TIAMAT
Ein helles Licht im Meer der Phantasie


Bilder ziehen am geistigen Auge vorbei. Bilder der Melancholie. Bilder der Sehnsucht. Bilder einer langen Wanderung durch farbenprächtige Psycholandschften. Bilder jener komplexen Fantasiewelt, die als Entstehungsort betörender Musik dient. “A Deeper Kind Of Slumber“ öffnet die Vorhänge für ein ausschweifendes, intensives Spiel der Emotionen, inszeniert von Tiamat und ihrem Mastermind Johan Edlund. Alle Spekulationen um das neue Album der schwedischen Kultband haben ein Ende, alle Antworten über das nächste Kapitel liegen bereit.

Tiamat, Virtuosen der fruchtbaren Erneuerung. Die schwedische Kultband ist langen, verwinkelten Pfaden gefolgt, wenn man ihre Entwicklung von “The Astral Sleep“ und “Clouds“ über “Wildhoney“ bis zu “A Deeper Kind Of Slumber“ betrachtet.


Was einst mit atmosphärischen Power-Chords begann, erlebte 1994 bei “Wildhoney“ jene unerwartet dramatische Veränderung: Herbe Riffs und kehlige Vocals erblühten plötzlich in märchenhaften Kulissen, Death Metal vereinigte sich mit psychedelischen und progressiven Elementen zur innovativen Mischung. Musik voll ergreifender Schönheit, ein Trapezakt zwischen Zerbrechlichkeit und düsterer Energie. Das gewagte Abenteuer wurde belohnet, “Wildhoney“ entwickelte sich rasch zum vielbestaunten Klassiker, zum Durchbruch für jene Klangforscher namens Tiamat.

Christian Prenger vs. Tiamat die Zweite! Nach seinem ersten Clinch in Ausgabe 3/97, nahm sich unsere österreichische Linguistikenzyklopädiekoryphäe, mit der vielfach gefürchteten - “wozu brauch’ i a Syntax, wenn i gnug Metaphern hoab’?“ - Mentalität, die Mannen um Mastermind Johan Edlund ein weiteres Mal vor. Wohl kaum ein anderer hätte mit den Schweden auf dem gleichen abstrakten Niveau diskutieren können, wie ihre Musik geartet ist. Schätzungsweise war der gute Johan leicht geschockt, als er sich in einem Nahkampf über Eskapismus, Religion, Tod und Seelenwanderung wiederfand. Christian gab alles und verlangte ihm alles ab. Man kann es sich bildhaft vorstellen, wie der Schwede winselnd am Boden lag, während Prengers ureigenste, fleischgeworden-personifizierte Emotionen bezüglich der musikalischen Inspirationsquellen aus der Ontologie, auf ihn einprasselten. Und dennoch gab es keine Gnade. Auf dem Zahnfleisch rutschend mußte er Christian noch jeden einzelnen Song erklären. Herzlichen Glückwunsch Herr Prenger, für diesen Mann waren sie an diesem Tag die absolute Höchststrafe!


Text: Christian Prenger
Text Internet: Sven Lohnert


Mehr darüber gibt´s im Heft 4/97 nachzulesen!
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©breakout 9/2000