Peter Knorn

Memoiren eines Siegers!

Mag sein, daß Eloy oder vor allem die Scorpions aus Hannover musikalisch wesentlich erfolgreicher waren als ein gewisser Peter Knorn alias Fargo-Peter mit seiner Band Fargo, die dann später in Victory umbenannt wurde. Aber für mich hat der alte Haudegen sogar einen größeren Stellenwert, wobei natürlich auch persönliche Sachen eine Rolle spielen. Er ist aber definitiv ein Urgestein der deutschen Heavy-Szene, was wohl niemand verleugnen wird, ist auch noch sehr aktiv im Musikbiz, zum Beispiel als Manager von U.F.O. oder Uli Jon Roth, und hat gerade eine köstliche Biographie mit dem Titel „Bis hierhin und so weiter – 20 Jahre Rock ’n’ Roll“ veröffentlicht. Und da ich Victory im Break Out seit mittlerweile fast 27 Jahren betreue, ist das natürlich ein gefundenes Fressen für mich!
Allerdings war ich selbst überrascht über diese Verkündung eines Buches von Peter; da fragt man sich schon, was den Guten dazu getrieben hat, oder ob es einen speziellen Anlaß dafür gab.
„Ein Film wäre zu teuer gewesen!“, lautet da gleich sein knorriger Kommentar an der Strippe!

Hätte aber gepaßt bei dem Drehbuch, gibt es als Konter von mir zurück!
„Vielleicht, ich hatte ja nie den Plan, ein Buch zu schreiben, dafür ist meine Person viel zu unwichtig und zu unbekannt. Und ich komme ja auch nicht aus einer Schriftstellerfamilie. Ich habe mir über die Jahre halt viele Notizen gemacht. Und irgendwann war da ein Grundgerüst da. Und da hat es mich gepackt. Und ich wollte es richtig machen. Da habe ich halt drei Jahre an dem Biest geschraubt.“

Bei dir hat alles Hand und Fuß, alles sehr witzig und kurzweilig geschrieben ... Alles aus eigener Hand, oder gab es noch einen sogenannten „Ghostwriter“?
„Nee, den hätte ich mir gar nicht leisten können! Das alles habe ich selbst geschrieben. Und wie es bei allen Büchern der Fall ist, wurde es noch lektoriert. Hier ein Semikolon anstatt eines Punktes, da noch ein Komma mehr. Oder vollendete Vergangenheit, worüber man im alltäglichen Leben nicht nachdenkt. In der Entstehungsgeschichte, als mir langsam klar wurde, daß es ein Buch werden wird, habe ich dann vieles umstrukturiert und mir ein paar Ziele gesetzt. Zum Beispiel über niemanden schlecht reden. Wortspiele haben mir auch schon immer gefallen. Wenn ich abends vor dem Fernseher lag und mir irgendwelche Ideen durch den Kopf schossen, dann habe ich das auf die Pappummantelungen von den Zigarettenblättchen notiert. Und wenn ich so zwanzig zusammen hatte, habe ich alles aufbereitet. Ist ja nicht so, daß ich auf einer Südseeinsel mit einer Reiseschreibmaschine wie ein klassischer Schriftsteller unterwegs war, um eine Story zu erfinden. Ich habe auf alles zurück geblickt, wie es auch war. Das ist das Schöne daran. Und Selbstironie hat mir schon immer gefallen, und die kann man dabei schön einfließen lassen.“

Eine richtige Sensation ist allerdings die Reunion von Fargo mit den Originalmitgliedern, mit der ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet hätte! „Ein Zufall!“ meint der Meister – und das war es in der Tat, weil verschiedene Faktoren dabei eine Rolle spielten. Meister Knorn hat vor 30 Jahren – geschäftstüchtig, wie er war – mit Freunden einen Proberaum mit Bühne und PA bauen lassen, der dann von namhaften Acts wie Scorpions, Westernhagen, Gianna Nannini, Saga oder Michael Schenker genutzt wurde. Beatbox nannte er ihn. Zwar ist er daran nicht mehr beteiligt, aber das Teil ist gewachsen. Da am 18.07. sein Buch bundesweit veröffentlicht wurde und am 19.07. die 30-Jahre-Feier der Beatbox anstand, hatte jemand eine kluge Idee. Nämlich Fargo spielen zu lassen!
„Oh nee!“ so Peter bei der ersten Anfrage! „Ich stand ja das letzte Mal mit Peter Ladwig vor 37 Jahren auf der Bühne. Und zwischendurch hatten wir ja auch keinen Kontakt!“

Sehr großen Zuspruch fand das Ganze natürlich bei Olly Hahn, ein waschechter Rock ’n’ Roller, der ja auch bei seiner Company SPV Peters Buch veröffentlicht hat!
„Ich habe dann Ladwig angerufen, großes Hallo, und er war auch gleich dabei.“ Und die restlichen Jungs wurden danach einfach rekrutiert, so einfach kann es gehen! „Beim Proben hat mir alles wieder richtig Spaß gemacht. Es war auch das erste Mal, daß ich auf die Songs vorbereitet war; im Gegensatz zu Victory, wo mir Tommy immer alles vorsagen mußte. Mal sehen, wie das weiter geht. Da hängt zwar meine Zukunft nicht davon ab, aber es hat einen Superspaß gemacht!“

Beim Rock Of Ages hat man beim Erscheinen der Ausgabe auch schon gespielt. Und weitere Aktivitäten schließt Peter nicht aus!
„Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sehr gerne! Aber ich werde nicht, als wenn es ums Überleben geht, jeden Club anrufen, ob sie uns haben wollen. Aber wenn uns ein Veranstalter haben will, der sich gern mit harter Rockmusik auseinandersetzt, dann gern. Rockmusik für Taschengeld, wird es abgeholt, wird aufgestellt.“

