Eclipse

Träume sind keine Schäume

Diese Ansicht teilen mit Sicherheit auch die schwedischen Eclipse, sonst hätten sich Sänger, Gitarrist, Songwriter und Produzent Erik Mårtensson und Co. wohl kaum anno 2001 der Sorte klassischen Hardrocks verschrieben, die zu jener Zeit allenfalls noch im Untergrund still vor sich hin waberte. Seitdem hat sich einiges geändert, Eclipse stellten 2015 den Eröffnungssong „Runaways“ zur Vorentscheidung des schwedischen Beitrags zum Eurovision Song Contest, und auch sonst machen die Jungs in immer kürzeren Abständen auch albumtechnisch kurzen Prozeß.

Insofern gingen gerade mal zwei Jahre ins Land, bis auf den mit offenen Armen empfangenen Vorgänger „Armageddonize“ (2015) nun ein weiteres heißes Hardrock-Eisen namens „Monumentum“ folgt, welches so ziemlich alle Trademarks der mittlerweile von Hartwurst- wie auch Melodic-Fans gleichermaßen geliebten Gruppe enthält. Ein wahrlich triftiger Grund, mit der omnipräsenten Frontsau Erik (siehe Beiträge zu W.E.T., Ammunition, aktuell Age of Reflection als Produzent) einmal ausführlich über alles Mögliche zu plauschen und bei der Gelegenheit auch den hart erarbeiteten Aufstieg der Combo zu beleuchten.
So sitzt der irgendwie zumindest nicht optisch alternde Erik an diesem Abend in seiner brandneuen Behausung namens Blowout Studios sehr wahrscheinlich im unmetallischen Handwerker-Anzug vor dem Computer, welchen er mir per Skype Video-Cam wohl lieber ersparen möchte, und erholt sich so gerne vom Verwandtschaftsbesuch, der ihn an diesem Wochenende zuhause heimsuchte. Wer Erik näher kennt, weiß, daß er einen ausgeprägten Familiensinn hat, der auch seine Umgebung miteinbezieht. Insofern verwundert es mich nicht, daß sich der Gute nach meinem eigentlichen Beruf erkundigt, in dem ich hauptsächlich Sammelbilder von Fußballern, Star Wars oder anderen angesagten Disney-Helden an die geplagte elterliche Klientel verkaufe. Smart entdeckt er dann sogleich eine verbindende Gemeinsamkeit in unserem Tun: „Rock ’n’ Roll und Kinderspielzeuge sind gleichermaßen kindisch!“
Und halten einen darüber hinaus auch jung – womit auch das Geheimnis des immer frisch aussehenden quirligen Tausendsassas gelüftet wäre.
„Das ist wirklich so! Ich schreibe gerade an ein paar Songs für Michele Luppi, dem neuen Keyboarder bei Whitesnake. Der erzählte mir, daß er selten jemand so herumalbern gesehen hat wie den mittlerweile 66-jährigen David Coverdale. Dieser immer noch kindliche Enthusiasmus, mit dem der Schlangenbezwinger nach all den Jahren ans Werk geht, ist für sein Alter schon erstaunlich.“

Eine Eigenschaft, die man sich auf jeden Fall erhalten sollte! Schließlich finden auch im Eclipse-Publikum ganz unterschiedliche Altersklassen zusammen, die gerne entweder straightem Hardrock oder aber astreinen Melodic-Stadion-Hymnen frönen.
„Rockmusik vereint alle unter einem Dach; das ist das Schöne daran! Als ich noch jünger war, fand ich es immer total geil, daß auch ältere Leute meine Mucke kennen und mögen. Rockbands haben hierdurch auch einen entscheidenden Vorteil gegenüber so manch poppiger Eintagsfliege, denn: Es kommt allein auf deine Musik an. Da ist es egal, wie jung oder attraktiv du bist: Der Fokus liegt allein auf deiner Mucke, was dich schlußendlich auch stilmäßig wesentlich weniger einschränkt, wie man an solch Ikonen wie David Bowie, Mick Jagger oder auch an meinem absoluten Favoriten Chuck Berry unschwer erkennen kann.“

