SOIL
Erdverbunden



Aller Anfang ist schwer - so abgedroschen diese Weisheit auch sein mag, so treffend beschreibt sie das musikalische Schaffen der Chicagoer Hopefuls Soil.

Die legen in "Redefine" zwar ihre mittlerweile vierte Veröffentlichung vor, doch erst jetzt scheint die Band um Sänger Ryan McCombs die Früchte ihrer harten Arbeit einfahren zu können. Denn die erste Mini-CD der Band verstaubte in den Regalen der Plattenläden, und auch der erste Longplayer "Throttle Junkies" ließ nicht wirklich einen Fortschritt zu, ging doch das damalige Label von Soil kurz nach der Veröffentlichung pleite.

Aber die Gruppe ließ den Kopf nicht hängen und nahm mit etwas Hilfe aus dem Disturbed-Umfeld ein Demo auf, welches in "Scars" gipfelte. Doch obwohl die Band von dem Album mit seiner Mischung aus harten Gitarrenriffs, ausdrucksstarkem Gesang und tonnenschweren Grooves eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Einheiten absetzen konnte, kam auch hier der Erfolg für Soil nicht über Nacht, sondern eher schleichend. Wie die Zeichen nun für den neuen Longplayer "Redefine" stehen, darüber gibt Baßmann Tim King Auskunft.

"Wir bereiten uns schon mal auf die große Runde vor", lacht King los. "Für Soil war es noch niemals wirklich einfach, voranzukommen und den jeweils nächsten Schritt tun zu können. Aber uns ist das im Grunde auch egal. Der Erfolg von 'Scars' kam ja auch nicht sofort, sondern das Album mußte sich auch erst durchsetzen. Wenn?s mit ?Redefine? eben genauso lange dauert, dann ist es okay. Wenn der Knoten natürlich sofort platzt und das Album explodiert, dann wird das natürlich auch gerne angenommen."

Soil haben sich so etwas wie den "Metallica-Approach" zurechtgelegt.

"Bei 'Kill 'Em All' hat's ja auch nicht gleich geknallt, und auch 'Ride The Lightning' ging nicht gleich nach vorne weg."

Wo wir gerade bei Metallica sind - war es auch Soils Intention, sich auf "Redefine", wie die Four Horsemen auf "St. Anger", neu zu erfinden? Der Albumtitel würde das ja geradezu nahelegen.

"Es ging uns weniger darum, uns musikalisch neu zu definieren, sondern vielmehr versuchten wir, uns als Personen und Individuen einen neuen Standort zu geben."

Dabei blieb allerdings auch die Musik nicht ganz unberührt.

"Wir sind Soil, daran gibt es zunächst mal nichts zu rütteln. Also war klar, daß wir all das, was 'Scars' ausgemacht hat, auch auf 'Redefine' bringen wollten. Gleichzeitig wollten wir aber auch unsere Antennen weiter ausfahren, und vieles von dem mitnehmen, was uns sonst noch berührt. Ob das nun zweistimmige Gitarrenharmonien sind oder daß Ryan ein großer Fan von Queen ist und auch sehr melodisch singen kann, ganz egal."

Genauso unverkrampft ging die Truppe dann auch das Songwriting an.

"Einen Teil der Stücke haben wir on the road geschrieben, einen Teil in Chicago im Proberaum. Am Ende hatten wir dann 22 Songs beisammen, von denen es dann letztlich elf aufs Album geschafft haben."

Kompositorisch funktionieren Soil meist als Kollektiv, und deshalb behielt die Kapelle auch fürs neue Album die klassische Arbeitsweise bei.

"Adam Zadel, Shaun Glass, Tom Schofield und ich treffen uns zunächst im Proberaum, um verschiedenes auszuprobieren, was dann Ryan zu hören bekommt. Braucht er einen anderen Ablauf für seine Lyrics, dann wird der Song entsprechend umarrangiert. Manchmal sitz ich aber auch einfach im Proberaum und hör Adam zu, wie er übt. Selbst daraus sind schon Songs entstanden."

Einen nicht unbeträchtlichen Anteil am Ergebnis "Redefine" gibt King dem Producer Johnny K., der auch schon für Disturbed die Regler schob.

"Johnny hat uns echt gepusht und uns ständig aufgefordert, uns und unsere Musik zu hinterfragen. Gerade mein Baßspiel hat sehr von Johnny profitiert. Ich wollte dieses Mal mehr Melodie reinbringen, ab und an mal was Sphärisches, und auch hier und da einen Effekt mit reinnehmen. Und obwohl - bis auf einen zwölfsaitigen Baß - mein Setup sehr bodenständig und überschaubar war, nämlich nur mein Ampeg-SVT-Stack und meine Hamer-Bässe, haben wir sehr coole Sounds gezaubert."


Und so ist es Soil auch wichtig, regelmäßig nach Auftritten Kontakt zu ihren Fans zu bekommen.

"Letztens mußten wir zum Beispiel eine Show canceln, weil sowohl uns wie auch die Crew ein Grippevirus niedergestreckt hat. Sowas tut mir immer für die Fans leid, und deshalb ist es auch für uns als Band quasi Pflicht, auf Tour darauf zu achten, daß wir fit auf die Bühne gehen."

Dennoch haben die Burschen kein geheimes Hausmittel.

"Nein, nur genug Schlaf und nicht jeden Tag Junk-Food. Das hilft schon mal ungemein. Und ab und zu auch mal ein Vitaminschub!"

Denn für die anstehende Tour haben Soil einiges im Ärmel.

"Wir haben ein komplett neues Stage-Set und eine große Light-Show, die wir nach Möglichkeit auch in Europa präsentieren möchten. Denn auf jeden Fall freue ich mich auf 'Rock am Ring', wo wir dieses Jahr auf der Main Stage spielen dürfen."


Das unser Guitarwiz Heiko Wallauer ein beinharter NuMetall-Fan ist, ist mehr als ein offenes Geheimnis. Als der SOIL-Interview-Termin näher rückte, sprang er willenlos in die Bresche. Sein Körper wurde zum orgiastischen Geschoß und dann....wer noch mehr erfahren will, muß sich das neue Break Out 4/2004 - ab sofort druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel

Text Interview: Heiko Wallauer
Text Internet: Sven Lohnert



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©breakout 04/2004