Hier haben wir eine Auswahl der besten Platten des Monats für Euch getroffen! Natürlich ist die Sache ein wenig subjektiv. Allerdings haben wir darauf geachtet, daß verschiedene Redakteure zum Zuge kommen!



Dirkschneider
„Live – Back To The Roots“
AFM/Soulfood

Udo Dirkschneider hat seine Band U.D.O. für einige Zeit auf Halde gelegt und feiert nun als Dirkschneider zum letzten Mal live seine Lieder, die er mit Accept in den 80er Jahren aufgenommen hat. Als Band sind natürlich seine U.D.O.-Jungs dabei, ein superb eingespieltes Team. Diese Welttournee feiert überall Triumpfe und ausverkaufte Häuser, was ich dem Urgestein des deutschen Metals kurz vor dem Rentenalter sehr gönne! Nun erscheint mit „Live – Back To The Roots“ eine Doppel-CD, aufgezeichnet vor ausverkauftem Haus in Memmingen, die eines der selten und 120 Minuten (!) langen Konzertereignisse gut einfängt und, wenn man das Intro abzieht, satte 23 Lieder in petto hat. Da gibt es die Accept-Vollbedienung von der einzigen Stimme, mit der ICH diese Lieder hören möchte. Der Sound ist gut, Udo toll bei Stimme, was auch auf die immer noch dauernde Tournee zutreffen soll! Überraschungen gibt es hier keine, die will wahrscheinlich auch keiner, oder? Hit auf Hit und keine langen Ansagen à la Manowar, das ist Dirkschneider, die hier sicherlich nur glückliche Fans hinterlassen bei Liedern wie „Breaker“, „Livin’ For Tonite“, „Metal Heart“ und natürlich „Princess Of The Dawn“ in der XXL-Version. Hier sind die lauten und euphorischen Publikumsreaktionen garantiert nicht nachbearbeitet, sondern waren live in der Halle sicherlich noch mächtiger! Das ganze Album macht mir auch nach mehreren Durchläufen immer noch eine Gänsehaut, und das Cover mit Udos ikonischem Schädel paßt hier wirklich wie die Faust aufs Auge! Schade, daß Udo nach dieser Aktion die Lieder nicht mehr live singen will, aber er hat mit U.D.O. ja auch noch jede Menge geiler Nummern am Start. Ein kleiner Wermutstropfen für mich ist, daß er keine Accept-Lieder der 90er Jahre, also von der zweiten Reunion, singt, wo die Scheibe „Objection Overruled“ ziemlich geil war. Trotz dieser kleinen Fußnote ist „Live – Back To The Roots“ ein Muß für alle Accept- und U.D.O.-Fans! 2017 soll noch eine DVD erscheinen.
Thorsten Dietrich


Tempest
„Control The World – The Tempest Anthology“
Golden Core/Zyx

Ich finde es teilweise schon lächerlich, wie viele drittklassige Bands heute auf CD wiederveröffentlicht werden. Zum Glück sieht die Sache bei den deutschen Tempest ganz anders aus. Was die Truppe aus dem unbekannten Dorf Schweimke zwischen 1987 und 1996 geleistet hat, ist nahezu unglaublich. Da haben zeitgleich andere Bands aus unserem Lande zu Unrecht Plattenverträge bekommen, während Tempest eine Maxi (1987) selbst machen mußten. Dann folgten drei Songs auf zwei heute raren Samplern, gefolgt von Demos und einer unveröffentlichten Full-Length-CD. Den Namen Tempest kannten bis vor kurzem nur Sammler, was hinsichtlich des enorm starken Materials eigentlich unglaublich ist. Die Anthology-Doppel-CD beginnt mit der bereits genannten Maxi-Single (zwei Songs) und zeigt die Gruppe bereits sehr kreativ. Die Songstrukturen sind sehr eigen, aber niemals verworren oder nicht nachvollziehbar. Ein gewisses NWOBHM-Feeling schwingt hier auch mit. Im Verlauf agiert die Band dann immer ausgefeilter, was in der unveröffentlichten CD von 1996 gipfelt. Der Vergleich mit „alten Fates Warning“ auf dem mir vorliegenden Infoblatt hinkt ausnahmsweise mal nicht. Die Klangqualität ist trotz verschiedener Quellen (Vinyl, Kassetten) besser als viele Platten der Achtziger, und die Songs klingen wie aus einem Guß. Die Doppel-CD erscheint in einem sehr schönen Digipack und enthält ein dickes Booklet, welches neben einem Interview mit Sänger Timme auch viele Photos, Infos zu den einzelnen Aufnahmen und Platten, Zeitungsartikel (teilweise sehr amüsant) und Konzertflyer beinhaltet. Absolut vorbildlich! Trotzdem: Wie so eine gute Band all die Jahre unbekannt bleiben konnte, werde ich wohl nie verstehen, gerade im Zeitalter des Internet. Und in den A&R-Sesseln müssen damals teilweise taube Idioten gesessen haben.
Dieter Meyer


