![]() LORDI legen ein Knaller-Debut vor!!! ![]() |
Was sich bereits im letzen Interview mit dem Monsterman andeutete, hat sich zur Freude aller Heavy-Metal-Fans bestätigt. Auf dem ersten Longplayer "Get Heavy" der Finnen kriegen wir den guten alten Metal der 80er Jahre frisch und unverbraucht in den heimischen CD-Player. Das Schöne an Lordi ist, daß die Band nicht nur durch ihr außergewöhnliches Outfit auffällt, sondern daß sie diese Musik für sich und die Fans lebt. Dieses Album ist ein Tritt in den Arsch, und so mache ich mich erneut auf in die Gruft, um Neues von Lordi zu erfahren.
Als erstens muß ich trotzdem auf die Single "Would You Love A Monsterman?" zurückkommen. Ich hatte für das erste Interview nur die finnische Produktion, auf der alle Bandmitglieder zu sehen sind, danach hat mir eure Plattenfirma die deutsche Ausgabe zukommen lassen, und die kam mit einem total anderen Cover: Auf dem pappt ein Sticker mit der Aufschrift "No. 1 Smash Hit from Finnland", und nur du bist abgebildet. "Nun, das finnische Cover ist das originale; die Plattenfirma meinte, daß dieses Cover doch etwas zu dunkel für Deutschland wäre, deshalb haben sie das neue Cover gemacht. Ich kann das zwar nicht nachvollziehen, aber es kann ja auch sein, daß wegen der Zensur das Cover für Deutschland neu gestaltet wurde: Bei euch sind ja auch keine Zombiefilme oder die guten Horrorstreifen frei zu kriegen. Aber ganz sicher bin ich mir nicht." |
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An Halloween kam eure Single in Deutschland raus, in Finnland der erste Lordi-Longplayer, welcher bei uns im Januar in die Läden kommt. Leider ist es aber so, daß die Single keinen Bonus für die Fans enthält, denn alle Songs sind auch auf dem Album, und auch euren genialen Videoclip habt ihr nochmals auf "Get Heavy" verewigt. Wolltet ihr die Single erst mal auf den Markt bringen, um zu sehen, wie Lordi bei den Fans ankommen?
"Als die Single in Finnland erschien, war es Juli, Anfang August, und in Finnland ist es so, daß es bei der ersten Single nichts ausmacht, ob da jetzt Bonusstücke drauf sind oder nicht. Bei der nächsten Single, die bei uns auf den Markt kommt, wird es einen Bonus-Track geben, der nicht auf dem nächsten Lordi-Album sein wird. Ich glaube, die Plattenfirma will die Singles jetzt in verschiedenen Ländern zeitgleich herausbringen. Als 'Would You Love A Monsterman?' erschien, war die deutsche Plattenfirma noch nicht an Lordi interessiert. Ich weiß noch nicht mal, ob sie damals überhaupt schon was von uns gehört hatte und was wir so auf der Bühne vorhaben. Das dürfte der Grund gewesen sein, warum es diese Zeitverschiebung bei der Veröffentlichung der Single gab." Mit der seid ihr in Finnland Nummer eins in den discoverseuchten Charts geworden; wie läuft in eurer Heimat denn "Get Heavy"? "Jetzt ist sie immer noch in den LP-Charts auf Platz zehn, wir haben mit dem Album in circa eineinhalb Wochen Gold-Status erreicht, und wenn sich noch ein paar Scheiben verkaufen, steuern wir sogar auf die Platin-Regionen zu. Die Scheibe läuft in Finnland also super, und unsere Plattenfirma hier ist mehr als zufrieden. Wir sind natürlich sehr froh darüber, daß die Fans akzeptieren und verstehen, was ich mit Lordi geschaffen habe und auch noch erreichen will." |
![]() Sänger Tom (aka LORDI) ![]() |
LORDI-Live![]() ![]() ![]() ![]() |
Während Lordi außerhalb Finnlands noch relativ unbekannt sind, ist die Band im Moment in ihrem Heimatland tierisch angesagt. Das läßt sich nicht nur an der Besucherzahl von eintausend Gästen im Helsinkier Club Nosturi festmachen, die dort der Weltpremiere einer Lordi-Live-Show beiwohnen, sondern ist auch an den Chart-Erfolgen der Gruppe abzulesen. Die Single "Would You Love A Monsterman?" war vier Wochen auf der Pole Position der finnischen Charts, danach immerhin noch für die Dauer von fünf Wochen auf dem zweiten Platz und hat mittlerweile Goldstatus erreicht; "Get Heavy", das bei uns Ende Januar erscheinende Album, stieg auf Platz drei in die finnischen Charts ein. Mit diesen Erfolgen im Rücken kann an diesem sehr kalten Samstagabend (minus zwanzig Grad sind auch für einen Norddeutschen wie mich kein Pappenstiel) eigentlich nicht viel schiefgehen.
