![]() ...Tom Petty ist wieder mit seinen "Heartbreakers" zurückgekehrt!!! ![]() |
Der Taxifahrer hat Probleme, Tom Pettys Adresse in Malibu zu finden. Schließlich fährt er einen kleinen unscheinbaren Weg hinauf, der vom Pacific Coast Highway abgeht. Links vor dem Gebäude ein stillgelegter, halb abgerissener Pool, hinter dem Grundstück leuchten die Santa Monica Mountains rotgold in der Sonne. Eine Hausangestellte öffnet die Tür. Im zentral gelegenen Kaminzimmer stehen drei alte Sofas um einen rechteckigen Tisch. Auf dem Tisch ein Sortiment Aschenbecher, von denen Petty während des Interviews einen großen in Beschlag nimmt. Petty raucht ziemlich viel.
Seinem letzten Album "Echo" von 1999 lag eine für Pettys Verhältnisse ziemlich düstere Stimmung zugrunde, die deutlich von den weniger erfreulichen Aspekten der Trennung von seiner ersten Frau geprägt wurde. Inzwischen scheint er wieder sehr zufrieden mit seinem Leben zu sein. Entsprechend sind die Songs seines neuen Albums zumindest musikalisch wieder auf der freundlichen, sonnigen Seite. Zwar beklagt er sich auf "The Last DJ" über den Verfall der Werte, über Rockstars, die Ausverkauf betreiben, über eine Welt, in der sich alles nur ums Geld dreht. Aber das er will er nicht als Verbitterung verstanden wissen, sondern vielmehr als Aufforderung, etwas dagegen zu tun. Rock'n'Roll, Baby! Ist der Highway eigentlich sehr laut, wenn man da draußen unter ihrer Pergola sitzt? "Ja, aber normalerweise laufen die Brunnen, die wir da draußen haben, und dann nimmt man den Lärm von der Straße nicht mehr wahr. Und wenn am späten Abend der Verkehr immer ruhiger wird, kannst du sogar den Ozean hören." |
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Die verantwortlichen Leute sind aber davon überzeugt, daß sie ihrem Publikum gerade das bieten, was es wünscht.
"Ja, aber das ist Blödsinn. Das Publikum kann ja nur unter den Dingen wählen, die angeboten werden. Und wenn den Hörern ausschließlich todsichere Sachen geboten werden, erhalten sie überhaupt keine Gelegenheit, einen musikalischen Geschmack zu entwickeln. Schließlich begibt man sich auch auf gefährliches Gelände, was die Fortentwicklung der Kunst selbst angeht. Ich kann auch nicht sagen, daß ich die Antwort auf diese Probleme kenne. Aber ich erkenne die Motivation dahinter: möglichst viel Geld zu scheffeln. Natürlich hat es diese Motivation schon immer in der Popmusik gegeben. Und deshalb ist das Musik-Business natürlich ein ausgesprochen leichtes Ziel, weil dieses Business schon immer korrupt war. Aber einiges geht einfach zu weit. Wenn du Angst hast, einen Song zu spielen, weil du möglicherweise weniger Geld verdienen könntest, dann wirst du auch nie erfahren, ob das Publikum den Song angenommen hätte oder nicht. Auch da gibt es natürlich Marktuntersuchungen. Sie spielen den Leuten 10 Sekunden eines Songs über das Telefon vor, um zu prüfen, ob die Leute darauf anspringen oder nicht. Wenn nicht, dann wird der Song auch nicht gespielt werden. Das ist unglaublich, aber wahr. Für jeden Musikliebhaber ist das ein absoluter Wahnsinn. Wenn du ein Musikliebhaber bist, stehst du im Grunde vollkommen abseits vom Musik-Business. Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Gebiete geworden, das eine dient nicht mehr dem anderen. Ich sehe nicht, wie die Musikliebhaber und das Musik-Business noch miteinander existieren könnten." |
![]() Tom wie wir ihn lieben - mit vollem Einsatz!!! ![]() |
![]() Die Pose, die alle Frauenherzen schwach macht... ![]() Tom ist skeptisch??? |
In "Money Becomes King" ist es ein gewisser Johnny, der da auf der Bühne steht. Früher war dieser Johnny ein Held, heute gibt er dieses traurige Bild ab. Steht Johnny für eine bestimmte Person?
