MÖTLEY CRÜE
Unterhaltung ohne Rücksicht auf Verluste


Die im Endeffekt recht häßliche Trennung von Tommy Lee, das erste Konzertalbum in der Bandgeschichte und nicht zuletzt Vince Neils Sünden der jüngeren Vergangenheit: Die Themen für ein ausführliches Gespräch mit dem charismatischen Blondschopf sind gegeben, und nach langem Hin und Her nimmt sich Mr. Neil endlich die Zeit dafür.

»Im Moment [Ende Januar] sind wir immer noch dabei, zu komponieren und die besten Songs zu sammeln”, beschreibt Vince den Stand der Arbeiten am neuen Material. “Die eigentlichen Aufnahmen haben noch nicht angefangen. Aber in circa zwei Wochen sollte es soweit sein, und dann wird’s ernst.«
Letztes Jahr erzählte mir Mick Mars, daß er noch absolut keine Ahnung hätte, wie eure neue Platte klingen könnte. Einerseits war es für ihn vorstellbar, ein traditionelles Mötley Crüe-Album aufzunehmen, andererseits meinte er, daß Experimente nicht ausgeschlossen seien.

»Die Zeit der Experimente ist für uns mit ‘Generation Swine‘ abgelaufen. Das neue Album wird recht altmodisch ausfallen, die Gitarren werden schön knallen, und ich kann in etwa eine Mischung aus ‘Dr. Feelgood‘ und ‘Shout At The Devil‘ ankündigen.«

Es ist kein Geheimnis, daß auf eurem Drum-Hocker inzwischen Randy Castillo sitzt. Er spielte bereits in deiner Soloband. Wie macht er sich bislang?
»Tommy stieg aus, bevor es für uns im letzten Sommer auf diese sehr lange US-Tour mit den Scorpions ging. Randy blieb aber cool, und man muß objektiv sagen, daß ihn die Fans akzeptiert haben. Die eigentliche Bewährungsprobe kam für ihn allerdings erst in Japan. Man weiß, daß die Japaner einen ziemlichen Personenkult betreiben. Aber auch sie nahmen Randy an.«

Wobei der nicht erste Wahl war. Seinerzeit fiel mehr als einmal der Name Matt Sorum.
»Matt hätte den Job in der Tat bekommen, aber zu der Zeit gehörte Tommy noch in die Band, und auch wenn sein Ausstieg mehr oder weniger beschlossen war, so waren wir doch etwas hin- und hergerissen. So lange wollte Matt aber nicht warten und ist sich mit The Cult einig geworden. Dann ist Tommy ausgestiegen, und Mick wie auch ich flogen in den Urlaub. Nikki blieb zu Hause und suchte einen neuen Schlagzeuger. Er rief mich im Urlaub an und fragte, mit wem ich denn am liebsten spielen würde? Spontan fiel mir Randy ein. Mick muß wohl die gleiche Antwort gegeben haben, denn nach unserer Rückkehr kam Randy sofort zu einer Probe, und wir jammten zusammen. Nach wenigen Minuten war klar, daß er bei uns fest einsteigen würde. Wir klickten perfekt, und ich bin mir sicher, daß ihm die Teilnahme an der Tour zu meinen zweiten Soloalbum ‘Carved In Stone‘ enorm geholfen hatte, denn auch dort mußte er einige Mötley Crüe-Hits spielen und hatte sie somit in petto.«

Tommy Lee ist ein dermaßen spezifischer und prägnanter Schlagzeuger, daß es für viele Fans eigentlich undenkbar war, daß es Mötley Crüe jemals ohne ihn geben könnte. War es denn für euch nach seinem Ausstieg dermaßen einfach fortzufahren?

Wie simpel das war, steht natürlich im neuen Break Out 3/2000. Ein absolut unterhaltsames Heft ­ da werden beim Lesen sogar die Toten quicklebendig.

Text Interview: Nikolas Krofta
Internet-Text: Mike Seifert


 



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©breakout 9/2000