TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA
Eine verspätete Weihnachtsgeschichte aus New York

Der Komponist und Produzent Paul O'Neill ist ein wahrer Workaholic, was er ja bereits seit Jahren der Metal-Welt beweist. Vor rund zwei Dekaden begann seine musikalische Karriere als Gitarrist in den bekannten und erfolgreichen Broadway-Produktionen "Jesus Christ Superstar" und "Hair". Doch damit gab sich Paul nicht zufrieden, und so konzentrierte er sich mehr und mehr auf die Aufgaben eines Produzenten. Hier arbeitete er ebenfalls schnell mit diversen namhaften Bands wie Aerosmith oder Bandlands, bevor er sich dann so richtig auf das Songwriting konzentrierte. Zusammen mit dem Savatage-Mastermind Jon Oliva erschuf er die damals erste Oper im Metal-Bereich, nämlich "Streets".

Das Komponieren und Produzieren machte Paul immer mehr Spaß, so daß er schließlich nach dem kultigen Savatage-Konzeptalbum "Dead Winter Dead" beschloß, ein eigenes Projekt vom Stapel laufen zu lassen. Diesen Traum verwirklichte er mit der Gründung des Trans-Siberian Orchestra (TSO) und der Veröffentlichung des ersten Albums "Christmas Eve And Other Stories" im Jahre 1996. Wie der Titel des Debüts bereits verrät, handelt es sich dabei um eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte, die aus der Feder von Paul stammt. Zwei Jahre später folgte dann in den Staaten der Release des zweiten Albums "The Christmas Attic", der dem TSO den großen Durchbruch bescherte. Mit dem Trans-Siberian Orchestra traf Paul anscheinend genau in die Herzen derjenigen Menschen, die gerade vor Weihnachten einen ausgeprägten Hang zur Sentimentalität und Romantik zeigen.

Das TSO wurde in den letzten beiden Jahren zu einem echten Megaseller in den Staaten, und während das Debütalbum kürzlich Platin erhielt, steuert "The Christmas Attic"schnurstracks auf die Goldauszeichnung zu. Damit ist natürlich auch klar, daß TSO gerade in den Vorweihnachtswochen restlos ausgebucht und deren Konzerte komplett ausverkauft sind. Letztes Jahr im Frühsommer veröffentlichte die Formation sogar ein drittes Werk, das allerdings thematisch eine völlig andere Richtung einschlägt. "Beethoven's Last Night" heißt diese erlesene Scheibe, die allerdings bei uns in Europa erst im Laufe des Jahres 2001 den Weg in die Läden finden wird. Paul O'Neill hat über die momentane Situation seines Babys sehr viel zu berichten.

"Das TSO entwickelte sich zu einer komplizierten Geschichte, denn als wir damals mit dem Projekt starteten, wollten wir eigentlich niemals Konzerte spielen. Es waren schließlich sehr viele Leute notwendig, um dieses Album auch in dieser Form aufzunehmen: ein komplettes Orchester, verschiedene Sänger, der Chor, die Musiker. Als aber dann vor einem Jahr alles so gut zu laufen schien, wurden wir von einer Radiostation gebeten, es einfach einmal zu versuchen, ein Konzert zu geben. Also probierten wir es mit einer Show in New York, da hier auch die meisten von unseren Musikern leben, die an dem Projekt beteiligt waren. Die rund 10.000 Karten waren dann innerhalb von 45 Minuten verkauft. Kurz darauf rief uns eine andere Radiostation aus Detroit an und wollte ebenfalls, daß wir bei ihnen ein Konzert geben. Auch dort war die Halle in kürzester Zeit ausverkauft. Wir waren damals natürlich immer mit dem gesamten Orchester und allen beteiligten Musikern unterwegs, so daß die Veranstalter natürlich immense Kosten hatten. Das hatte wiederum zur Folge, daß die Tickets um die 150 Dollar kosteten und somit nur einem gewissen finanzkräftigen Publikum zur Verfügung standen. Aber damit hatte ich ein echtes Problem, denn ich stamme aus einer Arbeiterfamilie und ich bin hier in New York aufgewachsen. Wir konnten nie zu einer Broadwayshow gehen, denn dort kosteten die Karten ebenfalls ab 100 Dollar aufwärts. Wenn du da also als Familie mit zwei Kindern hingehen wolltest, kostete dich das gut 400 Scheine. Wir wollten darum die Tickets für alle Einkommensschichten erschwinglich halten. Also entschieden wir uns, das ganze Ensemble soweit zu minimieren, daß wir trotzdem noch alles komplett spielen und singen konnten. Die Tournee war völlig ausverkauft, und die Ticketpreise lagen dadurch zwischen 25 und 50 Dollar, so daß wirklich jeder eine Chance hatte, uns zu sehen."

Das Tom Klaner seinen prallgefüllten Sack noch weiter öffnet, könnt ihr ab sofort im neuen Break Out 2/2001 - druckfrisch am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel - nachlesen.

Text Interview: Thomas Klaner
Text Internet: Sven Lohnert



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©breakout 02/2001