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Noch vor sieben Jahren hätten Train hierzulande keinen müden Hund hinterm Ofen hervorgelockt, gehörten die Jungs aus San Francisco doch zu den vielen New-Rock-Combos, die in den dort typischen Coffee-Shops die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer ergattern wollten. Anno 2002 sieht die Geschichte dann schon ganz anders aus: Das Quintett katapultierte sich mit Hilfe ihrer bereits zweiten Langrille "Drops Of Jupiter" und dem gleichnamigen Hit weltweit in die Charts. Und während ihr diese Zeilen lest, haben der charismatische Sänger Pat Monahan und seine Kumpel vielleicht schon den einen oder anderen Grammy-Award eingesackt. Denn bei insgesamt fünf (!) Nominierungen für das Album und den Song des Jahres 2001, für die beste Rockband und den dollsten Rocksong samt dem harmonischsten Instrumental-Arrangement im Gepäck - luxuriös orchestriert von Paul Buckmuster, der schon David Bowies "Space Oddity" mit seinem Cello schönte und heute zu den begehrtesten Dirigenten und Arrangeuren gehört - müßte es eigentlich mit dem Teufel zugegangen sein, wenn da nicht zumindest eine der begehrten Trophäen für die Eisenbahner abgefallen wäre. |
| Im Moment nehmen sie solche Lobestiraden noch eher gelassen hin. Sie sind inmitten einer stressigen Promo-Tour, die gespickt mit Interviews und jeweils einem bis zwei Gigs pro Land frei nach dem Motto "in achtzig Tagen um die Welt" quer durch Europa führt, um dann mit einem Auftritt bei der Abschlußfeier der Winter-Olympiade in Salt Lake City und der Grammy-Verleihung ihren vorläufigen Höhepunkt zu finden. Somit ist es kein Wunder, daß die frisch gekürten New-Rock-Helden mittags um eins noch etwas schlapp in die angemietete Nobelsuite des Stuttgarter Maritim einlaufen, um bis zum Soundcheck um drei den anwesenden Schreiberlingen Rede und Antwort zu stehen. Schnell wird dabei klar, daß sich Train keineswegs als Shooting-Stars am schnellebigen Rockhimmel ansehen. Die Anfänge der Combo reichen in die frühen Neunziger zurück, als der damalige Apostles-Fronter Rob Hotchkiss (bei Train zum Basser und Klampfer "degradiert") in L.A. auf den charismatischen Leadsänger Pat Monahan stieß, mit ihm kurzum nach San Francisco zog, um mit der Wandergitarre auf dem Buckel die dortigen Kaffeehäuser unsicher zu machen. Schnell waren in Jimmy Stafford, Scott Underwood und Charlie Colin passende Mitstreiter gefunden, die an der akustischen, leicht melancholischen Mucke der beiden Gefallen fanden. Und während sich die Musiker tagsüber als Anstreicher oder Kurier die nötige Kohle verdienten, schweißte die allabendliche Performance im kleinen Rahmen sie zu der erfolgreichen Einheit zusammen, die heute die Magie von Train ausmacht. Es sollte jedoch noch einige Jahre dauern, bis die Rockwelt von der Formation Notiz nahm, und wie so oft haben wir es dabei einem kleinen Undergroundlabel zu verdanken, das die Karrierekurve der bislang Erfolglosen steil nach oben schnellen ließ. Aware Records, deren Schnüfflernasen schon erfolgreiche Größen wie Better Than Ezra oder Matchbox 20 ausgemacht hatten, plazierten auf einem ihrer Newcomer-Sampler den ersten, hierzulande nur wenig bekannten Train-Hit "Meet Virginia", der immerhin den zweiten Platz der US-Single-Charts erklomm und der Combo Tür und Tor öffnete. Trotzdem flogen auch jetzt den Amis die gebratenen Hühner nicht in den Mund. Ausgiebige Konzertreisen im Gefolge der Dave Matthews Band, Ben Folds Five und Collective Soul standen auf dem Plan, die Trains Ruf als geniale Live-Band untermauerten, und sogar das Minogue-geschwängerte Australien mischten sie kräftig auf. Und während Europa in Sachen Train noch den Schlaf der Gerechten schlief, brachten die Bay-Poprocker 1999 bereits eine Million Exemplare ihres selbstbetitelten Debüts das bislang noch nicht in Deutschland veröffentlicht wurde - unters Volk. Eine reife Leistung, auf der sich der Volleyball-Fan Pat und seine Truppe keineswegs ausruhen wollten. "Vor ein paar Jahren noch hätte uns ein solcher Erfolg schlichtweg von den Socken gehauen, doch mit der Zeit legt man seine Meßlatte etwas höher auf", faßt Pat die damals vorherrschende Bandattitüde zusammen, "und spätestens nach drei heftigen Jahren auf Tournee gestehst du dir dann ein, daß es höchste Eisenbahn für etwas Neues, noch Genialeres ist." Genau unter diesen Vorzeichen zimmerten Train die Hitrille "Drops Of Jupiter" zusammen, mit deren gleichnamiger Single auch endlich der hiesige Markt mehr als erfolgreich geknackt wurde. Und so kehren wir also nach diesen Ausschweifungen wieder in die pompös ausgestattete Hotelsuite zurück, in der sich die fünf leger gekleideten Musiker scheinbar nicht ganz so wohlfühlen - warum sonst sollte Leadsänger Pat das ausgewählt schicke Ambiente mit einem gediegenen Nobelpuff vergleichen, in dem sich so mancher Bürohengst nach getaner Arbeit vergnügt? |
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Doch es gibt weitaus Schlimmeres, und so wenden wir uns nach dem Abgang der anwesenden Managerriege der alles bewegenden Frage zu, ob sich Train in den Anfangstagen jemals einen solchen Hype um ihre Person erträumt hätten? "Nun ja, eigentlich schon", beginnt Monahan selbstbewußt. Im holden Alter von vierzehn wurde er bei einem Aerosmith-Gig fast von einem von der Bühne geworfenen Drumstick "erschlagen", so ein einschneidendes Erlebnis hinterließ natürlich nicht nur eine dicke Beule, "sondern auch den dringenden Wunsch, mit der eigenen Musik selbst einmal an der Stelle der einstigen Idole zu stehen." Von den angenehmen Begleiterscheinungen, die so ein Status mit sich bringt, mal ganz zu schweigen: "Auch das spielt natürlich am Anfang eine gewisse Rolle; welcher Typ träumt nicht gerne davon, daß ihm ganze Heeresscharen von Mädels zu Füßen liegen?" verzieht Rob schelmisch den Mundwinkel. "Doch je älter du wirst, desto mehr rückt die eigene, musikalische Verwirklichung in den Vordergrund. Wenn du jahrelang um die Butter auf dem Brot kämpfen mußt, vergehen dir solche oberflächlichen Gedanken ganz schnell, und du erkennst, daß nur mit harter Arbeit ein Blumentopf zu gewinnen ist. Für uns ist es heute viel spannender, wie die einzelnen Leute auf unsere Lieder reagieren." Nun, da scheinen Train mitsamt ihren "Jupitertränen" wohl den Nerv der Zeit hundertprozentig getroffen zu haben, "denn interessanterweise setzt sich unser Publikum aus allen Altersklassen zusammen", fügt der glatzköpfige Ausnahmegitarrist Jimmy Stafford hinzu, "unsere Fanbase reicht von fünfzehnjährigen Kids bis hin zu älteren Rockfans, was uns natürlich sehr freut." |
Text Interview: Petra Rottmann
Internet-Text: Sven Lohnert

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