Hier haben wir eine Auswahl der besten Platten des Monats für Euch getroffen! Natürlich ist die Sache ein wenig subjektiv. Allerdings haben wir darauf geachtet, daß verschiedene Redakteure zum Zuge kommen!



In Extremo
„Quid Pro Quo“
Vertigo/Universal

Wurde letztes Jahr noch das 20-jährige Bühnenjubiläum der Mittelalter-Rocker von In Extremo lang und laut gefeiert, legen die sieben Musiker nun ihr neues Studioeisen vor. Ich benutze bei „Quid Pro Quo“ bewußt den Begriff Eisen, denn der Härtegrad wurde im Vergleich zum drei Jahre alten Vorgänger „Kunstraub“ deutlich nach oben geschraubt. Ist der Opener „Störtebeker“ noch musikalisch typisch InEx, nur halt mit einem maritimen „Santiano-Text“ ausgestattet, schlagen dann „Roter Stern“ (eine Liebeserklärung an Rußland und mit Blind Guardian-Sänger Hansi Kürsch als Gast!) und der Titelsong sehr metallische Klänge an. Hier stehen die Elektrischen Riffgewitter klar im Vordergrund und drängen die mittelalterlichen Instrumente etwas nach hinten. Außerdem überrascht letztgenanntes Lied mit einem politischen und kritischen Text, was ja bei den Spielleuten auch nicht an der Tagesordnung ist. Den Härtevogel schießt der „Flaschenteufel“ ab, so was hat man von In Extremo noch nicht gehört, Metal pur mit düsterem Touch, aggressiven Growls und Screams sowie Mithilfe der Band Heaven Shall Burn. Ebenfalls sehr überraschend das in russischer Sprache gesungene „Dacw ’Nghariad“, das sich zunächst logischerweise ungewöhnlich anhört, aber sehr gut zum Stil paßt. Hier ist ein echter Kosakenchor zu hören, was dem Stück Authentizität verleiht. Gewohntes gibt es selbstredend auch zu hören, so steht das in Latein gesungene „Pikse Palve“ ganz in der Tradition der beliebten Zaubersprüche. Ein kommender Live-Dauerbrenner und heißer Anwärter auf reichlich Airplay verspricht der „Moonshiner“ zu werden, an dem ich mich gar nicht satthören kann und bei dem vom ersten Ton an klar ist, welche Band hier aufspielt. Nach dem ebenfalls in Russisch gesungenen, jedoch in Deutsch mit „Schwarzer Rabe“ betitelten Song wird das Ende erneut recht düster und schleppend eingeleitet, das jedoch erst mit dem überaus positiven und eingängigem Schunkelstück „Sternhagelvoll“ stilgerecht besiegelt wird. Alles in allem ein sehr starkes und hartes Album, das die Vorfreude auf die ausgedehnte Tour im Sommer schürt!
Peter Hollecker


And Then She Came
„And Then She Came“
DME Music/Audiobuy

Kennt noch irgend jemand von Euch die Band Krypteria? Die hatten 2004 mit „Liberatio“ einen Achtungserfolg, denn RTL benutzte das Stück als Hintergrundsong für den Spendenaufruf zur damaligen Flutkatastrophe. Doch der Erfolg währte nicht lange, und schon seit längerem liegt die Combo auf Eis. Jetzt kommt mit And Then She Came so eine Art Nachfolge von Krypteria, denn mit der aus Korea stammenden Sängerin Ji-In Cho, Gitarrist Olli Singer, Basser Frank Stumvoll und Drummer S.C. Kuschnerus sind vier Fünftel von Krypteria auch hier mit dabei. Fehlt also nur Chris Siemons. Die Musik läßt sich allerdings nicht miteinander zu vergleichen. Waren Krypteria eher im symphonischen, cineastischen Metal beziehungsweise Hard Rock unterwegs, klingen ATSC moderner, härter und dank einiger Experimente auch vielseitiger. Das Spektrum reicht von düsteren Electrosounds inklusive Growls wie im Opener „Five Billions Lies“ (feat. Alissa White-Gluz von Arch Enemy), über die Pianoballade „I Carry On“ bis hin zu Dark Wave-Klängen („Who’s Gonna Save You“). Besonders hervorheben möchte ich das Stück „Public Enemy #1“, bei dem der Gesang Chos frappierend an Nina Hagen erinnert, auch der Stil dieses Stücks würde gut zu der Ikone passen, denn der Text wird in gleich drei verschiedenen Sprachen gesungen. Das düstere, mich an den Film „Pan’s Labyrinth“ erinnernde Cover paßt sehr gut zu diesen vielschichtigen Klängen, die jedoch nicht jedermanns Geschmack treffen werden. Dazu ist die Scheibe einfach nicht kommerziell genug und insgesamt zu speziell. Wer jedoch offene Ohren für das Außergewöhnliche hat und auch vor elektronischen Sounds nicht zurückschreckt, sollte ruhig mal in diese interessante Scheibe reinhören. Es gibt viel zu entdecken, weshalb sich auch die Proggies unter euch angesprochen fühlen dürfen.
Peter Hollecker


