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Nach wiederholt gravierenden Enttäuschungen, hervorgerufen durch Diskrepanzen zwischen der eigentlichen Erwartungshaltung der Fans und der bitteren Realität bezüglich der nach dem vermeintlichen Neuanfang angewendeten künstlerischen Ausdrucksform, stoßen Meldungen über eine Reunion der "alten Helden" aus den 1980er Jahren berechtigterweise auf immer mehr Skepsis bei der Fanbasis. Im Falle der Tygers Of Pan Tang erwiesen sich alle Befürchtungen in irgendeiner Richtung Gott sei Dank als vollkommen unbegründet. Vielmehr eignet sich "Mystical" als Album Nummer eins nach dem traurigen Einschläfern der einst so wilden und unzähmbaren Miezekatze Ende der achtziger Jahre nun ideal als Zeitmaschine, um fluchtartig von der Gegenwart in längst zurückliegende Temporaldimensionen gebeamt zu werden. "Das stimmt vollkommen", meint Gitarrist Robb Weir, "denn ich mag die modernen Songs und die moderne Szene wie etwa Slipknot oder Korn nicht. Viele bekannte Heavy Metal-Bands haben versucht, sich dem modernen Trend anzupassen, wie beispielsweise Def Leppard mit 'Slang'. Aber das funktioniert nicht, denn man muß das umsetzen, wohinter man voll und ganz steht. Man darf nicht immer mit dem Strom schwimmen, sondern man sollte sich daran orientieren, was man mit ganzem Herzen macht und was die Leute an einem geschätzt haben. Ich kann keine Songs schreiben, die eigentlich in die Dekade ab 1990 gehören, denn mit der Musik dieser Zeit kann ich nichts anfangen. Ich bin einfach in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern hängengeblieben, denn das ist der Rock'n'Roll, den ich wirklich mag." |
| Erstmals wieder in Erscheinung seit dem Split traten die Tygers 1999 beim Wacken-Open-Air. Ein denkwürdiger Auftritt, der quasi als "Impulsgeber" zu sehen ist. "Vor diesem Gig hätte ich nie daran gedacht, wieder auf einer Bühne zu stehen. Ich führte ein ganz normales Leben, arbeitete als Busfahrer und Fahrscheinkontrolleur, als mich irgendwann Jess [Cox, Sänger] anrief und mir erzählte, daß ihm die Headliner-Position für die Tygers Of Pan Tang in Wacken angeboten wurde. Ich fand das ziemlich erschreckend, denn ich hatte sechzehn Jahre lang nicht mehr live vor Publikum gespielt. Also haben wir unseren Originaldrummer Brian [Dick] angerufen, der leider nicht zur Verfügung stand; Rocky [Ex-Bassist] ist mittlerweile Anwalt für Musikrecht in New York und hatte demnach auch keine Zeit; Fred Purser [Ex-Gitarrist] besitzt ein Tonstudio und war ebenfalls beschäftigt. Also haben wir uns entschieden, das ganze zu zweit anzugehen, einen Drummer, einen Bassisten und einen zweiten Gitarristen anzuheuern und nur Material von 'Wild Cat' zu spielen. Wir spielten vor 20.000 Leuten, was mich wieder richtig auf den Geschmack gebracht hat, live zu musizieren, und danach dachte ich, das war es dann wohl; ich hatte ja meinen Spaß gehabt." Wie so oft im Leben half Kommissar Zufall dem Schicksal etwas auf die Sprünge, knapp ein Jahr später leitete eine harmlose Unterhaltung unvermittelt das Comeback der Tygers Of Pan Tang ein. |
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"Ich war letztes Jahr in einem Plattenladen in Newcastle", erzählt Robb, "und bin mit dem Besitzer ins Gespräch gekommen. Er fragte mich, ob ich selbst etwas mit Musik zu tun hätte, also habe ich ihm erzählt, wer ich bin. Irgendwann fragte er mich, ob ich noch irgendwelche unveröffentlichten Tracks hätte, was ich bejahte, denn ich hatte mit Jess Cox nach den Tygers unter dem Namen Tyger Tyger ein Album aufgenommen, das aber ebenso wie das Material von Sergeant nie veröffentlicht wurde. Er hat gefragt, ob ich einverstanden sei, wenn er einem Freund davon erzählen würde, der ein Plattenlabel hat. Von der Innenstadt Newcastles bis zu meinem Haus ist es etwa eine halbe Stunde Fahrzeit, und gerade als ich zu Hause eintraf, klingelte auch schon mein Telefon und besagter Labelinhaber war dran. Es war sofort, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Er fand das vorhandene Material sehr gut, fragte mich aber gleich, ob ich Interesse hätte, neue Songs zu schreiben, im selben Stil wie 'Wild Cat' und 'Spellbound'". Weil Jess Cox und auch Jon Deverill, der Cox direkt nach dem Debüt "Wild Cat" am Mikro abgelöst hatte und jetzt als Schauspieler am Londoner Westend tätig ist, für die Reunion nicht zur Verfügung standen, formierte Rob die Band komplett neu, wobei die besonders vakante Position des Frontmanns seinem alten Weggefährten Tony Liddell aus Sergeant-Tagen zufiel, der diese schwierige Aufgabe auf der Comeback Scheibe "Mystical" souverän meistert. Und auch die alte Leidenschaft für die Musik war sofort wieder entfacht, zumal Rob eine Menge Nachholbedarf in Sachen Kreativität geltend machen kann, seit er quasi als "Musiker A.D." bezeichnet werden mußte. "Musik ist wohl die schlimmste Krankheit, die man sich einfangen kann, denn es gibt keinerlei Gegenmittel. Wenn sie einmal in deine Blutbahn gelangt ist, bist du davon befallen. Als dann aber die Zeit von Tygers Of Pan Tang, Tyger Tyger und Sergeant vorbei war, dachte ich, es könnte ein Hinweis Gottes sein, daß ich nicht mehr im Musik-Business tätig sein sollte. Also habe ich mich auf mein Gefühl verlassen und abgewartet, was auf mich zukommt. Ich habe geheiratet, Kinder bekommen (Anm.: Er meint natürlich seine Frau. - Der Red.) und war ein sehr glücklicher Mensch. Natürlich besaß ich nach wie vor eine Gitarre und habe in der Garage heimlich für mich selbst ein bißchen gespielt, aber ohne den leisesten Gedanken daran zu verschwenden, etwas aufzunehmen. Ich habe nur ein paar Akkorde gespielt, um zu sehen, ob meine Finger das noch hinbekamen. Ich hatte sechzehn Jahre lang keine Songs geschrieben oder Demos aufgenommen. Genau deshalb kann ich wohl jetzt mit dem Songwriting gar nicht mehr aufhören. Ich habe schon jetzt wieder 14 Songs für das nächste Album fertiggestellt, und bis Weihnachten werden es wohl 20 Nummern sein." |
Text Interview: Stephan Treu
Internet-Text: Sven Lohnert

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