The Pretty Reckless
„Who You Selling For“
Razor & Tie/Universal

Im Vorgriff auf das dritte Studioalbum bekamen die Fans die Singleauskopplung „Take Me Down“ serviert, was durchaus Lust auf mehr macht. Bandleaderin, Sängerin und Schauspielerin Taylor Momsen (Vocals, Guitar), Ben Phillips (Guitar), Mark Damon (Bass) und Jamie Perkins (Drums) präsentieren mit zwölf neuen Songs einen eigenwillig kreierten Rocksound, dieses Mal ergänzt mit Blues und Soul-Elementen. Die Sängerin, die durch die TV-Serie Gossip Girl bekannt wurde, zeichnet zusammen mit Gitarrist Ben Phillips erneut für das Songwriting verantwortlich. In Zusammenarbeit mit ihrem Produzenten Kato Khandwala entstanden typische The Pretty Reckless-Songs, die natürlich zum einen von der rauhen Stimme der Lady profitieren und zum anderen eine ganze Ecke düsterer als bisher gewohnt ausgefallen sind, um für noch mehr emotionalen Tiefgang zu sorgen. Die Truppe aus New York City verarbeitet hier diverse Stimmungsschwankungen, womit das Werk ganz gut in die bevorstehende düstere Jahreszeit paßt. Der Opener „The Walls Are Closing In“ klingt allerdings irgendwie nach Alice In Chains, und „Man In The Box“ schwingt hier ebenfalls ein bißchen mit. Nach diesem verhaltenen grungigen Einstieg geben die Amis mit „Oh My God“ schon mehr Gas. Die Single „Take Me Down“ ist ein cooler Rocker mit einem Refrain, der sich leicht mitsingen läßt. Die Musiker behaupten von sich, ein sehr persönliches Album abzuliefern, was wiederum einen tiefen Einblick in deren Seelenleben zuläßt. „Prisoner“ ist ein eher bockiger Stampf-Rocker. Sängerin Taylor Momsen setzt ihre Stimme je nach Stimmungslage der einzelnen Songs gekonnt in Szene. Mit dem eigenwilligen „Wild City“ besingt die Truppe ihre Heimat NYC, eine Stadt, die wahrlich wild sein kann. Das von Southern Rock beeinflußte „Back To The River“ beschreibt dagegen einen Ort, an dem man nicht erreichbar ist und seine vollkommene Ruhe hat, eine schöne Vorstellung. Der Titeltrack ist wieder eine ruhige, melancholische Nummer, die eine gute und wichtige Frage in den Raum stellt, die jeder für sich selbst beantworten sollte. „Bedroom Window“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, und der Herbstdepression wird das Fenster geöffnet. Die stimmgewaltige Lady und ihre Mitstreiter dürften mit ihrem neuen Werk erneut dicke Punkte bei ihren Fans einfahren.

Thomas Klaner


Tyketto
„Reach“
Frontiers/Soulfood

Die AOR-Gemeinde sollte mit „Reach“, dem neuen Tyketto-Output, wohl zufrieden sein. Auf dem aktuellen Rundling sind nämlich wieder etliche Stücke, die deutlich machen, daß Frontmann Danny Vaughn und Mitstreiter weiterhin in der Lage sind, gute Melodic-Tracks zu schreiben. Der Opener „Reach“ kommt als überzeugende Midtempo-Nummer in bester Tyketto-Manier. Sachen wie „Big Money“, „Kick Like A Mule“ und „I Need It Now“ gefallen als fette melodische Hardrocktitel. Und auch die Kuschelfraktion bekommt mit „Circle Of The Wagons“ was auf die Ohren. Zwölf Ergüsse beinhaltet die Platte, wobei sich darunter höchstens zwei, drei etwas schwächere Sachen befinden, und Totalausfälle sehe ich keine. In der Hochphase des Melodic Rock wäre ein Album wie „Reach“ sicherlich durch die Decke geschossen. Heutzutage muß dieses Genre ganz kleine Brötchen backen. Schön deshalb, daß es immer noch Combos wie Tyketto gibt, die Longplayer einspielen, die dann auch noch überzeugen können.
Marco Magin



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