Rob Zombie
„The Electric Warlock Acid Witch Satanic Orgy Dispenser“
T-Boy Records/Universal

Rob Zombie, der Horror- & Hexen-Meister des Industrial- & Electronic Shock-Metal meldet sich mit seinem sechsten Solo-Studioalbum eindrucksvoll zurück. Einen komplizierteren, nicht jugendfreien Titel hätte er mit „The Electric Warlock Acid Witch Satanic Orgy Dispenser“ (Übersetzung: „Der elektrische, satanische Hexen-Säure-Orgien-Spender-Zauberer“ für nicht englisch-mächtige Anhänger) kaum wählen können. Das CD-Heft wurde von keinem geringeren Künstler als Alex Horley gestaltet. Die Illustration in dessen Mittelteil ist hammerhart …Es gibt wohl kaum einen anderen Musiker, der zugleich ebenso ikonischer Horrorfilm-Regisseur ist. Dieser Tage erscheint auch sein neues Film-Opus „31“.
Düstere Orgel-Klänge leiten den ersten Titel „The Last Of The Demons Defeated“ ein, bevor Ausnahme-Schlagzeuger Ginger Fish mit mächtigem Trommelwirbel zusammen mit Bassist Piggy D Meister Zombie wie beim Feldherren-Einzug in Rom intrudiert. Dessen schauderhaft-schönes Stimm-Organ gleicht an explosiver Stärke dann einem gewaltigen Vulkanausbruch des Ätna. Beim folgenden „Satanic Cyanide! The Killer Rocks On!“ frönt RZ auch seiner Liebe zum klassischen Doom Metal. Der Herr des Sechssaiters John 5 imponiert dabei auch als Virtuoso an der klassischen Akustik-Gitarre mit spanischen Flamenco-Klängen. „Well, Everybody’s Fucking In A U.F.O.“ als vierter Track gleicht vom elektronischen Musikstil einer metallischen Klang-Orgie mit modernem RAP-Gesang. Definitiv Mamis neuer Lieblingstitel zum Frühstück & wach werden, hihi … „In The Age Of The Consegrated Vampire We All Get High” wird bei jeder Live-Konzert-Präsentation definitiv zum Liebling der Tänzer im Moshpit. „Get Your Boots On! That’s The End Of Rock And Roll” wird zum groovenden Höhepunkt der CD, bei der J5 mit seinen herausragenden Shred-Zelebrationen glänzt. Zum großen Finale wird Rob zum modernen, musikalischen Gräuelmärchenonkel bei „Wurdalak“ mit schauderhaften Gesangs-Explosionen und klassischen Piano-Zaubereien im Mittelteil, wie bei „Alice im Wunderland“. Der Orgien-Spender ist eben immer für eine Überraschung gut. Passend dazu die kinderhafte, zuckersüße Mäuschen-Zeichnung auf dem letzten Blatt des CD-Heftes. Die CD hat zwar 12 Titel, wie eine normale CD, gleicht aber eher einer EP mit nur 31,23 Minuten Spielzeit. Das hätten schon ein paar Liedchen mehr sein dürfen. Für Musik-Fans dieses Genres und Anhänger von Rob ein absolutes Muß. Bei dem genialen musikalischen Rhythmus-Strom spielt man die CD eben in Dauer-Rotation, haha … Rob Zombie ist einfach Kult!
Markus Hagner


