![]() LORDI trifft auf Xandria-Frontfrau Lisa Schaphaus ![]() |
Dieser Tage veröffentlichen in Lordi und Xandria zwei noch etwas unbekannte Bands ihr jeweils zweites Studioalbum. Aus deutschen Gefilden erheben sich Xandria, um mit ihrer zweiten Scheibe "Ravenheart" angenehme atmosphärische Klänge ins frühsommerliche Wohnzimmer zu bringen. Nach ihrem letztjährigen Debüt "Kill The Sun" und einer anschließenden Tournee im Herbst als Support von Tanzwut legen sich Xandria also erneut mächtig ins Zeug, um einen weiteren wichtigen Schritt nach vorne anzustreben. Für all die sterblichen Fans unter uns lächelt Frontlady Lisa Schaphaus vom Cover der neuen CD und meldet sich hier begeistert zu Wort, um einen kleinen Einblick in das Treiben von Xandria zu gewähren und Interessantes zur Bandgeschichte zu erzählen. Und Lordi, allen Fans der "Unsterblichen" aus einer anderen Welt die Bestbesetzung am Megaphon seiner Kapelle und bei uns bereits mit Nightwish auf Kurztournee und auch bei der Wacken Roadshow, sieht sich in der Lage, interessante Kommentare zum neuen Schauerstück "The Monsterican Dream" zu beantworten.
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Bei Lisa Schaphaus ist das natürlich ähnlich, denn auch sie hat schon vor ihrer Zeit bei Xandria viel Musik gemacht. So begann sie ihre "Karriere" bereits von Kindesbeinen an, wie sie berichtet.
"Ich mache wirklich schon immer Musik und ich bin über die Klassik zur Musik gekommen. Als ich drei Jahre alt war, habe ich mit dem Klavierspielen begonnen, und im zarten Alter von sechs Jahren nahm ich zusätzlich noch Geigenunterricht. Das habe ich acht Jahre lang durchgezogen, und als ich dann mit dem Geigespielen aufhören wollte, war das ein ganz entscheidender Wendepunkt in meinem Leben. Schließlich hatte ich zu dieser Zeit auch damit angefangen, am Klavier ein paar eigene Songs zu komponieren. Ich hatte irgendwie das Gefühl, einfach einmal was ganz anderes machen zu wollen, und so kam mir letztlich auch die Idee, mit dem Singen zu beginnen. Also habe ich vier Jahre lang sehr intensiv Unterricht in Operngesang genommen. In einer Schülerband spielte ich damals allerdings nicht, denn es war damals als Mädchen sehr schwer, in so eine Band einzusteigen. Außerdem paßte meine Stimme nicht so wirklich zu einer typischen Schüler-Rockband. Ein Mädchen, das Klavier spielt und wie eine aus der Oper singt, das war nicht wirklich angesagt. Als ich 18 wurde, beendete ich den Gesangsunterricht, da meine Stimme schon sehr klassisch ausgerichtet war und Klassik nicht unbedingt die Musik war, die ich in Zukunft weiter machen wollte. Also habe ich zwei Jahre lang intensiv daran gearbeitet, meine Stimme wieder zu 'ent-operisieren'. In dieser Zeit bin ich auch als Solistin aufgetreten, wobei ich meine eigenen Songs am Klavier gespielt habe, ähnlich wie Tori Amos. Es war im Jahr 2000, als mich dann Marco, der Gitarrist und Begründer von Xandria, fragte, ob ich denn nicht Lust hätte, in seiner Band zu singen. Da ich damals direkt nach dem Abitur noch keine großartigen beruflichen Zukunftspläne geschmiedet hatte, sagte ich auch begeistert zu." |
![]() LORDI (oben), KITA (unten) ![]() |
![]() AMEN (oben), ENARY (unten) ![]() ![]() KALMA |
Und was haben die anderen Musiker vor Xandria getrieben, und warum ist im Labelinfo kein Bassist mehr zu finden?
