Quartz

Alles echt

Daß eine Band wie Quartz heute im Underground operiert und auch sonst nie wirklich groß war, ist ein Unding. 1977 wurde ihr Debüt von Tony Iommi produziert, man war mit AC/DC und Black Sabbath auf Tour und hatte bei der Firma Jet nicht den schlechtesten Deal. Auch das zweite Album erschien 1980 bei einem Major (MCA). Sie waren perfekt für die anrollende NWOBHM, doch 1983 war im Grunde Schluß. Über die Jahre wurde man wenigstens zum Kult ernannt und posthum zu Recht in die NWOBHM gesteckt. Um so erstaunlicher dann die Reunion, die neben Wiederveröffentlichungen nun ein neues Album hervorgebracht hat – inklusive des wohl prominentesten Mitglieds: Geof Nicholls, der bekanntlich jahrelang bei Black Sabbath für die Keyboards verantwortlich war.
Drummer Malcolm Cope, wohl aktuell einer der ältesten aktiven Hardrock-/Metaldrummer, ist bei bester Laune:
„Wir haben all die Reunion-Shows sehr genossen, auch wenn wir nach all den Jahren unser Selbstvertrauen erst mal wieder auffrischen mußten. Immerhin spürten wir eine gewisse Erwartungshaltung, und noch dazu teilten wir die Bühne mit einigen namhaften Acts.“
Gitarrist Mick Hopkins fügt hinzu: „Um ehrlich zu sein, wir dachten nicht mehr daran, noch mal ein neues Album aufzunehmen, doch das Publikum bei diesen Shows war einfach phantastisch, und wir erhielten so gute Reaktionen, zum Beispiel beim Keep It True, wo du es selbst erlebt hast, daß wir ein neues Album für eine gute Idee hielten.“

Wenn sich Fachleute streiten … Die einen zählen Quartz zur NWOBHM (so wie der Autor dieser Zeilen), andere sind der Meinung, daß Quartz zu früh waren, um ein Teil dieser wichtigen Bewegung zu sein. Wie seht ihr die Sachlage?

Mick: „Wir haben eigentlich nie darüber nachgedacht, wollten einfach nur raus, um live zu spielen. Man kann uns wohl eher als Heavy Rock anstatt Heavy Metal bezeichnen, zumal wir auch immer auf Melodien Wert gelegt haben. Unser Debütalbum war damals eine neue Entwicklung für uns, zumal es von Tony Iommi produziert wurde. Tony war eine große Hilfe für uns, denn zuvor haben wir nur als Rock/Pop-Band in Clubs gespielt.“
Malcolm geht mehr ins Detail: „Streng genommen waren wir in der Tat etwas zu früh für eine NWOBHM-Band. Wir haben uns von Bandy Legs in Quartz kurz vor den Aufnahmen zur ersten LP umbenannt, und dadurch waren wir für viele eine neue Gruppe. Wir waren eine von wenigen Bands, die während der Punk-Ära weiterhin Rock gespielt haben, während andere um uns herum einfach aufgaben. Es war eine schwierige Zeit, zumindest bis die Presse wieder das große Ganze gesehen hatte.“

Der Titelsong der 1980 erschienenen EP „Satan’s Serenade“ wurde während der letzten 20 Jahre zu dem Quartz-„Signature Song“, obwohl „Mainride Raiders“ vom Debüt auch schon in diese Kerbe schlug. Auf eurem neuen Album sind gleich einige Songs und Parts eher wieder düster, was man auf Alben wie „Stand Up And Fight“ oder „Against All Odds“ kaum finden konnte. Was ist denn für euch aus heutiger Sicht der typische Quartz-Sound?

Mick: „Wir wollten dieses Mal definitiv ein härteres Album machen. Wir hatten über die Jahre viele Veränderungen im Line-up, was sich dann auch auf den Stil ausgewirkt hat. Ich selbst habe damals auch unterschiedliche Sachen gehört, und so wurde ‘Against All Odds’ eben AOR-lastiger. ‘Mainline Riders’ war quasi ein Vorläufer zu Black Sabbaths ‘Heaven And Hell’, und Geoff Nicholls hatte schon immer ein Händchen dafür, solche Stücke zu schreiben. ‘Satan’s Serenade’ war schon immer populär, also würde ich sagen, daß beide Songs Aushängeschilder sind. Das Album ‘Stand Up And Fight’ bekam damals sehr gute Kritiken, und der Titelsong sowie ‘Charlie Snow’ sind auch heute noch populär. Um auf das neue Album zu kommen: Mit der Rückkehr von Geoff kam auch die düstere Seite, wie du es nennst, wieder zurück. Geoff hat einen Freund, der Filmemacher ist, und wir haben ein Stück extra für einen Zombiefilm komponiert, damit er darin vielleicht Verwendung findet.“
Malcolm sieht es ähnlich: „Das neue Album ‘Fear No Evil’ ist ganz klar back to the roots, würde ich sagen. Eigentlich wollten wir mehr experimentieren, aber wegen des geringen Budgets und der fehlenden Möglichkeiten im Studio konnten wir das einfach nicht. Wir sind sehr zufrieden mit dem Klang der Scheibe und den Songs. Nun hoffen wir, daß sich die Wartezeit von über 30 Jahren für unsere Fans auch gelohnt hat.”

Gerade wenn das Budget eher schmal ist, nutzen viele Bands Drumcomputer oder ein getriggertes Schlagzeug. Bei euch höre ich zum Glück nur natürliche Sounds, und man könnte sogar meinen, daß ihr teilweise live eingespielt habt.
Malcolm: „Wir haben das Album in David Garners Homestudio aufgenommen, welches sich in seiner Garage befindet. Es gab viel Lärm auf den Drumkanälen, weil wir gleichzeitig eingespielt haben, also war das größte Problem, die einzelnen Schlagzeugspuren wieder zu reinigen. Später haben wir dann noch ein paar Overdubs in Davids Homestudio gemacht und sind dann ins Yellow Bean Studio in Leicester für den Endmix gegangen.“
 
So lobe ich mir das, alles „echt“, was man der Scheibe auch anhört. Konnten Quartz auf ältere, unveröffentlichte Stücke zurückgreifen, oder war für „Fear No Evil“ alles neu?
Malcolm erklärt: „Es ist ein Mix aus älterem Material, welches wir zum Leben erweckt und danach weiterentwickelt haben. Es paart sich nun mit ganz neuen Songs, die seit unserer Reunion 2012 geschrieben wurden. Das Titelstück kann man als Nachfolger von ‘Satan’s Serenade’ ansehen.“
Mick fügt hinzu: „Die meisten Titel sind neu, allerdings haben wir ‘Walking On Holy Water’ und ‘Born To Rock The Nation’ auf alten Demos gefunden und vor kurzem auf der Compilation ‘Satan’s Serenade Anthology’ als Bonustracks veröffentlicht.”
Text: Andreas „Neudi“ Neuderth

 

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