MAGNUM
Tougher als der stärkste Regen


Knapp sechs Jahre ist es her, daß sich die englische Hardrock-Legende Magnum von ihrer nicht unbeträchtlichen Fanschar mit dem Live-Album "The Last Dance" verabschiedet hat. Nicht wenige dachten, es sei ein Abschied für immer. Doch seit Mitte 2001 Gerüchte über eine Reunion die Runde machten und Magnum für diverse Festivals gebucht wurden, stand fest: Sie sind zurück.

In "Breath Of Life" steht seit kurzem ein brandneues und bärenstarkes Album in den Läden, welches ein würdiger Nachfolger für den letzten Magnum-Klassiker "Wings Of Heaven" von 1988 gewesen wäre. Bandkopf und Märchenonkel Tony Clarkin erzählt Geschichten dazu.

Wann habt ihr euch entschieden, es noch einmal mit Magnum zu versuchen?

"Es war so etwa vor neun Monaten, daß das Thema das erste Mal auf den Tisch kam. Ich war mir gar nicht sicher, ob es überhaupt irgendwen interessieren würde, wenn Magnum wieder zusammenspielen. Als das neue Line-up dann stand, ging eigentlich alles sehr schnell, und wir waren schon bald im Studio, um an 'Breath Of Life' zu arbeiten."

Warum spielt ihr nicht in dem klassischen Line-up, in welchem ihr eure wohl wichtigsten Platten wie "Vigilante" aufgenommen habt?

"Wally Lowe, unser alter Bassist, lebt mittlerweile auf Lanzarote und hat mit Musik nicht mehr viel am Hut, weshalb er auch gar nicht in Frage kam. Mickey Barker spielt in einer anderen Band, die er nicht im Stich lassen wollte. Deshalb ist jetzt Harry Kames unser Schlagzeuger, den viele vielleicht von Thunder her kennen. Unser neuer Bassist ist Al Barrow, mit dem ich schon bei Hard Rain zusammengearbeitet habe. Wir proben im Augenblick für die ersten Gigs, und es funktioniert super, ich bin richtig begeistert."

Man ist etwas irritiert, daß Mickey Barker im Booklet der CD abgebildet ist, jedoch nicht auf dem Album zu hören ist.

"Das liegt an den drei älteren Bonus-Stücken, die wir zusätzlich auf die CD gepackt haben, damit die Fans einen reellen Gegenwert für ihr Geld bekommen. Unsere Archive sind voll von seltenen Aufnahmen, Akustiksongs und ähnlichem, so daß wir uns entschlossen haben, einige davon dem Album beizufügen. Zunächst dachten wir an eine zusätzliche CD, was aber dann doch verworfen wurde. Nun sind 'The Flood' und 'Backstreet Kid' in Live-Versionen und 'We All Need To Be Loved' als akustische Variante vertreten. Ich denke, die Fans werden Spaß daran haben, und wir konnten eine Brücke in unsere Vergangenheit schlagen."

Das ist ein gutes Stichwort: Vergangenheit. Würdest du "Breath Of Life" als ein typisches Magnum-Album bezeichnen?

"Ja, ganz bestimmt! Allerdings klingt es vielleicht etwas frischer als vieles in unserer Vergangenheit. Ich denke, daß jemand, der Magnum mag, bei der neuen CD alle Trademarks wiederfindet, die er an uns schätzt. Bob ist bei uns immer derjenige, der sagt, ob ein Song für Magnum geeignet ist oder nicht. Ich halte mich als Songwriter gern an seine Ratschläge, so daß gewährleistet ist, daß am Ende ein echtes Magnum-Album steht."

Worin besteht denn der Unterschied zu den überaus enttäuschenden Hard Rain-Alben, die du mit Bob Catley in der Zwischenzeit aufgenommen hast?

"Magnum sind mit Sicherheit rauher als Hard Rain, irgendwie tougher. Hard Rain war genaugenommen meine Fluchtmöglichkeit, um Magnum verlassen und aufgeben zu können. Dort hatte ich die Möglichkeit, kreativ arbeiten zu können und keine Schranken vor mir zu haben. Bei Hard Rain mußten nicht zwangsläufig Rocksongs geschrieben werden, sondern ich konnte tun und lassen, wozu ich gerade Lust hatte, was mir zu dem Zeitpunkt ungemein wichtig gewesen ist. Vom kommerziellen Aspekt her war Hard Rain ein totaler Flop, aber musikalisch war es für mich einfach eine wichtige Phase der künstlerischen Freiheit. Mittlerweile würde ich auch da vieles anders machen, aber auf beiden Alben sind nach wie vor gute Songs, auf die ich stolz bin. Ferner habe ich mit Hard Rain unheimlich viel über das Produzieren gelernt, was jetzt auch wieder Magnum zugute kommt."

Handelt es sich bei den Tracks auf "Breath Of Life" um ausschließlich neue Stücke, oder habt ihr ein wenig in die Kiste gegriffen und ältere, unveröffentlichte Songs verwendet, wie es beispielsweise Giant bei ihrem Comeback getan haben?

"Es sind nur neue Songs auf dem Album gelandet, wir brauchten gar keine alten Ideen, da wir sehr kreativ gearbeitet haben und die Stücke nur so aus mir heraussprudelten. Das alte Feeling kann man zwar schwerlich zurückbringen, aber es ist uns dennoch gelungen, eine Platte aufzunehmen, die man als Magnum durch und durch bezeichnen kann. Es lief alles sehr natürlich und selbstverständlich, und ich habe die Produktion und das Songwriting auch sehr genossen."


Unser Zillmännchen lebt gefährlich! Magin sitzt ihm im Genick? Wieso findet der die neue Magnum so genial? - fragt unser Schwimmeister sich. Ring Frei! Zillmännchen läßt sich nicht beeindrucken und kontert mit einem interessanten Interview...Mehr im neuen Break Out 3/2002 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel.

Text-Interview: Martin Kosbab-Zillmann
Text Internet: Sven Lohnert



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