Hier haben wir eine Auswahl der besten Platten des Monats für Euch getroffen! Natürlich ist die Sache ein wenig subjektiv. Allerdings haben wir darauf geachtet, daß verschiedene Redakteure zum Zuge kommen!



Razzmattazz
„Hallelujah“
7hard/Membran


Wenn eine Band sowohl in Deutschland als auch in den USA Awards und Preise abräumt, denkt man natürlich direkt an die ganz Großen des Business. Klingt die Musik dann auch noch nach dem ein oder anderen Mega-Act, hat man es dann also natürlich zu tun mit … nein eben nicht …, sondern mit Razzmatazz aus Deutschland. Man kann es wirklich schon ein kleines Phänomen nennen, denn längst nicht jedem ist dieser Name wirklich bekannt. Ihre eingeschworene Fanbase allerdings wird immer größer und mit Album Nr. 4 sollte diese noch um einiges anwachsen. Erdigen, kernigen und nach vorne gehenden Kick Ass Rock ’n’ Roll mit Herzblut bieten die Schwaben auch auf ihrem neuen Dreher, passend „Hallelujah“ genannt. Der Vergleich oben mit den Australiern ist natürlich absolut naheliegend, jedoch wäre es zu einfach, Razzmattazz als Clones zu bezeichnen. AC/DC, Rose Tattoo, alte Krokus und stellenweise auch D.A.D. bilden die Basis des Sounds, gewürzt mit ordentlich Blues und dreckigem Rock ’n’ Roll, der ununterbrochen zum Mitwippen und Singen verleitet. Tom Schaupps Röhre ist wie geschaffen für diese Art Musik und man hat den Eindruck, sie wurde ihm auch wohl nur deswegen geschenkt. Immer wieder gibt er den Songs eine gewisse Dominanz, Rotz und Atmosphäre, dass man die Band quasi vor dem geistigen Auge in einem verrauchten Club sieht. Mit „Cold Rain“ ist diesmal sogar eine Art Groove-Ballade an Bord, die sicher Radiopotential bei einschlägigen Sendern haben wird. Von den zehn auf der Platte vertretenen Songs ist kein einziger als Ausfall zu bezeichnen, was eigentlich schon eine starke Leistung ist. Rocker, die nach vorne gehen, wovon die angesprochene schöne Abwechslung „Cold Rain“, das stampfende Titelstück „Lawbreaker“ und das mit einem an „Princess Of The Dawn“ erinnernden Riff beginnende „Going Down“ vielleicht noch gesondert herausragen. Ein Album, erdig und druckvoll produziert, welches Spaß macht, nicht nur mit einem Glas Whiskey in der Hand, sondern auch einfach nur mal zum Durchatmen nach einem stressigen Tag. Man darf gespannt sein, wie es mit dem Quartett weitergeht, eins steht aber fest, mit diesem „Hallelujah“ kann es nur eine Richtung sein.
Uwe Pilger


Axxis
„Monster Hero“
Phonotraxx/Soulfood

Ende der Achtzigerjahre erschien das Debütalbum „Kingdom Of The Night“ der westfälischen Hardrock-Band Axxis. Es setzte für damalige Verhältnisse Maßstäbe und ist bis heute eine der erfolgreichsten Platten deutscher Hard & Heavy-Gruppen. Auch die beiden Nachfolger „II“ sowie die Live-Scheibe „Access All Areas“ der Truppe um Bernhard Weiß verkauften sich prächtig und katapultierten Axxis weit nach oben in die Charts. Später wurde es zwar etwas ruhiger, allerdings war die Band nie völlig weg vom Fenster und man veröffentlichte bis heute fleißig weiter viele gute, aber zugegebenermaßen auch ein paar weniger gute Sachen. Jetzt, fast 30 Jahre nach dem Erstling, erschien mit „Monster Hero“ Studioalbum Nummer 15, das musikalisch wieder an die erfolgreichste Phase der Gruppe aus Lünen anknüpfen kann. Die Markenzeichen sind immer noch die unverwechselbare, hohe Stimme des Frontmanns sowie das Gespür für eingängige Melodien, die sich unaufhaltsam in die Gehörgänge fräsen. Hinzu kommt eine gute Portion Abwechslung in Sachen Geschwindigkeit beziehungsweise Härtegrad. Da sind Metal-Hymnen im Midtempo wie der eröffnende Titelsong, „Rock Is My Religion“ oder „Make Me Fight“, aber auch treibende Double-Bass-Nummern wie „Glory Of The Brave“ oder „The Tragedy Of Mr. Smith“. Etwas gemächlicher geht es dann bei „Love Is Gonna Get You Killed“ zu Werke, doch stehen weiterhin groovige Melodie-Monster wie „Give Me Good Times“ im Vordergrund. Trotz der manchmal kritischen und düsteren Texte versprüht das gesamte Album eine Menge Spaß, was durch das tolle Cover mit dem Terminator-Skelett im feinen Anzug untermauert wird. Axxis schaffen es spielend, die Leichtigkeit der 80er in die Gegenwart zu transportieren und beweisen mit „Monster Hero“, dass man mit dieser sympathischen Band immer rechnen muss. Ein Monster-Album!
Peter Hollecker


