Slash

Streng geheim

Während die Rockwelt noch immer auf einer Welle der Euphorie wegen der Guns N’ Roses-Reunion schwimmt, hat sich Gitarrist Slash in den Tourpausen klammheimlich ins Studio verdrückt, um gemeinsam mit seinem Partner Myles Kennedy einen veritablen Nachfolger zum 2014 erschienenen Album „World On Fire“ aufzunehmen. Dieses liegt nun in Form von „Living The Dream“ vor und zeigt Slash wieder in Bestform. Ob die Reunion einen neuen kreativen Schub gegeben und damit Einfluss auf das Songwriting hatte und ob es bald auch neue Musik der L.A.-Legende geben wird, das alles konnte uns der Mann mit dem Zylinder nicht verraten, weil er zum Zeitpunkt des Interviews noch mit den Gunners unterwegs war. So mussten wir versuchen, seinem Sänger Myles Kennedy das eine oder andere Geheimnis zu entlocken.

„Ganz ehrlich, es stand immer außer Frage, ob es mit uns und den Conspirators weitergeht“, verrät uns der Sänger gleich zu Beginn des Gesprächs. „Slash und ich haben in den letzten Jahren viel darüber gesprochen und uns gefällt die Zusammenarbeit. Warum also damit aufhören?“

Vielleicht weil mit der Reunion von Guns N’ Roses eine Multi-Millionen-Dollar-Maschine in Gang geraten ist und die Prioritäten dadurch anders gesetzt werden könnten.
„Da könntet ihr recht haben. Von dem Standpunkt aus habe ich das noch gar nicht betrachtet“, lacht Myles. „Ich dachte, es geht hier nur um die Leidenschaft zur Musik. Nein, Spaß beiseite. Ich war, glaube ich, sogar einer der Ersten, die von der Reunion erfahren haben. Slash kam eines Tages auf mich zu und meinte, dass er sich mit Axl getroffen hatte. Ich dachte erst, es wäre ein Scherz, und meinte nur zu ihm, dass er nicht mit meinen Gefühlen spielen soll. Ich bin ein riesiger Fan von Guns N’ Roses und eine Reunion hat sich doch jeder Rockfan gewünscht.“

Doch wie alle nun wissen, war es kein Scherz.
„Ich habe Luftsprünge gemacht, als Slash mir versicherte, dass es kein Scherz ist“, erinnert sich Myles. „Das war die Nachricht des Jahrhunderts. Und für mich war das alles okay. Hey, ich habe kurz nach der Tour ja auch mit meinen Jungs von Alter Bridge ein neues Album aufgenommen und bin danach auf Tour gegangen. So ist das nun mal unter uns Musikern.“

Dennoch wäre es bestimmt schade gewesen, wenn Slash die Sache beendet hätte, oder?
„Nein, nicht wirklich“, zuckt Myles mit den Achseln. „Es war doch eine großartige Zeit, die wir erlebt hatten, und wir haben drei großartige Alben veröffentlicht. Wenn es jetzt wegen Guns N’ Roses vorbei gewesen wäre, dann wäre das für mich vollkommen okay gewesen. Wie gesagt, ich bin ein Fan der Band und auch ich habe mit Alter Bridge eine Gruppe am Start, die sich nicht wegen Erfolgslosigkeit beklagen kann. Alles wäre super. Aber, wie ich am Anfang ja erklärt hatte: Es stand nie zur Debatte.“

