KANSAS
Energiereich



Steve Walsh (oben) & Rich Williams
Kansas: 1. Bundesstaat der USA; 2. amerikanische Rock-Institution von dort, die seit drei Dekaden im Geschäft ist: eine Unmenge erstklassiger Songs, hervorragende Musiker, über dreißig Millionen verkaufte Tonträger, weltweit immer noch zahlreiche Anhänger und noch vieles mehr.

Da sich auch beim Break Out die meisten der Reputation der Combo bewußt sind, war's keine Frage, daß zum CD-Release des neuen Doppel-Live-Streichs "Device - Voice - Drum" (eine DVD wird wenige Wochen später folgen) ein Interview quasi Pflichtprogramm ist.

"Die CD ist eigentlich nur ein Nebenprodukt der DVD", erklärt Gitarrist und Gründungsmitglied Richard Williams, "weil speziell in den Staaten eben unheimlich viele Leute jetzt einen DVD-Player besitzen und du mit dem Medium auch vieles anstellen kannst. Daneben kann man in diesen Playern zumeist auch CDs abspielen. Vor zwei Jahren faßten wir die Sache ins Auge, und nach dem Live-Mitschnitt im Juni 2002 waren wir alle schön eingespannt, um die Sache auch hochwertig auf die Reihe zu bekommen. Dabei war's jetzt nicht so schwierig, sich zu entscheiden, welche Songs wir nehmen, weil wir doch etliche im Gepäck haben, die unbedingt sein müssen. Aber wir wollten die Sache auch mit Tracks anreichern, die man nicht so häufig von Kansas hört - und da galt es immerhin, eine Zeitspanne von der ersten Platte über die Episode mit Steve Morse an der Gitarre bis zum letzten Studiowerk abzudecken. Das zeitliche Problem ist mehr ein Problem der CD, obwohl wir es hier mit der doppelten Ausführung zu tun haben; und auch die DVD hat genug Fassungsvermögen - aber wir können ja unmöglich mehrere Stunden auf der Bühne stehen", witzelt Richard.

"Wir haben uns aber ziemlich viel Mühe gegeben, denn es ist unsere erste DVD. Da wollen wir unseren Anhängern natürlich keinen Schrott servieren. Deshalb war's für uns wichtig, ein aktuelles Konzert zu verwenden, denn ich halte nix davon, auf Uralt-Material zurückzugreifen, wenn das - wie so häufig - mit Mängeln behaftet ist."

Oft werden auch DVDs auf den Markt gebracht, die - mal von den mangelhaft genutzten Möglichkeiten des Mediums ganz abgesehen - in Ton- und Bildqualität schauderhaft sind. Wenngleich es gewiß interessant ist, sich seine alten Helden mal zu früheren Zeiten live in die eigene Bude holen zu können.

"Von Kansas existieren noch ein paar alte Aufnahmen, allerdings haben wir nicht die Rechte an dem Material. 'Device - Voice - Drum' hat für uns alle noch einen ganz speziellen Reiz: Der Mitschnitt stammt vom 15. Juni 2002, da gaben wir vor 700 Leuten ein Heimspiel in Atlanta, wo wir alle leben. Die Tickets waren nur über unsere Website erhältlich und somit ausschließlich Fanclub-Mitgliedern zugänglich. Leute aus der ganzen Welt sind an dem Abend nur für diese Show gekommen."

Ein ausgesuchtes Publikum, dazu soll das Konzert für 'ne DVD aufgenommen werden, der Auftritt in der Heimat - nur einige Gründe, um nervös zu sein.

"Stimmt absolut: Wir sind ganz schön hippelig gewesen. Wir haben auf dieses Ereignis zwar lange konzentriert hingearbeitet, aber Möglichkeiten gab's genug, daß was verrutscht. Zudem hatten wir nicht viel Zeit für die Proben. Aber am Ende lief alles glatt, und die Stimmung beim Konzert war einfach fantastisch. Klar, daß da mit die größten Kansas-Anhänger anwesend waren, aber die Energie der Menge hat einen schier umgehauen. Die 700 haben uns quasi durch die Show getragen. Und ich finde, die Atmosphäre kommt auf der DVD gut rüber. Du wirst gefangen und fühlst dich so, als wärst du persönlich anwesend."

Nehmen wir uns die Zeit für Richards persönliches Fazit nach drei Jahrzehnten mit Kansas:
"Ich hätte nie gedacht, so lange im Geschäft zu sein", resümiert er. "Als wir seinerzeit anfingen, drehte es sich eigentlich nur darum, eigene Stücke zu schreiben und die dann aufzunehmen. Unsere erste Platte war der größte Traum, den wir uns ausmalen konnten. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, was in den Jahren alles passierte - daß das Interesse an Kansas immer noch da ist, was wir 2002 zum 25. Jubiläum von 'Point Of Know Return' und jetzt mit dem Live-Werk alles auf die Beine stellen konnten - dann macht mich das schon stolz."