Apropos Kids, wie alt sind denn deine Kinder?
„Acht und zehn.“

Und wie schaut es da aus? Eifert dir schon eins in Sachen Musik nach?
„Beide haben etwas für Rockmucke übrig, schon allein deshalb, weil sie tagtäglich damit konfrontiert werden. Damit stehen sie übrigens bei ihren Klassenkameraden ganz allein auf weiter Flur, die natürlich auf ganz andere Acts abfahren. ‘Ihr und eure komische Rockmucke’ hieß es da oft, was sich aber ins Positive gewandelt hat, seitdem Papa Mårtensson vor der ganzen Nation zur Eurovision Contest-Auswahl musiziert hat. Seitdem sind die beiden in dieser Hinsicht wohl weniger außen vor und gehen mit dem Thema auch sehr natürlich um. Schon deswegen, weil wir vor eineinhalb Jahren von Stockholm aufs Land gezogen sind, wo ich direkt neben unserem Haus mein Studio aufgeschlagen habe, in dem ihnen schon so manche Berühmtheit über den Weg gelaufen ist und das somit quasi zum Alltag gehört. Was ihnen allerdings so langsam dämmert, ist die Tatsache, daß ihr Vater schon einen besonderen Job innehat, der mit einem normalen Beruf mit geregelten Arbeitszeiten wenig zu tun hat, haha!“

Unter anderem sorgt so das ständige Klinkedrücken im Mårtensson’schen Haushalt ganz nebenbei für eine gewisse Unvoreingenommenheit und Offenheit beim Nachwuchs, was dem Hausvorstand angesichts des weltlichen Geschehens sehr am Herzen liegt.
 „Ich habe gerade mit einem Journalisten aus den USA telefoniert und konnte natürlich überhaupt nicht an mich halten, was da gerade mit Herrn Trump abgeht. Aber vielleicht kommt man durch so einen Mann auf den Trichter, wie wichtig es ist, Anstand und Ehrlichkeit in allen Belangen zu wahren, aktiv für Demokratie einzustehen und notfalls auch dafür zu kämpfen, weil sie in Nullkommanichts zusammenbrechen kann, wie die Geschichte des öfteren zeigte. Es ist doch wirklich unglaublich, daß sich überall – egal ob in Frankreich, Dänemark, Schweden oder Deutschland – dieser übertriebene Nationalismus einnistet! Das ist sehr gefährlich“, wird Erik unerwartet politisch.

Da konzentrieren wir uns doch lieber auf den neuen Sillberling „Monumentum“, mit dem Eclipse soundmäßig einen echten Meilenstein ablieferten, der neben allen bewährten Zutaten heuer härter wirkt und damit perfekt zur energetischen Liveshow der Elchtöter paßt. Habt ihr mit „Monumentum“ endlich zu eurem angestammten Sound gefunden?
„Ja und nein“, läßt sich Erik alle Türen offen. „In erster Linie geht es darum, daß wir das machen, worauf wir selbst am meisten stehen; dieses Anliegen ziehen wir spätestens seit ‘Are You Ready To Rock’ [2008] konsequent durch. Davor konnte es schon passieren, daß wir versuchten, wie jemand anderes zu klingen. Doch mit jeder Scheibe merzten wir diesen Umstand mehr und mehr aus. Sind wir doch ehrlich: Es gibt keinen besseren Sänger für Eclipse als mich! Ich klinge nicht nach Paul Stanley, Eric Martin oder wie sie alle heißen mögen: Ich höre mich nach mir an, und keiner kann das besser als ich. Insofern ist es besser, wenn man diesem Fakt hundertprozentig Rechnung trägt, indem man die Art von Songs verfaßt, die wie der berühmte Deckel auf den Topf passen. Wir sind zwar alle mit dem Hardrock alter Schule aufgewachsen und uns deswegen auch des musikalischen Erbes bewußt – schon allein deshalb, weil wir es uns damals bis zum Erbrechen reingezogen haben. Das hält uns aber nicht davon ab, mit unserem Stil unseren eigenen Weg zu beschreiten. Eines gilt doch für alle, egal ob du nun Zimmermann oder Musiker bist: Am Anfang schaust du erst, was andere so fabrizieren, kopierst es oder orientierst dich zumindest daran. Dann fällt dir mit einem Mal auf, daß man dieses oder jenes noch einen Ticken besser machen könnte. Damit entwickelst du deinen ganz eigene Marke. Bei ‘Are You Ready To Rock’ gab es noch viele Anleihen bei Rainbow, Whitesnake etc., die man heraushören konnte. Zieht man sich indes unsere jüngsten Ergüsse rein, tun sich da immer weniger Parallelen auf. Man kann zwar mit unserer Mucke nicht das Rad neu erfinden, jedoch dem Ganzen etwas Eigenes hinzufügen.“

Magnus Hendriksson hat da ja wieder ein paar ganz heiße Gitarrenlicks aus der Hüfte geschossen.
„Ja, er wird immer besser!“, lobt Erik seinen Counterpart.

