QUEENSRYCHE
Der Niedergang des Imperiums


Ich könnte mit vorstellen, daß Ihr genauso sehnlichst wie wir auf die neue Queensrÿche-Scheibe “Hear In The Now Frontier“ gewartet habt. Bei den einen standen dabei sicherlich Schweißgriffel, nervöse Zuckungen und unkontrollierte Speichelabsonderungen im Vordergrund, wohingegen sich manch anderer Zeitgenosse das grandiose Backprogramm des Seattle-Quintetts ein ums andere Mal reingepfiffen hat, um den neuesten Output mit der richtigen Stimmung empfangen zu können und...vor den Kopf gestoßen zu werden.

Schon “Promised Land“ war alles andere als leichtverdauliche Kost, doch mit “Hear In The Now Frontier“ begeben sich die Jungs auf ungleich dünnes Eis - ein Schritt in die falsche Richtung? Um dies zu ergründen, klemmte sich der leicht verstörte BREAK OUT-Redakteur an den heißen Draht und hakte bei einem frohgelaunten Chris DeGarmo kräftig nach.


»Aus meinem Blickwinkel liegen die Unterschiede zwischen ‘Promised Land’ und ‘Hear In The Now Frontier’ hauptsächlich auf der lyrischen Ebene«, verdeutlicht Chris. »‘Promised Land“ wurde aus einem sehr introvertierten Ansatz heraus verfaßt. Die Variabilität bezog sich auf verschiedene soziale Mißstände, und wir kommentierten diese auf unsere Weise. Was den musikalischen Teil betrifft, bleibt nur zu sagen, daß ‘Hear In The Now Frontier’ soundmäßig eine andere Geschmacksrichtung repräsentiert.«

Nanana, wenn sich der Herr DeGarmo da mal nicht irrt. Prinzipiell hat er ja Recht, wie auch unser Lohni meint, aber ganz so leicht darf man es sich auch nicht machen. Natürlich haben Queensrÿche schon immer ihr Ding durchgezogen - wobei man sich über den Erfolg auch nie beklagen konnte - aber “Hear In The Now Frontier“ war doch wohl der Gipfel der Frechheit (vor allem weil Maestro DeGarmo, beim Interview zu keiner Zeit kritikfähig war). Und Lohni, dem das Scheibchen redaktionsintern noch am besten gefiel, versuchte erst gar nicht das Album schön zu reden. Er beanstandete die schrammeligen Gitarren, die auch der noch so unvoreingenommenste Hörer nicht erwartet hätte, zudem vermutete er, daß Queensrÿche die Soundänderung durchziehen wollten, um so wieder den amerikanischen Merkt knacken zu können, auf dem in punkto Verkaufszahlen für Power Metal ja absolut nichts mehr zu holen ist. Tja, irgendwie fand Chris das alles recht Banane und schien sich auch vor Ärger wie eine solche zu häuten, bis... - ...ja bis sich alles wieder etwas entspannte, und beide gemeinsam über eine Anekdote über Metallica aus grauer Vorzeit ins Plaudern gerieten.


Text: Sven Lohnert
Text Internet: Sven Lohnert


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©breakout 9/2000