KROKUS
Der 13. Frühling


Noch im Jubeljahr 1999 ­ ein Vierteljahrhundert vorher waren Krokus gegründet worden ­ veröffentlichte die Gruppe, die in den Achtzigern das unbestrittene Schweizer Aushängeschild im Hard’n’Heavy-Genre und weltweit erfolgreich war, ihr 13. Studio-Album, das passenderweise “Round 13” heißt. Saitenquäler Fernando von Arb, der die Combo vor zwölf Jahren verlassen hatte, reformierte die nach seinem Ausstieg auseinandergebrochene Band 1990 für das Comeback-Album “Stampede”. Zwischen diesem und dem neuesten Werk erschien bloß “To Rock Or Not To Be” (1995), und seither ist natürlich ­ das hat praktisch Tradition bei Krokus ­ eine ganz andere Besetzung zu verzeichnen.

»Das aktuelle Line-up besteht seit dem 1.1.2000«, referiert Herr von Arb. »Der Drummer Peter Haas ist als Mietmusiker auf ‘Round 13’ zu hören, er hat die Band auf der letzten Schweizer Tournee im Oktober/November 1999 begleitet. Seit dem Jahreswechsel werkelt Danni Crivelli wieder hinter dem Schlagzeug. Dani war 1987/88 der Drummer der Band und hat auch die letzte Krokus-Tour 1988 zu ‘Heart Attack’ mitgemacht.«

Wieso steht am Anfang einer neuen Scheibe ein Coversong, nämlich die alte J.J. Light-Nummer “Heya”? Etwas ungewöhnlich oder?
»‘Heya’ hat sich live zu einem Publikums-Hitsong entwickelt. Da geht mächtig die Post ab, und der ganze Saal singt mit.«

Im Zeitalter der Wiedervereinigungen ist eine derartige Reunion im Original-Line-up für Krokus gänzlich unmöglich, denn »die ehemaligen Mitglieder haben sich in verschiedene Richtungen entwickelt und sind größtenteils aus dem Musikgeschäft ausgestiegen«; der allererste Sänger und Gitarrist Tommy Kiefer, bei Krokus von 1974 bis 1981, hat sich sogar besonders weit zurückgezogen, er beging an Heiligabend 1986 Selbstmord. Doch wie sieht Fernando von Arbs Verhältnis zu seinen ehemaligen Band-Kollegen eigentlich aus? Man hat in den letzten Jahren ja sehr viel darüber gelesen.
»Ich habe keine Probleme mit den ehemaligen Band-Kumpels. Es ist vielmehr so, daß von den Medien krampfhaft versucht wird, uns eine Haß-Story anzudichten. Ständig werde ich auf diese Sache angesprochen. Wenn ich meine ehemaligen Bandmitglieder sehe, was selten geschieht, so sprechen wir nach wie vor miteinander. Sicher, man lebt sich auseinander, und die Interessen wechseln, aber das heißt ja noch lange nicht, daß man nicht über vergangene Zeiten klönen könnte.«

Die Haupternte-, äh, Blütezeit der Krokusse ist doch nun schon Ewigkeiten her, oder?
»Die erfolgreichste Zeit war 1980 bis 1985, als wir diverse ausverkaufte US-Tourneen feiern konnten. Und da war das große Ereignis in der Schweiz, als wir als erste einheimische Gruppe überhaupt das Hallenstadion in Zürich mit 12.000 Zuschauern ausverkauften. Wir waren aber in dieser Zeit vor allem in den USA wirklich sehr erfolgreich.«

Welches sind deine Lieblingssongs auf “Round 13”?
»Zum einen ‘Break Free’, der die Reise nach innen beschreibt, und ‘Whitchhunt‘, der allen heuchlerischen Moralaposteln dieser Zeit gewidmet ist.«

Und an deiner Stellung als Hauptsongwriter hat sich nichts geändert?
»Nö, Hauptsongwriter bin nach wie vor ich.«

Habt ihr euch schon einmal Gedanken gemacht, ob ihr euren Sound nicht in ein neues Gewand stecken wollt?

Es kann nur einen geben, der es wagt, Krokus eine solche Frage zu stellen: Thomas “der Todesmutige” Klaner. Wie Fernando von Arb darauf reagiert, könnt ihr im neuen Break Out 2/2000 lesen ­ ein Heft wie das blühende Leben.

Text Interview: Thomas Klaner
Text Internet: Mike Seifert
Pic: Markus Hagner


 



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©breakout 9/2000