MOONSPELL
Der Sünden-Fall oder Christa Jenal im Opiumrausch?


Eine Menge Wirbel gab es im Vorfeld der Veröffentlichung um das neue Moonspell-Album, denn Christa Jenal, selbsternannte Hüterin von Ehre, Moral und Gewissen, ist der festen überzeugung, in den Portugiesen Moonspell nun endlich den vermeintlich Schuldigen für die Drogensucht der deutschen Kids gefunden zu haben. Betroffen von der gottesfürchtigen Rache dieser saarländischen Selbstdarstellerin sind jedoch nicht nur Moonspell, sondern auch noch andere Bands des Century Media-Labels.

Daß soviel falsch verstandenes Engagement natürlich die eigentliche Veröffentlichung von “Sin / Pecado“ und der Klasse dieses Albums ein wenig in den Hintergrund treten läßt ist bedauerlich, haben Moonspell diese ungewollte Form der Promotion doch in keinster Weise nötig, wie der Erfolg der vor kurzem veröffentlichten Maxi Doppel-CD zeigt, die neben einem Ausblick auf das nun erscheinende Album in Form von “Second Skin“ auch umfangreiche Live-Aufnahmen vorangegangener Tourneen enthielt. Mit der Trennung vom Bassisten Ares wurde auch der letzte “Metal-Ballast“ über Bord geworfen, so daß “Sin/Pecado“ ein beeindruckendes und vielschichtiges Werk geworden ist, das volle Bewunderung verdient und zweifelsohne jetzt schon zu den Höhepunkten im Jahre 1998 zählen wird.

“Opium“, einer der Songs vom Vorgänger “Irreligious“, verherrliche und befürworte den Drogenkonsum und rufe zu ungehemmten Gebrauch von Drogen auf, so der Verwurf besagter Christa Jenal, der schließlich darin gipfelte, daß Vertreter der deutschen Ordnungsmacht in das Century Media-Office einfielen und diverse “Beweisstücke“ mit typisch deutscher Gründlichkeit sicherstellten. Daß eben jener Song dem portugiesischen Nationaldichter Fernando Pessoa, einem anerkannten und mit einer Vielzahl von Ehrungen überhäuften Literaten, gewidmet ist und somit die Kultur eines ganzen Landes in Frage stellt, wurde dabei geflissentlich übersehen. In einem offenen Brief sowohl an Frau Jenal als auch die Presse, bezieht Sänger Fernando eindeutig Stellung.

»Diese Frau bekämpft eindeutig die falschen Gegner alleine durch die Tatsache, daß sie versucht, Bands zu zensieren, die mit ihrer Musik den jungen Menschen eine Möglichkeit geben, sich mit etwas zu identifizieren und somit nicht der Drogensucht zu verfallen. Durch dieses Verhalten treibt sie sicherlich mehr Menschen in die Drogensucht als wir mit ’Opium’, soviel ist sicher. Als wir ’Opium’ schrieben, hätten wir niemals gedacht, mit diesem Song so eine Polemik hervorzurufen. ’Opium’ ist kein polemischer Song, kein schockierendes Video und beinhaltet auch keinen schockierenden Text.«


Text Interview: Michael Kuhlen
Text Internet: Michael Kuhlen


Besetzung (Stand:10/97): Fernando - voc., Ricardo - guitar,
Sergio - bass, Pedro - keys, Mike - drums



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©breakout 9/2000