Greta Van Fleet
„Anthem Of The Peaceful Army“
Republic/Universal

Viele Newcomer sind ja heute retro ohne Ende, orientieren sich vorwiegend am Sound der 70er Jahre, im Metal-Bereich dürfen es auch gern mal die 80er sein. Nur: Der Erfolg lässt meist zu wünschen übrig, auch wird diese Art von Mucke nicht bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gespielt, weil man dort immer noch ein falsches Bild der Hausfrau von heute hat. Auch die großen Plattenfirmen machen einen großen Bogen um solche Veröffentlichungen; meist sind es die kleinen Indie-Firmen, die solchen Künstlern eine Chance geben.
Aber ab und zu gibt es ein kleines Wunder! Da gründen blutjunge Teenager eine Band, die gnadenlos von den 70er Jahren und speziell von Led Zeppelin inspiriert ist. Und nach einer Weile und zwei EPs spielt man „From The Fires“ ein, das acht Tracks enthält und deswegen von manchen ebenfalls als EP bezeichnet wird, was ich in der Form nicht nachvollziehen kann. Aber egal! So weit haben es schon viele Bands gebracht. Im Proberaum ein bisschen spielen und dabei eigene Songs komponieren, die man auch gern aufnimmt. Nur meistens sind das Eigenproduktionen, und wenn es doch mal für eine reguläre Veröffentlichung bei einem Label reicht, dann – da bin ich mal zynisch – sucht man das Teil im stationären Handel wegen Facharbeitermangel meist vergeblich. Das Besondere an Greta Van Fleet ist allerdings, das sie bereits mit ihrem Debüt mächtig für Furore sorgten, meist durch Mund-zu-Mund-Propaganda, denn Plattenbesprechungen gab es kaum. Auch wir wurden mir der Scheibe nicht bemustert, trotzdem habe ich damals eine Review geschrieben. Gilt übrigens auch jetzt für den zweiten Streich „Anthem Of The Peaceful Army“. Bin selbst durch einen Video-Clip über die Band gestolpert und war sofort begeistert. In Heidelberg waren die Verkaufszahlen dann plötzlich sehr hoch, aber ein paar Live-Aktivitäten wie etwa bei Rock am Ring haben sicherlich auch Auftrieb gegeben. Und jetzt steht der neue Streich an! Und der ist klasse, das schon mal vorweg. Auch abwechslungsreicher und experimentierfreudiger als auf „From The Fires“, wobei bei Letzterem noch mehr gehen könnte. Die großen Vorbilder Led Zeppelin haben da ihre Möglichkeiten besser ausgereizt, wobei es sich ja da um vier richtige Ausnahmemusiker handelt, von denen heute jeder eine Ikone ist. Eine fette Überraschung ist gleich der Opener „Age Of Man“, denn der lässt es nämlich nicht krachen, sondern ist eher ein gediegener und erdiger Bluesrocker. Da hätte ich doch persönlich mit „When The Curtain Falls“ gerechnet, zu dem es einen Video-Clip gibt und der sehr kräftig die Vorliebe zu Led Zeppelin zeigt. Musikalisch und auch vom Gesang her, denn Josh Kiszka klingt immer noch wie ein junger Robert Plant, obwohl der natürlich nicht zu toppen ist. „Watching Over“ war auch schon vor Veröffentlichung des Albums bekannt, geht aber relaxter an die Sache ran, obwohl er auch gut rockt. Einer meiner Faves ist ganz klar „Lover, Leaver (Taker, Believer)“, bei dem sich die Musiker ein bisschen austoben dürfen. Die Rhythmus-Fraktion eifert ihren Vorbildern nach ... und wenn ich mir das zweite Album von Led Zep so betrachte, dann soll wohl diese Nummer Greta Van Fleets klitzekleines „Whole Lotta Love“ sein. Auch ruhigere Töne kommen geballt auf einen zu! „You’re The One“. „The New Day“ und „Anthem“ sorgen für Abwechslung und sind einfach gut. Für die aussterbende Generation der Altrocker ist Greta Van Fleet Pflicht, für alle anderen DER Geheimtipp! Letzteres stimmt allerdings wohl nicht mehr, denn das Teil geht momentan ab wie eine Rakete! Platz 3 in den Staaten und in Deutschland! Top Ten in Österreich und in der Schweiz ... Wow! Das ist der Hammer! Gönne es den Jungs vom Herzen, hat allerdings den Nachteil, dass ich Greta Van Fleet wohl kaum in einem Club in Mannheim live genießen werde. Shit happens!
Chris Glaub



