenswerte Clubchef Francis erwartet uns bereits, und zügig wird die Backline aufgebaut und Soundcheck gemacht. Als Support haben wir diesmal die grausame Band Electric Pow Wow: King's X-Mucke mit dem schlechtesten Sänger der Welt! Wir können dankbar sein, daß diese Truppe nicht alle Fans aus dem Club spielt. Mit einer durchwachsenen Show endet am Abend die Jaded Heart "Trust"-Tour 2004, Part 1. Sie wird im kommenden Winter fortgesetzt. |
Text-Interview: Dieter Meyer
Text Internet: Sven Lohnert

Mehr darüber gibt´s im Heft 5/04 nachzulesen!
Falls Ihr dieses Heft bestellen möchtet - einfach anklicken!