![]() Mickey Thomas liefert mit Over The Edge ein Hammer-Album ab! |
Lange Zeit war es still um den Starship-Fronter Mickey Thomas, der immer noch unter dem gerichtsmäßig erlaubten Banner "Starship featuring Mickey Thomas" regelmäßig durch amerikanische Breiten tourt, um nicht zuletzt der ihrerseits wiedererstarkten Jefferson Starship-Version mit Gründungsmitglied Paul Kantner gehörig einzuheizen.
Im Gegensatz zu seinen früheren Mitstreitern ruht sich der kalifornische Sunnyboy keineswegs auf seinen Lorbeeren aus, sondern ist weiterhin ein aktives Mitglied der US-Rock'n'Roll-Connection und mußte bestimmt nicht lange die auf seiner neuesten Langrille "Over The Edge" versammelten Herrschaften zu einer Audienz bitten. Und sie kamen alle! Neal Schon, Steve Lukather, Richie Kotzen, Jonathan Cain, Freddy Curci und Jack Blades griffen dem altgedienten Haudegen songtechnisch unter die Arme und brachten das Kunststück fertig, Thomas recht unterschiedliche, aber passende Nümmerchen auf den Leib zu schneidern: nichts Überkandideltes, sondern zehn leichtverdauliche Poprocker. Mickey Thomas zeigt sich äußerst euphorisch. |
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In diesem Zuge schätzt sich Mickey Thomas sehr glücklich, daß ihm speziell in den Achtzigern die ganzen Typen über den Weg liefen, die früher oder später allesamt selbst Mainstream-Geschichte schrieben.
"Mit Kerlen wie Neal Schon und Steve Lukather kann man nicht nur musikalisch Pferde stehlen, und so freut es mich umso mehr, daß sie zum Gelingen von 'Over The Edge' beigetragen haben. Auch ich bin immer ganz scharf drauf, bei anderen Projekten mitzusingen, weil's einfach Spaß macht und man sich da den verschiedenartigsten Herausforderungen stellen muß - nur so bleibt man mit beiden Beinen auf dem Boden und hebt nicht ab." So mischte er 1998 bei Sammy Hagars "Marching To Mars" mit und sang fast zeitgleich zusammen mit Busenkumpel Bobby Kimball dessen Track "All I Ever Wanted" ein. Außerdem stand er schon früh als eventueller Steve Perry-Ersatz bei Journey zur Debatte, dessen Stuhl Anfang der Achtziger gefährlich wackelte. Mittlerweile hätte sich so manch anderer schon längst auf sein verdientes Altenteil verzogen, nicht so aber Mickey Thomas. "Warum auch? Was soll ich denn sonst machen? Wir ziehen immer noch gut und gerne siebzig bis achtzig Shows pro Jahr durch, und mit all meinen Zukunftsplänen sehe ich das Ende der Fahnenstange noch lange nicht kommen." Eines seiner Projekte beschäftigte sich ausnahmsweise mal nicht mit Musik: Er lieh seine Stimme dem Titelhelden der aufwendigen Kinder-Zeichentrick-Sendung "The Adventures Of Kanga Roddy", die sogar einen Emmy absahnte. Wie kam er denn dazu? "Komischerweise durch ein paar Leute, die ich vom 49ers San Francisco Football-Team her kannte. Als großer Football-Freak sang ich dort öfters bei großen Spielen die Nationalhymne. Mit dem dortigen Unterhaltungschef, der nebenbei selbst Songs für Filme verfaßt, kam ich sehr gut aus; jener werkelte gerade an dieser 'Kanga Roddy'-Show, und so endete ich eben als Stimme von Kanga Roddy." |
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Er grinst bei diesem Seitenhieb in Richtung des alten Jefferson Airplane/Starship-Recken Paul Kantner, der ganz zufällig 1988 Grace anläßlich der Jefferson Airplane-Reunion wieder erfolgreich an Bord lotste. Einem weiteren Kommentar zufolge inspirierte dieser Vorfall Thomas dazu, den bislang letzten Starship-Longplayer bezeichnenderweise "Love Among The Cannibals" (1989) zu nennen. Eine echte Retourkutsche, die heute noch deutlich macht, "daß Paul und ich - wie übrigens viele Ex-Musiker der Band - nicht gerade die besten Freunde sind."
Durchaus verständlich, denn schließlich handelte es sich einmal in grauer Vorzeit um Kantners alleiniges Baby, bis eines Tages Thomas ins Spiel kam, um nach und nach die Zügel in der Band zu übernehmen. "Klar, kann ich das nachvollziehen, zumal ich auch auf wirklich gute Zeiten mit Paul zurückblicken kann. Der ganze Mist fing erst an, als er Starship verlassen hatte. Deswegen schlafe ich aber nachts trotzdem gut. Es gibt doch genügend Platz für uns beide; jeder kann heute seine eigene Sache durchziehen und die Musik machen, die er sich selbst vorstellt, um damit seine Fans ansprechen. Es gibt keinen Anlaß zur Eifersucht." Indes schien der Stern der einst so angesagten Starship-Truppe spätestens mit dem poprockigen Album "Love Among The Cannibals" langsam zu sinken. Neben aufstrebenden Wildboys wie Metallica und Guns N' Roses wirkte das gezähmte Sunnyboy-Image von Mickey Thomas & Co. ziemlich blaß, und die eher poppig gehaltenen Mainstream-Tracks taten ihr Übriges, um den Rest der Jefferson-Fans zu vergraulen. "Trotz allem gehört diese Scheibe zu meinen absoluten Faves unter den Starship-Alben. Es tut mir jetzt noch in der Seele weh, wie diese Platte außer der ausgekoppelten Hit-Single 'It's Not Enough' beim Publikum durchfiel. Alle Stücke fügten sich wie in einem Puzzle in einen Rahmen, der perfekt zu Starship paßte. Besser ging's nicht! Die Resonanzen darauf waren ziemlich enttäuschend, was wohl unter anderem auch daran lag, daß es der erste Output nach dem offiziellen Ausstieg von Grace war. Ohne sie schien für viele Leute das Thema gegessen zu sein. Für mich ist diese CD nach wie vor ein Meilenstein in der Geschichte von Starship, der in Sachen Produktion und Songqualität auch heute noch sehr gut mithalten kann, was zum größten Teil auf das Konto der beteiligten Produzenten-Riege Mike Shipley, Mutt Lange und Tom Lord-Alge ging. It still sounds cool!" |
Text-Interview: Petra Rottmann
Text Internet: Sven Lohnert

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