Hammer King
„Poseidon Will Carry Us Home“
Cruz del Sur/Soulfood

Warum „Poseidon Will Carry Us Home“, die dritte Veröffentlichung der traditionellen Power-Metaller aus Kaiserslautern, ein grandioses Album ist, lässt sich leicht erklären: Man spürt zu jeder Sekunde, dass die Band mit viel Herzblut und Idealismus bei der Sache ist, ohne nach Trends zu schielen gnadenlos ihr Ding durchzieht, sich ihre Inspiration bei den großen Bands holt, ohne diese abzukupfern, alle gängigen Heavy Metal-Klischees bravourös und unpeinlich bedient und sich vor allem selbst nicht zu ernst nimmt: „Where The Hammer Hangs“ oder „Glorious Nights Of Glory“ … Köstlich, alleine für diese Songtitel geht der True Metal-Preis nach Kaiserslautern. Mal ernsthaft, Leute: wir sind ständig auf der Suche nach dem nächsten großen Ding im Heavy Metal, schielen dabei hauptsächlich in die USA und nach Skandinavien (oder stürzen uns auf die Hypes der Plattenfirmen) – warum eigentlich, wenn wir doch eine fantastische Band wie Hammer King direkt vor der Haustür haben? „Poseidon Will Carry Us Home“ hat alles, was man heutzutage von einem traditionellen Heavy Metal-Album erwartet. Natürlich könnten die ewigen Miesepeter nun anmerken, dass man das alles schon mal in der einen oder anderen Form irgendwo gehört hat, und dass Hammer King ihre Kompositionen auf eine klar umrissene Zielgruppe zurechtschneidern. Das mag zwar alles zutreffen, trotzdem hat „Poseidon Will Carry Us Home“ nichts mit zielgruppenorientiertem Reißbrettmetal zu tun. Hammer King sind authentisch und im besten Sinne true, ohne auf Teufel komm raus jedem gefallen zu wollen; und genau das macht „Poseidon Will Carry Us Home“ zu einem Volltreffer. Wer das nicht glauben will, sollte sich schleunigst das hymnische Eröffnungsdoppel „Poseidon Will Carry Us Home“ und „The King Is A Deadly Machine“ reinpfeifen, und sich anschließend vom Hammer King persönlich das entrückt-seelige Grinsen aus der Visage meißeln lassen.
Jens Gellner


Kane Roberts
„The New Normal“
Frontiers/Soulfood

Zugegeben. Das von Desmond Child, Diane Warren, Jon Bon Jovi und Richie Sambora geschriebene „Does Anybody Really Fall In Love Anymore“ vom zweiten Kane Roberts-Album „Saints And Sinners“ ist einer der großen Hard ’n’ Heavy-Überhits überhaupt – auch wenn es vorher bereits eine Version von Cher gab. Alle bisherigen (drei) Studioalben des ehemaligen Alice Cooper-Gitarristen (inklusive des Phoenix Down-Projekts und der „Unsung Radio“-Demos) waren stark. Die ersten beiden sind vor ein paar Jahren übrigens von Yesterrock wiederveröffentlicht worden … „Saints And Sinners“ gar mit einer Bonus-CD ... Und dennoch taucht Roberts alle Jahre wieder auf und wieder ab, um wieder zu verschwinden. Ob sich das mit dem neuen Album „The New Normal“ ändern wird? Zu wünschen wäre es! Das lange angekündigte und immer wieder verschobene Werk ist da und beinhaltet Ohrwürmer und Hymnen en masse. Allerdings … wer eine freie Fortsetzung von „Saints And Sinners“ erwartet, wird überrascht. Das wunderschöne „Forever Out Of Place“ hätte auch auf einem Nickelback-Album landen können. „Beginning Of The End“ ist eine souveräne Nu Metal-Hymne (…) mit einer singenden UND growlenden Alissa White-Gluz (Arch Enemy) sowie Alice Cooper am Mikro und dem wie aufgedreht aufspielenden Babymetal-Drummer (…) Aoyama Hideki. Im fesselnden Albumopener „Above & Beyond“ trifft sich Kane mit seinen alten Alice Cooper Band-Kumpels Kip Winger (dieser Basslauf und diese herrlich locker-flockigen backing vocals …), Ken Mary und Paul Taylor und kommt mit einem Megaohrwurm um die Ecke. Das mächtige „Wrong“ bleibt ebenso haften wie das akustisch-mächtige „Who We Are“, wo Roberts teilweise wie Ricky Warwick klingt, oder aber das treibende „Leave This World Behind“ und das von Halestorm’s Lzzy Hale mitgeschriebene „The Lion’s Share“. Man merkt, dass Roberts bei keinem der zehn Stücke auf „The New Normal“ die kreative Messlatte locker lässt und dass er sich hörbar Mühe gab, ein durchdachtes, fesselndes Gesamtwerk abzuliefern. Dieses Comeback um einen gesanglich stark verbesserten Protagonisten ist gelungen!

Nikolas Krofta

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