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Die lange anvisierte Pause im Hause Stratovarius ist zu Ende. Besonders lang war sie eh nicht, denn so richtig radikal haben sich die Finnen mit dem deutschen Schlagzeuger nicht verabschiedet. Eine Raritätenkompilation, eine DVD, einige Festivalauftritte und nicht zuletzt die Arbeiten an gleich zwei neuen Alben standen in diesem angeblich toten Zeitraum an. Und nicht zuletzt auch die Solowerke der beiden Timos.
Sänger Timo Kotipelto sitzt währenddessen in dem Bürokomplex seiner deutschen Plattenfirma, gibt Interviews im Akkord und wird von mir unfreundlicherweise bei einer Partie Flipper gestört. Doch eine solche Störung läßt sich verschmerzen, wenn es um das neue Stratovarius-Album "Elements Part I" geht, das noch deutlicher als seine beiden Vorgänger die seltsame Legende ins Wanken bringt, daß Stratovarius immer gleich klängen. Doch blenden wir zunächst einmal zurück. Bandchef Timo Tolkki hat die ersten drei Stratovarius-Scheiben eingesungen, um dann (endlich) einzusehen, daß die Band einen richtigen Sänger benötigt. Von Herren Kotipelto will ich in diesem Zusammenhang wissen, ob die seinerzeitige "Stellenanzeige" tatsächlich nach einem Sänger "irgendwo zwischen Geoff Tate und Michael Kiske" verlangte. "Ich habe die Anzeige nie im Leben gesehen", lächelt Kotipelto. "Auf jeden Fall waren es aber nicht eben bescheidene Ansprüche, falls sie Timo wirklich auf diese Art und Weise formulierte. Zu Stratovarius bin ich über einen befreundeten Musiker gekommen. Paradoxerweise hätte ich bereits Anfang der Neunziger bei der Gruppe landen können. Allerdings studierte ich seinerzeit noch Wirtschaftswesen und wollte noch nicht Profimusiker werden. Bei unserer zweiten Begegnung ging allerdings alles viel schneller und reibungsloser. Denn da wußte ich, daß ich bei Stratovarius einfach singen muß. Später hat mich ein Freund noch daran erinnert, daß die Band wohl eh mein Schicksal war. Er spielte mir seinerzeit deren erste Platte 'Fright Night' vor. Ich sagte damals angeblich zu ihm, die Truppe wäre ziemlich in Ordnung, sie bräuchte aber einen richtigen Sänger. Ich kann mich zwar heute an diesen Ausspruch nicht mehr erinnern, aber dieser Freund von mir ist normalerweise sehr ehrlich und lügt nicht." Seit deinem Einstieg geht es für die Kapelle immer weiter nach oben. Eine fast schon erschreckend kontinuierliche Entwicklung. "So richtig erschreckend wäre sie erst dann, wenn es von Album zu Album für uns abwärts ginge. Wir sind zwar nicht die größte Band der Welt, hält man sich aber vor die Augen, daß wir rein theoretisch nur absolute Randgruppen bedienen, läuft es verdammt gut für uns." Dementsprechend fehlt euch das Selbstbewußtsein nicht. Die kommende Europa-Tournee findet nicht mehr in großen Clubs, sondern teilweise in kleineren Hallen statt. "Es geht nur darum, ob es funktionieren wird oder nicht. Auf der letzten Tournee spielten wir viele Konzerte in kleineren Örtlichkeiten, nun spielen wir etwas weniger Konzerte in etwas größeren Örtlichkeiten. Bis auf das Konzert in Portugal werden wir dabei überall die volle Show auffahren können, mit vollem Licht und vollem Sound." |
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Teile eures neuen Albums sind symphonischer und noch aufwendiger produziert als alles, was ihr in der Vergangenheit gemacht habt. Werdet ihr euch auch konzertmäßig an diese Maxime halten?
