
Die dunkle Wolkendecke der Ungewißheit löst sich auf, langsam kehrt Ruhe ein. Trotzdem werden Sepultura weiterhin jede Menge Kraft benötigen, denn nach dem Split von Max Cavalera wartet die nächste Bewährungsprobe. Motto: Überzeuge alle, daß hier weiterhin das First-Class-Prinzip regiert. Kein leichter Job, wenn sich Fans an einen neuen Sänger gewöhnen müssen. Kein leichter Job, wenn das zugehörige Album seine inneren Werte nicht sofort enthüllt. Kein leichter Job, wenn man permanent an den Großtaten vergangener Epochen gemessen wird. Doch im Lager der Kult-Band herrscht ungebrochener Optimismus, angeheizt von jenem musikalischen Hoffnungsträger namens Against.
Niemand schien ihren Siegeszug ernstlich gefährden zu können. Ein treues Publikum, ausverkaufte Tourneen, kommerzielle Erfolge, positive Zukunftsaussichten. Die kleine, anfangs als Death Metal-Trittbrettfahrer belächelte brasilianische Band hatte sich durch enormen Einsatz nach oben gekämpft. Unbeirrt von höhnischen Kritikern, motiviert durch schier unerschöpfliche innere Kraft. Arise (1991) brachte ihnen endgültig das Prädikat Thrash-Elite, exotisches Underdog-Flair machte dem Nimbus des Erfolges Platz. Das folgende Album Chaos A.D. (1993) sollte den endgültigen kommerziellen Durchbruch markieren: Sepultura galten ab diesem Zeitpunkt als international etablierte Superstars, als Trendsetter der charismatischen Verbindung von Thrash und Hardcore-Elementen. Ihr erstaunlicher Aufstieg hatte einen Höhepunkt erreicht. Doch nach dem rohen, experimentellen Albums Roots zeigte jene äußerlich so heil wirkende Tribal-Welt plötzlich ernsthafte Risse: Die immer wieder gepredigte Ideologie von der großen Familie, von der verschworenen Stammesgemeinschaft hatte ihre Gültigkeit verloren; Frontmann Max Cavalera verließ die Band im Streit, um fortan mit Soulfly sein Glück zu versuchen. Bis heute herrscht Eiszeit zwischen den einstigen Freunden.
»Natürlich war das eine enorm schwere Periode«, erinnert sich Gitarrist Andreas Kisser, »es wurden viele unangenehme Aussagen und Gerüchte verbreitet. Außerdem wußte niemand, wie es weitergehen soll. Die Fans wiederum zeigten sich ebenso schockiert wie verunsichert, weil keiner jemals ernstlich an so eine Entwicklung auch nur gedacht hatte. Solche Ereignisse belasten ungemein, an kreative Arbeit ist dabei nicht gerade zu denken. Du versuchst ständig nur, den Boden nicht zu verlieren, während um dich herum alles langsam zu zerfallen scheint. Wir waren lange Zeit einfach wie paralysiert und haben dann anschließend wirklich sämtliche Varianten diskutiert, was in Zukunft nun wirklich passieren soll.«
Eventuell sogar das Ende eurer imposanten Karriere, das traurige Schließen der Sepultura-Akten?
»Wie ich sagte: Alle Varianten standen in den letzten Monaten zur Debatte. Sogar jene, überhaupt mit Musik aufzuhören.« Schnellstens nachzulesen im Break Out 7/98!!!
Text Interview: Christian Prenger
Text Internet: Christian Prenger

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