Yngwie Malmsteen

Der einzige mögliche Weg

 

Das aktuelle Yngwie Malmsteen-Album „Blue Lightning“ ist definitiv Geschmackssache. Ein paar neue Stücke sowie Interpretationen von Evergreens der Marke „Purple Haze“, „Paint It Black“ oder „Demon’s Eye“. Alles eingesungen und eingespielt von dem Schweden mit Wohnort Florida. Diese Arbeitsmethode bringt einige Vorteile, aber auch Nachteile mit sich. Darauf kommen wir noch zu sprechen. Das nach wie vor ungebrochene Selbstbewusstsein des Musikers ist aber auch anno 2019 immer noch geradezu erfrischend. Und so steigen wir sofort mit einem richtigen Knaller in unser Gespräch ein. Dieses fand kurz vor der Monsters Of Rock Cruise statt. Malmsteen ist dabei von den Promotern dieses Jahr dazu verpflichtet worden, einen der beiden Konzerttage in Miami zu headlinen, die quasi als die inoffizielle Eröffnung der Kreuzfahrt fungieren. Und ich ahnte absolut nichts Böses, als ich fragte, mit welcher Band dieser Auftritt bestritten wird.

„Die Leute haben – glaube ich – eine falsche Vorstellung davon, wie ich Musik mache“, holt Malmsteen tief Luft. „Eine richtige Band benötige ich dafür nicht. In Miami werden Musiker mit mir spielen, die gerade verfügbar sind. Sie werden für ihre Arbeit bezahlt und damit hat sich die Sache. Ich brauche keine Band, um meine Musik zu machen. Ich hole mir einfach Begleitmusiker. So war das aber eigentlich schon immer. Ich stand immer im Mittelpunkt und die anderen kamen dazu – und gingen wieder. Wenn diese Menschen das anders sehen oder interpretieren, ist das ihre Sache. Aber es entspricht nicht der Wahrheit. Ein bekannter Schriftsteller würde sich auch kaum jemanden dazu holen, der das nächste Kapitel für ihn schreibt.“

 Nun ja. Stichwort Ghostwriter.

„Klar“, kann der Gitarrist wieder lachen. „Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Ich finde es amüsant, wenn Musiker aus meiner Vergangenheit in Interviews sagen, dass sie gerne wieder Musik mit mir machen würden. Ich muss dann immer grinsen. Wieso sollte ich wieder mit ihnen arbeiten? Möchte ich etwa auch meine Exfrau wiedersehen und etwas mit ihr unternehmen? Die Antwort lautet ganz klar ‘nein’. Diese Menschen hatten in der Vergangenheit etwas mit mir zu tun, aber das ist vorbei. Aber nicht falsch verstehen: Ich wünsche ihnen viel Glück!“

 Eventuell sind deinen Hörer jetzt verwirrt. Sie hielten doch Rising Force sicherlich für eine echte Band.

„Nach außen hin mag das so ausgesehen haben“, grübelt Mr. Fast Finger. „Aber es waren doch immer nur Musiker, die meine Visionen umgesetzt haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vielleicht war das auch ein Fehler meiner damaligen Plattenfirmen oder Managements. Auf jedem meiner Alben hätte immer nur Yngwie Malmsteen draufstehen sollen! Es ist bekannt, dass ich Bands wie AC/DC, Judas Priest, Def Leppard oder Deep Purple liebe. Bei denen hat der Bandgedanke zum großen Teil funktioniert, Bei mir eben nicht“ 

Bei den „Generation Axe“-Tourneen teiltest du dir in den letzten Jahren die Bühne mit Kollegen wie Steve Vai oder Zakk Wylde. Ausgerechnet diese beiden Gitarristen halten es ähnlich wie du. Sie setzten ihre Visionen mit immer neuen Musikern um.

„Interessanter Einwurf“, grübelt der ewige Ferrari-Fan. „Du hast vollkommen recht. Zakk oder Steve würden es vielleicht nicht so deutlich ausdrücken wie ich, aber im Endeffekt steckt auch bei ihnen derselbe Gedanke dahinter. Diese Tourneen haben mir übrigens sehr viel Spaß gemacht. Und sie haben mir sicherlich geholfen, meinen Hörerstamm wieder zu erweitern. Dafür werde ich den Jungs immer dankbar sein. Denn der Punkt ist einfach: Die Leute scheinen vor mir und meinem Selbstbewusstsein Angst zu haben. Und deswegen wollen sie mit mir nicht arbeiten. Oder auf die Bühne gehen. Solche Gedanken gab es bei ‘Generation Axe’ oder vorher bei ‘G3’ niemals.“

 Sicherlich bist du nicht nur bei Fans in den letzten Jahren wieder etwas sichtbarer geworden. Auch eine neue Plattenfirma – zumindest für einige Teile der Welt – ist am Start. Und nicht gerade eine unbedeutende.

„Mascot Records haben sich in den letzten Jahren einen sehr guten Namen gemacht“, sinniert Yngwie. „Und ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam sehr gut arbeiten werden. Einen ersten Vorgeschmack bekam ich bereits vor einigen Wochen in London geliefert. Bis zu vierzehn Stunden am Tag Interviews und Fotosessions. Aber ich habe es genossen. So etwas habe ich zumindest in Europa in den letzten Jahren nicht mehr gemacht.“

 Die Meinungen zu „Blue Lightning“ gehen dabei weit auseinander.

„Ich nehme das alles mit Abstand wahr. Denn im Endeffekt muss das Ergebnis nur mir gefallen. Wenn es dann auch die Leute mögen, ist es ein großer Bonus. Ich habe aber meine Musik noch nie auf einen bestimmten Markt zugeschnitten. Das könnte sogar eine Zeitlang gutgehen. Aber gewiss nicht ewig. Wenn ich so etwas gemacht hätte, wäre ich heute eventuell auch schon komplett in der Versenkung verschwunden. Ich wollte auch kein Blues-Album im Stil von Gary Moore aufnehmen. Es ist meine Art Blues auf ‘Blue Lightning’. Die schon immer in meinem Spiel vorhanden war. Mal mehr, mal weniger deutlich. Ich möchte dabei nicht sagen, dass ich die Songs gecovert habe. Es sind einfach meine Interpretationen von Stücken wie ‘While My Guitar Gently Weeps’. Alles aufgenommen in meinem eigenen Studio. Das ist nach den Aufnahmen auch schon wieder generalüberholt worden. Und ich denke, dass das Album danach wieder sehr viel traditioneller ausfallen wird. Neoklassisch eben. So wie es die Leute von mir wohl erwarten.”

Text: Nikolas Krofta

Pic: Austin Hargrave

 

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