Hier haben wir eine Auswahl der besten Platten des Monats für Euch getroffen! Natürlich ist die Sache ein wenig subjektiv. Allerdings haben wir darauf geachtet, daß verschiedene Redakteure zum Zuge kommen!



U.D.O.
„Steelfactory“
AFM/Soulfood


Das deutsche Metal-Urgestein Udo Dirkschneider hat nach drei triumphalen Jahren als Dirkschneider und Konzerten mit seinen alten Accept-Hits mal wieder Zeit und viel Bock auf eine neue Scheibe seiner Band U.D.O.! Die heißt „Steelfactory“ mit einem sehr passenden Fabrik-Cover, das ist ein toller Wink mit dem Zaunpfahl. Anders gesagt: Der Name ist Programm! Dirkschneider und seine top eingespielte Band liefern hier wahrlich ab. Eine Hitmischung aus Accept-artigem Material und typischen U.D.O.-Stampfern plus ein paar Überraschungen erwarten den Hörer. Das Ganze klingt bissig, hungrig und verdammt auf den Punkt. Auch wenn ich die erste Single „Risin’ High“ nur als ganz nett ansehe, haben U.D.O. hier die beiden guten bis sehr guten und in Sachen Songwriting und Sound wieder mehr klassisch aufgestellten Alben „Steelhammer“ und „Decadent“ noch mal locker getoppt. Der Accept- und U.D.O.-Sound wurde toll vereint. Ohne Experimente in Sachen Keys oder diverser Soundeffekte einzubauen, dafür aber mit einer mit den Jahren sehr wandelbaren Stimme ausgerüstet, dominiert Udo Dirkschneider die Lieder und drückt ihnen seinen unverwechselbaren Stempel auf. Genial empfinde ich auch seine Lacher in zwei Liedern und den bedrohlichen Sprechgesang dazu. Dabei blickt er auch mit 66 in manchen Liedern nicht wehmütig, sondern sagen wir altersweise zurück und sagt Fans, Gegnern und anderen Bands in „The Way“ melancholisch inszeniert, dass er alles wieder so machen würde, und dieses Thema wird auch bei „In The Heat Of The Night“ behandelt, was metallisch und melancholisch zugleich ist und wo Dirkschneider textlich seinen Fans zuruft, dass er noch viel zu sagen hat und es ihm quasi gut geht. Eines der typischsten U.D.O.-Lieder ist „Hungry And Angry“, was auch locker auf alten Platten der Band stehen könnte, textlich auch eine Botschaft an die Fans beinhaltet: Wir treten noch Arsch! So ähnlich geht es auch im hymnischen „One Heart, One Soul“ textlich weiter. „Steelfactory“ ist eine echte Macht!
Thorsten Dietrich


Treat
„Tunguska“
Frontiers/Soulfood

Ein bisschen Bildung hat noch nie geschadet und so sei anhand des ungewöhnlichen Titels der neuen Treat-Scheibe zunächst einmal auf das bis heute nicht eindeutig aufgeklärte Naturereignis verwiesen, das am 30. Juni 1908 nahe dem sibirischen Fluss Tunguska entweder durch Asteroiden-Einschlag oder Vulkan-Eruption mit einen Riesenknall für Aufregung sorgte, da dessen Schallwellen sich zeitlich versetzt quer über den ganzen Erdball fortsetzten. Eine wahrhaft gigantisch passende Metapher, die sich die Schweden da als Titelmotto herausgesucht haben; wohl aus der Hoffnung heraus, dass sich selbiges auch für ihre Mucke erfüllen möge. Nun, dafür stehen die Zeichen nicht schlecht, fanden sich die Gründungsmitglieder Fronter Robert Ernlund sowie Mastermind/Gitarrist Anders Wikström nach 18-jähriger Hibernation schon mit den Treat-Langrillen „Coup De Grace“ (2010), „Ghost Of Graceland“ und jetzt auch „Tunguska“ mühelos in der Hardrock-Neuzeit zurecht. Ein Kunststück, das nicht jeder Band gelingt, die wie Treat Mitte der Achtziger mit Genre-Klassikern wie „Scratch And Bite“ (1985), „The Pleasure Principle“ (1986) und vor allem „Dreamhunter“ (1987) den Begriff Scandi-Hardrock mitdefinierte und zudem gnadenlos abräumte. Was Treat Mark II spätestens seit dem letzten Album auszeichnet, ist sicherlich deren stilistische Vielfalt, die einen auch nach mehrmaligem Hören immer noch mehr Neues, Verstecktes, Zeitgemäßes entdecken lässt, so dass es trotz aller gewohnten Eingängigkeit nie langweilig wird. So entpuppt sich beispielsweise „Progenitors“ als bombastisch dramatischer und dennoch bluesiger Opener, während wiederum das feierlich getragene „Rose Of Jericho“ samt Slide-Gitarre sympathische Akzente setzt. „Build The Love“ macht hingegen die wuchtigen Tore des melodischen Hardrock-Himmels weit auf. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen ... Pflichtkauf!
Petra Rottmann


