Hier haben wir eine Auswahl der besten Platten des Monats für Euch getroffen! Natürlich ist die Sache ein wenig subjektiv. Allerdings haben wir darauf geachtet, daß verschiedene Redakteure zum Zuge kommen!

The Darkness
„Easter Is Cancelled“
Cooking Vinyl/Sony  


Eine Glamrock-Oper in der Tradition von „Tommy“, „(Music From) The Elder“ oder „Rocky Horror Picture Show“? Ein musikalischer Parforceritt in der Schnittmenge von Queen, Slade, David Bowie, Kiss, The Who, Mötley Crüe, Horisont, Sweet, Meat Loaf und Spinal Tap? Ein Konzeptalbum, das laut Infozettel „die Rolle des Musikers in der kulturlosen heutigen Welt und dessen besondere Verpflichtung, das Establishment herauszufordern“ beleuchtet? Ein Werk, das sich breitbeinig und selbstbewusst positioniert, augenzwinkernd meterdick aufträgt, geschickt mit Klischees spielt und sich anschickt, die Rockwelt von hinten aufzurollen? Gibt’s nicht? Doch, gibt’s. Und auch wenn sich das alles sehr hochtrabend anhört und man fast mit diebischer Vorfreude darauf wartet, dass die Band krachend an ihren Ambitionen scheitert und eine Bauchlandung hinlegt: vergeblich, denn den Briten ist mit ihrem sechsten Studioalbum ein wahrer Geniestreich gelungen. „Easter Is Cancelled“ dürfte eine breite Zuhörerschaft ansprechen, ohne auch nur im Ansatz kommerziell zu sein. Ein Album, das im besten Sinne progressiv ist, ohne verkopft zu wirken oder die Musik als Mittel zum Zweck zu missbrauchen. Ein Album, das per se dem Titel des Openers „Rock’n’Roll Deserves To Die“ energisch widerspricht und die Aussage ad absurdum führt. Das ist fürwahr eine Leistung, die man gar nicht genügend würdigen kann. Nach einer stundenlangen Dauerbeschallung, die selbst das letzte Arch/Matheos Opus langfristig aus dem Player verdrängt hat, bleibt mir nur ein abschließendes Urteil: es gibt also doch noch Alben, die von vorne bis hinten überzeugen; die trotz (pseudo) intellektuellem Unterbau und trotz der Ausschlachtung von Klischees locker, entspannt, mitreißend, einzigartig und unterhaltsam vor sich hinrocken und völlig berechtigt jenseits jeglichen Hypes das Zeug zu einem Megaseller haben; das ist die gute Nachricht. Und die schlechte Nachricht: Ostern fällt aus.

Jens Gellner


Tito & Tarantula
„8 Arms To Hold You“
It Sounds/RTD 

Es wäre fatal, Tito & Tarantula auf „die Band aus From Dusk Till Dawn“ zu reduzieren und auf die beiden dazugehörenden Hits „Angry Cockroaches (Cucarachas Enojadas)“ und natürlich „After Dark“. Dazu kommt es natürlich nach wie vor, und ich habe nicht das Gefühl, dass es Sänger und Bandgehirn Tito Larriva auch nach über zwanzig Jahren großartig stören würde. Wieso auch? Andere Bands warten auf solche Hits und einen solchen Bekanntheitsgrad vergeblich ihre ganze Karriere lang. Nicht zuletzt dank dieser beiden Nummern kann Tito mit seiner immer wieder wechselnden Bandbesetzung quasi auf Abruf in sämtlichen Clubs und auf beliebigen Festivals immer wieder aufschlagen und gut ankommen. In Sachen neue Alben hingegen lässt sich der Mittsechziger hingegen Zeit. Sieht man von der Raritätenkompilation „Lost Tarantism“ vor vier und dem opulenten Livepaket „Live At Rockpalast 2008 & 1998“ vor zwei Jahren ab, liegt das letzte Studioalbum „Back Into The Darkness“ satte elf Jahre zurück. Macht gar nichts. Die zehn neuen Songs auf „8 Arms To Hold You“ klingen, als wäre Larriva niemals weggewesen. „It’s Alright Now“ oder „Goodbye Luck“ (ein herrlich entspannter Hit) und „He’s A Liar“ klingen reif und lassen die Trademarks niemals vermissen. Das ist ein Wiederhören, das Spaß macht und das demonstriert, was für ein guter Musiker dieser Larriva eigentlich ist. Und weil gute Musiker immer reflektieren, klingen Stücke wie „Love Sane“ oder „Somewhere Between“ so todtraurig und melancholisch. Die Albumaufnahmen gingen nämlich mit dem Tod von Titos geliebtem Vater einher. Zehn Jahre Zeit für das nächste Werk sollte er sich allerdings nicht mehr lassen. Und er sollte wieder unbedingt in den Sonic Ranch Studios in Texas aufnehmen. Der originelle Sound des aktuellen Werks wirkt nämlich so, als würde die Band direkt neben einem im Wohnzimmer aufspielen.