Dazu hat Williams auch allen Grund, denn die gleichbleibend hohe musikalische Qualität der Formation ist aller Ehren wert. Im ganzen Rockzirkus gibt es nur wenige Combos, die solch einen Status wie Kansas haben, und in all den Jahren haben die Herren noch kein einziges schlechtes Album auf den Markt gebracht.

"Klar gab's - insbesondere so vor rund 15 Jahren - mit so manchem Ausstieg auch Perioden, in denen 's nicht so toll um uns bestellt war und der eine oder andere ziemlich ausgebrannt in der Weltgeschichte rumeierte. Aber dennoch brachen Kansas nie auseinander. Eine der wichtigsten Phasen war da eine zweiwöchige Tour in Deutschland. In den Staaten wollten wir dann noch zwei weitere Wochen ranhängen - aber daraus entwickelte sich dann eine doch längere Live-Geschichte. Dabei hieß es von allen Seiten, Label und Management, daß sich doch niemand mehr groß für Kansas begeistern würde! Aber die Reaktionen der Fans widerlegten die Verantwortlichen. Und seit diesen Fehleinschätzungen managen wir uns halt lieber selbst."

Kansas haben also deutlich ihre Konsequenzen aus dem dummen Geschwätz vermeintlicher Fachleute gezogen.

"Plattenfirmen denken immerzu ans Geldverdienen. Solange es gut läuft, pushen sie dich, um dich nur kurze Zeit später wie eine heiße Kartoffel fallenzulassen, wenn die nächste große Einnahmequelle wartet. Und bei den Managements gibt es wirklich nur ganz wenige, die ihr Handwerk beherrschen. Am besten fährt man, wenn man sich um alles selbst kümmert; da bist du am ehesten vor Überraschungen gefeit. Für CBS [jetzt Sony] haben wir seinerzeit so viel Geld eingespielt und tun das durch unser Repertoire immer noch. Aber heute sind sich die Leute dort zu schade, unsere Anrufe zu beantworten."

Robby Steinhart


Billy Greer (oben), Phil Ehart

Aber es liegt nicht an Williams und seinen Kollegen, irgendwelche Wunden aus der Vergangenheit zu lecken und schmutzige Wäsche zu waschen, denn "die letzten Jahre gehörten für Kansas mit zu den besten in unserer Laufbahn überhaupt. Und ich als 52jähriger bin mir sicher, daß wir - wenn alles glatt läuft - noch einige Zeit präsent sein werden."

Damit ist ein Teil der Zukunftspläne des Richard Williams ja schon geklärt.

"Höchstwahrscheinlich werden wir uns nun erst mal darauf konzentrieren, die DVD zu promoten. Zumal unser Drummer Phil [Ehart] unlängst Vater eines Mädchens wurde. Es wird also so aussehen, daß wir die nächsten Wochen ins normale Familienleben zurückkehren."

Aber Vollblutmusiker hält es zumeist nicht über eine längere Periode daheim.

"Anfang dieses Jahres geht es mit Styx in den USA auf Tour, für 2003 sind rund hundert Auftritte vorgesehen. Ich würde auch gerne wieder in Deutschland spielen, aber konkret ist da noch nichts."

Zwar gehört das musikalische Genie Kerry Livgren nicht mehr zum aktuellen Kansas-Line-up, aber dennoch danken ihm seine Kumpels im Booklet von "Device - Voice - Drum" mit den Worten "And To Kerry Livgren For The Music..." Wie ist denn nun der Sachstand, da Kerry auf der 2000er Studioscheibe "Somewhere To Elsewhere" ja noch mitwirkte?

"Selbst wenn er nicht wirklich Mitglied bei uns ist, wird Kerry immer ein Teil von Kansas sein. Er ist zurück auf seine Farm in Kansas gezogen, wo er ein eigenes Studio hat. Daneben hat Livgren in Numavox seine eigene Company, auf der unlängst ein paar CDs unter seinem Namen erschienen oder wiederveröffentlicht wurden. Kerry hat uns seine Position ziemlich deutlich gemacht, nämlich daß er nicht mehr live unterwegs sein möchte. Wenn wir bei ihm in der Gegend auftreten, stößt er auf der Bühne mal für einen oder zwei Tracks dazu. Und eventuell wird er uns beim nächsten Studiowerk unterstützen."

Wer hätte das gedacht? Kollege Magin flippt nochmal völlig aus! Grund: "Device-Voice-Drum", das neue Live-Album von den Rock-Veteranen Kansas und sein Auftrag Ausnahmeklampfer Rich Williams ear-to-ear zu befragen. Wer noch mehr über die Magin'sche "Ich bin nicht würdig"-Aktion erfahren will, klickt einfach auf das Photo! Mehr könnt im neuen Break Out 2/2003 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel nachlesen.

Text-Interview: Marco Magin
Text Internet: Sven Lohnert



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©breakout 01/2003