The Amorettes
„White Hot Heat“
Off Yer Rocka/Cargo

Hart rockende Frauen sind spätestens seit unserer Metal-Queen Doro Pesch komplett normal im Rockzirkus. Rockbands, die ausschließlich aus Frauen bestehen, gibt es spätestens seit den Runaways und Girlschool. Dieser Tage machen Bands wie Crucified Barbara die Rockbühnen der Welt unsicher, aber auch das Dreier-Gespann The Amorettes. Letztens legte die Band mit dem Album „Game On“ bereits ein Debüt nach Maß vor, und ich attestierte dieser Band bereits damals, daß ihnen eine große Zukunft vorbestimmt ist, wenn sie denn am Ball bleiben. Erfolgreiche Tourneen mit Bands wie Black Star Riders oder Europe unterstrichen diese These nur noch. Dieser Tage legen die drei Mädels nun das zweite Album „White Hot Heat“ vor, und ich bleibe nach wie vor bei meiner Aussage. Warum? Hier rocken die Mädels nach Lust und Laune. Die Songs gehen gleich ins Ohr und ins Bein. Hier haben wie eine perfekte Scheibe für zünftige Rock-Parties. Erinnerte das erste Album vom Stil her beinahe an Bands wie Mötley Crüe, so tendiert dieses Album stilistisch gesehen eher in Richtung Motörhead. Hier ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, den ich anbringen kann: Ein wenig mehr Eigenständigkeit fehlt. Klar, das Rad kann man gerade im Rock-Bereich nicht neu erfinden, aber da die Konkurrenz bei All-Female-Bands auch immer größer wird, müssen The Amorettes einen Weg finden, sich von der Masse abzuheben. Ansonsten großes Kino!
Pat St. James


Q5
„New World Order“
Frontiers/Soulfood

Diese Truppe aus Seattle wurde Anfang der Achtziger aus Mitgliedern der beiden Bands The C.O.R.E. und TKO zusammengewürfelt. Q5 waren geboren und überzeugten mit ihrem 1984 erschienenen Debütalbum „Steel The Light“ auf ganzer Linie. Nach so einem Einstieg setzten die Jungs eine lautstarke Duftmarke in der Rockszene und ließen nur ein Jahr später mit „When The Mirror Cracks“ den nächsten Hammer vom Stapel. Die Musiker aus der späteren Grunge-Hochburg schwammen plötzlich ganz oben auf, doch Anfang der Neunziger führten die berühmt berüchtigten persönlichen Differenzen leider dazu, daß irgendwie gar nichts mehr ging und die Band sich schließlich auflöste. Die damaligen weiteren musikalischen Gehversuche von Sänger/Gitarrist Jonathan K. und Gitarrist Rick Pierce mit ihrer neuen Band Nightshade kamen trotz weiterer Veröffentlichungen über einen Achtungserfolg leider nicht mehr hinaus. 2009 folgte ein erstes Comeback beim Headbangers Open Air Festival, bei dem die Jungs wieder Blut geleckt hatten. Vor zwei Jahren beim Sweden Rock Festival ließen sich Q5 erneut feiern und endgültig zu ihrem jetzigen Comeback inspirieren. Nun stellen sie mit „New World Order“ ein neues Studioalbum vor und atmen damit die zweite oder dritte Luft ihrer Karriere. Um es gleich vorweg zu nehmen, hier wird ordentlich gerockt, ganz im Stile von AC/DC oder Krokus, und sicherlich wäre Sänger Jonathan K. ebenfalls eine ebenbürtige stimmliche Alternative für Brian Johnson gewesen. Der Opener „We Came Here To Rock“ ist die treffende Überschrift über die insgesamt vierzehn Songs. Q5 beweisen mit Krachern wie „One Night In Hellas“, der verdammt an Saxon erinnert, oder aber dem Titelsong, daß sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. „Tear Up The Night“ und „Halfway To Hell“ stehen dem in nichts nach. Das schwerfällige „A Prisoner Of Mind“ sorgt für eine kurze Verschnaufpause, während sich das eingängig melodische „Just One Kiss“ als echter Radiohit entpuppt. „A Warrior’s Song“ erinnert nicht nur wegen des Titels ein kleines bißchen an Manowar. Wie war das noch einmal? Totgesagte leben eben doch am längsten.

Thomas Klaner


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