RAMMSTEIN: Bizarre Rockshow – Tatort: Frankfurt Festhalle

Kurz vor 20 Uhr ist noch eine riesige Menschentraube vor der Festhalle in Frankfurt versammelt, so daß sich der Einlaß endlos hinzieht und zur Folge hat, daß ich von dem mir bis dato unbekannten Support Act Combichrist gerade noch ein paar Songs mitbekomme. Das Industrial-Gebräu, das mich ein wenig an The Prodigy erinnert, ist nicht schlecht, die Action auf der Bühne geht auch in Ordnung, aber auf Dauer ist es doch ein wenig langweilig. Egal, die Jungs haben sich achtbar aus der Affäre gezogen…hätte auch schlimmer kommen können! Ich erinnere mich immer noch mit Grausen an den Techno-DJ, den Rammstein mal als Gast dabei hatten.
Licht aus, Spot an! Paul und Richard prügeln sich ihren Weg auf die Bühne förmlich frei, während Till das wesentlich eleganter mit dem Schneidbrenner erledigt. „Rammlied“ ist natürlich der Opener, und Tills Outfit mit roter Metzgerschürze ist extrem skurril und schräg. Hinzu kommt noch sein von innen beleuchteter Mund, bedingt durch ein Lämpchen, das durch seine Wange gezogen wurde. Allerdings ist der Sound total matschig; auch wenn er später einen kleinen Tick besser wird, das ist bei Eintrittspreisen von 75 Euro unter aller Sau! Während die Konzerte in München und Stuttgart extrem laut gewesen sein sollen, konnte hier jeder auf Ohrstöpsel verzichten… ein paar Dezibel mehr hätten Sinn gemacht! Dies hat sich nämlich alles auf die Stimmung im Publikum ausgewirkt, das noch sehr verhalten reagiert. „B******“, „Waidmanns Heil“ mit superben Pyro-Effekten und „Keine Lust“ folgen, aber erst beim Klassiker „Weißes Fleisch“ taut die Menge erstmals auf. Und Flake tanzt mal wieder im Glitzerkostüm zu den Techno-Beats… was natürlich saugut ankommt! Oder als er auf dem Laufband sein Bestes gibt oder mit Till agiert, das lockert alles auf und macht richtig Spaß. Bei „Feuer Frei“ ist ganz klar Pyromanie pur angesagt, während das düstere „Wiener Blut“ mit geilen Showelementen untermalt ist, unter anderem fallen plötzlich lauter Säuglingspuppen von der Decke aus deren Augen Laserstrahlen schießen. Angenehm überrascht bin ich bei der Paris- und Edith Piaf-Hommage „Frühling In Paris“, denn dies ist bis dato der Song von „Liebe Ist Für Alle Da“, der vom Publikum am besten aufgenommen wird… hat er aber auch verdient! Auch „Ich Tue Dir Weh“ mit Spezialtext für Frankfurt wird gefeiert, weil sich da wohl der Großteil des Publikums solidarisch gegen den Indizierungsquatsch zeigt.

Text: Chris Glaub
Pics: Eva Bubek-Louis



 



   

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