LORDI
Monstergeschichten



Als ich das erste mal von Lordi hörte, war ich auf Anhieb begeistert. Zwar meinte ich beim Anblick des Covers noch, es handle sich um eine Death oder Black Metal-Band, doch wurde ich schnell eines Besseren belehrt.

Auch der Videoclip auf der genialen EP "Would You Love A Monsterman?" ist allererste Sahne, in ihrer finnischen Heimat stieg sie gleich auf Platz eins in die Charts ein und hielt sich auch nach einiger Zeit immer noch in obersten Regionen.

"Es war aber nicht immer so einfach, so einen Erfolg zu erzielen", erzählt Sänger und Namensgeber Lordi. "Wir arbeiten schon über zehn Jahre hart in diesem Business und hoffen, daß sich der Erfolg so langsam einstellt."

Bei uns wird diese Drei-Track-Scheibe mit dem genialen Video zu Halloween erscheinen. Wenn man das Cover betrachtet, könnte man glauben, bei euch handelt es sich um eine Death- oder Black Metal-Kapelle.

"Das ist richtig, es ist nicht gleich zu erkennen, welche Musik wir machen, deshalb hatten wir auch so lange Probleme, unsere Musik zu vertreiben. Die eine Firma sagte, daß die Musik klasse Heavy Metal ist, aber unser Outfit auf keinen Fall dazupaßt. Die anderen Plattenfirmen meinten, wir sollten mit unserem Outfit mehr in diese Black Metal-Schiene einbiegen. Aber ich wollte immer so sein, wie es jetzt ist, und darauf haben wir bald zehn Jahre gewartet. Ich liebe den Metal der 80er Jahre, war schon immer ein großer Fan dieser Zeit."

Zwischen der Veröffentlichung in Finnland und hier in Deutschland liegt schon eine gewisse Zeit; was haben die finnischen Fans uns voraus, und was erwartest du von Deutschland?

"Nun, hier in Finnland wird auch an Halloween etwas veröffentlicht, nämlich unser erstes komplettes Album, das wird bei euch etwa Anfang nächsten Jahres herauskommen. In Finnland haben wir es geschafft, in diese ganzen Techno- und Discomusik-Charts einzudringen, was hier sehr schwer ist. In Deutschland hat der traditionelle Heavy Metal immer gelebt, ihr habt Bands wie Accept, Scorpions und so weiter. In England hat man Judas Priest, nur in Finnland sind die ganzen alten 80er Bands von der Bildfläche verschwunden. Ich will den Kids diese Musik näherbringen, und es scheint auch zu klappen. Als wir in die Charts - wohlbemerkt Disco-Charts - eingestiegen sind, waren wir die einzigen Musiker, die wirklich auch ein Instrument in die Hand nehmen und unsere Musik auch wirklich spielen, nicht so wie der ganze Britney Spears- oder sonstige Techno-Kram aus dem Computer. Ich denke mal, daß wir in good old Germany auf offene Ohren stoßen werden."

Zu eurer Maxi wurde ein sehr guter und aufwendiger Videoclip gedreht. Damit nicht genug, ihr legt beim Verkauf dieses Silberlings auch noch einen kleinen Lordi-Comic bei.

"Das ist eben etwas, was ich schon immer wollte: den Fans was bieten fürs Geld. Ich zeichne die Comics selbst, das ist auch so ein Hobby von mir, das alles zu machen. Es werden auch noch einige folgen, aber dafür werde ich noch mehr Zeit brauchen. Und weil du auf den Clip anspielst: Ich arbeite auch als Maskenbildner beim Film, sehe gerne Horrorstreifen und bin dadurch auch sehr beeinflußt."





Lordi
Wenn in eurem Heimatland bald die erste volle CD rauskommt und bei uns auch schon bald, stellt sich natürlich auch die Frage nach der Live-Aktivität von Lordi.

