Palace
„Dreamevilizer“
Firefield Records/Twilight

 

Der Newcomer des Monats bezieht sich auf Bands, Musiker oder Projekte, die bislang in dieser Form noch nichts veröffentlicht haben.

Wenn mir der Sinn nach deutschem Heavy Metal steht, greife ich bisweilen zu den Speyrer Schwermetallern Palace. Dies wird in Zukunft häufiger der Fall sein, denn mit ihrem sechsten Studiowerk „Dreamevelizer“ legen Palace ein wahrhaft edles Stück Stahl vor. Schon seit 1996 beglücken uns die Domstadtmetaller immer wieder mit respektablem Heavystoff. Die Fans verdanken den Jungs gern gehörte Metallhymnen wie „Unsolved Mysteries“, „Unhoped For“, „Machine Evolution“ und die bei den Konzerten heißgeliebte Mitsingnummer „Indians Call“. Schon die 2008er Veröffentlichung „Divine Intervention“ kündigte an, daß Palace in der Rockliga ganz nach oben streben. Die Band besteht aus den Palace-Urgesteinen Jason Mathias (g), Harry Reiter (dr), Mastermind HP Piller (v,g) und dem Neuzugang  Jeff Freudenberg (b). Die beim neuen Vertragspartner Firefield Records erschienene CD startet beim Opener „Between Heaven & Hell“ furios durch, mit druckvollem, treibendem Sound und einem sich in den Gehörgängen festsetzendem Refrain. „Sons Of War“ pusht mächtig nach vorne und animiert zum Headbangen. Der Titelsong „Dreamevilizer“ ist variantenreich aufgebaut und überzeugt mit phantastischem Chorgesang. Bei „Dark Prophecies“ bearbeiten die Pfälzer Stahlkocher Hammer und Amboß des Innenohrs mit musikalischer Schmiedetechnik vom Feinsten. Langsam und mystisch mit Keyboardbegleitung beginnend entwickelt sich der Song mit seinem schwerem, schleppend-groovendem und trotzdem treibendem Sound, dem hymnenhaften Gesang und geilen Gitarrensoli zu einem Rockepos von beachtlicher Größe. Gemäßigt beginnend gibt „Angelblood“ mächtig Gas und überzeugt durch Abwechslungsreichtum und Mitgröhlrefrain. Den nächsten Titel kann ich genau so bestätigen. Ja, Palace, ihr seid die „Civilization Of Rock“. „Killing Drones“ setzt die Bedrohlichkeit eben dieser, musikalisch strukturenreich, perfekt um. Hier wird Kriegstreiberei und rücksichtslose Verheizung junger Soldaten in Kriegen verurteilt. „Planet Of Slaves“ ist ein etwas langsamerer, sehr variantenreicher Song mit bombastischem Refrain, der zum Liveabräumer prädestiniert ist. Mit „Lightfighter“ folgt ein geiler Nackenbrecher. Im letzten Song klagt HP mit seiner Reibeisenstimme voller Hingabe und Leidenschaft die „Destroyer Of My World“ an. Palace zelebrieren kompromißlos ihren an die glorreichen 80er-Jahre erinnernden Heavymetal, ohne sich irgendwelchen Trends anzubiedern. Mit diesem phantastischen Stück Edelstahl und neuer Plattenfirma im Rücken sollte es Palace gelingen, in der Rockliga einen heftigen Sprung nach vorne zu machen.
Martin Pietzsch

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