In der griechischen Mythologie stellt der Fluß Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Hades, dem Totenreich dar. Ganz und gar lebendig sind die US-Veteranen von Styx, die derzeit mal wieder fleißig die Livefront beackern. On tour geben die Herrschaften normalerweise keine Interviews, doch als einzigem deutschen Magazin machte man fürs Break Out angesichts des Releases von „Regeneration Volume Volume I & II“ eine Ausnahme.
Ricky Pillips erzählt: „Dieses Jahr sind wir nicht nur in den Staaten live viel unterwegs gewesen und touren aktuell ja noch. Im Sommer kamen wir für etliche Shows mit Foreigner und Journey nach Großbritannien, danach ging’s nach Schweden, daran schlossen sich Gigs in den USA an, einige zusammen mit Yes, wobei wir im Laufe von 2011 wohl in den meisten größeren Städten aufgetreten sind. Noch ein Wort zu den Festivals in Europa: Uns hat’s auch gestunken, daß wir zum Beispiel in Deutschland bei den Rock The Nation-Festivals nicht mit dabei sein konnten, denn das wäre das perfekte Publikum für uns gewesen, aber unglücklicherweise haben sich diverse Touraktivitäten nicht unter einen Hut bringen lassen. Es ist ein Trugschluß zu glauben, du als Band könntest da ganz für dich alleine entscheiden. Das ganze ist ein Geschäft, dem es sich leider ab und an unterzuordnen gilt, wenn man Geld verdienen möchte, um seine Ausgaben tätigen zu können. Von daher unterscheiden wir uns nicht von anderen Arbeitnehmern. Ich hasse es, wenn in der Kunst das Geld dein Handeln bestimmt, aber hier ist das so gewesen.“
Auf „Regeneration“ arbeiten Styx ihre musikalische Vergangenheit mit Neueinspielungen von Bandklassikern auf; dazu kommen noch zwei Damn Yankees-Titel – immerhin wirkte Tommy Shaw auch bei der Truppe mit – sowie ein brandneues Stück. „Der Ursprung findet sich in unserer Suche nach den originalen Masterbändern, die wir für Soundtracks zu Spielen wie ’Rock Stars’ und andere benötigten. Und unser Manager kam dann auf den Einfall, ob wir die alten Sachen nicht noch mal einspielen wollen, um dann endlich adäquate Masterbänder zu besitzen. Im Studio haben wir dann versucht, uns ganz nah an den ursprünglichen Fassungen zu orientieren, ihnen aber gleichzeitig etwas vom dem Feeling zu geben, das Styx heute ausmacht. Immerhin hat sich die Gruppe ja gegenüber der damaligen Zeit schon verändert. Im Studio verselbstständigte sich das alles dann irgendwie, hatten jeder so viel Spaß an den Aufnahmen, daß immer mehr Tracks dazukamen, es für eine EP längst nicht mehr ausreichte. Deshalb entschieden wir uns dafür, noch eine EP folgen zu lassen, die nun beide als Doppel-CD bei euch rausgekommen sind. Dazu hatte Tommy dann den neuen Song ’Difference In The World’ geschrieben, der eigentlich überhaupt nicht für ’Regeneration’ vorgesehen war. Ich ermunterte ihn dann, das Ding doch mit draufzunehmen. Zwar unterscheidet sich die Nummer doch ein wenig von den anderen, doch liegt’s schon einige Jahre zurück, seit wir einen komplett neuen Studio-Output rausgebracht haben. Und so kann man ’Difference In The World’ durchaus auch als Symbol sehen, daß Styx in punkto Songwriting nach wie vor was zu bieten haben. Und Tommy hat dann meinem Vorschlag zugestimmt, der doch Sinn macht: Er ist einer der Sänger bei Styx, schreibt Stücke für die Band, also ist es mehr als gerechtfertigt, wenn auf einer Scheibe mit älteren Styx-Beiträgen auch ein neues Lied von ihm zu finden ist. Und selbst die Tracks von früher haben ja zur Gegenwart immer noch einen Bezug. Nimm als Beispiel nur mal ’Fooling Yourself’, es dreht sich um einen Jugendlichen, der zur Schule geht, die Probleme mit den Eltern und andere Schwierigkeiten auf dem Weg des Erwachsensein. Dann der Job, die Ehe, Kinder – und immer wieder geraten wir auf dem Weg an Kreuzungen, an denen wir eine bestimmte Richtung einschlagen, die dann über einen Teil unseres Lebens bestimmt. Das war so, als ’Fooling Yourself’ geschrieben wurde, ist mir, dir und allen anderen Menschen auch so passiert.“
Text: Marco Magin
Pic: Ash Newell
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