Candlebox

Zurück zu neuen Ufern

Wer erinnert sich noch an die Band, die anno 1993 mit ihrem selbstbetitelten Album Vierfach-Platin erreichte? Wahrscheinlich nicht mehr so viele von Euch. Candlebox waren in den vergangenen Jahren in der Tat nicht wirklich präsent auf der Bildfläche der Rockmusik. Dies soll und wird sich jetzt aber ändern, denn die Truppe um Sänger und Bandchef Kevin Martin hat ein neues Werk am Start, das auf den interessanten Titel „Disappearing In Airports“ hört. Und das hat es wirklich in sich!! Angesichts dieser spektakulären Veröffentlichung haben wir uns oben genannten Protagonisten vor das Mikro geholt und ihn mit einigen spannenden Fragen gelöchert. Was er zum neuen Album zu sagen hat, warum es lange Zeit so still um die Band war, und ob die Combo endlich mal wieder einen Abstecher auf den alten Kontinent machen wird, lest ihr in den kommenden Zeilen.

Kevin, großartig, daß ihr wieder zurück seid. Laß uns doch gleich mal auf euer neues Album zu sprechen kommen: „Disappearing In Airports“. Was hat es mit diesem doch recht außergewöhnlichen Titel auf sich?
„Der Titel leitet sich aus dem Artwork ab, das das Cover ziert. Es stammt von einem sehr guten Freund von mir, Scott Rivers Fisher. Ich habe ihn während der Aufnahmen zu unserem neuen Album gefragt, ob er sich vorstellen könnte, etwas für uns zu kreieren. Tragischerweise ist Scott während der Aufnahmen verstorben, was uns sehr schockiert hat. Durch die Verwendung seines Kunstwerkes wollen wir ihm noch einmal Tribut zollen. Er war gerade dabei, sich als Künstler einen Namen zu machen, und wir hoffen, daß wir dies mit dem Artwork hinbekommen.“

Es ist ja schon einige Zeit her, seit ihr euer letztes Studioalbum veröffentlicht habt. Was kannst du mir bezüglich der Entstehung von „Disappearing In Airports“ sagen. Wie ging der Schreib- und Aufnahmeprozeß vonstatten?
„Die gesamte Scheibe ist tatsächlich relativ schnell entstanden. Wir wußten, daß uns nur ein limitierter Zeitumfang gegeben ist, sodaß wir uns selbst sehr viel Druck gemacht und die Kreativität bis ins Vollste ausgereizt haben. Zu Beginn hatten wir drei Songs fertig geschrieben, mit denen wir dann ins Studio gegangen sind. Dort haben wir dann die restlichen Tracks verfaßt, was sehr schnell vonstatten ging. Wir haben zwölf Songs innerhalb von 14 Tagen verfaßt. Das ging wirklich unheimlich schnell.“

Im Laufe der Jahre hat sich bei euch auch besetzungstechnisch einiges getan. Lediglich du und Adam sind von der letzten Besetzung übriggeblieben, die das vorherige Werk eingespielt hat. Wie kam es dazu, daß Scott, Sean und Peter nicht mehr Teil von Candlebox sind. Speziell Peter und Scott waren ja seit den Anfangstagen dabei …
„Die beiden wollten eine Pause von Candlebox, um sich auf ihre eigenen Projekte zu konzentrieren. Dies sind beispielsweise Lotus Crush, Apolle Under Fire und Rust On The Rails. Wir waren schon immer eine Band, die die Wünsche der einzelnen Bandmitglieder akzeptiert und respektiert hat, sodaß es für uns klar war, den beiden mit ihrem Vorhaben keine Steine in den Weg zu legen. Scott ist derweil unter anderem mit Geoff Tate unterwegs, während Pete mit seiner Band Lotus Crush durch Europa tourt. Was Sean angeht: Er hat damals eine Gruppe namens Royal Bliss gegründet, als wir unsere Pause eingelegt haben, und sich schlußendlich dazu entschieden, mit denen weiterzumachen.“