Zurück zum Buch: Kritik von mir ist natürlich, daß es viel zu kurz ist, trotz der über 280 Seiten!
„Was soll ich sagen? Es war halt das erste Mal, daß ich mehr als vier Seiten geschrieben habe. Ich war ja auch nicht davon überzeugt, daß ich das Goldene Händchen fürs Buchschreiben hätte. Und nicht jeder hat noch die gleiche Art von Humor. In seiner Form empfand ich es dann als rund. Da ich selbst begeisterter Buchleser bin, war ich etwas im Zwiespalt. Soll man eine Geschichte der Geschichte wegen erzählen oder versuchen zu unterhalten? Und ich habe mich für letzteres entschieden, weil meine Geschichte jetzt nicht unbedingt der Wahnsinn ist. Ich war nicht der erste Rockmusiker auf dem Mond, ich habe keinen einflußreichen Politiker erschossen, noch bin ich dem Tod von der Schippe gesprungen, weil ich Heroin genommen habe, was ich übrigens niemals getan habe. Noch ist mein Vater der reichste Mensch auf dieser Welt. Mal anders ausgedrückt: Da kommt eigentlich nur eine Person um die Ecke gebogen, die Rockmusik gemacht hat. Und wenn man das darauf reduziert, ist es nicht leicht zu wissen, ob man ein Thema nicht überstrapaziert. Aber vielen Dank fürs Kompliment!“

Weiter geht es mit Kritik! Du schreibst mit Ausnahme der Geburt deines Sohnes nichts Persönliches über dich in dem Buch, was mich echt überrascht hat. Immerhin handelt es sich ja um eine Biographie ... Da will der Leser schon ein bißchen mehr erfahren.
„Auch das paßt in das Bild! Ich glaube nicht – da kann ich mich auch täuschen – daß es jemanden interessiert, ob ich einen Sohn habe, daß ich keiner Kirche angehöre, welche politische Meinung ich habe, wer meine Eltern sind, was ich für ein Auto fahre, was ich esse oder daß ich rauche und Bier trinke.“

Mit Ausnahme vom Auto hätte mich das alles brennend interessiert!
„Nicht daß ich das nicht gewollt hätte; ich hatte halt das Gefühl, daß dies niemanden interessieren würde“, entschuldigt sich Peter quasi. „Du hast wahrscheinlich sogar recht, denn das haben mir mittlerweile schon mehrere gesagt. Vielleicht liegt es auch daran, daß ich im Gegensatz zu früher – da ich immer eine große Schnauze hatte – mich mehr nach innen gekehrt habe und meiner Person keine große Wichtigkeit beimesse. Vielleicht mache ich das beim nächsten Mal anders.“

Ein Nachschlag wäre sicherlich nicht verkehrt! Bei manchen Kapiteln habe mich echt schlappgelacht, etwa Peters Musterung, seine Kandidatur als Rock ’n’ Roll-Bürgermeister, sein Besuch in Uli Jon Roths Spukschloß ... Aber die Krönung war das Biggi Wolff-Kommando! Um die Bandkasse zu füllen, gab es eine fingierte Kontaktanzeige einer feschen Dame namens Biggi. Und wenn die Verehrer ihr auf dem Leim gingen, dann schickten sie ihr eine Zugfahrtkarte für das freudige Treffen, die dann von Peter gleich in Bares umgewandelt wurde. Sorry, das ist für mich grandios!
„He he, das hat viel Spaß gemacht, das kannst du mir glauben! Nachts bin ich heimlich an den Briefkasten geschlichen, immer mit der Befürchtung, daß ein betrogener Typ nur darauf wartet, daß er von jemandem geleert wird.“

Überraschenderweise endet bei dir die Historie von Victory 1994, was mich verblüfft hat, denn es ging ja mit der Band auch noch danach über lange Zeit weiter. Als „geduldete Lebensberechtigung“ bezeichnest du die Taten danach. Ganz so kraß sehe ich das allerdings nicht.
„Für mich war alles, was danach kam, eine reine Söldnergeschichte. Uns wurde Geld für ein Album geboten. Und dafür haben wir es getan. Ausschließlich des Geldes wegen und um vielleicht noch ein paar Konzerte zu spielen. Noch nicht mal mit der Hoffnung, daß daraus noch etwas werden könnte, denn diesen Weg hatten wir ja bereits hinter uns. Wir wären nicht mehr so einfältig gewesen, noch einmal alles in der Form mehr oder minder auf abgespeckte Weise durchzuziehen. Die Energie hätten wir gar nicht mehr gehabt, ich für mich jedenfalls nicht. Daß es Victory immer noch gibt, mit jemandem, der nicht von Anfang an dabei war, ist für mich eine Farce. Das ist lächerlich. Aber gut, jedem, wie es ihm gefällt. Das gibt mir Recht in der Angelegenheit, daß ich dies alles nicht mehr dazu zähle. Ist wie im Supermarkt: die Flasche Pils dritter Wahl. Will jemand das, weil es billig ist? Oder wie? Der wirkliche Geist, der in Victory in meiner Sicht immer steckte, was wir wollen, der Hunger ... der ist nicht mehr dagewesen, weil man sich auf andere Dinge konzentrierte. Tommy auf sein Studio, ich auf Filme, die ich übersetzt habe. Wir hatten das unheimliche Glück, einen Traum träumen zu dürfen, ohne eine längere Zeit wach gewesen zu sein. Es war ein Tag-und-Nachttraum. Und nach dem Erscheinen von ‘That’s Live’ gab es ein Aufwachen, und ich träumte nicht mehr von Victory. Das ist auch gut so. Man muß auch erkennen, wenn ein Traum vorüber ist.“
Text: Chris Glaub
Pic: SPV

 

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