BÖHSE ONKELZ
Onkelz Hoch Drei


Die Platte mit der dazugehörigen Tournee liegt bei den Böhsen Onkelz jetzt auch schon einige Zeit zurück. Klar, daß sich da ihre zahlreichen Fans fragen, was eine der erfolgreichsten Rock-Formationen Deutschlands denn zur Zeit so treiben. Nun, neben wenigen Festivalauftritten steht im Spätsommer quasi ein Onkelz-Dreier-Packet an. Neben einer Live-Scheibe, einem Video von der selben Show Ende August, gibt es im September auch noch ein Buch über die Jungs aus Mainhattan. Klar, daß da die Journallie nach Frankfurt gebeten wurde, wo das Duo Stephan/Gonzo alle Fragen zu obigen Releases und anderem mehr beantwortete.

»Im Prinzip ist es natürlich fester Bestandteil eines Vertrages, den man mit einer Plattenfirma abschließt, wenn man sich für längere Zeit in ihre Arme begibt«, erläutert Stephan die Hintergründe dieser Platte, »weil so was halt wenig Produktionskosten nach sich zieht und viel verkauft. Wir sehen es so, daß die letzte Live-Platte schon ziemlich lange zurückliegt und viele Alben von uns seitdem erschienen sind. Wir versuchten hier, die Stimmung einzufangen, da unsere Konzerte ganz besondere Events sind. Wie beim letzten Mal erscheint zeitgleich zur CD auch ein Live-Video, das allerdings ein bißchen kürzer ist. Die Platte kommt als Doppel-CD raus, also die komplette Show mit einer Spielzeit von etwas über zwei Stunden. Wir sind der Meinung, daß in den Aufnahmen sehr viel vom Live-Feeling enthalten ist. Ich mag nämlich diese Art Alben nicht, wo am Ende des Songs die Publikumsreaktionen in den Track reingemischt werden.«

»Wichtig war auch für uns, das Ding in Dortmund aufzunehmen«, fährt Gonzo weiter fort. Und logischerweise trägt der Silberling dann auch den Titel "Live in Dortmund".
»Wir hatten jetzt zweimal den Tourabschluß dort. Bei der Tour zuvor hätten sich alle in den Arsch treten können, daß die Show nicht mitgeschnitten worden war; es herrschte eine geile Stimmung mit supertollem Publikum. Doch diesmal wurde es durchgeführt.«

»Bei der Songauswahl gab"s für uns eigentlich auch gar keine Diskussionen«,
ist Stephan wieder an der Reihe, »da das Set auf dem Album zu hören ist, welches wir die komplette Tour über hatten. Natürlich sind auch Sachen enthalten, die sich mit der alten Live-Platte überschneiden, aber wir wollten darauf keine Rücksicht nehmen. In der Zwischenzeit sind sieben Jahre vergangen, das heißt, daß die Interpretation zu früher sich doch verändert hat: Die Dynamik ist anders und so weiter. Wir wollten halt nicht wie bei der kürzlich veröffentlichten Bad Religion-Live-CD aus unterschiedlichen Gigs verschiedene Tracks rausnehmen, sondern bewußt ein Konzert an einem Stück den Leuten vorstellen.«

Aber CD und Video sind längst nicht alles, was die einen in den nächsten Wochen erwartet, denn im September bekommen die Onkelz-Anhänger auch was zum Lesen angeboten.
»Dieses Buch wird nochmals ein ganz wichtiger Schritt für die Band«, erläutert Stephan, »denn mit dieser Veröffentlichung schaffen wir uns viele Mißverständnisse vom Hals. Das Ding hat ein Freund verfaßt, der uns sehr nahe steht, und deshalb besitzt er auch die nötigen Einblicke. Das Buch ist sehr offen, wie nicht anders zu erwarten steht da alles drin, was man von den Onkelz erwarten kann: Viel Gewalt, viel Schicksal, Scheiße, die wir gebaut haben - aber auch positive Sachen, die man rausziehen kann, wenn man es durchgelesen hat. Die Sache ist sehr schonungslos, wir haben nicht hinter dem Berg gehalten mit allem, was so passierte. Die Story geht sehr weit zurück, zum Teil bis in die Kindheit. Ich glaube, daß man daran sehr gut erkennen kann, wo wir herkommen. Unser Freund hat an dem Buch zweieinhalb Jahre geschrieben, und es steckt unheimlich viel Recherche darin. Er mußte siebzehn Jahre Onkelz-Historie aufarbeiten, dazu vierunddreißig bis fündunddreißig Jahre unseres Lebens. Er führte viele Gespräche mit unseren Eltern, Freunden, Geschwistern, wälzte das komplette Onkelz-Pressearchiv durch. Im Prinzip steht da alles drin, was es über uns zu wissen gibt!«

»Als wir vor fast drei Jahren dieses Buch-Projekt angedacht haben«, führt Gonzo weiter aus, »haben wir darüber gesprochen, daß nichts schöngeschrieben werden soll, wir wollen uns in kein bestimmtes Licht setzen oder irgendwelche Tatsachen verändern. Jeder von uns hat sich gesagt: In dieses Buch kommt die absolute Wahrheit rein, und jeder soll darüber nachdenken, ob er damit leben kann, daß dem so ist. Und der Entschluß fiel dann einstimmig, dieses Buch in Angriff zu nehmen.«


Soweit die Onkelz zu den demnächst anstehenden Veröffentlichungen. Aber damit sind wir noch lange nicht am Ende. Im nächsten Heft gehts nämlich groß weiter: Stephan und Gonzo dann unter anderem über: Internet und illegale Releases, die Onkelz-Fans, Probleme mit dem linken sowie rechten Lager ...

Text: Marco Magin



Besetzung (Stand:9/97): Kevin Russell - voc., Stephan Weidner - bass, accoustic guit., voc.
Peter Schorowsky - drums, Matthias Röhr - guit.




Mehr darüber gibt´s im Heft 6/97 nachzulesen!
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©breakout 9/2000