Nikolas Krofta 


Steel Panther
„Heavy Metal Rules“
Steel Panther Inc./Membran 


Ein wiederholter Witz ist kein Witz? Steel Panther sind eine der wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Klar: Überhits wie „Death To All But Metal“ oder „Asian Hooker“ schreibt man wohl nur einmal im Leben. Aber das immer noch im unveränderten Line-up spielende Quartett beweist auch auf seinem fünften Studioalbum jede Menge Kreativität und Witz. „Heavy Metal Rules“ ist an vielen Stellen unterhaltsamer und packender als seine drei Vorgänger, ist wie immer herrlich politisch unkorrekt und wird es in mindestens neun von zehn Fällen wohl nur mit ganz vielen Piepsern in die Radios schaffen. Mehr noch: „All I Wanna Do Is Fuck (Myself Tonight)“ ist der Hit, auf den die Band seit vielen Jahren gewartet hat – begleitet von einem an Kreativität kaum zu überbietenden Videoclip. Hört man sich darüber hinaus das Titelstück oder „Always Gonna Be A Ho“ an, wird wieder einmal klar, dass diese Band trotz der Tatsache, dass sie sich über so viele Hard ’n’ Heavy-Klischees lustig macht, ihre Wurzeln in genau diesem Sound hat und diesen zusammen mit Produzent Jay Ruston geschickt in die Gegenwart transportiert. Etwas, was viele der Originale leider nicht (mehr) schaffen.

Nikolas Krofta



Freedom Call
„M.E.T.A.L.“
Steamhammer/SPV 

In letzter Zeit war es in Sachen Besetzung bei den Gummibären-Metallern Freedom Call recht bunt zugegangen. Die Nürnberger um Sänger und Gitarrist Chris Bay, haben sich von ihrer langjährigen Rhythmussektion getrennt zu verschiedenen Zeitpunkten, dann kamen live neue Leute, die wohl einsprangen, nur um jetzt dem von Bonfire gewechselten Timi Breideband und den mir völlig unbekannten Bassisten Francesco Faerraro Platz zu machen. Eingespielt hat das Album jedoch Livedrummer Kevin Kott und teilweise Original-FC-Schlagwerker Dan Zimmermann. Ich hoffe jetzt bleibt das Line-up stabil! Musikalisch ist das ein sehr typisches Freedom Call-Album geworden, bei der Bay wieder 75 % und der andere Gitarrist Lars Rettkowitz den Rest geschrieben hat. Das Artwork und der völlige Gaga-Titel „M.E.T.A.L.“ wird sicherlich diverse Metalspaßbremsen aufregen die den Happy-Metallern jeglichen Metal absprechen. Solche werden sich auch über schwülstige Titel wie „111 – The Spirit Of Angels“ oder „Ace Of The Unicorn“ aufregen. Ich habe Spaß mit der Truppe, die es immer wieder schafft, Phrasen wie „Freedom Call“ und alte Schlagwörter aus alten Hits in ihren Liedern zu verwursten. Die Hitdichte in Sachen Refrains ist recht hoch, die Chöre fett und abwechslungsreich, wo bei das sehr beschwingt poppige „One Step Into Wonderland“ besser auf Bays Soloalbum aufgehoben wäre. Wer Freedom Call und fette Keyboardfanfare à la „Sail Away“ mag wird hier blind zuschlagen können. Manchmal bin ich jedoch froh, wenn das Tasteninstrument etwas weniger zum Tragen kommt, was die Herren auch können. Beständigkeit ist ein Zeichen der Formation. Das schicke Digi kommt mit Spielkarte und zwei Akustik-Bonustracks daher.

Thorsten Dietrich 


Unruly Child
„Big Blue World“
Frontiers/Soulfood 

 Im Jahre des Herren 2010 schloss sich eine einstmals sehr erfolgreiche Band, welche sich 1993 bereits aufgelöst hatte, wieder zusammen. Mit diesem erneuten Startschuss und einer neuen Scheibe war die Initialzündung gegeben, dass mit zwei weiteren Platten, in den Jahren 2014 und 2017, Unruly Child wieder in der Szene angekommen waren. Mit Marcie Michelle Free, der wohl bekanntesten Transgender-Sängerin der Branche (ex-King Kobra und Signal), Bruce Gowdy und Guy Allison (unter anderem Doobie Brothers), formierte man sich erneut, um das neue Album „Big Blue World“ im Jahr 2019 an den Start zu bringen, welches wir heute und hier besprechen wollen. In der Zusammenfassung kann gesagt werden, dass der neueste Erguss, „Big Blue World“, eine schöne Hommage, sowohl an den klassischen Rock und die Vergangenheit der Band und die musikalische Ausrichtung deren Mitglieder, für welche Unruly Child immer bekannt waren, als auch auf Ebene zeitgenössischer, frischer AOR/Rockmusik geworden ist. Teilweise erinnern die neuen Stücke an Bands wie Toto, Boston oder auch R.E.O. Speedwagon, jedoch mit aktuellem Charakter, trotz des Bezuges zur musikalischen 80er-Vergangenheit, was nicht zuletzt an der sehr angenehm weichen Stimme von Marcie Free liegen mag. Die Mitglieder der amerikanischen Formation waren in all den Jahren, zwischen deren Veröffentlichungen, ja auch nicht inaktiv, was sich in der Qualität der Songs widerspiegeln mag. Lange Rede kurzer Sinn, „Big Blue World“ ist ein weiteres, sehr gut gelungenes Werk von Unruly Child geworden, welches sich mit Blick auf die Gesamtkarriere der Amerikaner nicht verstecken muss. Unaufgeregt und harmonisch ist die Musik auf „Big Blue World“ ideal für einen lauen Sommerabend auf der Landstraße, oder bei einem Glas Rotwein auf dem Balkon. Willkommen zurück.

Steve Leikeim


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