Hier haben wir eine Auswahl der besten Platten des Monats für Euch getroffen! Natürlich ist die Sache ein wenig subjektiv. Allerdings haben wir darauf geachtet, daß verschiedene Redakteure zum Zuge kommen!



Gotthard
„Silver“
G Records/PIAS


25-jähriges Bandjubiläum und mittlerweile die zwölfte Studioscheibe im Kasten – da paßt doch der Titel des neuen Gotthard-Langeisens „Silver“ wie die berühmte Faust aufs Auge! Dennoch stelle ich es mir nach all den Jahren, in denen man ja auch das Ableben des charismatischen Frontmanns Steve Lee verkraften mußte, nicht einfach vor, mit dem Gotthard-Massiv neue Höhen zu erklimmen. Doch weder Band wie Fans der Combo ließen sich dadurch entmutigen, und so steht mit „Silver“ nun bereits das dritte Album mit Sänger Nic Maeder am Mikro an. Der hat es allen Unkenrufen zum Trotz Gott sei Dank schon längst geschafft, die großen Schuhe seines Vorgängers weitestgehend auszufüllen, so daß man nun gemeinsam weiterhin positiv nach vorne blickt. Insofern ist auch eine gewisse Weiterentwicklung in Sachen Sound bei den Eidgenossen nicht weiter verwunderlich, die erneut beweist, daß der Uhrzeiger für die Jungs nicht stehen geblieben ist. Inwieweit da der erneut bemühte Produzent Charly Bauernfeind (Helloween, Blind Guardian) dazu beitrug, entzieht sich (noch) meiner Kenntnis; jedenfalls bringt der Mann den beliebten Gotthard-Groove schon zum rockigen, Hammond-gestützten Opener „Silver River“ authentisch zum Leuchten. In fast dieselbe Kerbe schlägt auch der Riff-Rocker „Electrified“, auf dem sich schon leicht das erste Stilmittel andeutet, welches meines Erachtens von keinen Geringeren als den Beatles stammt. Ähnliches entdeckt man auch beim Sequencer-beladenen, mit Gospelchören verzierten gemäßigten Bombast-Track „Beautiful“; doch auch das Siebziger-lastige mit Dokken-Licks geschönte „Reason For This“ oder das relaxte, mit Streichern versetzte „Not Fooling Anyone“ weist einen gewissen Touch der Fab Four auf. Schön, daß der designierte voll aufgehende Melodic-Ohrwurm „Stay With Me“ als Single ausgewählt wurde. Nebst dessen geht natürlich auch weiterhin die Post bei Gotthard ab: allen voran der erdige mit Rammstein-Stakkato versehene Grooverocker „Everything Inside“ oder das feist aus der Hüfte geschossene, treibende „Tequila Symphony No. 5“, das anhand des eingesetzten Orchesters samt Gitarre mal kurz Beethovens Fünfte rock ’n’ rollig her zitiert. Gotthard wären allerdings wohl kaum Gotthard, wenn sich nicht gewohnt schmissige Mitsing-Hymnen-Rocker wie „Only Love Is Real“, „My Oh My“ (mit „Mountain Mama“-Einschlag) oder „Blame On Me“ ins Gemächt einschleichen würden! Alles in allem also gute Vorzeichen für die anstehende Tour mit den Urgesteinen Pretty Maids im Frühjahr 2017!
Petra Rottmann


Horisont
„About Time“
Century Media/Sony

Die Schweden Horisont gehören ganz klar zu den aktuell spannendsten Bands im Grenzbereich zwischen Heavy Metal und 70s-Classic Rock. Vor allem der Vorgänger „Odyssey“ wußte nicht nur wegen des gnadenlos guten, überlangen Openers zu überzeugen. Ein solcher fehlt zwar auf dem neuen Werk „About Time“, aber das kann man aufgrund der Klasse und Kreativität von Horisont locker verschmerzen, zumal wir mit „Electrical“ dieses Mal einen waschechten Hit am Start haben, den man vor vielen Jahren hätte als Single auskoppeln können, als sowas noch zum Business dazugehörte. Doch auch das restliche Material hinkt nicht hinterher, kommt zum Teil nur etwas leichtfüßiger daher als die meisten Tracks der 2015er CD. Sprich: Der Metalfaktor wurde etwas zurückgeschraubt. Bei anderen Bands würde mich das vielleicht stören, doch Horisont dürfen das. Bei „Night Line“ hat man für einen kurzen Moment den Eindruck, man hätte die „Piledriver“ von Status Quo eingelegt, wenn da nicht der Refrain wäre, der erst nach Uriah Heep (Gesang), dann nach Thin Lizzy (Twin-Soli) klingt. Und das macht Horisont aus: All das passiert innerhalb weniger Minuten und in einem Song. Daraus resultiert eine Eigenständigkeit, die diese Gruppe so spannend macht. Es ist eben kein Retroaufguß oder eine „Coverband mit eigenem Material“, sondern etwas ganz Eigenes. Ein Highlight habe ich bis zum Schluß aufgespart. Der Titelsong mit seinem epischen Faktor macht goddamn süchtig. Ganz klar eine der Bands der Stunde, die sowohl Metaller als auch Fans von Bands wie Wishbone Ash, Thin Lizzy oder Dust (erneut) begeistern werden.
Andreas „Neudi“ Neuderth