Wie Myles bereits erklärt hatte, war er nach der „World On Fire“-Tour mit Alter Bridge beschäftigt und hatte währenddessen auch an seinem ersten Soloalbum gewerkelt, das Anfang des Jahres erschien. Und Slash hatte nach der Tour ja auch genug um die Ohren. Wann findet man da die Zeit, gemeinsam an neuen Songs zu basteln?
„Ach, das mit dem Songwriting ist bei uns sehr simpel“, verrät uns der Sänger. „Slash kümmert sich komplett um die Musik. Mir überlässt er lediglich die Texte und das Finden der Gesangsmelodie. Warum sollte ich ihm auch in die Musik reinpfuschen? Es ist schließlich seine Band. Aber die ersten Songs sind tatsächlich bereits während der letzten Tour entstanden. Slash und ich saßen im Tourbus und haben ein wenig gejammt und experimentiert. Dabei sind ein paar großartige Ideen entstanden. Die haben wir kurz aufgenommen, aber gleich danach erst einmal wieder weggepackt. Wir wollten uns komplett auf die Tour konzentrieren. Slash hat zwischendurch dann immer wieder Musik zu mir geschickt und mich gefragt, wie ich das finde. Ich habe dann versucht, einige Texte dafür zu schreiben, und in den Tourpausen haben wir uns dann immer wieder getroffen, um die Songs auszuarbeiten.“

Für viele Fans kam die Mitteilung, dass es ein neues Album mit Slash with Myles Kennedy & The Conspirators geben wird, wahrscheinlich komplett überraschend.
„Ja, wir mussten wegen Guns N’ Roses viel geheim halten“, erzählt uns Myles etwas wehmütig. „Das war schon sehr hart, denn ich hätte gerne in die Welt hinausgeschrien, dass Guns N’ Roses wieder zusammen sind, weil ich ja weiß, dass eine Menge Fans darauf gewartet haben. Aber auch die Sache mit dem Album durfte nicht hinausposaunt werden. Slash hatte Axl und Duff wohl auch gleich zu Beginn vor vollendete Tatsachen gestellt und gesagt, dass er auch mit mir noch weitermachen will.“ Lachend fügt er hinzu: „Anscheinend habe ich den Segen von Axl erhalten, dass ich weitermachen darf.“

Aber die meisten Fans hätten wahrscheinlich eher mit einem neuen Album der Kult-Band gerechnet als mit einem weiteren Soloausflug von Slash.
„Ganz ehrlich, es hätte wohl auch Sinn gemacht“, antwortet Myles schnell. „Ich weiß auch, dass Slash mit Duff und Richard an neuem Material bastelt, aber das zieht sich wohl etwas hin. Wenn man mal bedenkt, dass Axl knapp fünfzehn Jahre gebraucht hat, um ‘Chinese Democracy’ zu veröffentlichen. Ich denke, so kann jedes Fan-Lager davon profitieren.“

In der Tat, denn Slash with Myles Kennedy & The Conspirators hat sich in all den Jahren sogar als perfekte Alternative erwiesen. Mit dieser Konstellation ist Slash stetig unterwegs gewesen und konnte auch pünktlich die Bühne betreten. Auch Myles’ Performance gemeinsam mit den Guns N’ Roses-Mitgliedern (und Ex-Mitgliedern) Slash, Duff McKagan, Gilby Clarke, Matt Sorum und Steven Adler bei deren Einführung in die Rock ’n’ Roll Hall of Fame gleicht beinahe einem Ritterschlag und bewies, dass viele Fans eher mit der bescheidenen, bodenständigen Art von Myles Kennedy klarkommen als mit den divenhaften Allüren des GnR-Fronters.
„Ihr dürft jetzt auch nicht so hart mit Axl ins Gericht gehen“, verteidigt Myles seinen Kollegen. „Er hat sich einen Ruf aufgebaut. Ob gut oder schlecht, muss jeder für sich entscheiden. Nichtsdestotrotz ist er einer der besten Sänger im Business und der geborene Rockstar. Ich nehme mich da gerne etwas zurück. Der Erfolg gibt ihm ja Recht.“

Doch ganz so bescheiden braucht Myles Kennedy nicht sein, denn schließlich ist auch er Dauergast in den weltweiten Charts. Sei es mit seiner Stammband Alter Bridge oder seinem Soloalbum oder eben mit Slash.
„Ja, ich habe ein wenig Glück gehabt in den letzten Jahren“, gibt sich Myles weiter bescheiden. „Nein, mal ehrlich. Ich bin sehr dankbar über diese Erfolge. Und ich nehme das auch nicht als selbstverständlich hin.“
Text: Pat St. James
Pic by Gene Kirkland

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