"Marco [Heubaum], unser Gitarrist und der Begründer von Xandria, spielte früher in Schülerbands und machte fast ein bißchen punkige Musik. Er mochte immer schon die härtere Musik. Später gründete er eine eigene Band, die als musikalischer Vorläufer von Xandria bezeichnet werden kann. Dort hat er seine Erfahrungen gesammelt, die er jetzt bei Xandria einbringen kann. Unser zweiter Gitarrist Phillip [Restemeier] ist ein wahrer Gitarrenfreak und hat schon irgendwie alles auf der Gitarre gespielt. Er lebte sogar einige Zeit in Brasilien und hat dort auch lateinamerikanische Spielarten gelernt. Er ist also topfit, was die spanische Gitarre betrifft. Philip war immer in einer Band, und ganz nebenbei ist er noch bei einer weiteren Band beschäftigt, bei der es eher progressiver zugeht. Gerit [Lamm], unser Drummer, ist der eindeutigste Metaller bei Xandria. Er hat schon immer in Metalbands gespielt und zwar mehr bei den härteren Truppen. Manchmal denke ich mir, daß ihm als Drummer die Musik von Xandria wie 'easy listening' vorkommen muß. Unser bisheriger Bassist Roland hat gerade in der Phase, bevor wir ins Studio gingen, wichtige berufliche Entscheidungen getroffen. Es hat sich irgendwie herauskristallisiert, daß er beruflich seinen Weg gehen muß, und da er mit seinen 30 Jahren auch in einem Alter ist, in dem er schauen muß, welche Ziele er verfolgen möchte, hat er die Band verlassen. Also haben wir überlegt, daß es am vernünftigsten wäre, wenn er noch einige Passagen einspielen könnte, die wir für wünschenswert hielten. Den Song 'Too Close To Breath' hat Roland selbst geschrieben, und da war es verständlich, daß er gerade hier die Baßparts übernommen hat. Die restlichen Songs haben wir von einem Sessionsbassisten einspielen lassen, der gleichzeitig unser Roadie ist. Wir haben momentan keinen Bassisten, und daher sind wir dabei, einen neuen Musiker zu suchen. Dafür lassen wir uns aber sehr viel Zeit, weil bei Xandria eine sehr familiäre Atmosphäre herrscht, und es ist schwer, einen geeigneten Musiker zu finden, der nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich zu uns paßt." Lordi haben sich mit ihrem "monströsen" Outfit ein eigenes Image aufgebaut, was Frau Schaphaus von Xandria nicht behaupten möchte. Wer sich aber die Bilder aus dem Videoclip zu "Ravenheart" auf der Website des Labels oder den Clip selbst ansieht, der stellt fest, daß hier mit lauter mittelalterlichen Elementen (Burg, schwarzer Reiter, Vollmond, et cetera) gearbeitet wird. "Wir bauen kein bestimmtes Image auf. Das sind lediglich Bilder und Szenen aus unserem 'Ravenheart'-Video, und genau zu diesem Song passen genau diese Elemente am besten. Vorgestern habe ich übrigens erfahren, daß ein 'Ravenheart' auch schon als Science-Fiction-Roman existiert. Wir haben kein Konzeptalbum geschaffen, obwohl so etwas immer eine ganz spannende Angelegenheit wäre. Für 'Ravenheart' haben wir nur Songs verwendet, die innerhalb des letzten Jahres entstanden sind. In dieser Zeit passierte so viel mit Xandria und um uns herum, so galt es, diese unterschiedlichen Eindrücke, die auf uns eingeströmt sind, auch musikalisch und textlich zu verarbeiten. Der Song 'Ravenheart' ist aber nicht unbedingt repräsentativ für unsere Musik. Dieser eine Song ist mehr eine Spielerei mit der Thematik 'Fantasy', 'Gothic' und all den Symbolen, die man damit verbindet. Der Inhalt des Videoclips läßt sich nicht pauschal auf die gesamte Musik von Xandria übertragen." |
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Wieso hast du dann genau dieses aufwendige Monster-Image gewählt?
"Mit Lordi wollen wir zeigen, daß wir etwas Besonderes sind, ein cooles Extra zu bieten haben, das es sonst in Finnland nicht gibt. Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn du zu einem Konzert gehst und die Band auf der Bühne sieht genau so aus wie die meisten Typen im Publikum. Also warum sollte ich dann überhaupt zu einer Live-Show gehen, wenn es nichts wirklich Cooles zu sehen gibt? Zu Hause kann ich mir das Licht selbst einstellen, kann mir die Lautstärke wählen und kann mir den Song anhören, der mir gefällt, vom Sound ganz zu schweigen. Wenn du zu einer Live-Show gehst, dann willst du ja auch etwas erleben und sehen, was du sonst nicht zu sehen bekommst. Ich möchte nicht nur zu einem Konzert gehen, um Musik zu hören, sondern auch etwas fürs Auge geboten bekommen. Der visuelle Aspekt spielt also schon eine tragende Rolle für mich." Ein entscheidendes visuelles Argument bei Xandria heißt eindeutig Lisa Schaphaus. Sie dürfte in Verbindung mit der Musik wirklich Grund genug sein, um zu einer Xandria-Show zu gehen, so ganz ohne Verkleidung. Aber ist es nicht manchmal eher lästig, als Frontfrau im Rampenlicht zu stehen? Die meisten Leute reduzieren eine Gruppe wie Xandria doch nur auf eine Lady am Mikro, wie es bei Nightwish oder Within Temptation auch der Fall ist. Mir war es übrigens egal, mit wem ich das Xandria-Interview führe, aber warum wollen alle nur die Lady sprechen? |
![]() Die ganze Monsterbande... ![]() ![]() KITA vs. KALMA |
![]() XANDRIA ![]() |
Und was meint Mr. Lordi zu dem Thema, immer im Vordergrund zu stehen?
