Wer jetzt denkt, daß The Exploited eine Gruppe im Stil der Ramones oder Sex Pistols ist, der liegt völlig daneben. Denn mit jenen Bands haben Watti & Co. in etwa so viel zu tun, wie Pink Floyd mit den Regensburger Domspatzen. Okay, man muß dazu bemerken, daß The Exploited im Gegensatz zu den anderen beiden Vertretern, mehr oder weniger aus der zweiten Punk-Generation stammen. Abgesehen von der im Punk generell einfach gehaltenen Sprache um Themen wie Arbeitslosigkeit, Krieg, die Trostlosigkeit der kapitalistischen Gesellschaft, Korruption, Machtmißbrauch und Faschismus hat sich aber die Musik von einfachen Popmelodien in knallharten Hardcore-Rhythmen gewandelt. Der Exploited Paradesong „Punk's Not Dead“ wurde zu einer Hymne dieser Nachfolge-Szene. Und seit Anfang der Achtziger hat sich nicht viel verändert, oder doch?
“Nein, nicht wirklich, Anarchie gibt’s doch nach wie vor überall auf der Welt. Schau dir nur den Nahen Osten an oder andere Krisengebiete auf dieser Welt. Sogar bei uns in den zivilisierten Ländern gibt es noch etliche Dinge, die von Anarchie dominiert werden und Leute denen Menschenrechte und Privatsphäre egal sind.“
Politisch engagiert war Watti Buchan, der heute 52 Jahre alt ist, schon immer, nicht zuletzt dank seiner mehrjährigen Armeezugehörigkeit in den 70er Jahren. Und der Punk war es denn auch, der ihm maßgebend dabei geholfen hat, seiner Rebellion Ausdruck zu verleihen. The Exploited stiegen 1980 wie Phönix aus der Asche, schlugen ein in die feine, konservative englische Gesellschaft. Wattie Buchan selbst geriet während seiner Karriere immer wieder ins Kreuzfeuer von Kritikern, die ihm das Fördern dumpfer Stereotypen sowie eine faschistische Grundhaltung - bedingt durch die vielen National-Front-Anhänger, die sich vor allem im England der 80er Jahre als Exploited-Fans outeten - vorwarfen. Er selbst hat aber die Gerüchte, er sei rechtsradikal, stets verneint. Trotzdem ist der Frontmann der Exploited bis heute eine in der Punkszene eher umstrittene Person geblieben. Fest steht auf alle Fälle, daß Wattie selbst den Kopf schüttelt über 30 Jahre Exploited.
„Ich kann das selbst fast nicht glauben. Damals als ich die Truppe startete, dachte ich an fünf oder maximal sechs Jahre. Hätte mir da vorher schon jemand gesagt, es würden einmal 30 Jahre, ich hätte denjenigen für verrückt erklärt. Denn mein Lebensstil war auch nicht immer unbedingt der gesündeste. Eine Flasche Whiskey am Tag war normal. Aber mit zunehmenden Alter ändert man natürlich seine Sicht der Dinge, was die eigene Konstitution betrifft, und irgendwann beginnt man dann tatsächlich, bewußter zu leben, vor allem, wenn es einem mal so richtig dreckig gegangen ist wie mir. Aber abgesehen davon ist der Hauptgrund unserer langen Existenz die Tatsache, daß wir in erster Linie das was wir tun, gerne tun und erst in zweiter Linie an die Kohle denken. Es ist uns auch egal, ob wir dem momentanen Zeitgeist der Musik entsprechen oder nicht. Und wir haben uns ein dickes Fell zugelegt, was die Kritik der Medien und anderer Ressourcen betrifft. Vor allem wenn diese Kommentare von Leuten kommen, die uns noch nie live gesehen, sondern nur die Platte gehört haben. Das amüsiert mich am allermeisten, und ich denke mir: fuck you... jetzt erst recht. Aber ich muß auch sagen, als die Sex Pistols Anfang der 90er wieder zusammen kamen und meinten, sie würden das nur wegen der Kohle machen, dann finde ich das auch okay, weil sie das eben ehrlich zugaben und nicht unter Vorspiegelung falscher Tatsachen die große Reunion zelebriert haben“
Text & Pic: Eva Bubek-Louis

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