Trotzdem finden sich auf „Monumentum“ auch ungewöhnliche Elemente, wie zum Beispiel beim Rocker „The Downfall Of Eden“, der anhand seines folkloristisch eingestreuten Mittelparts ungewohnt mystisch an die Highlander-Epen der Britrocker Dare oder Ten erinnert.
„Witzigerweise haben wir uns hier die Gitarrenarbeit geteilt, so daß Magnus für den Mittelpart verantwortlich zeichnet und ich für das Ausgangsriff zuständig war; beide sind zugegebenermaßen etwas gegensätzlich, was uns gerade an der Sache reizte. Warum also nicht beides einsetzen?“

Dann sieht man sich urplötzlich einem echt düsteren, ultra-fetten Schwergewicht namens „Black Rain“ gegenüber.
„So etwas in der Art haben wir schon öfter versucht, kamen aber nie richtig zu Rande und hakten es alsbald als zu langweilig ab. Das ist jetzt das erste Mal, daß alles paßt: Wie der berühmte Arsch auf den Eimer offeriert ‘Black Rain’ nach und nach all die Facetten, die wir uns für ein Heavy-Sahnestück wie dieses immer gewünscht hatten.“

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg scheint bei Eclipse auch darin zu liegen, daß, egal wie hart das Lied daher rockt oder wie aufwühlend das angepackte inhaltliche Eisen ausfällt, – spätestens zum Chorus macht die jeweilige Nummer sperrangelweit die Türen zum Hardrock-Himmel auf und gibt erst recht allen einen positiven Schub nach vorne. Daher die Frage an dich: Liegt dies in deiner Natur begründet; bist du demnach ein positiv denkender Mensch?
„Musikalisch gesehen trifft deine Beschreibung den Nagel auf den Kopf. Persönlich habe ich darüber noch gar nicht so nachgedacht; doch es stimmt schon, ich gehöre nicht zu den Typen, die groß herumjammern. Gibt es ein Problem, muß man es lösen. Egal um was es sich handelt: Negatives Denken macht alles nur noch schlimmer und ist meist die schlechteste Variante. Gilt für alles im Leben, wie ich finde. Geschehen unangenehme Dinge, muß man die so annehmen, wie sie sind, und weitergehen, selbst wenn man an der Situation selbst nichts ändern kann.“

Ich frage natürlich nicht ohne Grund, denn gerade ein Stück wie „The Storm“ (vom Album-Vorgänger „Armageddonize“), in dem Erik den plötzlichen Unfalltod seines Vaters beschreibt, geht musikalisch eingängig ab wie der Teufel. Wie kann man auf Tour Abend für Abend genau dieses Lied singen, ohne das Vorgefallene immer wieder erneut zu durchleben?
„Wenn ich dieses Stück singe, durchlebe ich nicht automatisch jeden Abend das darin Beschriebene. Ich denke aber, daß mir das plötzliche Ableben meines Vaters besonders klar gemacht hat, daß ich einige Dinge in meinem Leben ändern möchte. So sind wir beispielsweise von Stockholm in eine ruhigere Gegend gezogen; kurz gesagt: Sein Tod half mir auch, mich auf die wirklich wichtigen Sachen im Leben zu konzentrieren. All der unnötige Kleinkram, mit dem man sich den lieben langen Tag herumschlägt, ist doch Nonsens im Vergleich zu so etwas. Doch ich gebe zu: Wäre das nicht passiert, wäre sicherlich zunächst einmal alles beim Alten geblieben.“

Ehrlich ist er ja, der Mann. Und das schlägt sich auch in der Auswahl seiner Mitmusiker nieder, zu denen seit 2015 auch Ex-Fatal Smile Drum-Recke Philip Crusner gehört. Welche Kriterien spielten denn generell bei den Auditions eine Rolle?
„Zunächst steht da vor allem das technische Können im Vordergrund, das jemand in die Band bringen muß. Ein gewisses Charisma gehört natürlich auch dazu, ein eigener Ausdruck. Am allermeisten zählt aber die Person selbst; schließlich hockt man speziell auf Tour 24 Stunden am Tag aufeinander, wobei das eigentliche Konzert zur Nebensache verkommt, weil man gut Dreiviertel der Zeit auf Flughäfen, in Tourbussen oder in der Garderobe verbringt und dabei viele Dinge auseinander dividieren muß. Letzten Endes ist eine Band nichts anderes als eine Familie, in der jeder am gleichen Strang ziehen sollte. Ohne diesen wichtigen Aspekt macht für mich alles keinen Sinn.“

Text: Petra Rottmann

 

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