
Nur wenige Bands gelten auch noch etliche Jahre nach ihrem Auseinanderbrechen als absolut unantastbare Institutionen bei der Rock-Gemeinde und haben in ihrem hinterlassenen Songmaterial ein zeitloses musikalisches Testament geschaffen, das auch heute noch bei allen Rockmusik-Konsumenten zum allgemeinen Standard im Plattenschrank gehört. Thin Lizzy sind zweifelsohne eine dieser Galionsfiguren, deren Songs rein gar nichts von ihrer Magie eingebüßt haben.
Jetzt, mehr als ein Jahrzehnt nach dem Tod des charismatischen Frontmanns Phil Lynott, der am 4. Januar 1986 verstarb, lassen John Sykes, Scott Gorham und Darren Wharton vom letzten Line-up, verstärkt durch Bassist Marco Mendoza und neuerdings Tommy Aldridge an den Kesseln, die Vergangenheit wieder aufleben und brachten kürzlich ihre Tribute To Phil Lynott-Show endlich auch nach Deutschland.
Beim Auftritt in Nürnberg treffe ich mich zu einem kurzen Plausch mit John Sykes, doch hinterher beim Abhören des Bandes stelle ich mit Entsetzen fest, daß es aufgrund eines in völliger geistiger Umnachtung getätigten Bedienfehlers meinerseits absolut leer ist. Unverdrossen bemühe ich mich direkt nach dem letzten Deutschlandauftritt der dürren Liesel in Berlin um eine telefonische Audienz, doch John benimmt sich wie eine launische Diva und läßt ohne Not den Rockstar raushängen: Er möchte mit mir nicht sprechen, da ich meine Chance ja gehabt hätte, wie er mir durch den Tourmanager ausrichten läßt. An Arroganz schwer zu überbieten, der Mr. Sykes.
Ohne Probleme erklärt sich dagegen Scott Gorham zu einem Pläuschchen bereit, doch zu allem Unglück reißt die Verbindung via Handy nach knapp zehn Minuten urplötzlich ab und läßt sich bedauerlicherweise auch nicht wieder herstellen. Manchmal ist das Leben eben ziemlich bitter, und man wird vom Pech richtiggehend durchgebeutelt. Doch Gott sei Dank dient das menschliche Gehirn nicht allein zur Steuerung des Lustzentrums, sondern ist auch in der Lage, einige Daten zu speichern, weshalb im Folgenden neben den auf Band festgehaltenen Statements von Scott Gorham auch die in Erinnerung gebliebenen Äußerungen von Mr. Sykes zusammengetragen werden.
Schon seit 1994 zollt das Thunder And Lightning-Line-up dem an einer Überdosis leider viel zu früh verstorbenen Wuschelkopf Lynott mit einigen Auftritten Tribut, doch erst jetzt wagt es sich damit auch nach Europa. Scott begründet das damit, »daß wir zuerst einige Probeläufe unternommen haben, um auszuchecken, wie groß das Interesse der Fans überhaupt ist. Wir haben einige Testshows in verschiedenen Ländern gespielt und es innerhalb von vier Jahren auf nur 28 Shows gebracht. Es hat also schon ziemlich lange gebraucht, bis wir selbst davon überzeugt waren, daß wir das Richtige tun. Beurteilt man diesen Entschluß nach den Publikumsreaktionen auf dieser Tour, dann haben wir genau die richtige Entscheidung getroffen.«
Allerdings, denn die euphorischen Beifallsstürme allerorts zeugen davon, daß sich die Leute auch nach all den Jahren noch an die Band und ihre Songs erinnern.
Wer sonst wäre besser geeignet, über die Historie von Thin Lizzy und deren Wiederbelebung durch John Sykes und seine Kollegen zu referieren als Stephan Treu? Seit Jahren regelmäßig Nürnberger Meister im Memory, geht der Gehirnakrobat dem Andenken Phil Lynotts nach. Natürlich im neuen Break Out 2/2000 ein wieder mal durch und durch erinnerungswürdiges Heft.
Text Interview: Stephan Treu
Text Interet: Mike Seifert
Pics: Markus Hagner und StephanTreu

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