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Es geht wieder aufwärts mit der Karlsruher Multi-Kulti-Truppe. Gitarrist Alfred Koffler kann dank der Unterstützung eines zweiten Gitarristen wieder auf den Konzertbühnen brillieren, ein neuer Plattenvertrag ist unter Dach und Fach und - ganz wichtig - mit "Thunderdome" beweist die Band, daß sie auch ohne ein einziges Konzert zum stark unterschätzten Werk "Endangered" nach wie vor auf ihrem ganz eigenen Terrain bestehen kann.
Alfred Koffler bricht das Schweigen und bezieht Stellung zur derzeitigen Lage im Bandcamp. Hierzu kommt es am letzten Tag des Jahres 2003: nur einige Stunden nach dem fast schon legendären Wiedersehen der Band mit dem ehemaligen, langjährigen Pink Cream 69-Sänger Andi Deris. Der trat nämlich ebenso wie Pink Cream 69 beim Jubiläumskonzert in der Ludwigsburger Rockfabrik auf, und auch wenn sie es versucht hätten, sie hätten einander nicht aus dem Weg gehen können. "Es war ein sehr distanziertes, neutrales, oberflächliches, kurzes Treffen mit ein wenig Smalltalk", schildert Koffler das Treffen mit dem Ex-Kollegen, der die Gruppe seinerzeit überraschend verließ. "Es ist schade, wie die Sache damals ablief, aber zugleich ist sie auch schon verjährt. Ich glaube, Kosta hat sich mit Andi länger unterhalten, aber ich habe ihn einfach nicht lang genug gesehen, um darüber jetzt großartig berichten zu können." In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern waren Pink Cream 69 mit Andi Deris am Mikro eine außergewöhnliche und zudem außergewöhnlich erfolgreiche, stets auf einem qualitativ sehr hohen Level operierende Combo. Und natürlich läßt ein solches Wiedersehen nach Jahren gewisse Spekulationen entstehen. "Inzwischen habe ich gelernt, niemals im Leben nie zu sagen", erklärt der Gitarrist mit einem neutralen Gesichtausdruck. "Aber zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir eine erneute Zusammenarbeit nicht vorstellen. Andi hat seine Band, wir ziehen mit Pink Cream 69 unser Ding durch und haben in David einen Sänger, der von der Band nicht mehr wegzudenken ist. Ambitionen in andere Richtungen habe ich nicht, aber man weiß natürlich nicht, was in fünf Jahren sein wird. Vielleicht werden bis dahin auch einige Sachen aus unserer Vergangenheit mit Andi endgültig geklärt sein, die immer noch nicht ganz ausgeräumt sind und im Raum stehen. So etwas kann man bei einem Minitreffen wie dem in Ludwigsburg nicht aus der Welt schaffen." |
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Es gibt auch keine Stücke aus der Bandvergangenheit, die man der neuen Situation nicht anpassen könnte.
"Auf eine bestimmte Art und Weise können wir alles spielen, was wir auch spielen wollen. Dazu mußte ich mir nur darüber klarwerden, daß ich bestimmte Sachen nicht mehr so wie früher spielen kann. Ich muß sie anders spielen. Das muß aber nicht unbedingt heißen, daß sie dann ganz anders oder viel schlechter klingen." Kann man sagen, in welchem Verhältnis die körperlichen und mentalen Aspekte deiner Erkrankung stehen? "Die Grenzen sind fließend", erklärt Alfred. "Das ganz Komische an der Geschichte ist, daß die Krankheit vollkommen schmerzfrei ist. Es ist einfach eine gewisse mentale Blockade in meinem Kopf. Sozusagen ein kleiner Haken in der Steuerung. Ich habe von der Krankheit an sich, von fokaler Dystonie, früher niemals gehört, und sie ist schon ein Phänomen. In der klassischen Musik sind viel mehr Musiker davon betroffen, wobei ich inzwischen auch von Rockmusikern E-Mails bekommen habe, die sie ebenfalls haben. Aber es ist schon schwer. Manche Sachen kann ich nämlich schon noch so spielen wie früher und manche nicht. Ich muß sehr diszipliniert an die Sache herantreten." [Anm.: Fokale Dystonie ist eine Störung feinmotorischer Bewegungsabläufe ("Musikerkrampf"). Zum Veranschaulichung: Der sogenannte "Schreibkrampf" ist eine artverwandte Störung. - Der Medizin-Red.] Auch ans Aufhören hat er bereits einige Male gedacht, die Liebe zur Musik half aber auch über die dunkelsten Stunden hinweg. "Natürlich denkt man ans Aufhören, wenn man versucht, so zu spielen wie man es die ganzen Jahre über getan hat, und es geht nicht so, wie man es möchte. Irgendwann hatte ich aber die Nase voll davon, nur noch frustriert durch die Gegend zu laufen, habe meine Situation akzeptiert und versucht, das Beste daraus zu machen. Wobei ich auch sagen muß, daß die Band immer hinter mir stand. Da war niemals auch nur ein Wort davon, mich vor die Tür zu setzen. Und auch die Idee, für Konzerte einen zweiten Gitarristen dazuzunehmen, kam von mir." Lobenswert natürlich. Andererseits: Kann sich wirklich jemand Pink Cream 69 ohne Koffls charakteristisches Spiel vorstellen? |
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Text Interview: Nikolas Krofta
Text Internet: Sven Lohnert

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