Krokus
„Big Rocks“
Century Media/Sony

Nun also ist auch bei den „Schweizer AC/DC“ Rückschau und Vergangenheitsbewältigung angesagt. Die Herren von Krokus haben sich dreizehn Stücke aus dem allgemeingültigen Rock-Kanon ausgesucht und interpretieren sie rauh und rockig, wie man es von ihnen erwarten kann. Mit Überraschungen können sie aber nicht dienen. Denn die Trackliste des nostalgischen Werkes liest sich – ich bitte um Verzeihung – wie die eines Samplers aus der Media Markt-Grabbelkiste. Alte Heuler wie „Wild Thing“ (The Troggs), „Born To Be Wild“ (Steppenwolf), „Whole Lotta Love“ (Led Zeppelin), „Gimme Some Lovin’“ (Spencer Davis Group), „Jumping Jack Flash“ (Rolling Stones) und sogar der Lagerfeuer-Klassiker „House Of The Rising Sun“ (Eric Burdon & The Animals) geben sich hier ein Stelldichein. Gerade letzterer und auch das eine oder andere Jahrhundertstück wie etwa das im Original anarchisch rumpelnde und mit einem unnachahmlichen Baßlauf verzierte „My Generation“ von The Who gehen leider etwas in die Hose. Das liegt auch daran, daß die schneidende Stimme von Marc Storace eben längst nicht für alles gleich gut geeignet ist. Das meiste auf der CD glänzt zwar nicht vor Innovationsfreude, ist aber zum Beispiel beim Gleiten im Auto über den Highway ganz in Ordnung. Wenn die Musiker tatsächlich Freude beim Zusammenstellen und Einspielen dieser Partyplatte hatten, weil es sie an ihre eigenen Einflüsse und Anfänge erinnert, so sei es ihnen unbenommen. Eine Langzeitwirkung dürfte dieses Coveralbum aber kaum haben. Da gibt es schon zu viele davon.

Jürgen Lugerth


Cornerstone
„Reflections“
Atom Records/CD Baby

Für ihr drittes Album haben Cornerstone aus Österreich, die Band um die umtriebigen Brüder Steve und Michael Wachelhofer, richtig aufgefahren. Für „Reflections“ hat sich die in ihrer Heimat und in England (!) bereits durch diverse Tourneen, extensives Radio-Airplay, TV-Auftritte und durch einen Film-Soundtrack bekannte Formation eigens nach Kanada begeben, um dort mit Harry Hess (Harem Scarem) als Produzenten aufzunehmen. Und wie schon bei den beiden Vorgängern legen Cornerstone abermals astreinen AOR-Rock vor, eingängig und radiotauglich. Mit der neuen Sängerin Alina Peter haben die Gebrüder Wachelhofer eine gute Wahl getroffen, die Dame versteht ihr Handwerk und erinnert mit ihrer Art zu singen an die bekannten Frontfrauen des 90er-Jahre-Mainstreamrocks wie Susanna Hoffs von den Bangles oder Janet Gardner von Vixen. Überhaupt fühlt man sich bei allen 10 Songs auf „Reflections“ an die seelige Zeit zurückerinnert, in der irgendwie noch alles bunter war, als Bon Jovi noch mit Langhaarfrisur gerockt hat und TV-Serien wie „Family Ties“, „Alle unter einem Dach“ oder „Full House“ einen festen Programmplatz in den gerade aufstrebenen Privatsendern hatten. Besonders der Song „Last Night“ mit seinem Saxophon-Intro könnte als Titelsong einer solchen TV-Serie herhalten. Einzig die Akustikballade „Once“, mit der das Album abschließt, ist etwas langatmig geraten, aber das ist rein subjektives Empfinden und sagt nichts über das hohe musikalische Niveau des Stückes aus. Alles in allem ist „Reflections“ eine wirklich runde Sache geworden, solide gespielt, gut komponiert und 1a produziert. Vor 20 Jahren wäre das Teil sofort an die Spitze der Charts gerauscht. Wer also auf gut gemachten AOR-Rock steht und vielleicht auch den guten alten 90ern mit wilden Mähnen, zerrissenen Jeans und Bands wie Giant, REO Speedwagon oder Bad English nachtrauert, der sollte bei „Reflections“ von Cornerstone unbedingt zugreifen. Tolles Album!
Dieter Meyer


Avenged Sevenfold
„The Stage“
Capitol/Universal

Eines muß man schon sagen: Avenged Sevenfold schaffen es tatsächlich noch zu überraschen, und zwar in mehreren Ebenen. Der erste Schlag kam, als die Band aus dem schönen Kalifornien ihr neuestes Werk „The Stage“ kurzerhand ohne große Vorankündigung unter das Volk geworfen hat. Die nächste Überraschung war, daß eben dieses neue Album nicht mehr auf ihrem Stammlabel Warner Bros. erschien, die der Band um Sänger M. Shadows einen Mega-Erfolg verschafft hatten, sondern auf Universal. Da aller guten Dinge ja bekanntlich immer drei sind, folgt die nächste Überraschung im Album selbst: Es ist unglaublich vielseitig. Wurde die Band bei der letzten Scheibe „Hail To The King“ scharf kritisiert, weil viele diese als Abklatsch von Metallica- und Guns N’ Roses-Großtaten angesehen haben, ist dieses Album nun der Gegenschlag. Sicher, es ist nicht so eingängig wie der Vorgänger und bleibt auch nicht gleich im Ohr, aber das Werk wächst tatsächlich mit jedem Durchgang. Das macht Spaß und zeigt auch, daß die Band mehr als nur eine „Poserband“ ist. Da stecken tatsächlich talentierte Musiker hinter, deren Erfolg nicht unbegründet ist. Wenn man diesem Album eine Chance gibt, wird man verstehen.
Pat St. James



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