"Also für mich ist das eher kein Problem, aber natürlich ist das schon ein gewisser Umstand, den man von unterschiedlichen Seiten her beleuchten und betrachten muß. Da existiert zuerst einmal der Bandname Lordi, der eben auch mein Name ist. Es fällt ja grundsätzlich schwer, sich von einer Band zu distanzieren, wenn der Bandname auch der Name des Leadsängers ist. Das geht anderen Musikern auch so, vergleiche das mit King Diamond oder Bon Jovi. Da denkst du auch automatisch erst einmal an Jon, und erst auf den zweiten Blick erkennst du einen Ritchie Sambora. Andererseits wissen die Leute bei Lordi auch, daß ich derjenige in der Gruppe bin, der mit allem begonnen hat und auf dessen Mist diese Band und das ganze Drumherum gewachsen ist. Ich mache die meiste Arbeit in der Band, und die meisten Ideen entspringen meinem kranken Kopf. Ich kümmere mich eben um sehr viele Dinge die Band betreffend, und da denkt dann selbstverständlich jeder gleich an mich, wenn er den Namen Lordi hört. Andererseits brauchst du aber auch einen gewissen Frontmann in einer Band. Sieh mal Guns N' Roses an, die hatten einen Axl Rose und Twisted Sister ihren Dee Snider. So einen Mann brauchst du, der sich den Leuten irgendwie einprägen kann und den Wiedererkennungswert heraufbeschwört. Kiss haben ja gleich zwei von der Sorte. Sicher ist es manchmal aber etwas mißverständlich, denn Lordi bin ich nicht alleine, das ist nicht richtig. |
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Während des Interviews bezeichnet Lisa Schaphaus die Truppe Xandria übrigens als "Transsexualrockband". Woher kommt denn diese zugegeben eher witzige Bezeichnung?
"Diesen Ausdruck hat uns jemand in unser Gästebuch geschrieben, und das ist eigentlich so ein netter Versuch, das Wort 'schwul' zu vermeiden, daß ich es total lustig fand. Aber ich meinte, daß gerade Metaller nicht alles akzeptieren, was man ihnen präsentiert. In vielerlei Hinsicht ist das zwar auch schade, aber irgendwie kann ich es verstehen. Unsere Musik beißt sich in weiten Bereichen mit den Prinzipien des True Metal. Ich fände es natürlich trotzdem cool, wenn es möglichst viele Metaller geben würde, die sich auf das Experiment 'Xandria' einlassen könnten. Schließlich haben wir unsere Wurzeln auch in der Metalmusik." Und warum nennt sich eine Band Xandria? Da denkt man doch zuerst an die guten alten Griechen oder an eine eher mißglückte Getränkebestellung (Sangria) eines angeheiterten Spanienurlaubers. "Ja, derartige Vergleiche oder Interpretationen haben wir schon des öfteren gehört. Vor allem bei Konzerten rufen die Fans einer Band ja die abenteuerlichsten Dinge zu. Aber die Wahl des Bandnamens war eher Zufall. Kurz bevor ich zur Band dazugestoßen bin, hat Marco im Halbdelirium auf dem Sofa gelegen und fand diesen Namen ganz gut, weil er zur atmosphärischen Musik paßte, die er damals mit seiner Band spielte. Was wir allerdings erst viel später herausfanden, waren die multiplen anderen Bedeutungen dieses Bandnamens. So existiert zum Beispiel ein Erotikversand im Internet, der auch so heißt, und der ägyptische Name für die Stadt Alexandria ist auch Xandria. Außerdem gibt es Rennpferde mit dieser Bezeichnung, und eine Pornodarstellerin nennt sich auch so. Also erfahren wir nach und nach von anderen Leuten all die weiteren Bedeutungen unseres Bandnamens." |
![]() LISA ist die perfekte Frontfrau ![]() |
Text Interview: Thomas Klaner
Internet-Text: Sven Lohnert

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