RAMMSTEIN
Hitverdächtiges aus der Gruft


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RAMMSTEIN sind wieder da!
Rammstein - kontrovers diskutierte Vorzeigeband Nummer Eins aus Deutschland ist nur ein knappes Jahr nach "Reise, Reise" mit dem neuen Album "Rosenrot" zurück und die Hauptstädter überraschen mit noch lyrischeren und melancholischeren Einheiten die Fans und Kritiker. Während die Band momentan noch für "Reise, Reise" die Lorbeeren kassiert ( Rammstein gewannen unlängst in den USA den World Music Award für "The Best Selling Artist Around The World - Germany", sind nominiert in 2 Kategorien der European MTV Awards, weitere Nominierungen für zwei Cometen in den Kategorien "Bester Liveact" und "Bestes Video" sowie nominiert für die Live Eins Krone in der Sektion "Bester Liveact"), war sie nach ihrer großen Europa Tournee und einem Showcase in Japan nicht untätig und hat den Nachfolger zu "Reise, Reise" fertiggestellt.

Relativ unerwartet verfrachteten Rammstein die weltweite Journaille nach Paris, wo sich 4 der 6 Bandmitglieder auf einem feinen Hausboot am Seine-Ufer mit Blick auf den Eifelturm häuslich niedergelassen hatten. Zuerst wurde jedem Anwesenden "Rosenrot" mehrfach vorgespielt, wonach die Bandmitglieder dann Rede und Antwort standen.

Doch bevor wir Basser Oliver Riedel zu Wort kommen lassen, der seinen Gedanken auf einem Hausboot in Paris freien Lauf läßt, noch mal eine kurze Retrospektive auf die steile Karriere der Einheit Rammstein.

Es begab sich im Jahre 1995 als mir ein Tape einer unbekannten, deutschen Band vorgespielt wurde. Ein Newcomer wie jeder andere? Weit gefehlt! Die druckvolle Produktion, die schneidenden Gitarren und die martialischen Texte - etwas nie Dagewesenes. Zu Beginn will die Band als Einheit verstanden werden, die Individuen spielen zuerst keine Rolle. Die Stärke bezieht Rammstein aus ihrem Zusammenhalt und der Kameradschaft. Das Sextett schwimmt sich frei!
Bereits zu DDR-Zeiten spielen alle Mitglieder bei diversen Szene-Bands. Christian "Flake" Lorenz musiziert zusammen mit Paul Landers bei den sogar im Westen bekannten Feeling B, Oliver Riedel zupft bei The Inchtabokatables den Bass, Sänger Till Lindemann verdingt sich bei First Arsch als Schlagzeuger und Christoph Schneider trommelt bei Die Firma. Einen völlig anderen Weg beschreitet Klampfer Richard Kruspe. Noch vor dem Mauerfall flieht er über Ungarn und Österreich nach Westdeutschland, wo er eine Band namens Orgasm Death Gimmick gründet. Kurz nach dem Mauerfall 1989 kehrt er in seine Heimatstadt Schwerin zurück, um für kurze Zeit bei Das Auge Gottes in die Saiten zu greifen. Dort trifft er auf Till Lindemann, den ehemaligen Auswahlschwimmer der DDR und Vizeeuropameister im Jugendbereich, der sein Geld als Korbflechter verdient.

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Die Band der Stunde


1994 entsteht ein gemeinsames Projekt, das neben Kruspe und Lindemann auch Riedel und Schneider auf den ersten Demos präsentiert. Das Quartett wird durch Landers und Lorenz verstärkt und so bewirbt man sich mit dem Demo bei einem Bandwettbewerb, bei dem den Gewinnern ein Studioaufenthalt winkt. Spiel, Satz und Sieg für das Sechserpack! 1995 sind sie als Support für Project Pitchfork auf Tour, unterschreiben ihren Deal mit Motor Music und beginnen mit Unterstützung von Clawfinger-Produzent Jacob Hellner mit den Aufnahmen für das Debut Album "Herzeleid".

