
So manch’ einer hatte schon den Draht zu den dänischen Königsjägern verloren: Fehlende Livepräsenz, das eher experimentierfreudige letzte Album „X“ und auch eine gewisse Fluktuation am Mikro mögen einige Gründe dafür gewesen sein, das Royal Hunt im Sog vieler Genrekombos an Bedeutung verloren. Doch jetzt wird wieder alles gut: Mit Sängerrecke D. C. Cooper zurück an Bord sowie einer mehr als eindeutigen Rückkehr zum beliebten traditionellen RH-Sound auf der aktuellen Scheibe „Show Me How To Live“, dürften Royal Hunt wieder Boden gut machen.
Davon ist auch der anerkannte Perfektionist und Oberjäger André Andersen völlig überzeugt, dem die Warterei auf seinen bisherigen, vielbeschäftigten Frontmann Mark Boals zu viel wurde.
„Ich mache ja viele Dinge nebenher, so daß ich heutzutage kein halbes Jahr mehr Zeit habe, um ein neues Album einzudosen. Dafür bleiben mir maximal zwei Monate. Außerdem hatte ich das Gefühl, daß auch Mark nicht mehr so hinter der Angelegenheit stand, weil seine Songvorschläge einfach nicht das Gelbe vom Ei waren und ich wie gesagt einfach auch nicht ewig daran herumdoktern konnte. Wir beide empfanden wohl das Gleiche – und ließen es sein.“
Angesichts der stilistischen Ausrichtung von „Show Me How To Live“ kommt man sich fast schon wie in einer Zeitmaschine vor, die einen direkt zurück in die glorreichen 90er beamt. Absicht?
„Würde ich so nicht sagen, es war einfach eines dieser magischen Dinge, die passieren und allein durch die erneute Hinzunahme von D. C. Cooper konnte sich eigentlich jeder von uns ausrechnen, was unterm Strich dabei herauskommen würde.“
Steckt dahinter vielleicht nicht auch eine gewisse Verbitterung, daß Royal Hunt heutzutage nicht mehr die erste Geige spielen?
„Nein, so darf man das nicht sehen. Allerlei Bands kommen und gehen; uns gibt es schon seit mehr als 20 Jahren. Am besten kann man das anhand unserer Fans verdeutlichen: Manche davon siehst du jahrelang nicht und dann stehen sie bei irgendeinem Gig wieder auf der Matte. Eine ganz normale Sache!“
Vergeben und vergessen scheinen auch die einstigen Unstimmigkeiten mit Frontmann D. C. Cooper, der 1998 Platz für Artension‘s John West machte. Wird man im fortgeschrittenen Alter gnädiger und weiser?
„Hahah, nettes Statement! Nee, ich hielt es eigentlich schon immer so, daß ich jeden bei Royal Hunt als Familienmitglied ansah und mit der Famile bricht man nicht – selbst wenn man sich mal zoffen sollte. Ich komme mit allen noch gut aus. Respekt ist da ein gutes Schlüsselwort; ich achte die Leute für das was sie tun, solange sie sich im Umkehrschluß genauso mir gegenüber verhalten.“
Doch was genau hat dich bewegt, nach all den Jahren wieder mit D.C. zusammenzuarbeiten?
„Ach, mit diesen ganzen sozialen Netzwerken wie Facebook und Konsorten ist es doch ein Leichtes, mit vielen Leuten Kontakt zu halten. Besonders Allan, unser Drummer, quatscht gern über Facebook und unterhielt sich dann und wann mit D.C. über Gott und die Welt und natürlich kam das Thema Royal Hunt in diesen Gesprächen auf. Irgendwann kam er dann auf mich zu und meinte: ’Warum sprichst du nicht einmal mit D.C.?‘ Tja, warum auch nicht, ich empfand ihm gegenüber weder Feindseligkeit noch Verbitterung. So skypten wir ein paar Mal, einfach so – erst ohne großen Hintergedanken. Klare Sache, daß wir uns dabei wieder annäherten und da D.C., der in den letzten Jahren nur bei Silent Force in Erscheinung trat, wieder Interesse an Royal Hunt zeigte... Trotzdem konnte und wollte ich nicht sofort auf diesen Zug aufspringen, schließlich ist es schon eine ganze Weile her, seitdem er bei uns sang; insofern war ich mir nicht sicher, ob es funktionieren würde. Stattdessen schlug ich vor, erst mal ein paar Shows zusammen zu absolvieren und dann schaut man mal…“
Text: Petra Rottmann
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