Halestorm
„Vicious“
Atlantic/Warner

Halestorm, die Band um die Hale-Geschwister Lizzy und Arejay, ist keine Band, die sich gerne auf die faule Haut legt. Stetiges Touren und regelmäßige Veröffentlichungen zeugen von der Spielfreude und der Produktivität der Amerikaner. Drei Studioalben und insgesamt neun EPs in einem Zeitraum ist schon sportlich – Grammy inklusive. Dennoch schafft es die Band, sich nicht ständig zu wiederholen und die Qualität ihrer Musik stetig zu erhöhen. Mit „Vicious“ liegt heuer nun Studioalbum Nummer vier vor. Und dies steht den anderen in nichts nach. Im Gegenteil, ich finde, dass Halestorm auf diesem Rundling die Härteschraube noch einmal angezogen haben. Für alle Rock-Fans: Keine Angst, damit verkommt die Band nicht zur 08/15 Metal-Combo. Doch der Härtegrad tut der Truppe sichtlich und hörbar gut. Bereits beim Opener „Black Vultures“ geht die Band in die Vollen und zeigt dem geneigten Hörer, wo der Hammer hängt. Dennoch verliert kein Song, trotz der Härte, die Halestorm’sche Leichtigkeit und Eingängigkeit. Jeder Titel bewahrt sich eine gewisse Verspieltheit, die das Hören nicht langweilig macht. Ich nenne so etwas gerne Kaugummi-Rock, wie man es bei vielen aktuellen Combos kennt. Klingt beim ersten Mal genial, verliert aber jedem weiteren Durchlauf an Qualität. Die Gefahr besteht hier tatsächlich nicht. Da freut man sich schon auf die kommende Tour der Band.
Pat St. James



Brainstorm
„Midnight Ghost“
AFM/Soulfood

Die Schwaben Brainstorm wollen es noch mal wissen. Seit dem 2016er „Scary Creatures“-Werk hat die Truppe wieder mehr Biss, ein Mörderartwork und Frontmann Andy B. Franck ist gar bei seiner Zweitband Almanac ausgestiegen, um, so wie er sagt, mehr Zeit für Brainstorm zu haben. Das hat sich ausgezahlt. „Midnight Ghost“ klingt bissig und frisch und anders als der klasse Vorgänger. Dabei haben die Schwaben ihren Sound kaum verändert. Aber der Knöpfchendreher ist ein anderer: 2018 arbeiten die fünf Musiker mit Orden Ogan-Boss Seeb Levermann zusammen, und das zahlt sich aus. Der Sound ist anders, die Zutaten gleich. Als Fan der Truppe fühlt man sich wohl, kann aber auch Neues entdecken. Das klingt nicht wie Mittvierziger-Metal, sondern irgendwie bissig und frisch. Der Teufel liegt im Detail! Das merke ich schon am Artwork, was viele tolle Cover der Schwaben aus der Vergangenheit noch toppen kann. Dabei klingt das Album zu jeder Sekunde nach Brainstorm, präsentiert dem Hörer neue Facetten, viel Abwechslung und dabei immer noch viele Melodien. Den Fehler, im Hintergrund einen permanenten Keyboardteppich zu erzeugen wie schon mal in der Vergangenheit, begehen Brainstorm dann auch nicht. Wenn Keys, sind diese superb als Farbtupfer eingesetzt. Auch Sänger Andy B. Franck klingt nahezu entfesselt und kann hier viele Facetten seiner kraftvollen Stimme im Album unterbringen. Ob Uptempo, Midtempo, epischer Track oder Halbballade, hier ist alles an Bord. Brainstorm haben nie ein mieses Album gemacht, aber dieses hier ist halt ein besonders gutes, bei dem es noch mehr zu entdecken gibt als früher.

Thorsten Dietrich


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