Daß die Finnen etwas eigen sind, dürfte bereits hinlänglich bekannt sein, aber daß bei einem Rockkonzert das Publikum strikt in Erwachsene (die berechtigt sind, Alkohol zu trinken) und Jugendliche (kein Alk - die geben sich dafür aber vor dem Club die Kanne) aufgeteilt wird, war mir bislang völlig unbekannt. (Anm.: Das läuft beispielsweise in US-Clubs genauso. - Der Red.) Der durchweg guten, friedlichen Partystimmung tut das aber keinen Abbruch, zumal die Eingeborenen diese Situation ja kennen. Nach einem kurzen Intro betritt Lordi, der "Unholy Overlord of Tremors", mit seinen vier Mitstreitern - Gitarrist Amen, Bassist Kalma (der ungelogen wie Maiden-Maskottchen Eddie zu ?Killers?-Zeiten aussieht), Drummer Kita und das einzige weibliche Bandmitglied Enary (Keyboards) - die Bühne, die für fünf Musiker jedoch viel zu klein ist, zumal die Musiker ja auch teilweise sehr ausladende Kostüme und Masken tragen. Stage-Design und Requisiten (Stahlgitter, abgetrennte Gliedmaßen) erinnern an die Kulissen im "Hamburg Dungeon", und natürlich ist das Set relativ kurz und die Songauswahl logisch. Doch der Auftritt macht Spaß und bietet die ideale Kombination aus Rock'n'Roll und Entertainment, auch wenn man mit Songs wie "Devil Is A Loser", "Rock The Hell Outta You", "Would You Love A Monsterman?", "Biomechanic Man", "Dynamite Tonite", "Get Heavy" und "Monster Monster" heutzutage keinen Award für das originellste Songwriting mehr gewinnt. Aber haben Bands wie Alice Cooper, Kiss, AC/DC, Status Quo oder die Ramones einen solchen jemals bekommen? Klar, Lordi haben den Status dieser Gruppen noch lange nicht, aber die Finnen sind auf einem sehr guten Weg, denn die Mischung aus Show und Musik stimmt - auch wenn Teamchef Lordi kein einziges Wort ans Publikum richtet, was er aber bewußt tut, wie er mir in einem Gespräch anvertraut. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente (was angesichts der prallen Kostümierung alles andere als selbstverständlich ist), und während die Musik an eine Mischung aus Kiss, Zodiac Mindwarp und Alice Cooper erinnert, geht das Outfit der Combo mehr in die Gwar-Richtung, allerdings wurden deren Splatter- und Schockelemente nicht übernommen. Der Unterschied ist der, daß Gwar oft Ekel hervorrufen und die Grenzen des guten oder schlechten Geschmacks völlig bewußt überschreiten, während Lordi (die Band) mehr an eine Geisterbahnfahrt als an einen Blood'n'Gore-Film erinnern. Man gruselt sich zwar für einen ganz kurzen Moment, amüsiert sich dann aber umso prächtiger. Und genau das habe ich auch getan, so daß ich es kaum erwarten kann, die Truppe auf dem diesjährigen Wacken-Open-Air zu sehen. Wie gut muß diese Band erst auf einer großen Freiluft-Bühne sein, auf der man Bewegungsfreiheit hat und alle pyrotechnischen Showelemente zeigen kann/darf? Die Antwort gibt es (spätestens) im August. |
Text Interview: Jochen Strubel
Live-Bericht: Oliver Loffhagen
Internet-Text: Sven Lohnert

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