"Es wäre toll, wenn zumindest Teile des Orchesters, das auf dem Album zu hören ist, auch live mit uns auftreten könnten. Allerdings wäre dann das finanzielle Risiko, das bereits jetzt sehr hoch ist, entschieden zu groß. Die Tournee wird aufwendig, aber gewisse Grenzen müssen wir dennoch beachten." Inwiefern wolltet ihr mit dem neuen Album die Stratovarius-Kritiker verstummen lassen? "Die 'Beschwerden' im Zusammenhang mit Stratovarius lauten meistens so, daß wir nur schnell oder langsam spielen können und daß wir uns wiederholen. Das ist natürlich Quatsch, denn man entdeckt eine breite Palette an Emotionen und an stilistischen Zutaten, wenn man sich unsere Alben etwas genauer anhört. Andererseits sind die Leute, die uns kritisieren, zumeist nicht unsere Fans, und so muß man ihre Meinungen mit Vorsicht genießen, wenn auch nicht völlig mißachten. Auf 'Elements Part I' ist unsere musikalische Vergangenheit immer noch in ausreichendem Maße vertreten; zugleich gibt es viel progressivere, epischere, aber auch schnellere Passagen als jemals zuvor. Auf der Platte gibt es eben viele verschiedene - Elemente - zu hören..." ...und nicht zuletzt auch das Instrumental "Stratofortress". "So etwas wäre normalerweise wohl nicht auf ein Stratovarius-Album gekommen, aber die Fans haben uns bereits sehr lange darauf angesprochen, und so packte Timo seine sechs Saiten so richtig an, spielte einige Minuten darauf verrückt, und so klingt nun das Ergebnis." Trotz aller "Andersartigkeit" des kompletten neuen Albums ist "Eagleheart", die erste Single und das Eröffnungsstück zugleich, eine sehr traditionell gehaltene Stratovarius-Nummer. "Es ist das kürzeste und wohl auch eingängigste Stück auf der Scheibe, und die Single steht in Finnland bereits jetzt kurz vor Gold. So schlecht kann die Wahl also nicht gewesen sein. Mein Single-Favorit wäre auf jeden Fall 'Soul Of A Vagabond', aber wie soll man aus einer achtminütigen Komposition eine Single machen, ohne die ursprüngliche Komposition radikal zu kürzen und zu kastrieren?" (Anm.: Tja, es gab mal eine bessere Zeit, da wurde ein achtminütiges "Stairway To Heaven" ein Welthit. - Der Red.) |
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Selbst in den epischsten und progressivsten Passagen des Albums klingt Jörg Michael sehr teutonisch und mindestens eine Spur zu metallisch. Ein kleiner Schönheitsfehler?
"Diesen mächtigen Schlagzeugsound wollten wir auf jeden Fall beibehalten! Mit dem Klang von Gitarren oder von Keyboards kann man auf einem Album sehr wohl experimentieren, aber das Schlagzeug sollte immer konstant klingen." Wie beurteiltest du überhaupt die Reaktionen auf dein erstes Soloalbum? "Timo ist der Produzent bei Stratovarius, er beurteilt, was gut und was nicht so gut ist für die jeweiligen Alben. Auf diese Art und Weise entstand mein erstes eigenes Werk, das sich zu großem Teil aus Stücken zusammensetzte, die bei Stratovarius nicht unterkamen. Von dem Album an sich habe ich so gut wie nichts erwartet. Ich mußte nämlich zum ersten Mal in meiner Musikerkarriere erfahren, was es heißt, sich um ein Album auch organisatorisch zu kümmern. Der Gesang war dabei fast nur Nebensache. Die ganze Arbeit verschlang mich dermaßen, daß ich den Kopf für alles andere nicht freibekommen konnte. Erst später erfuhr ich, daß die Reaktionen der Stratovarius-Fans auf die Scheibe positiv und daß auch die Kritiken recht wohlgesonnen waren. Die Albumverkäufe hätten besser sein können, aber im Gegensatz zu Stratovarius muß ich mich als Solokünstler als Newcomer bezeichnen." Ähnlich wie Timo Tolkki, der ungefähr zu gleichen Zeit wie du sein zweites Solo-Ouvre veröffentlichte. "Meinen Informationen zufolge verkauften sich beide Soloalben recht ähnlich. Timos Album fand ich recht gelungen. Ich bin immer noch ziemlich betroffen von der Machart des Stückes 'Father', auch wenn ich natürlich weiß, daß Timos Verhältnis zu seinem Vater fast durchgehend so schlecht gewesen ist, daß er gar nicht anders konnte." Helloween hatten seinerzeit das Material für ein Doppelalbum zusammen, brachten dann aber "Keeper Of The Seven Keys" auf Anraten der damaligen Plattenfirma auf zwei separaten Scheiben unter. Eigentlich befindet ihr euch nunmehr in einer ähnlichen Situation. "Nur mit dem Unterschied, daß es unsere Wahl war, den ersten Teil von 'Elements' jetzt herauszubringen und den zweiten in ungefähr einem Jahr. Der erste Teil hat um eine Stunde Spielzeit, und die große Menge an Musik muß erst einmal verdaut werden. Wir arbeiten am zweiten Part aber durchgehend, und Teile sind sogar bereits im Kasten. Nur soviel kann ich verraten: Das Orchester wird nach dem derzeitigen Stand auf dem zweiten Teil keine so dominante Rolle mehr spielen." |
Text Interview: Nikolas Krofta
Text Internet: Sven Lohnert

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