Obwohl ihr insbesondere für euer Debüt viel Anerkennung bekommen habt, bin ich gerade von der neuen Platte ausgesprochen beeindruckt. Als ich die Scheibe das erste Mal in meinen Player geschoben habe, war ich sofort hin und weg. Meiner Meinung nach ist „Disappearing In Airports“ ohne Wenn und Aber euer bislang bestes Album. Es fällt auf, daß es frisch und unverbraucht klingt, was hauptsächlich an euren neuen Soundelementen liegt. Dennoch habt ihr es geschafft, eure Trademarks nicht zu vernachlässigen, was man in diversen Songs erkennen kann …
„Das ist korrekt. Es war ein sehr organischer Prozeß, da wir der Entstehung der neuen Songs freien Lauf gelassen haben. Wir haben diese eher zu uns kommen lassen, als daß wir expliziert versucht haben, bestimmte stilistische Stücke zu entwerfen. Wir haben uns selbst nicht limitiert, was dazu geführt hat, daß die Songs auf natürlicher Basis entstanden sind. Des weiteren ist die CD durch diese Methode stilistisch sehr breitgefächert.“

Das ist wahr, vor allem, wenn man den Opener „Only Because Of You“ betrachtet, der doch ein sehr ungewöhnlicher Song ist, um das Album einzuleiten. Warum habt ihr euch dennoch dazu entschieden?
„Genau deshalb! [lacht] Wir wollten damit versuchen, die Aufmerksamkeit des Hörers zu bekommen, der sich ebenso wundert, wie du es getan hast. Er soll sich die Frage stellen: Was ist das eigentlich für eine CD? Was habe ich mir gerade gekauft? Unser Ziel war es, die Leute mit dem Song vertraut zu machen, sodaß sie diesen nicht einfach so überspringen, um den nächsten Track anzuchecken. Deine Frage zeigt mir, daß das anscheinend sehr gut funktioniert.“

„Vexatious“ ist die erste Single auf „Disappering In Airports“ und ein Song, den ihr schon auf den letzten Konzerten live gespielt habet. Was kannst du mir gerade über diesen Track erzählen?
„Es ist ein Song, der sich thematisch um unsere Gesellschaft, die Gesellschaft der sozialen Netzwerke, dreht. Er beschreibt, wie egozentrisch wir geworden sind. Im vergangenen Jahr war ich in Bali. Eines Tages ging ich zum Strand und man konnte einen schönen Sonnenuntergang erkennen. Dann sah ich dieses junge Mädchen, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt. Sie stand direkt vor mir und schoß ein Selfie nach dem anderen, ohne die Umgebung zu beachten. Dieses Szenario hat mich schockiert, sodaß ich mich dazu entschlossen habe, den Song ‘Vexatious’ zu schreiben.“

Mein persönlicher Lieblingssong auf dem Album ist definitiv „Crazy“, ein hochmelodischer und einprägsamer Track mit dem nötigen Hit-Potential. Wie ist diese Nummer entstanden?
„Dieser Track ist ein sehr persönlicher und liegt mir deshalb sehr am Herzen. Er handelt von einer Person, von der du genau weißt, daß sie dich zerstören wird – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Der Drang, diese Person bei dir zu haben, ist unerbittlich. Es ist ein weiterer Song, bei dem ich von meiner Frau Natalie erzähle. As wir uns zum ersten Mal getroffen haben, wußte ich sofort, daß sie es ist. Und jetzt, 14 Jahre später, liebe ich sie immer noch so sehr wie an dem Tag, an dem wir zusammengekommen sind. ‘Crazy’ ist deshalb ein sehr emotionaler und persönlicher Song, mit dem ich mich sehr verbunden fühle.“

Kommen wir nun zu einer etwas kritischen Frage: Eure Alben, allen voran das Debüt, sind sehr gut bei den Fans angekommen. Dennoch scheint sich keiner oder nur ganz wenige Personen an die Band zu erinnern, die seinerzeit so angesehen war. Findest du dafür eine Erklärung?
„Ich denke, daß es daran liegt, daß wir anno 2000 eine Pause von sechs Jahren hingelegt haben und die Band auf Eis war. Wir waren verzweifelt und brauchten erst einmal etwas Abstand, um den ganzen Scheiß herauszufinden. Dies hat unglücklicherweise viel zu lange gedauert, sodaß sich unser Split ausgesprochen lange herzog. Zudem waren wir niemals die Lieblinge der Presse, es wurde über uns also deutlich weniger berichtet, als es bei anderen Truppen der Fall war. Wir waren mehr die Band, die jeder gerne live sehen wollte. Fakt ist, daß sich viele Leute in der Tat nicht mehr an uns zu erinnern scheinen. Wie geht das gute alte Sprichwort doch nochmal gleich? Aus dem Auge, aus dem Sinn. So war es auch bei uns. Aber jetzt sind wir zurück mit ‘Disappearing In Airports’!“
Text: David Hune

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