"Das ist sehr schwierig. Wir werden Ende des Jahres ein paar Shows spielen, aber das kann man nicht mit einem normalen Gig vergleichen. Für das, was ich vorhabe, brauchen wir große Bühnen, das ist nicht nur ein Konzert, es ist vielmehr eine komplette Aufführung. Zum Beispiel wird auch das Mädchen aus dem Videoclip dabeisein - diesmal ist sie zwar verrottet, aber immerhin dabei. Wir wollen den Leuten extrem viel bieten, da soll auf der Bühne eine Geschichte musikalisch erzählt und auch künstlerisch umgesetzt werden. Es gibt auch Effekte, wo mir auf der Bühne die komplette Hand explodiert und brennt. Wenn du dich an die Alice Cooper-Shows mit der Guillotine und so weiter erinnerst, so etwas in der Richtung haben wir auch vor, nur viel ausgereifter und durchdachter. Weil das aber mit sehr viel Geld verbunden ist und wir dafür halt große Bühnen brauchen, weiß ich noch nicht, wie wir das alles realisieren können. Ich will auf keinen Fall nur für irgend jemanden nur der Support sein, der sich jeden Abend anhören muß, daß ich hier kein Feuer und keine Pyros einsetzen darf, damit ich dem Headliner ja nicht die Show stehle. Wir haben bei unseren kommenden Warm-up-Shows zwar auch noch nicht das volle Programm, aber da sehen wir, wie das alles wirkt und wie wir es verbessern können."

Wenn man euch mit euren Outfits betrachtet, da kommt dem deutschen Fan, ob gewollt oder nicht, gleich mal der Vergleich mit Gwar in den Sinn.

"Damit habe ich gerechnet und es auch schon sehr oft zu hören bekommen. Fakt ist nun mal aber der, daß Gwar hier in Finnland nicht so einen großen Status haben oder hatten wie anderswo in Europa. Bei uns waren Gwar immer mehr im Underground gewesen, man hat zwar gewußt, daß es diese Band gibt, das war dann aber schon alles. Ich meine, es ist im Fall von Gwar auch relativ einfach, sich ein paar Masken über den Kopf zu ziehen, auf die Bühne zu gehen und dann zu spielen. Wir hingegen brauchen sehr viel Zeit, in unsere Outfits zu schlüpfen - wir brauchen ungelogen fünf Stunden, bis wir komplett fertig sind: Da sind die Zähne, die Krallen, die ganzen Klamotten, das braucht wirklich extrem viel Zeit."

Was können wir denn erwarten, wenn das Album "Get Heavy!!!" nächstes Jahr auch bei uns in den Läden steht?

"Wie gesagt, ich liebe den Heavy Metal der 80er Jahre, und ich werde mit Sicherheit meinem Stil treu bleiben, es hat ja lange genug gedauert, bis der Erfolg kam. Ich habe keine Lust, da irgendwie zu experimentieren und dann auf die Schnauze zu fallen. Deshalb kann sich jeder sicher sein, wer die Maxi kauft, bekommt nicht nur den Comic dazu, der kann auch sicher sein, daß Lordi ihrem Stil treu bleiben. Wir werden zwar am Sound und an den Songs hart arbeiten, aber von unserer Seite aus bleibt die Musik, wie sie ist, und das ist guter, traditioneller Heavy Metal."


Jochen Strubel ist bekanntermaßen Splatter und Gore-Fan, Death/Black Metaller aus Passion und seit kurzem Vater einer strammen (und lebendigen!!!) Tochter. Doch auch seine Vaterpflichten halten ihn nicht davon ab, besonders auf gute Rockmucke und Monster abzufahren. Lordi aus Finnland sind da genau das richtige für ihn, um den postnatalen Streß abzubauen. Mehr erfahrt Ihr im neuen Break Out 8/2002 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel.

Text Interview: Jochen Strubel
Internet-Text: Sven Lohnert



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