"Nein, Johnny setzt sich aus vielen Leuten zusammen, die ich auf diesem Weg beobachten konnte. Leute an die ich geglaubt habe, zu denen ich aufgesehen habe und die mich im Stich gelassen haben. Und das ist deshalb so traurig, da Künstler im allgemeinen so verletzlich sind. Sie sind nicht von Natur aus Geschäftsleute, sie sind keine praktisch veranlagten Leute, sie sind keine Leute, die darauf vorbereitet sind, auf die ganzen Haie aufzupassen, die sich in diesem Becken herumtreiben. Und du kannst beobachten, wie sie nach und nach untergraben werden, bis sie möglicherweise an einem Punkt angelangen, an dem sie gar keine Wahl mehr haben und schlichtweg Ausverkauf betreiben müssen. Weil sie ihre Kohle in den Sand gesetzt haben oder was auch immer. Der einzelne Künstler wird heutzutage ohnehin als verzichtbar angesehen." Aber war die Situation mit ausbeuterischen Verträgen für Künstler nicht früher nicht zumindest ebenso schlimm, wenn nicht gar schlimmer als heutzutage? "Ja, das ist natürlich keine neue Sache. Das Musik-Business war seit seiner Gründung durch und durch schlecht. Und trotzdem hat sich etwas verändert. Es gab mal eine Zeit, da wurde das Musik-Business immerhin von Leuten geleitet, die tatsächlich an Musik interessiert waren. Heute wird es von Marketingexperten und Rechtsanwälten geleitet. Und vielleicht sind die Verträge sogar tatsächlich besser geworden. Ja, und vielleicht verdient der Künstler mit ein wenig Glück inzwischen mehr Geld an seinem Werk als früher. Aber dieses kleine Stückchen Wahrheit, das wir früher so an der Musik geschätzt haben, ist verlorengegangen. Wir waren immer davon überzeugt, daß Rock'n'Roll etwas Besonders ist, weil er ehrlich ist. Diese Ehrlichkeit machte diese gewisse dritte Dimension für uns aus: Das ist ehrlich, das stammt von Leuten, die so wie wir denken - dieses Element fehlt heute. Heute stammen die Sachen von Geschäftsleuten. Ich bin davon überzeugt, daß wir alle davon profitieren könnten, wenn wir dieses Stückchen Wahrheit wieder in die Welt des Entertainments einführen würden. Ein wenig Moral und Werte würden meiner Meinung nach ebenfalls helfen. Das Fernsehen ist beispielsweise geradezu gefährlich geworden. Für das Fernsehen ist jegliche Moral, sind sämtliche Werte aufgehoben worden. Ich bin zwar auch ganz entschieden gegen Zensur, aber ich glaube schon, daß man sich in seinem Bestreben, Geld zu verdienen, einen Rest Moral für den Charakter bewahren sollte. Das soll nicht etwa heißen, daß du keinen Spaß mehr im Leben haben sollst. Es sollte grundsätzlich alles erlaubt sein, aber es darf sich einfach nicht alles nur ums Geld drehen. Viele dieser Künstler, die ich meine, haben eine geringe Bildung, und viele davon erkennen vermutlich noch nicht einmal die Macht, die ihre Arbeit oder ihre Stimme besitzt, geschweige denn die Verantwortung, die damit einhergeht. Nur ein Beispiel: Der größte Teil des Angebots im HipHop kann einfach nicht für mich funktionieren, weil ich einfach zu schlau bin, um zu glauben, daß Schmuck und Juwelen den Wert einer Person heben könnten, daß jegliche Form von Besitz eine Bereicherung darstellt. Und ich mach mir Sorgen um das Publikum, das darauf reinfällt, denn das muß einfach dumm sein. Vielleicht ist unser Erziehungs- und Ausbildungsangebot einfach zu gering. Vielleicht ist das Fernsehen zu einflußreich geworden. - Aber damit hier keine Mißverständnisse aufkommen: Das sind zwar die Dinge, die mich motiviert haben, diese neuen Songs zu schreiben. Aber ich verstehe mich nicht als den Wachhund der Kultur in Amerika. Das werde ich mir nicht auf meine Schultern laden. Ich mache einfach mein Ding, so wie ich es für richtig halte." |
Text Interview: Michael Tschernek
Live-Pics: Dr. Christof Graf
Internet-Text: Sven Lohnert

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