![]() |
Von Groove, das melodische Dreier-Hardrockgestirn aus Kanada, ist heuer mit der siebten Langrille "The Seventh Day" erneut am Start. Überraschenderweise kommt diese Scheibe dem überragenden Debüt aus dem Jahre 1992 am allernächsten. Was bestimmt nicht nur mich erfreut, obwohl man zugeben muß, daß auch die letzten Von Groove-Alben nicht von schlechten Eltern waren. Dementsprechend ist auch Sänger Mike Shotton guter Dinge, der es sich zu unserem Gespräch auf der häuslichen Terrasse gemütlich gemacht hat und sich schon tierisch auf das von uns präsentierte "Z-Rock 2001 - Masters Of Melodic Rock"-Festival am 8. September in Mannheim freut. Und das nicht ohne Grund, schließlich absolvierten die drei Ahörnchen im Mai die englische Ausgabe des "Z-Rock"-Festivals mit Bravour, auch wenn sie dafür in Kauf nehmen mußten, daß ihnen ein Teil der persönlichen Habe aus dem Hotel geklaut wurde. |
|
Doch zurück zum neuen Album "The Seventh Day", das wie einst das selbstbetitelte Debüt unbekümmert frisch aus den Boxen rockt.
"Ich bin wirklich glücklich damit! Das hängt auch mit der Art zusammen, wie wir die Sache diesmal angegangen sind. Innerhalb einer Woche hatten wir alle Songs geschrieben. Mit unserem neuen Basser Tom ließ es sich hervorragend arbeiten. Es artete diesmal überhaupt nicht in einen Kraftakt aus, alles lief wie am Schnürchen, von den Drums konnten wir zum Beispiel viele der ersten Takes gleich verwenden." Ein echter Quickie also, der laut Shotton auch viel vom Live-Feeling der Kanadier einfing. So bleibt nur zu hoffen, daß die neue alte Gangart ihre Zuhörer findet. "Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen, denn richtiger Rock'n'Roll stirbt niemals aus. Deswegen wird es immer Leute geben, die auf erdigen Rock abfahren." Aus diesem Grunde steht er auch auf den Titelsong "Seventh Day", der schwer schleppend ein wenig auf Zeppelin-Pfaden wandelt, zum Refrain hin aber den Zuhörer äußerst harmonisch einlullt. Aus der stilistischen Anlehnung an die erste CD folgernd, könnte man meinen, daß noch ein paar auf Halde liegende Tracks ihren Weg auf die aktuelle Platte fanden. "Nee, alle Songs sind brandneu. Allein zu 'Heaven Knows Your Name' fiel Mladen und mir schon vor zehn Jahren der Vers ein, doch irgendwie brachten wir nie einen gescheiten Chorus zusammen. Doch als wir das letzte Mal in Japan während einer Autogrammstunde im Hinterzimmer eines Plattenladens saßen und Zeit killen mußten, fiel Mladen das fehlende Versatzstück auf einmal ein." Das ging den Japanern bestimmt runter wie Öl, und so verwundert es schon, daß Von Groove im Land der Schlitzaugen im Moment keinen Deal an Land ziehen konnten. "Wir sind gerade auf der Suche nach einem international agierenden Management, das dies für uns einfädelt. Dennoch mache ich mir keine Sorgen, denn es gibt dort wie überall genügend Rockfans, die genau wie ich von quietschenden Popvögelchen wie Britney Spears die Schnauze voll haben!" Ein hartes Urteil, und man fragt sich ob Millionen Teenies so falsch liegen können? "Ich hasse diesen vorhersehbaren Singsang, für mich ist das Musik ohne Talent. Wenn du diese Schnepfe darum bätest, sich an ein Klavier zu setzen und zu singen, würde die gnadenlos abkacken! Ich kenn' all die Tricks, die man anwendet, um so etwas aufzunehmen. Leider gibt hier 31 Millionen Teenager, die diesen Scheiß kaufen." |
![]() Mladen |
![]() Mike Shotton |
Natürlich ist der Titel auch ein Hinweis auf die mittlerweile siebte Veröffentlichung des Trios. Zeit zurückzuschauen, um mal nachzufragen, auf welches Album oder welchen Song die Truppe im nachhinein gar nicht mehr so stolz ist?
"Mit gefallen immer noch alle unsere Platten. Lediglich 'Disbeliever' von der Scheibe 'Chameleon' kann ich gar nicht mehr hören, frag mich nicht warum. Ich hasse diesen Song! Ansonsten gibt's nix zu meckern, denn beim Schreiben merken wir ziemlich schnell, wann ein Lied nicht funktioniert. Anstatt ewig daran rumzudoktern, kicken wir das Ding dann eben gleich über den Harz und verschwenden nicht unnötig Zeit." Dabei entsteht die Musik der Kapelle oft am Telefon, ein weiterer Beweis, wie gut die Gitarren- und Gesangsfraktion Mladen/Shotton nach wie vor harmoniert. "Auf jeden Fall, obwohl Mladen und ich zwei völlig verschiedene Typen sind, die oft genug unterschiedliche Meinungen haben. Doch wenn es um die Musik selber geht, sind wir uns völlig einig. Wir respektieren uns, und sollte einer mal nicht so gut drauf sein, heißt es halt am Telefon: Hey, heute geht mal so gar nichts bei mir. Laß uns morgen wieder telefonieren. Bye! - Keiner nimmt das dem anderen dann übel, und durch sowas kommen letztlich nur gute Songs zustande." Trotzdem ließ Alt-Basser Matthew Gerrard den Rest kurz vor den Aufnahmen zur neuen Platte hocken. "Matthew zog nach Los Angeles, um dort mal die Szene auszuchecken, was die Zusammenarbeit aufgrund der Distanz nicht gerade vereinfacht. Ich glaube, daß er sich da eher als Studiomusiker etablieren möchte, da ihm die Live-Sache von Anfang an nie so lag. Mladen und ich sind da ganz anders drauf, wir wollen raus auf die Bühne! Tom Lewis, unser neuer Basser, schlägt da voll in die gleiche Kerbe. Nichts gegen Matthew, zu dem wir nach wie vor gut stehen, der einen großen Teil Von Grooves ausmachte und eine Lücke hinterließ, in die Tom erst mal hineinwachsen mußte. Dennoch machte Tom seinen Job auf Anhieb gut. Er lief mir schon oft über den Weg und ist ein super Kumpel, der sein Instrument beherrscht. Wir hatten echt noch nie soviel Spaß bei den Recordings." Bleibt zu hoffen, daß sich dies auch auf den kommenden Gig überträgt, so daß wir uns im September auf einen echten Knüller freuen können, dessen Auszüge höchstwahrscheinlich auf einer Live-CD landen werden. |
Text Interview: Petra Rottmann
Internet-Text: Sven Lohnert

Mehr darüber gibt´s im Heft 5/01 nachzulesen!
Falls Ihr dieses Heft bestellen möchtet - einfach anklicken!