Das Ausland beäugt Rammstein zuerst ebenfalls sehr kritisch und sieht in ihnen eine schlichte, kalte Melange aus Alice Cooper und Marilyn Manson. In Deutschland räumt "Herzeleid" in kürzester Zeit völlig ab. Die perfekte Mischung aus tonnenschweren Gitarrenriffs, exzessiven Technobeats sowie ausdrucksstark-provokanten Lyrics, verleiht Rammstein ihre Einzigartigkeit. Dank des bekannten Filmemachers David Lynch, der die Tracks "Rammstein" und "Heirate mich" für seinen "Lost Highway"-Soundtrack verwendet, wird über Nacht in Amerika das Rammstein-Fieber entfacht.

1997 räumt "Sehnsucht" außerhalb Europas vor allem in den USA megamäßig ab. Eine gigantische Tour folgt zwischen 1998 und 1999. Nach dem relativen, kommerziellen Ableben der Scorpions gilt das Berliner Sextett heute so ziemlich als einziger deutscher Act von internationaler Bedeutung.


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SCHNEIDER
2001, nach extensiven Live-Aktivitäten, erscheint das dritte Studioalbum "Mutter", das wie auch der Vorgänger "Sehnsucht" direkt nach Veröffentlichung die Pole Position der Charts einnimmt. Rammstein sind auf dem Rock-Olymp und pausieren nach einer fantastischen Konzertrundreise. Erst im Sommer 2004 erscheint die neue Platte "Reise, Reise" und avanciert bereits im Oktober zur erfolgreichsten europäischen Langrille des Jahres 2004. Noch während der laufenden Sommer-Shows kündigt die Band für Oktober 2005 einen Nachfolger an.

Nun ist es an der Zeit, Baßmann Oliver Riedel zu befragen, wie es denn dazu kam, daß Rammstein nach "Reise, Reise" so schnell schon wieder eine neue Platte am Start haben.

"Wir hatten zu der 'Reise, Reise'-Session insgesamt 18 fertige Titel aufgenommen - hatten also schon sieben neue Songs für ein weiteres Album komplett. Wir wollten nicht so lange warten, diese auch zu veröffentlichen. Bei uns ist es so, dass wenn wir Tracks aufnehmen und sie dann zu lange liegen lassen, sie für unseren Geschmack immer schlechter werden. So hatten wir ursprünglich die Idee, die neue Platte als 'Reise, Reise 2' zu releasen. Die Fans sollten wissen, dass ein Teil der Aufnahmen auch aus der 'Reise, Reise?- Zeit stammen. Wir mussten noch vier/fünf neue Lieder schreiben, was wir in den letzten drei Monaten getan haben. Das Resultat ist nun 'Rosenrot'."

Hierbei sind Parallelen zu "Herzeleid" und "Sehnsucht" erkennbar. Seinerzeit hattet ihr auch schon fast die komplette "Sehnsucht" mit aufgenommen. Eigentlich sollte ja auch das Stück "Sehnsucht" mal "Afrika" heißen. Ist diese Art der Aufnahmetaktik ein bevorzugtes Instrument von euch?

"Eigentlich nicht, da wir diesmal die Stücke, die wir bereits zu 'Reise, Reise' aufgenommen hatten auch so belassen und nichts mehr daran geändert haben. Damals bei 'Sehnsucht' haben wir noch vieles neu und anders gemacht."

Das Stück "Rosenrot" zählt ja auch zu den fertigen Songs aus der "Reise, Reise"-Session und sollte damals schon die erste Single des Albums werden. Nun wird der neue Longplayer "Rosenrot" heißen und das gleichnamige Stück wird dennoch nicht als erste Auskopplung veröffentlicht?

"Als wir wussten, dass wir sieben fertige Songs haben und 'Rosenrot' zu den stärkeren Nummern zählte, haben wir uns dafür entschieden, die neue Platte ebenfalls 'Rosenrot' zu nennen" bekräftigt Oliver. "Jede Platte hat starke und schwächere Nummern und für die neue Scheibe wollten wir gute Songs in der Hinterhand behalten. 'Reise, Reise' planten wir ursprünglich etwas härter zu gestalten und wenn man sich den neuen Silberling anhört sind halt auch wieder einige ruhigere Ideen dabei. 'Rosenrot' ist viel melancholisch-romantischer als 'Reise, Reise' obwohl die Aufnahmen teilweise aus der gleichen Zeit stammen. Während wir die 'Reise, Reise'-Stücke in Spanien aufgenommen haben, sind wir für die Aufnahmen der restlichen fünf Nummern hier in Berlin geblieben. Daß wir in Berlin aufgenommen haben, war aus meiner Sicht rückblickend nicht so schön", erklärt Oliver. "Man neigt immer leicht dazu, nicht konzentriert genug zu arbeiten, auf die Uhr zu schauen und zu meinen, jetzt könnte man eigentlich nach Hause fahren. Für die nächsten Aufnahmen werden wir sicherlich wieder weiter weg fahren."

