Bereits letztes Jahr im Sommer war zu vernehmen, daß sein Sohn Jack an einem Film über seinen berühmten Vater arbeitet. Dieser Film ist jetzt im Kasten und hört auf den Namen „God Bless Ozzy Osbourne“. Jacks Ansatz für diesen Film war, den Menschen John Michael Osbourne zu zeigen und ihn deutlich von der Bühnenperson „Ozzy“ abzuheben. Wir sehen nur den Ozzy 90 Minuten während der Show. Hier geht es darum, was die restlichen 22.5 Stunden während einer Tour abgeht. Es kommen allerhand Weggefährten zu Wort. Auch Paul McCartney, welcher sich zu Black Sabbath äußert!
Jack, was hat dein Vater gesagt, als du ihm erzählt hast, daß du sein Idol Paul McCartney zu einem Interview für die DVD bewegen konntest?
„Es hat ihn richtig umgehauen! Das ursprüngliche Interview ist ja länger. Ich habe ihm dann eine CD mit dem 45-minütigen Interview gemacht und vorgespielt. Es war ihm so unangenehm, sein Kindheitsidol über ihn sprechen zu sehen!“
Daß du Paul McCartney gewinnen konntest, hat Ozzy ja bereits im letzten Break Out-Interview gesagt. Warum hast du mit der Überraschung nicht gewartet, bis der Film im Kasten ist?
„Das hatte ich eigentlich sogar vor. Aber ich arbeitete seit dreieinhalb Jahren an dem Film, und er fragte immer schon 'Na, wie sieht's aus?' Und ich wollte nicht, daß das Ganze zu einem Running Gag à la 'Chinese Democracy' wird. Also mußte ich ihm zeigen, was wir hier machen und das es was ganz Besonderes wird. Er war echt gerührt!“
Seine Zeit bei Black Sabbath wird am Anfang ausführlich behandelt. Ich glaube, es gab in der Zeit fast keinen Augenblick, an dem Ozzy nüchtern war. Er hat nahezu alles genommen. Einmal betätigte er im benebelten Zustand aus Versehen den Notrufschalter im damaligen Aufnahmestudio, und kurze Zeit später klingelte es an der Tür. Ozzy dachte natürlich, es wäre die Polizei und bekam Schiß. Hatte man sich doch gerade einen frischen Vorrat Koks zugelegt und mußte es natürlich nun verstecken. Und wie macht man das in Ozzy-Manier? Klar, man zieht es ganz schnell durch. Das war rückblickend der schlimmste Rausch, den Ozzy je hatte, und er lag völlig hinüber am Boden. Irgendwie schaffte es die Band aber immer, trotz der abenteuerlichsten Zwischenfälle, im Studio eine großartige Leistung zu vollbringen. So entstanden die Klassiker „Black Sabbath“, „Paranoid“, „Master Of Reality“, „Vol. 4“ und „Sabbath Bloody Sabbath“. An diesem Punkt begann die Kreativität der Band langsam zu schwinden und man überlegte, wie es weitergehen sollte. Das letzte Black Sabbath-Album mit Ozzy wurde dann „Never Say Die“, welches Ozzy selber richtig beschissen findet und es nicht mehr hören kann!
Jack, du hast gesagt, daß YouTube eine besondere Fundgrube für all das verwendete Archivmaterial war. Einiges davon war nicht einmal mehr in euren Archiven als Mastertape vorhanden. Woher, glaubst du, haben die Fans all das Material, insbesondere aus den 80ern?
„Ich weiß auch nicht, wo die Leute das her haben. Wenn wir versucht haben, sie anzuschreiben, bekamen wir oft nicht mal eine Antwort. Wahrscheinlich aus Angst vor uns, oder sie dachten, wir machen Witze. Es ist seltsam, wenn du heute irgendetwas suchst, gehe einfach ins Internet.“

Der Start seiner Solokarriere wird sehr ausführlich erzählt. Der damaliger Manager war Don Arden, der Vater von Sharon Arden, der späteren Sharon Osbourne. Bei CBS rechnete man sich mit ihm wenig Chancen aus. Er hatte kein Geld und keine Band und fing noch einmal von vorne an. Die einzige, die an ihn glaubte, war Sharon Arden. Ozzy veranstaltete zu Beginn seiner Solokarriere Vorspielsessions, um einen Gitarristen zu finden. Ein junger, unscheinbarer Mann betrat den Raum, und nach ein paar Akkorden stand allen der Mund offen. Ozzy war sofort von seinem Talent begeistert, und Randy hatte somit den Job. Rhoads hatte ein Fable für klassische Musik und studierte diese auch. Das merkt man seinen Gitarrensoli auch an. Durch seine Fingerfertigkeit wurden Nummern wie „Crazy Train“ und „Mr. Crowley“ erst zu Klassikern und Meilensteinen der Rockmusik. Er und Ozzy verstanden sich bestens und redeten viel über Musik und Arrangements. So nahm seine Band und die Aufnahmen zum Solodebüt „Blizzard Of Ozz“ langsam Form an. Um zu besprechen, wie es weitergehen sollte, wurde bei seiner damaligen Plattenfirma ein Meeting einberufen. Ozzy hatte absolut keinen Bock darauf, und um alles etwas aufzulockern, besorgte Sharon zwei weiße Tauben, die im Käfig auf dem Tisch standen. Ozzy hatte natürlich wieder mal keinen klaren Kopf und kam auf die Idee, eine Taube herauszunehmen und biß ihr den Kopf ab! Das war natürlich nicht geplant und eine Vertreterin der Company fiel glatt in Ohnmacht. Vielen ist nicht bekannt, daß dies der Vorläufer zu der wohl bekanntesten Ozzy-Story war. Diese wird ihn noch bis ans Ende seines Lebens verfolgen…: 20. Januar 1982, Ozzy war gerade mit „Diary Of A Madman“ auf Tour. Gegen Ende der Shows wurde es zumeist eklig, denn der Madman warf Fleischreste in die Menge. Das Publikum brachte im Gegenzug selber Material zum Fleisch-Bombardement mit. Nachdem außerdem eine Geschichte die Runde machte, Ozzy habe während eines Treffens mit seiner Plattenfirma einer Taube den Kopf abgebissen, brachten Fans auch kleine Tiere zu den Shows – in Des Moines eben eine Fledermaus, die im Scheinwerferlicht vor Angst reglos auf der Bühnen liegen blieb. Ozzy machte also den Show-Mann und biß rein. Das Ende der Geschichte ist bekannt: die Fledermaus fing an zu zappeln und zu bluten, Ozzy wurde ins Krankenhaus gebracht und gegen Tollwut geimpft. Die Geschichte ging in die dunklen Rock-Mythen ein!
Text: Marcel Suck
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