In eurem neuen Info zu "Rosenrot" wird der Spagatschritt unternommen, eine Verbindung zwischen Goethe, den Gebrüdern Grimm bis hin zu Rammstein herzustellen - was durch die Art der Lyrik in Tills Texten oft genug nicht von der Hand zu weisen ist.

"Dies steht bei uns in der Band überhaupt nicht im Vordergrund. Natürlich ist das lyrische und romantische in Tills Texten vorhanden, nur ist ein Vergleich mit Goethe oder den Gebrüdern Grimm von unserer Seite her nicht beabsichtigt oder gar gewollt."

Bleiben wir doch bei Tills Texten. Auf "Rosenrot" sind auch wieder stark provokante Themen wie das Topic Homosexualität bei "Mann gegen Mann" mit von der Partie. Habt ihr vor, einen neuen "Schwulen-Epos" aufzubauen?

"Wir haben den Song vorher einigen Schwulen vorgespielt, und die fanden den Titel ganz gut! Schwulen-Epos, ich weiß nicht", meint Oliver. "Wir hatten auf jeden Fall nicht vor, eine Schwulen-Hymne zu schreiben. Natürlich ist es ein kritisches Thema - wie ein heterosexueller Mensch mit dem Thema homosexueller Mensch umgeht. Vielleicht können wir dazu beitragen, daß das Wort 'Schwuler' etwas entschärft und der negative Touch relativiert wird."

Oliver nimmt sich die Freiheit in Bezug auf die Themen Lyrik und Schlagworte in Rammstein-Texten noch etwas anzufügen: "Letztendlich sind die guten Texte die, die etwas lyrisch umschreiben oder gezielt beschreiben, wobei die präzisen Schlagworte bei Rammstein ebenfalls sehr wichtig sind. 'Feuer und Wasser' zum Beispiel ist so entstanden, daß Till den Text im Proberaum an die Wand geklebt hat und wir dann versucht haben, das musikalische Gewand drumherum zu bauen. Am Anfang haben wir uns den Text zu 'Feuer und Wasser' durchgelesen und den Titel kompositorisch mit den darin enthaltenen Textzeilen 'mit dem Bein' und 'sie schwimmt dahin' und so weiter zu arrangieren. Wir fanden das erste Ergebnis aber gar nicht gut! Dann hatten Paul und Richard die Idee mit den gezupften Gitarren, Till hat darauf den Text gesungen. Plötzlich hat das gepaßt und wir hatten eine ganz andere Ebene. Es wurde auf einmal richtig lyrisch und schön. Das ist eine sehr gute Symbiose, wenn die Musik dem Text noch mal was Neues gibt."

Gleich der Opener von "Rosenrot" das Stück "Benzin" ist ein Knaller und ein Dampfhammer à la Rammstein.

"'Benzin' ist ein Auftragswerk von Paul. Er fand das Wort 'Benzin' schon immer gut und hat Till schon jahrelang genervt: 'Mach doch mal einen Text über Benzin!'. Nun erfüllte ihm Till den Wunsch und schrieb den Text zu 'Benzin'. In dem ganzen Lied geht es schlicht und einfach nur um Benzin."







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TILL


Eines kann man der deutsschen Vorzeigeband schlechthin sicherlich nicht vorwerfen: Rammstein haben nicht gebummelt! Till Lindemann und seine Crew haben sich schnell von ihren "Reise, Reise"-Strapazen erholt und schnell ein neues Schiff namens "Rosenrot" gechartert, das die Berliner in neue Dimensionen vorstoßen läßt. Ausdrücklich mit an Bord war Chefberichterstatter Mike Möller - doch lest selbst [hier nur in verkürzter Form] das vollständige Interview im neuen Break Out 8/2005 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel.

Text Interview: Mike Möller
Internet-Text: Sven Lohnert



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